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Achse OstWest Deutsch-Pakistaner hetzt auf YouTube gegen Migranten und den Islam

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Feroz Khan hetzt ziemlich erfolgreich auf YouTube gegen Migrant*innen und den Islam. (Quelle: Screenshot Youtube)

Im November 2016 wurde im WDR die Sendung „Ihre Meinung“ ausgestrahlt. Es ging um die Frage, ob Geflüchtete nach den Vorkommnissen in der Kölner Silvesternacht 2015/16 in Deutschland noch willkommen seien. Im Laufe der Sendung geht die Moderatorin Bettina Böttinger spontan auf einen Studiogast zu, weil sie vermutet, dass er, „einen Migrationshintergrund“ habe. Der Gast stellt sich daraufhin als Feroz Khan aus Dresden vor. Die Moderatorin und das Publikum bricht in Gelächter aus. Khan setzt noch einen drauf und sagt: „Ich bin ursprünglich aus Frankfurt, aber ich lebe seit einem Jahr in Dresden.“ Bevor Khan richtig loslegen kann, hakt Böttinger noch einmal nach und fragt, aus welchem Land seine Eltern kommen. Die Eltern kämen aus Pakistan, so der junge Mann mit den dunklen kurzgeschorenen Haaren. 

Was dann vom Studiogast kommt, ist für viele unerwartet: Feroz Khan kann die Menschen allgemein in Deutschland und in Dresden im Speziellen gut verstehen. „Ich kann ihnen keinen Vorwurf im Alltag machen, dass sie mir vermeintlich Ablehnung entgegenbringen“, so Khan. Es sei kein Wunder, dass es zu dieser Angst der Deutschen komme, wenn der Staat derart nachsichtig mit Straftätern umgehen würde. Er meint damit die sogenannte „Wilkommenspolitik“ der damaligen Bundesregierung. 

Ein Mann mit Migrationshintergrund, der derweil offen Rassismus verbreitet: Willkommenes Futter für Islamfeinde und Rassist*innen. Das Video wird entsprechend auf den jeweiligen rechten Kanälen geteilt und Khan wird ein Star der rechten Szene. Kurze Zeit nach seinem TV-Auftritt beschloss Khan offenbar, selbst Fernsehen zu machen und eröffnete seinen YouTube-Kanal „achse: ostwest“ am 1. Dezember 2016. Seine Hauptthemen: Islamfeindlichkeit (er meint beispielsweise es sei eine „Islamisierung“ im Gange), Rassismus (Araber*innen würden die gefährlichste Gruppe darstellen) und die übliche Hetze gegen Linke. Das mag merkwürdig anmuten, angesichts seiner eigenen Migrationsgeschichte und eigenen Rassismus-Erfahrungen, selten ist dieses Phänomen allerdings nicht. Khan behauptet zwar immer wieder aufs Neue, das es ihm nur um die Wahrheit gehe und er auf seinem Kanal ausgewogen und neutral berichte. Davon ist er allerdings weit entfernt. Vielmehr liefert er Inhalte gezielt für die rassistische Wutbürger-Blase. Er befeuert die Mär, der generell kriminellen Geflüchteten, die „andauern Morde“ begehen würden. Rassismus gegen Araber gebe es nicht und sei lediglich positiv, nur dann also wenn der die Deutschen zu nachlässig mit arabischen Straftätern umgehen.

Seit Beginn seiner YouTube-Laufbahn hat Feroz Khan eine beeindruckende Karriere in der extrem rechten Medien-Community hingelegt. Mittlerweile erzeugt er in Deutschland im Bereich News & Politics auf Youtube hinter dem Satiriker Martin Sonneborn (Die Partei) die meisten Reaktionen bei den User*innen. Bei den Videos in dieser Kategorie, die am häufigsten angesehen werden, erreicht er Platz 5 (Stand März 2020). Neben seinem YouTube-Kanal betreibt Khan noch eine Telegram-Gruppe. Auch hier verbreitet er seine Hetze, bewirbt seine eigenen Videos empfiehlt aber auch weitere rechte Kanäle. Mittlerweile hat der Kanal über 10.000 Follower*innen. 

Offenbar funktioniert Rassismus, verbreitet von Migrant*innen und Islamfeindlichkeit, ausgesprochen von einem Ex-Muslim ziemlich gut für die Wutbürger-Blase. 

Das erfolgreiche Spiel mit der Angst

Es spricht beispielsweise davon, dass es nach 2015 „kam wie es kommen musste“, nämlich zu „massenhaften sexuellen Übergriffe auf Frauen seitens der neuen Gäste.“ Er thematisiert Gewalttaten von Geflüchteten und impliziert damit, dass es in Deutschland durch ihren Zuzug ab 2014 deutlich unsicherer geworden sei. Feroz Khan befeuert mit seinem Kanal „achse: ostwest“ das Spiel mit der Angst. Denn keine menschliche Emotion lässt sich stärker ausschlachten als Furcht. 

Das Spiel mit der Angst hat sich für die extreme Rechte als äußerst erfolgreich herausgestellt. Wenn irrationale Ängste geschürt werden, handeln Menschen nicht mehr rational. Im Gehirn ist der Panik-Modus aktiviert. Es geht nun darum zu überleben. Die Argumente der Populist*innen können noch so abstrus oder schwurbelig sein, die Anhängerschaft glaubt es ihnen. Rationales Denken ist im Panik-Modus nicht mehr möglich. Und deswegen funktioniert das Verbreiten von Nachrichten, die Angst auslösen so gut.    

Auch Migrant*innen können Rassismus verbreiten

In Khan hat die extreme Rechte nun einen willkommenen Propagandisten gefunden. Wenn selbst Khan als Mann, als PoC, Ex-Muslim und Migrant behauptet, Deutschland stehe kurz vor dem Abgrund, weil hier eine „Islamisierung“ im Gange sei und weil Migranten besonders gewalttätig seien, müsste das ja wahr sein, so die Annahme. 

Dass sich Menschen mit Migrationsgeschichte von autoritären Ideen angesprochen fühlen und selber ausgrenzen ist keine Seltenheit. Vor allem Migrant*innen aus der ersten Einwanderungsgeneration wenden sich relativ häufig gegen neue Zuwanderer*innen und gegen Geflüchtete, weil sie für sich selbst Etabliertenvorrechte fordern. Sie sprechen sich vor allem gegen Armutsmigration aus und wollen eine stärkere Begrenzung von Zuwanderung und Asyl. Damit einher gehen meist wirtschaftschauvinistische Nützlichkeitsargumentationen, etwa, man selbst habe sich genügsam und fleißig, viel in Deutschland erarbeitet, die neuen Zuwanderer*innen oder Geflüchteten wären dagegen faul und nicht dazu bereit. Auch beliebt sind in einigen migrantischen Communitys Erzählungen von der extremen Kriminalität der „neuen Ausländer“. Grund dafür könnte  Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt sein, weil mit vielen Geflüchteten auch billige neue Arbeitskräfte gerade im Niedriglohnsektor ins Land kommen, Angst vor Verdrängung von denen, die selbst wenig Ressourcen habe. Aber auch Angst, etwa für die angeblich steigende Straßenkriminalität als Mensch mit Migrationsgeschichte in gesellschaftliche „Mithaftung“ genommen zu werden. 

Ein nicht seltenes paradoxes Phänomen

Viele Einwanderer*innen sind unter großem Einsatz von Ressourcen nach Deutschland gekommen. Sie fühlen sich deshalb teilweise stolzer auf Deutschland als es hier gebürtige Deutsche tun. Vielleicht ist das auch eine Erklärung für die Radikalität von Khan. In einem Interview mit dem rechts-alternativen Islamfeindlichen Flog „Philosophia Perennis“ von 2018 gab Khan als Motivation für seine Umtriebigkeit auf YouTube an, Deutschland etwas zurückgeben zu wollen, da das Land seinen Eltern damals Zuflucht gewährt hatte. Nun möchte er sich revanchieren und „dieses Volk vor Gefahren nach besten Kräften zu schützen“. Khans Vater kam Ende der 70er Jahre nach Deutschland, seine Mutter wenig später. Als Angehörige der verfolgten Glaubensgemeinschaft Ahmadiyya, einer Randgruppe des Islam, flohen sie damals aus Pakistan. Als Kind von Geflüchteten gehört Khan damit eigentlich zu jener Gruppe, gegen die die rechtsradikale AfD am stärksten hetzt. Und dennoch, ist der YouTuber AfD-Wähler, wie er selbst sagt.  

Die Befürchtung Khans, in „Mithaftung“ wegen krimineller Flüchtlinge genommen zu werden ist vielleicht ein Aspekt für sein rassistisches Engagement. Ein anderes ist sicherlich sein Erfolg – und den hat er zweifelsohne. Sein YouTube-Kanal hat 94.600 Abonnenten und seine Videos wurden insgesamt über 5,6 Millionen Mal abgerufen (Stand März 2020).

achse:ostwest zu Gast bei der AfD

achse:ostwest ist zu einer relevanten Stimme im rechten Diskurs geworden. Das hat auch die rechtsradikale AfD mitbekommen. Im Mai 2019 wurde der studierte Bahningenieur von der AfD zur „Konferenz der freien Medien“ in den Bundestag eingeladen. Ein Ritterschlag für Khan. An diesem Tag versammelte sich die geballte extrem rechte Medienlandschaft Deutschlands im Regierungsviertel. Mit dabei: Compact, Philosophia Perennis, PINews, Opposition 24, Deutschland Kurier, Die Unbestechlichen, kla.tv, Okzident Media, Arcadimagazin, Ein Prozent und unter anderem die YouTuber Hyperion, Oliver Flesch und Miró Wolfsfeld von UNBLOGD.

V.r.n.l.: Milo Yiannopoulos, Ralf Höcker, David Berger, Feroz Khan auf der „Konferenz der freien Medien“

Seit Beginn des Jahres hat Khan neben Rassismus und Islamfeindlichkeit ein weiteres Themenfeld für sich erschlossen: Hetze gegen Medien, im speziellen gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Ausschlaggebend war hierfür das sogenannte #OmaGate. Eine von extrem rechten Akteur*innen inszenierte Shitstorm-Kampagne gegen den WDR und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk als Ganzem.  

Kampagne gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk 

Den Traum von der Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks träumen Rechtsextreme, Verschwörungsideologen, „Demokratiekritiker*innen“ und andere, die ihre Meinung dort nicht repräsentiert sehen, schon seit langer Zeit. So gibt es zum Zeitpunkt als #Omagate ausbricht, bereits ein ausgewähltes Netzwerk an aktuellen Online-Initiativen, die Anleitungen zur Verfügung stellen, wie Menschen den Beitragsservice boykottieren, stören oder wenigstens ärgern sollen – und sie werden im Zuge von #Omagate auf allen nur denkbaren Kanälen beworben. Einer von ihnen ist der Kanal von Khan, achse:ostwest. 

Khan im Gespräch mit einem Neonazi und Rassenideologen 

Khan, 1990 in Frankfurt am Main, behauptet zwar immer wieder aufs Neue, das es ihm nur um die Wahrheit gehe und er auf seinem Kanal ausgewogen und neutral berichte. Davon ist er allerdings weit entfernt. Vielmehr liefert er Inhalte gezielt für die rassistische Wutbürger-Blase. Und wie es sich in der YouTube-Szene gehört, ist Khan auch öfter Mal zu Gast in anderen rechten YouTube-Formaten. So werden die Kanäle einem noch größeren Publikum bekannt. Khan war bereits in dem „News“-Format „Freie Welt TV“ der AfD-Bundestagsabgeordneten Beatrix von Storch zu Gast, in einem Stream mit dem extrem rechten YouTuber Hagen Grell und auch in einer Folge „Multikulti trifft Nationalismus“ mit dem Neonazi Frank Kraemer. Kraemer ist Gitarrist der Rechtsrock-Band „Stahlgewitter“ und seit Jahrzehnten engagierter Neonazi-Kader. Auch er betreibt mittlerweile einen eigenen YouTube-Kanal. In seinen Videos zeigt sich schnell die eindeutig rechtsextreme Ausrichtung. Unter anderem propagiert er in seinen Videos einen ethnisch homogenen „Ethnostaat”, der darauf fußt, verschiedenen Ethnien bestimmte Charakteristiken zuzuordnen. Im Grunde handelt es sich hier um ein Rebranding des Slogans „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus!“.    

In dem Video mit Khan und einem weiteren schwarzen YouTuber erklärt Kraemer den Unterschied zwischen Weißen, Arabern und Afrikanern, so wie er ihn sieht: Wenn man über „die Rassenfrage“  rede, müsse man auch die Biologie und die Genetik mit hinzu ziehen, „die Vererbungsgeschichten“, da Rassen ja keine sozialen Konstrukte seien. Kraemer ist im Übrigens der Überzeugung, dass schwarze Menschen dümmer seien als weiße. 

Aus welchen Gründen Feroz Khan hier und in anderen Formaten als willfähriger Gehilfe eines extrem rechten Kaders auftritt, ob aus politischer Überzeugung, Naivität oder dem Streben nach Klickzahlen, bleibt Spekulation. Mittlerweile ist Khan mit seinem eigenen Channel jedoch so erfolgreich, dass er nicht mehr auf die Hilfe von waschechten Neonazis zurückgreifen muss. Sein Konzept, ein Migrant und Ex-Muslim der den Islam verunglimpft, ist eine willkommene Stimme in der extrem rechten Propaganda. 

 

 


 

Anmerkung: Der Text wurde um einige Beispiele ergänzt. 

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