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AfD-Wahlkampf „Flügel“-Männer Kalbitz, Höcke und Urban in Brandenburg gefeiert

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Zahlreiche Deutschland- und AfD-Fahnen, blaue Heliumluftballons, viele Journalist*innen, ein Bierwagen und eine Hüpfburg: Am Freitag, den 30. August, fand in Königs Wusterhausen in Brandenburg die Abschlusskundgebung der AfD vor den Landtagswahlen am Sonntag statt.

Im Endspurt trug die AfD in Königs Wusterhausen dick auf: gleich alle drei Spitzenkandidaten kamen, Andreas Kalbitz aus Brandenburg, Jörg Urban aus Sachsen und Björn Höcke aus Thüringen. Am Sonntag den 1. September wird in Brandenburg und Sachsen gewählt, am 27. Oktober in Thüringen.

„Label 23“ kommt aus der Neonazi-Szene und wird gerne unter Hooligans und rechtsextremen Kampfsportler*innen getragen.

Kalbitz spricht als Erster. Angekündigt wird er als der neue Ministerpräsident. Nur rund sechs Stunden bevor Kalbitz die Bühne betritt, enthüllte das Nachrichtenmagazin der Spiegel brisante Details zu Kalbitz’s rechtsextremer Vergangenheit.

Wehrmachts-Tattoo

Laut Recherchen des Nachrichtenmagazins ist Kalbitz 2007 mit 13 weiteren Neonazis und NPD-Politikern zu einem rechtsextremen Aufmarsch nach Athen gereist. Die 14-köpfige Reisegruppe war in einem Hotel untergebracht von dessen Balkon die Gruppe eine Hakenkreuz-Flagge hisste.

Gegen einen der 14 Reisenden wurde später ermittelt, weil er verdächtigt wurde, einen zweiten NSU aufzubauen. Zwei andere verdingten sich als rechtsextreme Söldner in Kroatien, ein weiterer verdiente über Jahre sein Geld im Rechtsrock-Business. Eine Geschichte mit Sprengkraft für die AfD, möchte man meinen.

Kalbitz: „Die gestrickte Lücken und Relotius-Presse hyperventiliert.“

Kalbitz konnte diese Enthüllungen also nicht unerwähnt lassen. Was hatte er am Freitag dazu zu sagen?

 „Es wird alles verdreht, vermengt bis zu Unkenntlichkeit, Hauptsache es bleibt irgendwo ein Hakenkreuz hängen.“

Das war es auch schon, was Kalbitz zu den Enthüllungen ausführte. Er musste an diesem Abend auch gar nicht mehr sagen. Die Gesichter, in die er an diesem Abend von der Bühne blickte, waren euphorisiert. Die älteren Damen auf den Bierbänken vor der Bühne blickten ihn freudenstrahlend an und schwenkten ihre Fähnchen. Ältere Männer recken Fäuste in die Luft und brüllten ab und an „genau“, „Lügenpresse“ oder „Buh!“. Gruppen von Jugendlichen filmten ihre Stars auf der Bühne und schwärmten von den Reden.

Andreas Kalbitz

Die AfD liefert sich in Brandenburg derzeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Sozialdemokrat*innen. Und so greift Kalbitz die SPD in seiner Rede scharf an. Die Sozialdemokrat*innen „schüren die Ängste der Menschen vor der AfD“, es gehe der SPD nur noch um das Feindbild der AfD, ruft der einstige Oberfeldwebel den applaudierenden Zuhörer*innen zu.

Jörg Urban…

Im Anschluss an Kalbitz spricht Jörg Urban aus Sachsen – gewöhnt dröge. Er besitzt die Fähigkeit, dass man sich an seine Rede, sei sie auch noch so drastisch, kaum erinnern kann.

Jörg Urban

Höcke: „Ja zu deutschen Kindern“

Als drittes und quasi als Headliner kommt Björn Höcke auf die Bühne. Er hält eine Rede in bester NS-Manier.

Zunächst behauptete Höcke „Wir sorgen uns um alle Kinder in diesem Land. Nichts anderes ist unsere Motivation und die ist grundehrlich.“ Was er damit meint, sagt er etwas später: „Wir sagen ja zu Kindern in Brandenburg und Deutschland und das ist in Deutschland vor allem ein Ja zu deutschen Kindern. Was sonst?“

Björn Höcke

„Entartetes Finanzsystem“

Er spricht von „Kulturmarxisten“ und einem „Geldsystem“, das „tot krank“ sei, von einem „Finanzkapitalismus, der uns in seinen Klauen hält“ und „völlig entartet“ sei.

Auffällig bei den AfD-Reden ist der starke Fokus auf das Thema Soziales. Besonders in Brandenburg verspricht die AfD den Menschen viele Geschenke. Profitieren sollen davon im völkischen Sinn jedoch nur Deutsche. Diese neue soziale Ausrichtung der Partei kündigte sich bereits auf dem Bundesparteitag 2018 in Augsburg an. Die AfD hat damit ihren Schwenk, weg von einer Ein-Themenpartei, hin zu einer völkisch-nationalistischen Partei mit sozialer Prägung vollzogen.

Dehumanisierung von Menschen eines ganzen Kontinents

Das bedeutet aber keinesfalls, dass die AfD auf Rassismus verzichtet. Menschen, die nicht weiß oder nicht Deutsch sind, sind für sie schlicht weniger wert. Deutsch ist für die AfD nicht, wer einen deutschen Pass hat, sondern wer die entsprechende Verwandtschaft hat.

„Liebe afrikanische junge Männer, wir unterstützen euch in eurer Heimat, aber wir können euch hier nicht gebrauchen. Die Afrikanisierung Europas, die nützt auch Afrika nichts. Und deswegen werdet ihr keine Heimat in Europa, Deutschland und Brandenburg haben können. No way!“

Begleitet wurde das AfD-„Bürgerfest“ durch einen friedlichen und bunten Protestzug. 700 Demokrat*innen kamen, darunter die kommissarische SPD-Chefin Manuela Schwesig.


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Landolf Ladig Wird Björn Höcke von der NPD erpresst?

Zeitgleich behaupten zwei Personen unter dem Pseudonym Landolf Ladig für NPD-Magazine geschrieben zu haben. Doch das ist eher unwahrscheinlich. Plausibler ist, dass Björn Höcke diese rechtsextremen Texte verfasst hat, was bei einer Bestätigung einen Parteiausschluss zur Folge hätte. Doch bis dahin wäre er durch die NPD erpressbar.

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