Weiter zum Inhalt Skip to table of contents

Nahostkonflikt Antisemitische Angriffe in den USA

Von|

Der jüngste zweiwöchige Konflikt zwischen Hamas und Israel führte zu einem weltweiten Anstieg antisemitischer Stimmungen. In den USA wurden Jüdinnen:Juden aufgrund von Israelbezogenem Antisemitismus angegriffen. Ungefähr 7,6 Millionen Jüdinnen:Juden wohnen in den USA- das ist die größte Bevölkerungsgruppe in einem Land nach  Israel. In den Bundestaaten Kalifornien und New York leben große jüdische Communities. Hier kam es auch zu vielen gewalttätigen Angriffen.

Der Anti-Defamation League (ADL) meldete einen Anstieg der gemeldeten antisemitischen Vorfälle um 75 Prozent. In mehreren dieser Vorfälle wurden Einzelpersonen zum Sündenbock für die Handlungen Israels gemacht, einfach weil sie jüdisch waren. Viele Vorfälle geschahen im Zusammenhang mit Anti-Israel-Kundgebungen, die in den USA stattfanden. In Utah wurde ein Hakenkreuz in die Tür einer Synagoge gekratzt. I, in Arizona wurde ein Stein durch die Glastür einer Synagoge geworfen und in Illinois wurde ein Synagogenfenster eingeschlagen und ein Pro-Palästina-Schild vor die Tür gestellt.

In den schlimmsten Fällen wurden Jüdinnen:Juden körperlich angegriffen. Am 18. Mai versuchte ein Mann, eine Synagoge und eine Yeshiva in Brooklyn, New York, niederzubrennen. Der Mann stapelte Müllsäcke vor dem Gebäude und zündete sie an. Später an diesem Tag schlug er einem chassidischen Mann ohne Vorwarnung mehrfach auf den Kopf. Am 20. Mai am Times Square in New York City schlug eine Gruppe von Angreifern einen Mann, der eine Kippa trug. Das Opfer wurde geschlagen, getreten und mit Pfefferspray besprüht, während die Angreifer antisemitische Beleidigungen riefen. Die Angreifer waren Teil einer Pro-Palästina-Demonstration. Das Opfer war Teil einer pro-israelischen Gegendemo. In einem Interview mit CNN beschrieb das Opfer seinen Schrecken und seine Dankbarkeit für diejenigen, die ihm während des Angriffs zu Hilfe kamen. Zwei Männer sind bereits verhaftet worden.

Zwei Tage zuvor griff eine Gruppe mehrerejüdische Gäste in einem Restaurant in Los Angeles, Kalifornien, an. Der Angriff begann, als Männer aus einem Auto mit Palästina-Flaggen ausstiegen und begannen, die Leute im Restaurant zu fragen, ob sie Juden seien. Die Männer griffen mehrere Personen mit Fäusten und Pfefferspray an und riefen antisemitische Parolen.

Gleichzeitig gab es auch mehrere Vorfälle, in denen die Relativierung des Holocaust  im Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie betrieben wurde. In einem inzwischen gelöschten Instagram-Post bot ein Hutgeschäft in Nashville gelbe Sterne mit der Aufschrift „Not Vaccinated“ (dt. “Nicht geimpft”) zum Verkauf an.

Cowboyhüte und Holocaust-Relativierung auf Instagram (Screenshot Instagram).

Der Beitrag sorgte für  Empörung, illustriert aber gut die Einstellung der Shopbetreibenden. In dem direkt vorangegangenen Beitrag teilte der Shop ein Zitat des antisemitischen Verschwörungstheoretikers David Icke. Anfang Mai teilte das Unternehmen einen Beitrag mit einem Elie Wiesel-Zitat, das die Verbreitung von Verschwörungserzählungen unterstützen sollte. Obwohl das Unternehmen den Beitrag mit dem gelben Stern löschte, bekräftigten sie in den folgenden Posts ihre Überzeugungen. So beschriebt das Unternehmen den Faschismus als „historische Parallele“ zu den Impfstoffanforderungen und bezeichnete sich selbst als Verfechter der Freiheit.

Kongressabgeordnete und QAnon-Anhängerin Marjorie Taylor Greene äußerte ähnliche antisemitische Inhalte. In einem Tweet beschrieb Greene die Angestellten eines Lebensmittelladens, die Logos trugen, die darauf hinwiesen, dass sie geimpft waren, als „genau wie“ die gelben Sterne der Nazis für Jüdinnen:Juden.

Greene vergleicht Gesundheitsmaßnahmen mit dem Holocaust (Screenshot Twitter).

Wie für sie üblich, weigerte sich Greene, sich für ihre antisemtischen Kommentare zu entschuldigen. Greene behauptete wiederholt, dass sie wegen ihrer Pro-Israel-Überzeugungen nicht antisemitisch sein könne. Alle Jüdinnen:Juden mit dem Nationalstaat Israel gleichzusetzen ist eine antisemitische Trope, die von Konservativen in den USA häufig verwendet wird. Auch während seiner Präsidentschaft nutzte Trump die antisemitische Trope der doppelten Loyalität.

Jüdinnen:Juden als Sündenbock für Israel zu benutzen oder mit Israel gleichzusetzen ist antisemitisch und führt zu Gewalt. Einzelpersonen auf der Straße und Orte der Verehrung sind nicht für Konflikte auf einem anderen Kontinent verantwortlich. Die antisemitischen Ausfälle führten direkt zu antisemitischer Gewalt.

 

Weiterlesen

Demonstrierende auf einer israelsoldarischen Kundgebung in Leipzig im Mai 2021.

Gastbeitrag Antisemitismus kommt nicht nur von rechts

Anfang Mai 2021 erschien das Essay „Nur in Deutschland“ von Fabian Wolff in der ZEIT. In einem Gastbeitrag für Belltower.News erklären Yevgen Bruckmann und Moritz Meier, was sie daran problematisch finden. Eine Replik.

Von|
Unsere Partnerportale
Eine Plattform der