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NSU-Sympathisant Blutspur führt Polizei zum mutmaßlichen Neonazi-Bomber in Einbeck

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Wade des Täters mit NSU-Verherrlichung, Foto von einer Neonazi-Kundgebung in Northeim 2019 (Quelle: Flickr / Nico Kuhn / CC BY-NC-SA 2.0)

In den frühen Mittwochmorgenstunden gegen 3:50 Uhr, des 10. Mai 2020, verübten zwei Neonazis einen Sprengstoffanschlag auf das Haus einer 41 Jahre alten Frau aus Einbeck, die sich seit Jahren gegen die lokale Neonaziszene engagiert. Die Täter zündeten einen Sprengsatz am Briefkasten ihrer Eingangstür. „Die Sprengwirkung war so stark, dass Trümmer des Briefkastens mehrere Meter weit in den Wohnbereich geschleudert wurden“, sagte der Göttinger Rechtsanwalt Rasmus Kahlen, der die Betroffene vertritt.

Da der Sprengsatz offenbar vorzeitig explodierte, verletzte sich einer der beiden Täter an der Hand. Eine Blutspur führte die herbeigerufene Polizei schließlich zu einem nahegelegenen Wohnhaus, das von der örtlichen Neonazi-Aktivist*innen bewohnt wird. Dort trafen die Einsatzkräfte auf den 26-jährigen „polizeibekannten“ Einbecker. Der Mann trug einen Verband an der Hand: Der Sprengstoff war in seiner Hand detoniert. Er wurde ins Krankenhaus gebracht, und die Eröffnung eines Verfahrens gegen ihn wurde angekündigt:„Er ist definitiv tatverdächtig“, hieß es von der Staatsanwaltschaft. Bei einer Hausdurchsuchung fanden die Ermittler „diverse Beweismittel – unter anderem Waffen“, so das niedersächsische Innenministerium

Ein Zeuge hatte nach einem lauten Knall die beiden Männer vom Tatort weglaufen sehen und die Polizei alarmiert. Der 26-Jährige verletzte sich an der Hand, weil der Sprengsatz offenbar vorzeitig detonierte. Polizisten hätten eine Blutspur bis zur gemeinsamen Wohnung der beiden Männer verfolgen können, so die Staatsanwaltschaft. Nach der vorläufigen Festnahme der Tatverdächtigen wurde die Wohnung durchsucht. Es seien diverse Beweismittel, darunter auch Waffen, beschlagnahmt worden.

Einer der Täter: Pascal Z. 

Nach antifaschistischer Recherche soll es sich bei der verletzten Person um. Pascal Z. handeln. Laut „Der rechte Rand“ zählt Z. zur „Kameradschaft Einbeck“. Die Recherchen rechnen ihn außerdem dem Umfeld des NPD-Vize Thorsten Heise zu, der wiederum als deutscher Verbindungsmann des paramilitärischen neonazistischen Combat 18-Netzwerks gilt. 

Im Shirt von Thorsten Heises „Arischer Bruderschaft

Z. soll als Ordner auf dem Rechtsrock-Event „Eichsfeldtag“ eingesetzt worden sein, einer Neonazi-Open-Air-Veranstaltung in Thüringen. Seit 2011 organisieren Heise und sein Umfeld den jährlich stattfindenden „Eichsfeldtag“ im südlichen Leinefelde. Hier soll Z. im Shirt von Heises „Arischer Bruderschaft“ aufgetreten sein.

Thorsten Heise baute seine „Arische Bruderschaft“ ab 1999 als eigene Hausmacht auf, die als eine Art Elite-Führungszirkel bestehend aus führenden Kameradschaftsmitgliedern mehrerer Bundesländer zu verstehen ist. Das Abzeichen der „Arische Bruderschaft“, die gekreuzten Stabhandgranaten, ist die beinahe originalgetreue Übernahme des Emblems der 36. Waffen-Grenadier-Division der SS, die Anfang 1945 aus der berüchtigten SS-Division Dirlewanger gebildet wurde.

Paulchen Panther-Referenzen: Offene NSU-Verherrlichung

Aus seiner Ideologie macht Pascal Z. keinen Hehl. Er trägt sie auf T-Shirts und auf der Haut. Auf Bildern eines Aufmarsches 2019 in Northeim erkennt man ein Tattoo das Z auf seiner Wade trägt: Paulchen Panther und der Spruch „Vielen Dank an den NSU, es hat Früchte getragen“. 

Auf Twitter postete er 2019 ebenfalls ein Bild von Paulchen Panther mit den Worten „Heute ist nicht alle Tage, sie kommen wieder keine frage!!“. Im 15 minütigen Bekennervideo des terroristischen NSU führt Paulchen Panther durch den Film, in dem immer wieder Nachrichten-Ausschnitte der Anschläge und Morde und eingebaut sind. Seither gilt die rosa Comicfigur in der Neonazi-Szene als ein Symbol des NSU.

Der Täter soll auch am Angriff auf Connewitz beteiligt gewesen sein

Der bereits mehrfach vorbestrafte Pascal Z. soll zudem 2016 auch am Angriff auf Connewitz beteiligt gewesen sein, als eine Gruppe von 250 rechten Hooligans und Neonazis einen offenbar geplanten Angriff auf den politisch links geprägten Stadtteil Connewitz verübten.

Auch im Umfeld des „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ war Z. lange Zeit aktiv. Der sogenannte „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“ hatte ab 2016 monatelang einen regelrechten Kundgebungs-Marathon in Göttingen und Umgebung veranstaltet. Im Februar 2017 stellten Ermittler bei einer Razzia bei „Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen“-Aktivisten sieben Messer, eine Axt, einen Schlagring, eine Machete, zwei Säbel, zwei Teleskop-Schlagstöcke, zwei angespitzte Schlagstöcke, zwei Schreckschusspistolen, eine Einhand-Armbrust mit fünf Pfeilen und Pfefferspray sicher. Ein Strafverfahren wegen Bildung einer bewaffneten Gruppe wurde allerdings 2019 abgelehnt.

Holocaust-Relativierung in der KZ-Gedenkstätte Moringen

Ende 2019 provozierte Pascal Z. und weitere Einbecker Nazis in der KZ-Gedenkstätte Moringen. Während einer Führung machten sie Bemerkungen, die die Glaubwürdigkeit der Holocaust-Opfer in Frage stellten. Nach der abgebrochenen Führung posierten die Neonazis dann noch für ein Foto mit nach oben gerichtetem Daumen vor der Gedenkstätte. Einer der drei Neonazis auf dem Bild trägt ein Shirt mit der Aufschrift „Fuck you Israel“ mit einem durchgestrichenen Davidstern. 

Ermittlungen wegen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion

Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun wegen Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion, wie deren Sprecher Frank-Michael Laue auf Anfrage der taz mitteilte. Rechtsanwalt Kahlen prüft überdies auch weitere rechtliche Schritte gegen die Täter wie eine Nebenklage oder Schadensersatzforderungen wegen der Zerstörungen in der Wohnung. „Nicht auszudenken, was hätte passieren können, wenn sich ein Mensch hinter der Tür befunden hätte“, so Kahlen.

Wohnhaus von Syrer*innen: Explosion in Aschersleben

In der Nacht auf Freitag kam es auch in Aschersleben (Sachsen-Anhalt) zu einer Explosion an einem Haus, das ausschließlich von Syrer*innen bewohnt wird. Nach derzeitigem Erkenntnisstand, so die Polizei, zündeten unbekannte Täter einen pyrotechnischen Gegenstand im Eingangsbereich des Mehrfamilienhauses und entfernten sich unerkannt. Die Eingangstür des Wohnhauses wurde dabei schwer beschädigt, Personen wurden nicht verletzt. Eine rassistisch motivierte Tat sei möglich, so Polizeiinspektion Magdeburg.

Das Titelbild wurde auf Flickr von Nico Kuhn unter der Lizenz CC BY-NC-SA 2.0 veröffentlicht.

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