Weiter zum Inhalt Skip to table of contents

Mehr Abkürzungen für wirre Demokratiefeinde EnDgAmE und Pegada

Von|
Klingt wie ein Scherz, ist es leider nicht: Pegada hat nun den "wahren Feind" ausgemacht, den Pegida - aus Pegada-Sicht übrigens staatlich gelenkt - übersieht: Amerika. Die Idee dazu stammt von Menschen aus dem "Friedensmahnwachen"-Umfeld - mit guten Kontakten zu Naziszene, HoGeSa und Verschwörungstheoretikern. (Quelle: Screenshot Facebook)

In der Welt der Verschwörungstheorien ist es wild und gefährlich, aber immerhin weiß der überzeugte Anhänger, wo „die Bösen“ zu finden sind: Das sind nämlich mitnichten „die Islamisten“, gegen die „Pegida“, die „Patriotischen Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes“ auf die Straße gehen, sondern vielmehr Amerika – beziehungsweise, klar, die „Amerikanisierung“. Wer also der Meinung ist, dass Amerika an allem Schuld ist – auch am IS, dem „Charlie Hebdo“-Attentat oder sogar Pegida – der ist im Kreise der „EnDgAmE“-Veranstaltung von „Pegada“ („Patriotische Europäer gegen Amerikanisierung des Abendlandes“) richtig. 

Screenshot der Facebook-Veranstaltung zu „EnDgAmE“

„EnDgAmE“ („Engagierten Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas“, Facebook-Seite mit rund 2.200 Fans) benennt als Ziele, dass sie „gegen die Amerikanisierung Europas, gegen Folter, Drohnenmorde, Totalüberwachung, US-Vorherrschaft und US-Propaganda“ sind. Dahinter steht eine Gruppierung, die sich bisher auch nur im Internet betrachten lässt, nämlich „Pegada“ („Patriotischen Europäer gegen Islamisierung des Abendlandes“): Die haben über 22.000 Fans, wehren sich „gegen die Machenschaften der Politamerikaner, der transatlantischen Kriegstreiber und Besatzer Deutschlands!!! Gegen die politische, wirtschaftliche, militärische und gesellschaftliche Bevormundung. Gegen die Untergrabung oder gar Abschaffung und den Austausch abendländischer Traditionen durch amerikanische Rieten, Feste und Feiern.“ Und das soll alles ganz ohne Rassismus vonstatten gehen: „Wer sich pauschalisierend gegen Menschengruppen, Religionen oder Volksgruppen positioniert ist EINDEUTIG falsch bei uns!“ Sicherheitshalber distanzieren sich die Macher allerdings sofort im Impressum von allen Kommentaren auf der Seite. Man kennt wohl seine Fans. Antisemitismus, der in dieser Szene mit Antiamerikanismus fast immer Hand in Hand geht, ist nicht ohne Grund nicht explizit genannt. Ein 16-Punkte-Programm hat „Pegada“ auch schon. Auf der „Pegada“-Internetseite wird die Entstehung erklärt: “ PEGADA entstand am 23.12.2014 durch eine Idee und Initiative eines Einzelnen normalen Bürgers, der einfach erkannt hat, dass nicht die Islamisierung sondern die allvorherrschende Amerikanisierung das Problem in unserer Zeit und unserem Land ist.“ Sicher.

Wie entsprechende verschwörungstheoretisch-antiamerikanische „Argumentationen“ funktionieren, lässt sich übrigens am besten auf der größten deutschen „Anonymous“-Seite verfolgen, die von neurechten Kräften gekapert wurde, um ihre Sicht der Welt zu verbreiten und seitdem besonders vom Querfront-Spektrum frequentiert wird. Erschreckenderweise hat sie auf Facebook immer noch über 670.000 Fans, obwohl dort etwa aktuell offen über Geschichtsfälschung und Denkverbote schwadroniert wird, sinkende Absatzzahlen der auch so benannten „Lügenpresse“ bejubelt und der Auftritt des Querfront-Rechten Jürgen Elsässers bei der „Legida“-Demonstration heute Abend beworben wird. Hier wurde etwa auch erklärt, warum „Pegida“ eigentlich von den USA gelenkt ist: Lutz Bachmann habe einen amerikanischen Pass, ein antiamerikanisches Plakat wurde nicht auf die Bühne gelassen und CNN bekam ein Interview. Alles klar? Manchen Menschen offenbar schon (mehr zu den Verschwörungstheorien etwa zu Charlie Hebdo berichtet das Vice-Magazin). Natürlich wird hier auch „Pegada“ beziehungsweise „EnDgAmE“ beworben.

Screenshot eines Postings einer Admin aus einer „Pegada“-Facebook-Gruppe,der erklärt, wie die imaginierte „staatliche Lenkung“ von „Pegida“ funktioniert.

Wer sich nun argumentativ schon an die zahlreichen „Friedensmahnwachen“ erinnert gefühlt hat, die seit Anfang 2014 deutsche Innenstädte mit Verschwörungstheorien, Antiamerikanismus und Antisemitismus vom rechten bis zum linken Spektrum überziehen, irrt nicht. Es handelt sich beim Organisatoren-Kreis um Menschen aus Kreisen der Erfurter Montagmahnwache, wie Mobit e.V., die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus in Thüringen, in einer Pressemitteilung erklärt. Einer der Aktivisten hinter „EnDgAmE“ und „Pegada“ ist Stephane Simon, in Leipzig lebender Franzose und nach eigenen Angaben „ehemaliger Bundespolizist“, der bereits seit 2013 die rechte Leipziger Anti-Moscheebau-Initiatve „Gohlis sagt nein“ vertrat, danach als Redner auf Montagsdemonstrationen in Sachsen aktiv  war und zuletzt am 22.12.2014 bei „Pegida“ in Dresden auf der Bühne – mit einer hasserfüllten Tirade gegen Politik, Medien und linke Aktivisten, die ihm sogar in „Pegida“-Kreisen ein Sprechverbot eingehandelt haben soll.

„EnDgAmE“ auf der Straße: Samstag in Erfurt

Wer nun vielleicht meint, solcher Blödsinn könne nur im Internet funktionieren: „EnDgAmE“ will am Samstag in Erfurt auf die Straße gehen. Eine Demonstration durch die Innenstadt ist ab 14 Uhr angemeldet – und sie wird auch schon fleißig beworben: Und zwar von von militanten Hooligan-Kreise der „Hogesa“ und  Neonazis aus Thüringen. Unter dem Motto „Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas“ sind mehrere Redner angekündigt – eben Stephane Simon – explizist angekündigt als „unzensiert“ -, der Erfurter Montagsmahnwachen-Aktivist Konstantin Stößel und Viktor Seibel, der laut „tlz“ im Dezember zur „Kagida“-Kundgebung in Kassel über „die deutsche nationale Problematik“ eine Rede gehalten hat. 15.000 Menschen haben die Organisatoren über Facebook eingeladen – zugesagt haben auch schon erstaunliche 1.000 Menschen.

Das gefällt: Neonazis

Beworben wird die Veranstaltung allerdings auch nicht nur durch die neurechts-verschwörungstheoretische Anonymous-Seite. Laut Mobit mobilisieren mittlerweile auch Funktionäre der Thüringer Neonazi-Szene intern zu der Veranstaltung. Die Neonazis planen ihr Treffen bereits 13.00 Uhr in Erfurt am kommenden Samstag und wollen dann gemeinsam zur Demonstration anreisen. „Offenbar versammeln sich am Samstag – motiviert durch „Pegida“ und Demonstrationen – auch in Erfurt zahlreiche Hooligans, Neonazis und Mahnwachen-Kreise in Erfurt. Dies ist eine gefährliche Mischung und aus unserer Sicht unberechenbar“, sagt Stefan Heerdegen von der Mobilen Beratung in Thüringen (MOBIT). „Die Mobile Beratung beobachtet diese Veranstaltung mit Sorge, da von ihr eine erhebliches Gefährdungspotential für andere Menschen ausgehen könnte“, so Heerdegen weiter.

Das gefällt: HoGeSa

Die Pegada-EnDgAmE-Aktivitäten gefallen inzwischen auch den Hooligans der „HoGeSa“ (Hooligans gegen Salafisten). Auf deren Internetseite ist nun nämlich „Die Wahrheit“ über Pegdia veröffentlicht, und im Zuge dieser Wahrheit – dass Pegida ein staatliches Ablenkungsmanöver ist, kurz gesagt – wird auch die „EnDgAme“-Demonstration beworben: „Desweiteren beschäftigt sie sich nicht direkt mit dem Thema Salafismus, allerdings wissen wir, dass Gruppen wie der Islamische Staat durch die USA aufgebaut und unterstützt wurden und werden. EnDgAmE ist GEGEN die Amerikanisierung und somit auch indirekt GEGEN den Salafismus. Da wir, wie gesagt, wissen, dass der Salafismus durch die Politik und Wirtschaftlobbys gesteuert und unterstützt wird und die Regierung uns frewillig keine Hilfe anbietet, helfen wir uns selber.“ (Fehler im Original). Falls sie sich übrigens schon mal gefragt haben, warum die Politik eigentlich nie den besorgten Bürgern der „HoGeSa“ den Dialog angeboten hat: „Aus Insiderkreisen der Medien haben wir erfahren, dass die Regierung Angst vor der HoGeSa hat, da sie uns nicht steuern kann. (…) Die Regierung weiß, dass wir uns nicht einschüchtern lassen und standhaft bleiben.“ Wissen wir Bescheid.

 

Wer mehr zu „Pegada“ wissen möchte:

Auf Facebook gibt es auch eine „Pegada-Watch„-Seite, die weitere Ausfälle auflistet

 

Ergänzung 26.01.2015

Erstmals demonstriert am 24.01.2015 in Erfurt die Abspaltung „Pegada“ (Patriotische Europäer gegen Amerikanisierung des Abendlandes) unter dem Titel „EnDgAmE“. 1.000 Teilnehmer_innen, hartes Neonazi-, Reichsbürger- und Verschwörungstheoretiker-Spektrum, aggressive Stimmung. 600 Gegendemonstrant_innen blockierten die ursprüngliche Strecke und versuchten dann, auch die Ausweichroute zu blockieren. Dabei kam es fast zu einer Massenschlägerei. Die Polizei gab an, nicht auseinanderhalten zu können, wer zu welcher Demonstration gehörte. Laut inSuedthueringen.de stimmten rechte Hooligans in „Nazis raus“-Chöre ein, während Antifa-Aktivisten sich mit Amerika-Flaggen unter die „EnDgAmE“-Demonstration mischten (Video vom mdr).

Weiterlesen

„Hack Day for Good“ Mit kleinen Programmierungen dem Hass entgegentreten

Wer als Aktivist*in ganz persönlich Hate Speech ausgesetzt ist, der oder die braucht Hilfe – und die kann auch technischer Natur sein. Um dafür gute Ideen zu generieren veranstaltete die Vernetzungsstelle „Das NETTZ“ einen „Hack Day for Good“. Wir haben Projektmitarbeiterin Nadine Brömme gefragt was dabei herausgekommen ist – und wie es weitergeht.

Von|

Monitoring Dezember 2017 Zeitleiste der Hassrede

Welche Themen haben die Nutzer_innen rechter Räume auf Facebook erzürnt? Welche Kampagnen wurden versucht? Jetzt neu: Der Monitoring-Überblick unseres Partnerprojektes…

Von|
Unsere Partnerportale
Eine Plattform der