Weiter zum Inhalt

YouTube ändert Nachrichten-Anzeige Verlässliche Quellen vor rechten Blogs

Wer nach den Demonstrationen in Chemnitz Informationen dazu auf YouTube suchte, stieß als erstes auf spekulative „Alternativmedien“ und rechtsextreme V-logger (BTN berichtete). Nun will YouTube die Arbeit „zuverlässiger journalistischer Organisationen“ besser zugänglich machen.

 
Change Story: Wer heute "Chemnitz" eingibt in der YouTube-Suche, bekommt journalistisch aufbereitete Nachrichten-Beiträge. Vor zwei Wochen sah das noch anders aus. (Quelle: Screenshot YouTube, 14.09.2018)

 

 

Was in den USA mit der „Google News Initiative“ bereits im März diesen Jahres begann, ist seit letzter Woche auch in Deutschland eingeführt: YouTube will nun auch in Deutschland Nachrichten in Online-Videos von journalistischen Anbietern unterstützen und damit mehr Menschen ermöglichen, diese Nachrichten zu finden.

Denn wenn Nutzer*innen auf YouTube nach Themen suchen, bestimmen in der Regel Algorithmen, basierend auf allgemeinen Zugriffszahlen und dem eigenen  bisherigen Nutzungsverhalten und den eigenen, abonnierten Kanälen, was angezeigt oder empfohlen wird. Und das können bei aktuellen Nachrichtenlagen, zu denen ein User bisher nichts gesucht hat, dann auch vermehrt oder gar ausschließlich reichweitenstarke Rechtsaußen-Kanäle sein. Belltower.News hat das am Beispiel von Chemnitz gezeigt. Denn Rechtsaußen-Kanäle sind oft schneller als seriöse Medien – kein Wunder, denn sie scheren sich ja auch nicht um Recherchen, Verifizierungen und Fakten, sondern verbreiten ideologische Propaganda aus Gerüchten, Mutmaßungen und bewussten Falschinformationen (vgl. New York Times).

Diese Informationslage soll nun die „Google News Initiative“ verbessern. Damit Nutzer*innen sich möglichst gutes Bild über eine Nachrichtenlage machen können, zeigt YouTube eine breite Menge an Quellen. Doch als journalistische zuverlässig eingestufte Quellen sollen dabei bevorzugt angeboten werden. Sie erscheinen also zuerst sowohl in der Suche auf YouTube als auch bei den Empfehlungen weiterer Videos am Ende eines Beitrags. Grundlage der zuverlässigen Quellen sind die Einschätzung zu Quellen, die auch dem Angebot „Google News“ zugrunde liegen, sowie Befragungen von Expert*innen und Nutzer*innen.

Das heißt auch: die weniger verlässlichen Quellen bleiben trotzdem online, denn Google will sie nicht sperren, wenn sie nicht gegen Nutzungsstandards und Gesetze verstoßen. Aber sie sind weniger leicht zu finden. Nutzer*innen können diesen Prozess übrigens auch unterstützen: Wer etwa Videos, die Falschmeldungen enthalten, deshalb bei YouTube meldet oder weniger gut bewertet, gibt damit ein wichtiges Feedback, das gehört wird.

Mit der Bevorzugung verlässlicher Quellen will YouTube der Entwicklung entgegentreten, dass Nutzer*innen bisher leicht in eine Blase aus Lügen und Verschwörungen geraten, wenn sie ein Video dieser Art angesehen haben und dann nur noch ähnliche Videos empfohlen bekommen. Laut einem Bericht der „Welt“ sind die Tests in den USA dazu „ermutigend“ ausgegangen. Im Fall der YouTube-Suchen nach „Chemnitz“ zeigt sich tatsächlich ein Effekt: Wo am 01.09.2018 noch RT Deutsch und rechtsextreme Video-Blogger wie Chris Ares, Martin Sellner und Hagen Grell dominierten, finden sich jetzt als „Top News“ auf der ersten Bildschirmseite der Suche Beiträge von „Welt“,  „Bild“, „Tagesschau“, „FAZ“ und „Spiegel TV“.

 

Mehr auf Belltower.News:

Online-Mobilisierung für Chemnitz: Bewegtbild-Hetze sorgt für Reichweite

 

Belltower.News macht gemeinnützigen Journalismus, denn wir klären auf und machen das Wissen von Expert*innen zu Antisemitismus, Rassismus und
Rechtsextremismus und allen anderen Themen der Amadeu Antonio Stiftung für alle zugänglich.
Unsere Reportagen, Recherchen und Hintergründe sind immer frei verfügbar und verschwinden nie hinter einer Paywall. Dafür brauchen wir aber auch deine Hilfe.
Bitte unterstütze unseren Journalismus, du hilfst damit der digitalen Zivilgesellschaft!

Weiterlesen

2014-09-17-hand

Monitoring Der Gaza-Konflikt auf Facebook

Im Juli 2014 kommt es zur  erneuten Eskalation des Gaza-Konfliktes zwischen Israel und militanten Palästinenserorganisationen.  Auch auf Facebook wird der…

Von
2020-01-08-fb-afd-russlandd

Online-Lebenswelten als Orte der Radikalisierung Russischsprachige Diaspora

Die russischsprachige Community in Deutschland ist sehr vielfältig. Sie besteht aus den Menschen, die aus verschiedenen Gründen zu unterschiedlichen Zeiten…

Von
Social Media Telegram Whatsapp

Whatsapp & Telegram Dark Social ist auch Trend bei Rechtsextremen

Viele Menschen sind der digitalen Öffentlichkeit auf Facebook, Twitter und Co. überdrüssig. Wenn auch der Arbeitgeber, deine Mutter oder alte Schulfreunde mitlesen, fühlen sich manche gehemmt und suchen neue Kanäle. Der Trend geht zu Dark Social – also halb- oder nichtöffentlicher Kommunikation über Messengerdienste wie Whatsapp und Telegram. Was Rechtsextreme dann dort tun, analysiert Miro Dittrich vom Monitoring-Projekt „De:hate“ der Amadeu Antonio Stiftung.

Von

Schlagen Sie Wissenswertes in unserem Lexikon nach.