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Spangenberg Mutmaßlich rechtsterroristischer Bombenbastler kandidierte für CDU in Hessen

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Erst vergangenen Donnerstag war öffentlich geworden, dass bereits im September in Spangenberg ein 20-Jähriger wegen Terrorverdachts festgenommen worden war. Nun sind weitere Details über den Verdächtigen bekannt. (Quelle: Pixabay, Screenshot, BTN)

Wie vergangene Woche bekannt geworden ist, sitzt ein 20-jähriger aus Spangenberg (Hessen) bereits seit Mitte September wegen der Vorbereitung einer „schweren staatsgefährdenden Gewalttat“ und Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz in Untersuchungshaft. Bei dem Tatverdächtigen handelt sich um Schreinerlehrling Marvin E.. Bei einer Hausdurchsuchung fanden Ermittler:innen neben rund 600 selbstgebastelten „Kleinsprengkörpern“ und Sprengfallen auch ein Manifest. E. ruft darin zum „totalen Rassenkrieg“ auf.

Brisant ist, dass E. erst vor kurzem auf kommunaler Ebene für die CDU kandidierte. Er trat für die Stadtverordnetenversammlung und für einen Ortsbeirat an. Ein Mandat errang er allerdings nicht. Die CDU im nordhessischen Spangenberg reagierte entsetzt. Die Partei sei schockiert über den „Unterwanderungsversuch eines offenbar rechtsextremen jungen Mitbürgers unserer Stadt“, teilte der Vorstand auf seiner Homepage mit und verwies darauf, dass E. lediglich als freier Bewerber Kandidierte und kein CDU Mitglied sei.

Der 20-Jährige wollte Waffen im 3D-Drucker herstellen

Hintergrund der Festnahme und der Ermittlungen gegen Marvin E. sei der Anfangsverdacht eines Verstoßes gegen das Waffengesetz gewesen. Der Verfassungsschutz habe laut HNA Informationen Chatverläufe des 20-Jährigen ausgewertet. In diesen habe er sich in Englisch über das Herstellen von Waffen ausgetauscht. Hauptsächlich sei es darum gegangen, Waffen mit einem 3D-Drucker herzustellen. Sollte dies nicht gelingen, wollte E. sich Waffen beschaffen.

Aufgrund der Chats habe der Verfassungsschutz den Verdacht gehabt, der 20-Jährige habe eine rechtsextreme Gesinnung. Sie hielten es offenbar für möglich, dass er bereit wäre, Waffen auch einzusetzen. Die Ermittlungen dazu lagen bei der Kasseler Staatsanwaltschaft. Diese habe bereits am 16. September eine Durchsuchung der Wohnung des 20-Jährigen in Spangenberg veranlasst, wegen eines möglichen Waffendeliktes – also rund eine Woche vor der Bundestagswahl. Doch erst jetzt, knapp zwei Monate später, kommen die brisanten Details ans Licht, dass hier womöglich ein Rechtsterrorist in Gewahrsam genommen wurde, der noch im März für die CDU kandidierte.

Bei der Razzia im September fanden die Ermittler:innen rund 600 selbstgebaute Kleinsprengkörper, sechs davon hätten sich als Brief- oder Paketbomben geeignet. Auf einer Festplatte fanden die Ermittler:innen eine Art Manifest, in dem sich Marvin E. gegen den Bestand der BRD wendet und zum „totalen Rassenkrieg“ auffordert. Die Ermittlungen wurden an die Frankfurter Staatsanwaltschaft abgegeben, da diese in Hessen für Terrorverfahren zuständig ist. Die Pressestelle der Oberstaatsanwältin Nadja Niesen versicherte gegenüber Belltower.News, „dass es noch keine konkreten Anschlagspläne gab und nach uns vorliegenden Erkenntnissen zu keiner Zeit eine unmittelbare Gefahr für die Bevölkerung bestand“.

Starke Bezüge zum Halle-Täter

Zwar ist bisher wenig zum mutmaßlichen vereitelten Täter aus Spangenberg bekannt, doch das, was wir wissen erinnert in erschreckender Weise an den rechtsterroristischen Täter aus Halle. Am 9. Oktober 2019 versuchte ein Rechtsextremer, in die Synagoge in Halle einzudringen. Nachdem ihm das nicht gelang, ermordete er zwei Menschen und verletzte mehrere schwer. Dieser Rechtsterrorist bastelte seine Waffen selber zusammen, mit Hilfe eines 3D-Druckers. In einer Art Manifest veröffentlichte er im Internet die Anleitung der selbstgebauten Waffen, mit der Aufforderung, es ihm gleich zu tun. Auch er kommunizierte in englischsprachigen Foren und Chats. Der antisemitische Attentäter von Halle steht mit seiner Tat in der Tradition einer neuen Form des Rechtsterrorismus, deren Keimzelle eine von Rechtsextremismus, Antisemitismus und toxischer Männlichkeit geprägte Netzgemeinde ist. Einiges deutet darauf hin, dass sich auch Marvin E. in diesen rechtsterroristischen Ecken des Internets aufgehalten hat.

Wurde der mutmaßliche Bombenbastler aus Spangenberg im Netz radikalisiert?

Auch der mutmaßliche Bombenbastler aus Nordhessen sei in rechtsextremen Chats unterwegs gewesen. Das berichtet der Vater von E. in der Hessenschau. „Er war in diesen Chats unterwegs und hat die Kontrolle verloren, nehme ich an. Also hat nicht mehr so richtig gemerkt was ist Realität, was ist Scheinwelt“, so der Vater. Er selbst habe von den mutmaßlichen Machenschaften seines Sohnes nichts mitbekommen: „Das hat er gut versteckt.“

Was wir in rechtsextremen Netz-Communitys sehen, ist eine neue Form des rechtsalternativen Terrorismus, der nicht mehr viel mit klassischen Neonazi-Zellen gemein hat. Die Forderungen der Täter sind nicht auf regionale Besonderheiten ausgelegt, vielmehr geht es ihnen darum, Angst und Chaos auszulösen. Mit ihrem Wunsch nach Anerkennung richten sie sich unter anderem mit Memes und Manifesten ihrer Taten an die eigene Szene, die online international vernetzt ist. Auf welchen Plattformen und in welchen Chats Marvin E. aktiv war, wollte uns sie Staatsanwaltschaft mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht sagen. Wir hoffen aber, dass in Bälde mehr Licht in diesen Fall gebracht wird. 

 

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