Weiter zum Inhalt Skip to table of contents

Monitoring rechts-alternativer Medienstrategien Einordnung relevanter Social Media-Plattformen: Discord

(Quelle: Unsplash)

Bedeutung:
Die Social Media Platt-form Discord (200 Millionen registrierte Nutzer*innen weltweit, Hauptsitz in den USA), ursprünglich insbesondere für Gamer*innen konzipiert und auch heute noch bei Streamer*innen und YouTu-ber*innen beliebt, wurde früh von Rechtsextremen zur Mobilisierung entdeckt. Laut der Traffic-Website Alexa.com hat Discord 5,5 % deutsche Nutzer*innen (Oktober 2019).

Radikalisierung:

So wurde zum Beispiel die rechtsextreme Demonstration in Charlottesville, USA, unter dem Motto „Unite the Right“ im Jahr 2017 unter anderem auf Discord organisiert. Das deutsche rechtsextreme Online-Netzwerk „Reconquista Germanica“ nutzt Discord, um die gezielte Beeinflussung Discordöffentlicher Debatten zu organisieren. Mit einem weiteren prominenten Kanal namens „Infokrieg“ ist auch die „Identitäre Bewegung“ auf Discord vertreten. Der Kanal liegt aber die meiste Zeit brach und wird nur gezielt genutzt, etwa für die Kampagne „Migrationspakt stoppen“, bei der Mitglieder gegen den „Globalen Pakt für eine sichere, geordnete und reguläre Migration“ der UN mobilisiert wurden. Ähnlich wie bei Telegram wird auch hier geschätzt, dass man abseits der Öffentlichkeit kommunizieren kann. Das Verwalten der Community wird auf Discord durch eine Funktion erleichtert, mit der Gruppenmitgliedern verschiedene Rollen mit unterschiedlichen Berechtigungen inner-halb der Gruppe zugeteilt werden können. Neben der Mobilisierung für Aktionen organisieren Rechts-extreme auf Discord Gesprächsrunden zu bestimmten Themen, zu denen teilweise auch Gäste als Sprecher*innen eingeladen werden. Seit den Ausschreitungen auf der Demonstration in Charlottesville legt Discord regelmäßig rechtsextreme Server still – allerdings müs-sen Inhalte erst von Mitgliedern gemeldet werden. Doch obwohl die Organisation von Hetzkampagnen auch heute noch im kleineren Stil auf Discord stattfindet, ist die Rele-vanz der Plattform für die rechts-alternative Szene in den letzten Jah-ren zurückgegangen.


Die Übersicht der Social Media-Plattformen

Der Artikel ist Teil einer Übersicht der Social Media-Plattformen, die für das Monitoring von Aktivitäten der rechtspopulistischen bis rechtsextremen Online-Szene für das Projekt de:hate der Amadeu Antonio Stiftung relevant sind. Allgemein ist festzuhalten, dass unterschiedliche Plattformen für unterschiedliche Zwecke und Interessen genutzt werden. Auch wird je nach Plattform ein anderes Publikum angezogen. So nutzen die über 30-Jährigen mit Abstand am meisten Facebook, während bei Jugendlichen Instagram die meistgenutzte Plattform ist.

Grob lässt sich unterscheiden zwischen den großen, öffentlichen Plattformen und dem sogenannten Dark Social, also Messenger-Diensten mit geschlossener Kommunikation. Auf letzteres wird zunehmend ausgewichen, da plattformeigene Richtlinien seit 2018 konsequenter durchgesetzt werden und neue Richtlinien ergänzt wurden, wie das Verbot von Inhalten zu „White Nationalism“ oder das Bannen von „Identitären“-Accounts als Hassorganisation auf Facebook und Instagram. Dadurch werden extreme Inhalte weniger offen beziehungsweise nur mit an die Regeln angepasster Sprache auf den großen Plattformen besprochen.

Für das Monitoring werden sämtliche Phänomene vom rechtspopulistischen bis zum rechtsextremen Spektrum einbezogen. Dafür werden ausgewählte Kanäle regelmäßig überprüft und auf algorithmische Unterstützung gesetzt. Nach bedeutsamen Ereignissen werden Kanäle zielgerichtet auf relevante Informationen hin untersucht.


Dieser Text ist ein Auszug aus der Broschüre

Amadeu Antonio Stiftung (Hrsg.):
Alternative Wirklichkeiten. Monitoring rechts-alternativer Medienstrategien
Erscheinungsjahr: 2020

Titelbild der Broschüre: „Alternative Wirklichkeiten“ der Amadeu Antonio Stiftung

PDF zum Download: Monitoring_2020_web

Print-Exemplar bestellen: https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/publikationen/alternative-wirklichkeiten/

Alle Artikel aus der Broschüre auf Belltower.News:

https://www.belltower.news/lexikon/alternative-wirklichkeiten/

Weiterlesen

Narrative und Motive »Lügenpresse« und »Gegenöffentlichkeit«

»Lügenpresse« wurde 2015 zum Unwort des Jahres 2014 gewählt. Wie Google Trends verdeutlicht, ist der Begriff mit der Popularisierung von PEGIDA verbunden. »Lügenpresse! Lügenpresse!« war ein ständiger Schlachtruf auf den Demonstrationen. Ab Dezember 2014, mit Beginn der ersten PEGIDA-Demonstrationen in Dresden, stiegen die Suchanfragen nach dem Begriff sprunghaft.

Von|

Demokratie in Gefahr Wie rechtsradikale Narrative und Framings der AfD die Debatte verändern

Die Themen der AfD scheinen in den Medien allgegenwärtig. Gleichzeitig zeigen bundesweite Umfragen immer wieder, dass andere Politikfelder, wie Gesundheit und Pflege, Rente und Sozialpolitik, die Menschen im Land weit mehr beschäftigen. Mit einer Kombination aus einem bedrohlichen Framing der „Messer-Einwanderung“ und einem einfachen und anknüpfungsfähigen Narrativ erzeugt die AfD genau den Lärm, der die tatsächlichen Fragen der aktuellen Politik häufig übertönt.

Von|
Unsere Partnerportale
Eine Plattform der