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Monatsüberblick Dezember 2016 Homo- und Transfeindlichkeit und Sexismus

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Interessante Ergebnisse: Die Studie "Was uns prägt. Was uns eint", die die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin vorstellte, zeigt: Homofeindliche Einstellungen hat nur eine Minderheit der Migrant_innen in Deutschland. (Quelle: KAS)

Zusammengestellt von Simone Rafael 

Homo- und Transfeindlichkeit +++ Gender +++ Sexismus +++ Demo für alle

 

Homo- und Transfeindlichkeit

 

Immer mehr Homophobie – Zahl der Straftaten gestiegen

Die Zahl homophob motivierter Straftaten in Deutschland ist so hoch wie lange nicht. Das geht aus einer aktuellen Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck hervor. Demnach wurden bis Ende September 205 politisch motivierte Straftaten im Kontext „sexuelle Orientierung“ gemeldet. 99 Tatverdächtige konnten dazu ermittelt werden. Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es bis Ende September 171 Straftaten und 86 Tatverdächtige (tazBento). 

Drei homofeindliche Gewalttaten im Dezember in Berlin

Ein Mann soll am S-Bahnhof Berlin-Tempelhof einen 19-Jährigen LGBTI-feindlich (Lesben, Gays, Bisxuelle sowie Trans*- und Inter*-Menschen) beleidigt, geschlagen und verletzt. Zunächst hatte der Unbekannte den jungen Mann aus ungeklärter Ursache am Montag verbal attackiert, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Als dieser flüchten wollte, folgte ihm der mutmaßliche Täter, schlug ihm ins Gesicht und brachte ihn zu Fall. Auf den am Boden liegenden 19-Jährigen trat er dann mehrfach ein, bevor er flüchtete. Die Kopfverletzungen des Opfers mussten im Krankenhaus behandelt werden (RBB).In der Nacht auf Sonntag sind im Berliner Bezirk Neukölln zwei Männer in einer U-Bahn-Station zuerst schwulenfeindlich beschimpft und dann verletzt worden. Die Tat ereignete sich in der U8-Station Boddinstraße, die in der Nähe des bekannten Berliner Clubs SchwuZ liegt. Demnach wurden die beiden Männer, 28 und 31 Jahre alt, kurz nach ein Uhr früh von einer Gruppe Männern zunächst homophob beleidigt. Dann habe einer der Männer in Richtung des 28-Jährigen getreten und ihn am Unterarm getroffen (GGG).In Berlin sind wieder schwule Männer von Unbekannten beschimpft und geschlagen worden. Das berichtet die Berliner Polizei. Der Vorfall ereignete sich im Szenebezirk Prenzlauer Berg. Wie das 28-jährige Opfer berichtet, ist er Arm in Arm mit seinem ein Jahr jüngeren Freund in der Schönhauser Allee unterwegs gewesen. Dabei wurden sie von einem 26-jährigen Bekannten begleitet. Plötzlich sind zwei unbekannte Männer auf das Trio zugekommen. Sie begannen, die Männer schwulenfeindlich zu beleidigen. Die Drei reagierten zunächst nicht auf die Provokationen. Doch die Unbekannten folgten dem schwulen Paar und seinem Freund. Einer von ihnen schlug dem 26-Jährigen mit der flachen Hand ins Gesicht. Der 27-Jährige wollte seinem Freund helfen und ging dazwischen. Dabei schlug ihn der Angreifer mit der Faust ins Gesicht. Anschließend flüchteten die Angreifer. Die beiden Männer, die geschlagen wurden, erlitten bei dem Angriff leichte Verletzungen (GGG). 

Mecklenburg-Vorpommern: Gewalt gegen Schwule und Lesben ist trauriger Alltag

Auch im Jahr 2016 erleben homo- oder transsexuell lebende Menschen in Mecklenburg-Vorpommern regelmäßig Diskriminierungen. Mehr als 60 Prozent der Befragten berichteten in der umfangreichen Studie unter der Leitung des Vereins „Lola für Demokratie in MV“ von Gewalterfahrungen im Alltag. Fast immer seien die Täter Fremde, selten Mitschüler, Kollegen oder Familienmitglieder. Fast die Hälfte (49 Prozent) gibt an, Diskriminierungen innerhalb der Familie ausgesetzt zu sein. Ähnlich hoch (48 Prozent) ist der Anteil bei Diskriminierungen in Schule, Uni oder am Arbeitsplatz (NDRNetz-gegen-Nazis.deSVZtaz).

 

Transgender: Die Freiheit, einfach anders zu sein

Kim Beyer fühlt sich weder als Mann noch als Frau. Das hat Folgen: Transgender-Personen werden in Mecklenburg-Vorpommern extrem diskriminiert. Aber nicht nur dort schlägt ihnen wachsende Gewalt entgegen (Süddeutsche Zeitung

Brandenburgs Aktionsplan gegen Homo- und Transfeindlichkeit stößt auf Kritik

Im Kampf gegen Homophobie fehlt Brandenburg bislang eine Gesamtstrategie. Ein Aktionsplan für die Akzeptanz geschlechtlicher Vielfalt soll das ändern. Doch mittlerweile ist Kritik laut geworden – von LGBTI-Verbänden. Vor allem aber monieren die Verbände, dass im kommenden Jahr 130.000 Euro für die Konzipierung des Aktionsplans zur Verfügung stehen sollen, für konkrete Maßnahmen im Folgejahr aber nur 70.000 Euro. „Jährliche Ausgaben von 70.000 Euro für Beratungs-, Unterstützungs- und Sensibilisierungsangebote werden dem Anspruch an einen solchen Aktionsplan nicht gerecht. Demgegenüber sind 130.000 Euro für die Erarbeitung eines Konzeptes unverhältnismäßig“, heißt es in dem Brief, der unter anderen an Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gleichstellung und Familie gerichtet ist (RBB).

 

Ronaldo wird zur Zielscheibe von Homophoben

Die spanischen Fußballfans können es nicht lassen. Beim 1:1 im Clasico zwischen dem FC Barcelona und Real Madrid hallten erneut homophobe Gesänge gegen Cristiano Ronaldo über die Ränge im Camp Nou. Lautstark forderten Teile der 98.000 Zuschauer ein Outing des Portugiesen, der von den Zuschauern als „Maricon“ beleidigt wurde: eine Schwuchtel. Für den FC Barcelona könnten die Beleidigungen ein juristisches Nachspiel haben, Liga-Boss Javier Tebas soll die Vorfälle bereits prüfen. Der Verband hatte vor Wochen angekündigt, Homophobie in Stadien nicht dulden zu wollen. Schon damals stand Ronaldo im Mittelpunkt der Debatte (Welt)

 

Studie der Adenauer-Stiftung: Drei von vier Migranten wollen homosexuelle Freunde

Integration von Menschen aus anderen Kulturkreisen gelingt in Deutschland, sie benötigt jedoch Zeit – dies ist das Hauptergebnis der neuen Studie „Was uns prägt. Was uns eint“, die die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung am Freitag in Berlin vorstellte. Für die Untersuchung wurden im Frühjahr 2015 je etwa 1.000 repräsentativ ausgewählte Ur-Deutsche, Deutsche mit Migrationshintergrund sowie in der Bundesrepublik lebende Ausländer ohne deutschen Pass parallel befragt. Gemessen wurde auch Homophobie in diesen drei Bevölkerungsgruppen, und zwar anhand der Aussage „Ich will keine homosexuellen Freunde“. Lediglich sechs Prozent der Ur-Deutschen gab an, nichts mit Lesben oder Schwulen zu tun haben zu wollen. Bei Deutschen mit Migrationshintergrund waren es dagegen 23 Prozent, bei Menschen ohne deutschen Pass sogar 25 Prozent. Türkischstämmige Zuwanderer stimmten der Aussage, keine homosexuellen Freunde haben zu wollen, durchschnittlich oft zu. Überdurchschnittliche Zustimmung fand sich bei russischstämmigen Zuwanderern: 37 Prozent der Migranten aus Russland wollen laut der Studie Lesben und Schwule nicht in ihrem Freundeskreis haben. Zudem zeigte sich für alle Konfessionen, dass die Ablehnung Homosexueller mit zunehmender Religiosität steigt, wenn auch auf unterschiedlichem Niveau (Queer.de).

 

Muslime, Abtreibung, Homophobie Bei diesen Themen verschätzen sich die Deutschen

Die eigene Wahrnehmung stimmt oftmals nicht mit der Realität überein. Das zeigt auch die aktuelle Studie „Perils of Perception“ des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos. In 40 Ländern schätzte die Bevölkerung aktuelle Zahlen zur Bevölkerungsstruktur und gesellschaftsrelevanten Themen – und lag teilweise ziemlich daneben. Auch die Deutschen täuschen sich. Eine Auswahl der Themen:

Aktuelle muslimische Bevölkerung: Der prozentuale Anteil an Muslimen in der deutschen Bevölkerung wird überschätzt. Einer von fünf Deutschen (21 Prozent) sei Muslim – das glauben die Deutschen im Schnitt. Laut einer Studie des BAMFs ist es jedoch nur etwa einer von zwanzig (zwischen 5,4 und 5,7 Prozent).Zukünftige muslimische Bevölkerung: Auch den Zuwachs der muslimischen Bevölkerung in Deutschland schätzen wir höher ein. Knapp ein Drittel (31 Prozent) würden Muslime 2020 in der deutschen Bevölkerung ausmachen, statt der tatsächlich prognostizierten 6,9 Prozent (Pew Research Center).Homosexualität: Die Toleranz gegenüber gleichgeschlechtlicher Liebe wird unterschätzt. Wir denken, ein Drittel (33 Prozent) der Deutschen finde Homosexualität moralisch nicht vertretbar. Tatsächlich ist es jedoch knapp ein Zehntel (8 Prozent).Berliner Zeitung 

Richtlinien zur Sexualkunde in Bayern: Toleranz, nicht Akzeptanz für LGBTI

Die neuen „Richtlinien für die Familien- und Sexualerziehung in den bayerischen Schulen“, die eigentlich schon im März eingeführt werden sollten, sind nun in Kraft – „Akzeptanz“ für LGBTI wurde gestrichen. Das „Thema sexuelle Orientierung“ sei „entsprechend dem heutigen Erkenntnisstand aktualisiert“ worden, heißt es zwar in der Mitteilung des Ministeriums, „insbesondere mit der Zielrichtung der Achtung eines jeden Menschen mit seinen unterschiedlichen Anlagen und Ausprägungen“. Doch im Kapitel „Stärkung der sozialen und personalen Kompetenzen“ wurde das Wort „Akzeptanz“ durch „Respekt“ ersetzt: Schüler „zeigen Toleranz und Respekt gegenüber Menschen, ungeachtet ihrer sexuellen Identität“ (Queer.dem-maenner.deSüddeutscheNews4teachers.de).

 

Jahresrückblick: Tiefpunkte des Jahres 2016 aus LGBTI-Sicht

2016 wird nicht als glücklichstes Jahr in die Geschichte eingehen. Queer.de listet die zehn Tiefpunkte des Jahres aus LGBTI-Sicht. 

Gender

 

Gender und Theologie: „Warum macht uns das Angst, dass wir vielfältiger geschaffen sind?“

Die Theorien, wonach es nicht nur ein biologisches, sondern auch ein soziales Geschlecht gibt, sind in den Kirchen und in der Theologie hoch umstritten. Mann ist Mann und Frau ist Frau, sagen die Kritiker. Der Theologe Gerhard Schreiber plädiert im Deutschlandfunk dafür, Vielfalt als Teil der Schöpfung zu sehen – und als gesellschaftliche Bereicherung (Deutschlandfunk). Ähnlich sieht es Kristin Bergmann, Leiterin des Referates für Chancengleichheit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Sie kommentiert auf evangelisch.de: Schon die Schlagworte haben es in sich: Mit Entrüstungsbegriffen wie „Gendergaga“, „Genderismus“, „Gender-Hokuspokus“ oder „Genderwahn“ wird seit einiger Zeit Kritik an Geschlechterforschung und Gleichstellungspolitik geäußert. Mit dem Erstarken des Rechtspopulismus ist die Genderkritik noch schriller geworden. Dabei treten die Verbindungen rechtspopulistischer Bewegungen mit einigen kirchlichen Kreisen zunehmend deutlich zu Tage. Neben der AfD und der Pegida-Bewegung haben konservativ-katholische Publizist*innen, Bischöfe und Internetforen und auch manche evangelikale und freikirchliche Gruppe die erbitterte Gegnerschaft zu allem, was mit gender in Verbindung gebracht wird, zu einem ihrer Hauptthemen gemacht. Natürlich lässt sich über Sinn und Zweck mancher gleichstellungspolitischer Maßnahmen, zum Beispiel über die Quote trefflich streiten.(…) Die radikale Gender-Kritik setzt aber nicht auf den Diskurs sondern auf Verächtlichmachen. (…) Doch jedes zweitausendste Kind, das in Deutschland geboren wird, hat kein eindeutiges Geschlecht. Wer wollte bestreiten, dass es ein genauso von Gott gewollter Mensch ist? Wie irrational es ist, abzustreiten, dass Gesellschaft und Kultur mitbestimmen, was jeweils als weiblich und was als männlich gilt, sollte eigentlich auch nicht mehr erklärungsbedürftig sein. (…) Was folgt daraus? Genderthemen sind in der Auseinandersetzung mit dem Rechtspopulismus keinesfalls vernachlässigbar, sondern brauchen Aufmerksamkeit. Sie gehören in die sachliche Diskussion – über die Werte, die unser Zusammenleben leiten sollen, über den Umgang mit biblischen Texten, über das Menschenbild, das uns die Bibel vermitteln will und die Rolle, die Gerechtigkeit, Geschlechtlichkeit und Individualität darin spielen.

 

Eine Gender-Ausgabe und die Folgen

Die Januar-Ausgabe von NATIONAL GEOGRAPHIC ist besonders. Sie widmet sich ausschließlich dem Thema Gender. Das amerikanische Cover zeigt die neunjährige Avery Jackson, die als Junge geboren wurde; auf dem deutschen Titel sieht man das Model Andreja Peji?, die bis vor drei Jahren ein Mann war. In den USA hat das Heft bereits eine große Diskussion ausgelöst. Lesen Sie dazu den Text der amerikanischen NG-Chefredakteurin Susan Goldberg: Unsere Januar-Ausgabe beschäftigt sich zum größten Teil mit jungen Menschen und damit, wie Geschlechterrollen weltweit gelebt werden. Seit wir das Cover auf Instagram, Facebook und Twitter geteilt haben, erreichten uns Zehntausende Kommentare. Sie reichen von Stolz und Dankbarkeit bis hin zu blanker Wut. Nicht wenige Leser haben angekündigt, ihr Abonnement zu kündigen. Die Kommentare sind ein kleiner Teil einer tief gehenden Debatte. Die Ansichten über das Geschlecht verschieben sich zur Zeit schnell und radikal. Wir betrachten den Komplex deshalb aus der Perspektive von Wissenschaft, sozialen Systemen und vergangenen Zivilisationen (National Geographic). Darin geht es um diese Themen und um „Neue Wörter für eine neue Welt„.

 

Warum Jungs Ritter und Mädchen Prinzessin spielen

Schon Babys mögen stereotypes Spielzeug lieber. Forscher haben in Experimenten festgestellt: Schuld sind die Hormone und die Eltern. Doch untypisches Spielzeug kann Mädchen und Jungs viel bringen. Laut dem Bundesverband des Spielwareneinzelhandels gibt es jedoch seit einigen Jahren immer mehr Mädchen, die lieber mit Autos spielen, und Jungen, die Puppen lieben. Und Studien zeigen: Das ist gut für die Kinder, es fördert ihre kognitive und emotionale Entwicklung. Trotzdem gibt es in Spielwarenläden zwei Welten (Welt).

 

Sexismus

 

Jenna Behrends (CDU) 3 Monate nach der Thematsierung des Sexismus in ihrer Partei: „Ohne meine Veröffentlichung wäre mein Leben einfacher gewesen“

Jenna Behrends (26) hatte ins Herz ihrer Partei getroffen, als sie in einem offenen Brief Sexismus von CDU-Parteifreunden anprangerte. Die Jurastudentin musste auch Gegenattacken wegstecken. BILD traf sie drei Monate danach. Im Interview erzählt sie, dass sie nicht bereut, die sexistischen Zustände angesprochen zu haben, auch wenn es für sie viele verkompliziert habe. Viele Frauen hätten sich mit ähnlichen Erfahrungen bei ihr gemeldet.  Sie sei immer noch CDU-Mitglied und sitzt im Bezirksparlament von Berlin-Mitte, und dass einige Männer im Umgang nur formeller seien, wäre ihr sogar ganz lieb. 

 

„Bild“ empört sich über Sexismus: Wer im Glashaus sitzt

Ausgerechnet die „Bild“ macht sich Sorgen: Diesmal ist es das Frauenbild von Flüchtlingen, das schnellstens auf den Prüfstand gestellt werden sollte. Ist das Frauenbild der Flüchtlinge ein Problem?“ – Dieser Frage ging die Bild-Zeitung am Mittwochmorgen nach. Seit dem Mord an einer Studentin in Freiburg und den Vergewaltigungen an zwei chinesischen Studentinnen in Bochum wird die Debatte um eine potenzielle Gewalt, die von (männlichen) Flüchtlingen ausgehe, wieder hitzig geführt. Fragen kann man sich natürlich stellen. Das traditionelle Frauenbild, das im Koran vermittelt wird, widerspricht der Vorstellung einer aufgeklärten, modernen Frau signifikant. Die enge Auslegung von Gesetzen, die sich oft sehr nah am Wortlaut des Korans orientieren, führt in einigen muslimischen Ländern zu patriarchalischen Gesellschaftsformen, in der Frauen zu Gehorsam und Demut gezwungen werden. Doch ist jetzt neuerdings die Bild-Zeitung die Verteidigerin der emanzipierten, gleichberechtigten Frau? Wohl kaum, fällt sie doch eher durch ihre oft sexistische und voyeuristische Berichterstattung auf (taz

Geschlechterrollen in Fanszenen: Kicks für alle?

Fußball und Fanszenen sind noch immer von einem traditionellen Männerbild dominiert. Eine neue Studie zeigt: Das führt mitunter zu Gewalttaten – und auch zu sexuellen Übergriffen. Robert Claus von der KoFaS (Kompetenzgruppe Fankulturen und sportbezogene soziale Arbeit) sagt: »Gewalt ist noch heute ein Mittel, um sich in Fanszenen zu beweisen. Fans versuchen vor allem den Anforderungen an das Männlichkeitsprofil gerecht zu werden. Damit verknüpft sind Begriffe wie Ehre, Tradition, Härte.« Claus hat zusammen mit seinen Kolleginnen Franziska Wölki-Schumacher und Cristin Gießler eine 150 Seiten starke Studie erarbeitet über »Geschlechterverhältnisse in Fußballfanszenen«. Sie untersuchten dabei die Vorstellungen von Männlichkeit und Weiblichkeit in den Fanszenen, aber auch den Umgang mit Homo- und Transphobie. Für diese Studien haben die drei ausführliche Interviews mit Personen aus der aktiven Fanszene, vorrangig Ultras, geführt. Claus sagt: »Es besteht ein Zusammenhang zwischen dem männlichen Rollenbild und der Gewalt im Fußball.« Ein Thema, das bislang noch nicht im öffentlichen Fokus stand, ist die sexuelle Gewalt in Fanszenen. In den Interviews zur Studie berichteten die Befragten anonym von Belästigungen von Frauen während der Auswärtsfahrten, auch von sexuellen Übergriffen. Das Projekt »Kicks für alle« setzt sich für den Abbau von Sexismus und Homophobie ein, die Studie wurde in diesem Rahmen veröffentlicht  (11freunde). Cristin Gießler wird dazu von sportschau.de interviewt. Sie sagt unter anderem zu Frauen in Fangruppen: „Sehr oft sind ihre Rollen mit typisch weiblichen Aufgaben verbunden. Die Rolle der Kümmerin, die Organisation von Auswärtsfahrten. Für Vorsängerinnen dagegen gibt es kaum Beispiele. Wenn es sie gab, dann mit großen Ressentiments und von Hasskommentaren begleitet.“ 

 

Sexismus in der Techno-Szene

Clubs und Festivals sind hedonistische Orte. Schwitzende Körper auf engstem Raum, Rausch, Drogen, Promiskuität oder auch nicht. Orte, an denen jeder sich frei und wohlfühlen soll. Soll, wohlgemerkt. Denn auch auf Techno- und Housepartys finden sexuelle Belästigung und Übergriffe statt. Das ist vielen erst 2016 ins Bewusstsein gerückt. Laura Aha, Felix Hüther, Cristina Plett und Alexis Waltz haben sich zu Sexismus in der Techno-Szene umgehört (Groove.de).

 

Studie: Sexisten werden häufiger depressiv

Für Frauen ist Macho-Gehabe nervig bis belastend. Doch nicht nur Frauen leiden unter Sexismus, wie eine Studie offenbart. Auch für die „Täter“ selbst sieht es ganz schlecht aus. Generell tendieren Männer mit streng maskulinen Normen zu einer geringeren Lebenszufriedenheit. Das gelte besonders für drei Eigenschaften: Wer sich als Playboy einschätzt, als besonders unabhängig von anderen oder wer „Macht über Frauen“ zu besitzen glaubt, dem geht es, den Autoren der Studie zufolge, besonders schlecht. Männer die sich als Playboys sehen, neigen eher zu Depressionen, Stress, Drogenmissbrauch und anderen psychischen Beschwerden (n-tv). 

Gebärfreudig und hetero?

Das konservative Frauenbild kommt wieder in Mode. Zwar erleichtert die Politik die Teilhabe von Frauen am Erwerbsleben, an der Rollen­verteilung zwischen den Geschlechtern ändert das aber wenig (JW). 

Wie Medien die Frauen in Führungspositionen benachteiligen

Gender-Pay-Gap, zu wenig Frauen in den Führungsetagen, Kinder als das Aus für die Karriere – die Ungleichheit der Geschlechter in der westlichen Arbeitswelt ist in aller Munde und schmückt als Thema viele unserer Artikel. Über die Gründe der Benachteiligung der weiblichen Riege ließ sich bislang aber immer nur spekulieren. Neueste Erkenntnisse lassen jetzt vermuten: Die Darstellung der Frauen in Führungspositionen durch die Medien könnte einen beachtlichen Anteil dazu beitragen (Arbeits-ABC.de).

 

Demo für alle

 

Organisatorin Hedwig von Beverfoerde tritt aus CDU aus – wegen  „Gender- und Sexuelle-Vielfalts-Indoktrination unter CDU-Führung“ und Flüchtlingspolitik

Hedwig von Beverfoerde ist nicht mehr Mitglied der CDU. Das gab die christlich-fundamentalistische Aktivistin am Mittwoch zum Abschluss des Bundesparteitags der CDU in einem Gastbeitrag in dem Portal „The Germanz“ bekannt, das vom Ehemann der Publizistin Birgit Kelle betrieben wird. Die Magdeburgerin, die zunächst aus dem Büro der AfD-Europaabegordneten Beatrix von Storch heraus die „Demo für alle“ organisiert hatte, beklagt in dem Beitrag, wie sie als „treue Katholikin“ keine Heimat mehr habe in einer CDU unter Merkel. Zu deren „beachtlicher Bilanz des Schreckens“ zählt Beverfoerde u.a. eine „Gender- und Sexuelle-Vielfalts-Indoktrination unter CDU-Führung“. Ausschlaggebend für den Austritt sei allerdings die Flüchtlingspolitik. „Hunderttausende Immigranten, zumeist junge moslemische Männer, haben Deutschland in nur wenigen Monaten radikal verändert. Die innere Sicherheit ist vielerorts rapide gesunken. Straftaten aller Art häufen sich“, behauptet Beverfoerde, um dann ganz in Hetze überzugehen: „Junge Mädchen, Frauen aller Alterstufen und Kinder sind plötzlich einem nie dagewesenen Risiko sexueller Belästigung und Vergewaltigung durch Einzelne und Männergruppen ausgesetzt.“ (queer.de).

 

Volksverhetzung: Strafanzeige gegen Hedwig von Beverfoerde

Das größte deutsche Onlineportal für Lesben und Schwule, queer.de,  hat eigenen Angaben zufolge Strafanzeige gegen das ehemalige CDU-Mitglied Hedwig von Beverfoerde gestellt. Grund dafür ist der aktuelle Newsletter der „Demo für alle“, dessen Koordinatorin die Freifau ist. In der am 16. Dezember verschickten E-Mail heißt es unter anderem: „Immer dreister mischt sich die LSBTTIQ-Sex-Lobby in Bildung und Erziehung der Kinder in Schule und Kindergarten ein.“ Für Micha Schulze, Geschäftsführer von queer.de, hat Hedwig von Beverfoerde „jedoch die aus gutem Grund weiten Grenzen der Meinungsfreiheit überschritten“, wie es in der Strafanzeige an die Polizei von Sachsen-Anhalt heißt. In dem Newsletter der „Demo für alle“ würden sexuelle Minderheiten „als Befürworter oder gar Akteure sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen“ verleumdet werden, heißt es in der Anzeige weiter. Denn bei den Bildungsplänen, die von den Demo-Organisatoren kritisiert werden, ginge es nicht um sexuelle Handlungen im Klassenzimmer, „sondern allein um Aufklärung, um die Sichtbarkeit von Vielfalt und um eine Hilfestellung für Jugendliche, ihre geschlechtliche Identität sowie sexuelle Orientierung zu finden und anzunehmen.“. Deshalb stellt der queer.de-Geschäftsführer die Anzeige wegen Volksverhetzung (ggg).

 

 

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