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Rechtsextremer Grenzschutz auf Lesbos IB-Aktivist Mario Müller und NPD-Mann wollen “Europa verteidigen”

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(Quelle: BelltowerNews)

Nachdem der türkische Präsident bekannt gegeben hatte, dass die Türkei keine Flüchtlinge auf ihrem Weg nach Europa mehr aufhalten wird, ist die griechisch-türkische Grenze erneut zum Brennpunkt geworden. Nachdem Martin Sellner mit einer kleinen Truppe aus Rassist*innen bereits für einige Tage an die griechisch-türkische Landesgrenze gefahren ist, um ziemlich schlechte Bilder zu machen, sind nun auch deutsche Neonazis auf der Insel Lesbos gelandet. Unter ihnen auch der ehemalige Leiter des „patriotischen Hausprojekts“ „Kontrakultur“ bzw. „Flamberg“ in Halle. Der in Bremen geborene Müller stammt aus dem niedersächsischen Kameradschaftsumfeld. Vor seinem Umzug nach Halle war Mario Müller in der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ aktiv. 2012 wurde er wegen Körperverletzung verurteilt. Er hatte einen Mann, den er als politischen Gegner wahrnahm, mit einem selbstgebastelten Totschläger schwer verletzt.

Nach dem Scheitern des rechtsextremen Hausprojekts war es in letzter Zeit doch recht ruhig geworden um Müller. Man hätte annehmen können, er versuche nun als Journalist für Compact etwas seriöser zu wirken. Offenbar auch mit einigem Erfolg. So wurde er im März 2019 aus die Geburtstagsparty von Matthias Matussek eingeladen,  ehemals angesehener Journalist bei u.a. stern, Spiegel und Welt. Mit diesem Image dürfte es nun für Müller wieder vorbei sein. 

Bilder zeigen, wie er und weitere extrem rechte Aktivisten in der Hafenstadt von Mytilini in eine Auseinandersetzung geraten sind. Oder besser gesagt: Man sieht sie blutend in der Innenstadt stehen.
Auch Müller fertigte nach empfangener Prügel ein Selfie, auf welchem er verzagt mit geballter Faust posiert. Hinter ihm steht Jonathan Stumpf gequält lächelnd mit blutverschmierter Glatze. Dieses Foto wurde von dritter Seite bearbeitet und im Internet mit dem Zusatz: „Da sind einige Antifa Ratten auf der Insel. Kommt und holt sie euch.“ versehen geteilt. Augenscheinlich störte sich Mario Müller einige Tage später an diesen Aufnahmen und bat uns über seinen Anwalt um Löschung der Bilder.

Bei dem blutverschmierten Kameraden neben Müller handelt es sich um Jonathan Stumpf, Kandidat der Rhein-Neckar NPD. Der 1988 geborene Neonazi hat sich vom NPD-Mitglied, über eine Stippvisite in der Kameradschaftsszene („Heidnischer Sturm Pforzheim“) zum intellektuellen Rassisten entwickelt, so der Blog „Kommunalinfo Mannheim“. Sein Ziel ist offenbar ein „weißer Ethnostaat“, so heißt auch ein Buch, dass er unter dem Namen Johannes Scharf geschrieben hat. 

Französisches Schreiben kursiert in rechtsextremen Chats

Derweil kursiert in einigen internationalen Neonazi-Gruppen ein französisches Dokument, wonach etwa 100 französische militante Nationalisten*innen, ehemalige Soldat*innen und Student*innen auf dem Weg nach Griechenland seien. Laut diesem Schreiben sollen einige dieser Aktivist*innen in Kroatien, Libanon, Bosnien und am Donbass gekämpft haben. 

Die meisten sollen auf den Inseln Lesbos und Chios erwartet werden, ebenso wie in der griechischen Hauptstadt Athen und an der griechisch bulgarischen Grenze. Unter dem Punkt „Mission“ wird unter anderem dazu aufgerufen sich um Journalist*innen und NGOs zu „kümmern“ und Videos und Bilder zu produzieren. Der Wahrheitsgehalt dieses mehrseitigen Schreibens ist bisher schwer einzuschätzen. Dennoch sollte er uns warnen. 

Laut der Thüringer Linken-Politikerin Katharina König-Preuss wird seit Tagen in „Neonazi-Chatgruppen offen darüber gesprochen, sich nach Griechenland zu begeben, es gibt Aufrufe, Griechenland gegen die Schutzsuchenden zu verteidigen und es wird gar von der Notwendigkeit der Bewaffnung gesprochen“. 

Offenbar sehen auch einige deutsche Neonazis in der momentanen Situation in Griechenland den so lange herbeigesehnten „Tag X“. „Tag X“ meint dabei eine große, staatsgefährdende Krise, die den Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung herbeiführt und in Form einer Invasion „muslimischer Horden“, ausufernder Migrantenkriminalität oder eines „Bürgerkriegs“ erwartet wird. An diesem Tag, so die Vorstellung, sei die Staatsgewalt außer Kraft gesetzt, und es herrsche Anarchie, bevor sie selber die Macht übernehmen würden. In jener Zeit sei jedes Mittel Recht, auch Gewalt, Totschlag und Mord. 

In den vergangenen Tagen ist es bereits zu rassistischen Angriffen auf Geflüchtete, auf Journalisten und auf NGO-Mitarbeiter*innen gekommen. Offenbar ist es mittlerweile so weit gekommen, dass Flüchtlingshelfer auf Lesbos aus Angst vor rassistischen Schlägertrupps ihre Arbeit aufgegeben haben. Dabei handelt es sich jedoch keinesfalls nur um ausländische Neonazis, sondern größtenteils um Einwohner*innen von Lesbos. 

 

Update: Auch der extrem rechte Youtuber Oliver Flesch ist derzeit auf Lesbos. Einem seiner Mitreisenden soll nach eigenen Angaben gewaltsam ein Zahn verloren haben

 

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2017-05-30_kk-fa

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