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Antiziganistische Gewalt in Europa Angriffe auf Roma in Frankreich und Italien

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Angriff auf Roma-Aufnahmezentrum in Rom (Quelle: picture alliance / Photoshot)

In den vergangenen Wochen kam es im Südwest-Europas vermehrt zu Angriffen auf Romnija und Roma. In der italienischen Hauptstadt belagerten Anwohner*innen und rechte Aktivist*innen ein Aufnahmezentrum, in denen Rom*nija untergebracht waren. In Frankreich kommt es wegen Falschnachrichten über angebliche Kindesentführungen immer wieder zu gewalttätigen Übergriffen auf Rom*nija.

Europas extrem rechte Parteien ernten die Früchte ihres romafeindlichen Hasses

Rassismus gegen Romnija und Roma steht in einer traurigen jahrhundertealten Tradition, die je nach historischen Begebenheiten mal stärker und mal schwächer ausgeprägt war. Ressentiments wegen ihrer Hautfarbe, Sprache und Kultur gehört für die Mitglieder dieser Minderheit genauso zum Alltag wie diskriminierende Behandlungen durch Behörden, Polizei und Justiz . Immer wieder wird diese marginalisierte Gruppe in Europa von rechtspopulistischen und rechtsextremen Parteien als Feindbild ausgemacht, um rassistische Stereotype über sie zu verbreiten und so Angst, Wut und Hass auf Rom*nija in der Gesellschaft aufkeimen zu lassen.

In Italien beispielsweise rief ein Vorschlag des rechtsextremen Innenminister Matteo Salvini 2018 einige Empörung hervor, als er Vorschlug, alle Sint*eza und Rom*nija in seinem Land zählen zu lassen. Was er vorschlug, war eine Volkszählung. Auch während der NS-Verfolgung dienten breit angelegte Datenbanken als Grundlage der „Ethnischen Säuberung“, auch von Sint*ezza und Rom*nija.

Angriff auf ein Aufnahmezentrum mit 70 Roma in Italien

Im römischen Außenbezirk Torre Maura kam es in der Nacht auf Mittwoch, den 3. April, zu einem Angriff auf ein Aufnahmezentrum, in dem über 70 Rom*nija lebten. Angestachelt wurde dieser Aufstand laut italienischer Medienberichte durch die rechtsextremen Parteien „Casa Pound“ und „Forza Nuova“. Der Angriff dauerte mehrere Stunden, etwa 300 Personen beteiligten sich. Vordergründig protestierten sie gegen eine Übersiedlung der Rom*nija in ein Aufnahmezentrum vor Ort. Letztendlich entlud sich hier jedoch vor allem der Hass auf eben jene marginalisierte Minderheit, der schließlich auch in Vernichtungsphantasien mündete. Vor dem Tor des Aufnahmezentrums, rief ein Protestierender lautstark einem Rom zu: „Verschwinde, sonst bring ich dich um“, während ein Anderer grölend hinzufügte: „Wir müssen sie lebendig verbrennen“. Neben römischen Grüßen aus dem Mob, kam es auch zu faschistischen Chören, wie „Italien, Faschismus, Revolution“.

Nun hat Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi die Umsiedlung der Angehörige der Minderheit beschlossen. Und so wurden die Bewohner*innen unter Jubel-Rufen in Bussen abtransportiert. Den Umzug bezeichnete „Casa Pound“ sogleich auch als „großen Sieg“. Und auch Salvini äußert sich in einem Tweet: „Roma-Chaos in der Hauptstadt.“

Falschnachrichten führen in Paris zu Gewalt gegen Rom*nija

Aber auch in Frankreich kam es jüngst zu Angriffen auf Rom*nija. Seit geraumer Zeit kursieren auf Twitter und Facebook Falschmeldungen, wonach Rom*nija in Frankreich angeblich Rom*nija Kinder entführen würden. In einer Nachricht heißt es laut „Der Standard“: „Entführungsversuch in Montfermeil. Es ist ein rumänisches Netz, das Organhandel betreibt“. In einer anderen weitverbreiteten Meldung steht: „Ein weißer Lieferwagen verkehrt zwischen Nanterre und Colombes, um junge Frauen zu entführen.“ All das ist frei erfunden, und dennoch verbreiten sich dieses gefährliche Gerücht über die sozialen Medien in Frankreich wie ein Lauffeuer. Es ist eine der ältesten Lügengeschichten über Rom*nija in Sozialen Netzwerken (vgl. BTN 2014). Trotzdem funktioniert die Desinformation immer weiter: Nutzer*innen veröffentlichen Bilder und Videos von Lieferwagen, es kommen immer neue Geschichten hinzu.

Am 17. März kam es infolge dessen zu mindestens drei gewalttätigen Angriffen auf Rom*nija in Frankreich:

In Bobigny, östlich der französischen Hauptstadt, verfolgten etwa 50 Männer einen weißen Lieferwagen, der auf ein Rom*nija-Lager zusteuerte. Sie waren mit Eisenstangen, Messern, Spitzhacken und Stangen bewaffnet, so „Der Standard“. Die Angreifer bedrohten den Fahrer und steckten später andere Autos in Brand.

In Colombes, einer Vorstadt nordwestlich von Paris, versammelte sich eine Gruppe von 20 Personen um einen weißen Lieferwagen. Aufgebracht durch die Falschmeldung, war die Gruppe auf der Suche nach potentiellen Entführern. Schließlich verprügelte die Gruppe die beiden Insassen des Lieferwagens.

In Clichy-sous-Bois, 15 Kilometer östlich von Paris, drangen Bewaffnete gewaltsam in ein leerstehendes Wohnhaus ein. Eine Rom*nija-Familie die hier Unterschlupf fand, konnte sich gerade so noch vor den Angreifer*innen retten. Vor dem Angriff hatten sich Anwohner*innen vor dem Rathaus der Banlieue versammelt, darunter viele besorgte Mütter. Sie verlangten behördlichen Schutz für ihre Kinder, da sie befürchteten, dass ihre Kinder sonst von Rom*nija entführt würden.

Fortdauernde Legende: Roma entführen blonde Kinder

Da den Gewalttaten eine antiziganistische Desinformations- und Hetzkampagne vorausging, warnen französische Behörden nun vor den Falschmeldungen, doch das gefährliche Gerücht hält sich weiterhin hartnäckig. Und es fußt auf einer tiefverwurzelten romafeindlichen Legende, nach der Rom*nija (blonde) Kinder entführen. Das Bild der Kinder stehlenden Sint*ize und Rom*nija taucht in Europa bereits im 17. Jahrhundert in der Literatur auf. In solchen Erzählungen wächst ein entführtes blondes Mädchen unter dunkelhäutigen Rom*nija auf. Während alle um sie herum unehelichen Sex haben, schafft die Entführte es, sich ihre Jungfräulichkeit zu bewahren.

Und auch in Deutschland haben Eltern bis in die 1960er Jahre hinein ihre Kinder mit Hilfe dieser Entführungs-Mär erzogen, „wenn du nicht brav bist, holen dich die Zigeuner“. Diese Erzählung ist noch heute Teil des kollektiven Gedächtnisses der europäischen Gesellschaft, wie wir nicht zuletzt an den derzeitigen Ausschreitungen sehen.

Auch in Deutschland halten sich rassistische Stereotype über Sint*ezza und Rom*nija hartnäckig. In beinahe allen Lebensbereichen werden sie ausgegrenzt. In der Mehrheitsgesellschaft gibt es bisher kaum Fürsprecher.

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