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dehate report #02 – Fashwave Fashwave auf Online-Plattformen

Fashwave-"Kunstwerk", verbreitet auf der Spiele-Plattform und Community "Steam" - es ist übrigens ein Gif, die hier neonpinke "Schwarze Sonne" dreht sich auch noch. (Quelle: Screenshot Steam)

Fashwave in Form von Videos, Bildern und Musik ist mittlerweile ein fester Bestandteil rechtsextremer Propaganda. Egal ob auf Facebook, TikTok, YouTube oder Telegram:die Inhalte genießen von Sozialen Medien bis hin zu Messenger-Diensten eine weite Verbreitung. Und selbst in den Profilbildern auf Videospielplattformen findet sich diese Ästhetik wieder.

Fashwave-Elemente erfüllen auf den unterschiedlichen Plattformen zwei Funktionen:

  • Nach außen dienen die Bilder der Rekrutierung. Sie sind weniger radikal in ihren Inhalten und werden über die gängigen großen Social Media-Plattformen, wie Facebook, Instagram, TikTok oder das Kunst-Portal DeviantArt geteilt. Über YouTube und Spotify findet vor allem die Fashwave-Musik Verbreitung. Einzelne Videos und Tracks haben Aufrufe im sechsstelligen Bereich. Anfangs mag die Ästhetik auf User:innen ansprechend wirken und der ideologische Gehalt nicht sofort ins Auge springen. Dabei kommen die Konsument:innen jedoch unterschwellig mit der rechtsextremen Ideologie in Kontakt und können in immer abgeschlossenere Online-Räume von Rechtsextremen geraten oder gelenkt werden.
  • Innerhalb der Szene dienen die Fashwave-Inhalte der Radikalisierung und als ideologische Selbstbestätigung. Auf einschlägigen Plattformen wie Imageboards oder geschlossenen Telegram-Kanälen und -Gruppen rückt die Radikalisierung in den Mittelpunkt. TelegramKanäle tragen dort eindeutige Namen und haben teils tausende Mitglieder. Die Fashwave-Inhalte in den oft englischsprachigen Kanälen erreichen durch Verlinkungen mit weiteren Gruppen und Kanälen eine hohe Reichweite und tauchen neben anderen rechtsextremen Propagandainhalten auf. Die immer drastischer werdenden Bilder sind in erster Linie auf die eigene Community zugeschnitten. Sie spielen mit rechtsextremen Codes, die von der Szene verstanden und gedeutet werden können, und zeigen dabei Tabubruch, Härte, Hemmungslosigkeit.

Insbesondere über Hashtags finden die Fashwave-Inhalte Verbreitung. Ein Hashtag ist vergleichbar mit einer Kategorie. Indem ein Bild einem Hashtag zugeordnet wird, fügt es sich in eine Reihe anderer Inhalte ein, die ebenfalls über den Hashtag aufzufinden sind. Rechtsextreme nutzen dies, um ihre politischen Inhalte in unpolitischen Trends oder Hashtags unterzubringen. Vor allem verspielte und auf Unterhaltung abzielende Plattformen nehmen in dieser rechtsextremen Strategie eine entscheidende Rolle ein.

So zeigt das Bild auf der Instagram-Seite eines rechtsextremen Künstlers einen bewaffneten und mit glühenden Augen in die Ferne blickenden Bundeswehr-Soldaten vor der Kulisse eines Tannenwalds. In der Bildmitte befindet sich eine in Neongrün gehaltene Algiz-Rune und am unteren Rand der Schriftzug „Defend Nature“. Unter den Hashtags finden sich zahlreiche, die nichts mit einer rechtsextremen Ideologie gemein haben. Nur das Wissen über rechtsextreme Symbole und Codes offenbart die tatsächliche Intention des Werkes: Die Algiz-Rune war das Symbol der eugenetischen „Lebensborn“-Bewegung im Nationalsozialismus und wurde außerdem anstelle des christlichen Kreuzes auf den Gräbern verstorbener SS-Angehöriger angebracht. Der Slogan „Defend Nature“ ist eine Anspielung auf die Idee des Ökofaschismus, der eine unberührte Natur gegen eine sich zügellos vermehrende Menschheit verteidigen will. Unterkategorien von Fashwave passen auch ihre Hashtags an, um ein anderes Zielpublikum anzusprechen. So tauchen Cathwave-Bilder regelmäßig unter Hashtags wie #prayer oder #religiousart auf, um in den Onlinevorschlägen religiös interessierter Nutzer:innen zu erscheinen. Die visuelle Kultur von Fashwave, die sich des bereits etablierten und bewusst ansprechenden Vaporwave bedient und dadurch oft nicht sofort erkannt wird, ist auf YouTube und TikTok um die musikalische Komponente ergänzt. Dadurch können die Inhalte noch emotionalisierender wirken. Auch die Algorithmen der Plattformen wirken als Katalysator für rechtsextreme Propaganda. Wie die Autorin Julia Ebner analysiert, bevorzugt zum Beispiel der YouTube-Algorithmus möglichst radikale Inhalte vor weniger radikalen. Über Vaporwave-Playlists haben User:innen also gute Chancen, früher oder später auf einen Track wie Make Democracy History“ zu stoßen.

Der de:hate report #02 zum Download:

https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/publikationen/fashwave/

Mehr aus dem Report auf Belltower.News:

WEBINAR und LIVESTREAM – 07. Juli, 16 Uhr

Anlässlich des neu erschienenen de:hate-Reports #02: „Fashwave – Rechtsextremer Hass in Retro-Optik“ laden wir zum Publikumsgespräch ein. Am 7. Juli geht es nicht nur um die Frage, was Fashwave ist, an wen es sich richtet und warum es wichtig ist, rechtsextreme Online-Propaganda stärker in der Blick zu fassen. Fashwave bedient sich der Ästhetik einer antikapitalistischen Subkultur: der Synth- und Vaporwave. Deshalb geht es auch um die Frage: Wie können Subkulturen rechtsextreme Vereinnahmungen erkennen und sich dagegen wehren? Warum greifen Rechtsextreme überhaupt Subkulturen auf, die in ihrem Kern teilweise rechtsextremen Weltbildern eindeutig widersprechen?

Über diese Fragen diskutieren Veronika Kracher, Mitautorin des Reports, und Dr. Peter Schulz, Soziologe an der Universität Jena. Moderiert wird die Veranstaltung von Simone Rafael, Chefredakteurin des journalistischen Onlineformates belltower.news.

Das Webinar findet auch auf Zoom statt. Wenn ihr mit uns diskutieren wollt, bitte anmelden unter: https://us02web.zoom.us/meeting/register/tZ0qcOqtqTMqGN3zdCiajcPML_OCdeRVsbbL. Parallel dazu, wird die Veranstaltung via Livestream auf YouTube übertragen.

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20210713_Courage Against Hate

Courage Against Hate Neuer Facebook-Bericht gegen Rechtsextremismus online

Im Rahmen der Initiative „Courage Against Hate“ hat Facebook einen Bericht zu Rechtsextremismus im Internet veröffentlicht – u.a. mit Beiträgen von „Hope not Hate“, dem „Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft“ in Jena oder dem Projekt „Get The Trolls Out“. Gleichzeitig sind viele bekannte Neonazis auf der Plattform immer noch aktiv.

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