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USA Trumps Rückkehr

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Trump bei einer früheren Kundgebung (Quelle: Pixabay)

Am Samstag, 26. Juni, 2021, sprach Trump an sein Publikum. Die Kundgebung fand im Bundesstaat Ohio unter dem Titel „Save America“ statt. Es war Trumps erste organisierte Veranstaltung nach dem 6. Januar 2021, auf die unmittelbar die Erstürmung des US-Kapitolgebäudes folgte. Trumps Auftritt war nicht direkt gegen die Demokraten, sondern gegen andere Republikaner:innen gerichtet. Trump erschien bei der Kundgebung, um Max Miller in der Vorwahl der Republikaner für das Repräsentantenhaus zu unterstützen. Miller kandidiert parteiintern gegen Anthony E. Gonzalez, der für ein Amtsenthebungsverfahren gegen Trump gestimmt hat. Die Kundgebung war die erste Station auf einer Tour. Der ehemalige Präsident besucht auch die Grenze zu Mexiko und spricht am 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag , bei einer Kundgebung in Florida.

Die Trump-Rally in Ohio entsprach der üblichen Form. Anwesende erschienen früh am Morgen und waren weit angereist, um Trump an diesem Abend sprechen zu hören. Die Massen waren in Pro-Trump-T-Shirts und rot, weiß und blau gekleidet. Auf dem T-Shirt eines Mannes direkt hinter dem Podium war zu lesen, „Ich identifiziere mich als geimpft“, Impfgegnerschaft trifft auch transfeindliche Propaganda.. Natürlich trug niemand eine Maske.

Als Trump die Bühne betrat, schien keine Zeit seit dem Wahlkampf 2020 vergangen zu sein. Die gleiche Playlist von Liedern, die Menge skandierte die gleichen Sprechchöre und Trump hielt sich an seine üblichen Talking Points. Für diese Menge und vielleicht auch für Trump selbst war dies eine weitere Wahlkampfveranstaltung für 2020. Natürlich ist laut Trump Joe Biden verantwortlich für alle Probleme in und außerhalb der USA: hohe Benzinpreise, mehr Zuwanderer, Morde, Drogen, Konflikt im nahen Osten.

Trump sprach für über 90 Minuten und wanderte zwischen viele Themen. Im Vordergrund stand die „große Lüge“:Trump hat die Wahl gewonnen und Joe Biden sitzt nur wegen des Wahlbetrugs der Demokrat:innen im Weißen Haus. Mehr als sieben Monate nach der Wahl glaubt eine Mehrheit der Republikaner:innen, dass Trump der Gewinner ist, obwohl fast jeder Rechtsstreit um die Ergebnisse abgewiesen worden ist. Im Bundesstaat Arizona läuft immer noch eine Nachzählung mit republikanischer Unterstützung.

Nach der „große Lüge“ und Wahlbetrugsnarrativen griff Trump Minderheiten an. Im Weltbild des Ex-Präsidenten leert das Ausland seine Gefängnisse in die USA. Drogenhändler, Mörder und Vergewaltiger kämen aus Südamerika und Osteuropa ins Land. Wie schon oft zuvor im Wahlkampf liest Trump den Text des Liedes „The Snake“ vor,, in dem eine Frau eine erfrorene Schlange aufnimmt, sie wiederbelebt und von ihr gebissen wird. Für Trump sind Migrant:innen die Schlange, die denjenigen beißt, die ihr helfen. Der Song wurde in den 60er Jahren von Bürgerrechtsaktivisten Oscar Brown geschrieben und richtet sich eigentlich gegen Rassismus. Trump beschreibt die mehrheitlich weißen Nachbarschaften, in denen die Kundgebung stattfand, als wunderschön, mit frisch gemähtem Rasen und ohne Kriminalität. Die Critical Race Theory war auch im Visier von Trump. Das neue Schreckgespenst zerstöre das Militär, das laut Trump jetzt „woke“ sei.

Aber der längste Teil der Kundgebung war der Aufzählung von Trumps Erfolgen im Amt gewidmet. Die unbeantwortete Frage ist: kandidiert Trump nochmal für die Präsidentschaft? Es bleibt offen. Die anderen Redner:innen, hauptsächlich ihm ergebene Politker:innen, ( darunter Marjorie Taylor Greene) drückten ihre Hoffnung aus, dass er noch einmal antritt. Trump selbst war nicht so sicher. Er erklärte, „Wir haben die Wahl zweimal gewonnen. Und es ist möglich, dass wir sie ein drittes Mal gewinnen müssen. Es ist möglich.“ Darin liegt das Motiv für diese Kundgebungen. Trump versucht sowohl seine Kontrolle über die Republikaner:innen zu festigen als auch zu messen, wie groß Unterstützung ist. Vieles hängt von den Zwischenwahlen 2022 ab. Alle Mitglieder des Repräsentantenhauses und ein Drittel des Senats stehen zur Wiederwahl, ebenso viele Ämter auf bundesstaatlicher und lokaler Ebene. Trump und die Trump-affinen Politiker:innen stehen vor zwei Kämpfen. Zuerst kommt der innerparteiliche Streit. Teile der republikanischen Partei suchen eine Zukunft ohne Trump und ohne Figuren wie Marjorie Taylor Greene, die auf der Kundgebung sprach.

Erst wenn der Trump-Flügel den innerparteilichen Widerstand überwunden hat, wird er gegen die Demokraten antreten. Wenn diese Kandidatinnen gewinnen, ist das ein Zeichen für Trump, wieder zu kandidieren. Trotz dieser Ungewissheit ist sicher, dass Donald Trump und die Anhängerschaft, die um ihn herum gewachsen ist, nicht so bald verschwinden werden.

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