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Februar 2017 Homo- und Transfeindlichkeit und Sexismus

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Wissen, wo die Diskriminierung stark ist: Der "Christopher Street Day" in Berlin wählt für 2017 ein deutliches Motto. (Quelle: csd-berlin.de)

 

Zusammengestellt von Simon Raulf

 

Homo- und Transfeindlichkeit 

Brandenburg: Weniger Angriffe gegen Homosexuelle, Behindert und Obdachlose

In Brandenburg sind laut Innenministerium 2016 deutlich weniger Straftaten gegen Homo- und Transsexuelle sowie Menschen mit Behinderung und Obdachlose angezeigt worden als im Jahr zuvor. Danach wurden im vergangenen Jahr vier Übergriffe auf Menschen mit anderer sexueller Orientierung erfasst, halb so viele wie 2015. Die Zahl der registrierten Straftaten gegen Obdachlose und Menschen mit Behinderung verringerte sich von acht auf zwei. Die Tendenz ist nicht selbstverständlich, denn bundesweit nehmen die Fälle zu. (Märkische Allgemeine)

 

Lüttich: Langjährige Haftstrafen nach homofeindlicher Attacke

Ein Berufungsgericht in der wallonischen Großstadt Lüttich hat den 38-jährigen Michel L. und den 27-jährigen Robert M. wegen eines brutalen homophoben Übergriffs am Donnerstag zu einer Haftstrafe von elf bzw. sieben Jahren verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass die beiden in der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar 2015 aus Homofeindlichkeit einen 53-jährigen geistig behinderten Schwulen im Stadtteil Angleur an eine abgelegene Stelle gelockt hatten und unter Gewaltandrohung vergewaltigten. Dabei wurde das Opfer schwulenfeindlich beschimpft (queer).

 

Jede Stimme gegen rechts – ist das ein gutes CSD-Motto?

In der Kolumne „Heteros fragen, Homos antworten“ des Tagesspiegels geht es um das Motto des Berliner CSD und die Abgrenzung gegen Rechtspopulisten. Gut gemeint ist das Motto auf jeden Fall. In der Tat konnte man lange den Eindruck bekommen, beim CSD handele es sich um eine Homo-Love-Parade, bei der die einzigen Botschaften Werbeslogans von Firmen sind, die ihre Produkte unters queere Volk bringen wollen. (Tagesspiegel)

 

Homofeindlichkeit in Russland: Ganz alltäglicher Hass

Das russische Pendant zu „Airbnb“ bietet einen Zusatzservice an: Dort ist vermerkt wie viele Homosexuelle in der Stadt leben. Grundlage der Daten sind Suchanfragen bei Google nach den Schlagworten „Porno“ und „Gay Porno“. In Russland werden Homosexuelle tagtäglich gedemütigt, erniedrigt und manchmal einfach totgeschlagen. (taz)

 

Brandenburg: 80.000 Euro für ein Konzept gegen Homo- und Transfeindlichkeit

Das Land Brandenburg investiert 80.000 Euro für ein Konzept gegen Homo- und Transfeindlichkeit. Der Aktionsplan geht auf einen Beschluss des Landtags vom vergangenen Jahr zurück. „Mit dem Aktionsplan wollen wir der Diskriminierung von Lesben, Schwulen, bi-, trans-, intersexuellen und queeren Menschen entgegenwirken und ihre Akzeptanz in der Gesellschaft stärken“, erklärte Sozialstaatssekretärin Almuth Hartwig-Tiedt (Die Linke) am Mittwoch in einer Pressemitteilung. „Diese Aufgabe wollen wir in einem breit angelegten Dialog mit der Community anpacken und dabei alle politischen und gesellschaftlichen Ebenen für eine aktive Gleichstellungspolitik einbinden.“ (queer)

 

Bringen Flüchtlinge wirklich mehr Homofeindlichkeit nach Deutschland?

Der CDU-Spitzenpolitiker Jens Spahn findet, es sei ein Thema, über das zu wenig geredet werde: Homophobie, also Schwulenfeindlichkeit, von Flüchtlingen. „Mich nervt einfach, dass wir dieses Problem gar nicht besprechen – aus Angst, man könnte sich irgendwie verheddern in seinem Multikulti-Wohlfühldasein“, hat er dieser Tage der „B.Z.“ gesagt. Über die Flüchtlinge sei viel Homophobie ins Land gekommen. „Wir sehen in unserer Beratung aktuell keinen Anstieg von Diskriminierungen homosexueller Menschen“, sagte Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes dieser Zeitung. Und auch beim Lesben- und Schwulenverband (LSVD) heißt es zur Frage gestiegener Homophobie aufgrund der Flüchtlingszuwanderung: „Es gibt keine Studien, die das belegen.“ Eine Studie der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) aus dem Jahr 2016 stellt allerdings fest, die Sexualmoral der Flüchtlinge erscheine im Vergleich zur liberalen deutschen Mehrheitsgesellschaft als intolerant und prüde. (Berliner Zeitung)

 

Vermarkter trennt sich von schwulenfeindlichem Youtuber

Der Youtuber Mert Eksi hat ein Problem mit Homosexuellen. „Das ist unmenschlich sowas“, sagt er in einem Video, das er am Montag hochgeladen hat. Eksi pocht dabei auf die Meinungsfreiheit: „Ok, ich sage, ich bin gegen Schwule. Akzeptiert das. Das müsst ihr akzeptieren, meine Meinung müsst ihr akzeptieren.“ Offensichtlich muss das nicht jeder akzeptieren: Sein Vermarkter Divimove hat sich diesen Dienstag von Eksi getrennt, der auf Youtube mit Musik und Videoblogs bislang mehr als 700 000 Abonnenten erreicht. (Süddeutsche)

               

Trump nimmt Schutz für Transgender zurück

Die US-Regierung von Präsident Donald Trump hat am Mittwoch die von Vorgänger Barack Obama geschaffene Freizügigkeit für Transgender-Menschen rückgängig gemacht. Die Regelung Obamas hatte es Transgender-Schüler_innen freigestellt, welche Toiletten und Umkleideräume sie etwa in Schulen und Universitäten benutzen. So konnten sich beispielsweise Transgender-Frauen auch dann in der Damenumkleide umziehen, wenn ihre operative Geschlechtsumwandlung noch nicht vollzogen war. Vor allem Konservative hatten bemängelt, dies würde Männern unter einem Vorwand ermöglichen, in Damentoiletten einzudringen. Außerdem würden traditionelle Werte verletzt. (Zeit Online)

 

Finnland bestätigt Ehe für alle

Als letztes nordisches Land stellt auch Finnland ab 1. März Schwule und Lesben im Eherecht gleich. Die Ehe-Öffnung war bereits im November 2014 mit einer knappen Mehrheit von 105 zu 92 Stimmen beschlossen worden. Eine Unterschriftensammlung von Homo-Gegnern hatte aber eine erneute Abstimmung erzwungen. Und diese fiel deutlich aus: 120 Abgeordnete stimmten am Freitag für die Ehe-Öffnung, 48 dagegen und zwei enthielten sich. 29 Parlamentarier waren abwesend. (queer)

 

Dänischer Fußball startet Kampagne gegen Homofeindlichkeit

Die dänische Fußballgewerkschaft SPF hat am Dienstag angekündigt, eine groß angelegte Kampagne gegen Homosexuellenfeindlichkeit zu starten. „Wir wollen Homophobie bekämpfen, weil sie keinen Platz in unserem Sport hat“, erklärte Jeppe Curth, der Chef der Spielergewerkschaft. Leider sei Homophobie aber in dänischen Stadien nach wie vor weit verbreitet. (queer)

 

 

Sexismus: 

Frankfurt: „Freßgass-Sexmob“ zu Silvester erfunden

Die von einem Wirt und Pegida-Sympathisanten behaupteten sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Frankfurt gab es nicht. Die Polizei ermittelt nun gegen den Gastronomen – und die Bild-Zeitung entschuldigt sich für ihre Berichterstattung. (Hessenschau)

 

Frauen kritisieren Sexismus im NRW-Landtag

Sexismus ist kein neues Phänomen im nordrhein-westfälischen Landtag. Häufig tritt er „versteckt und subtil“ auf, sagt Josefine Paul, Fachsprecherin für Frauenpolitik bei den Grünen – etwa dann, wenn Abgeordnete politische Gegnerinnen als „Mädchen“ titulieren. Stehen Frauen, gleich welcher Landtagsfraktion, am Redepult, steige der Lärmpegel, sagt die 34-jährige Grünen-Politikerin. Sie findet das „nur noch respektlos“. (Neue Osnabrücker Zeitung)

 

Pionierinnen im Abseits

Museen zeigen, was eine Gesellschaft als ihr kulturelles Erbe betrachtet. Dem Anteil von Frauen daran wird dabei noch immer eine weit kleinere Rolle zugemessen. Besonders auffällig ist ihre Randständigkeit in Technikmuseen, kritisieren Hannah Fitsch und Daniela Döring vom Zentrum für Interdisziplinäre Frauen- und Geschlechterforschung der TU Berlin (ZIFG). Dort erscheinen Frauen vor allem als Ehefrau, als Konsumentin, im Haushalt oder als Exotin und Ausnahmefall. Zu sehen seien sie auch auf der Beifahrerseite von Autos am Schminkspiegel oder auf dem ihnen zugedachten hinteren Sitz eines Tandems ohne Steuerungsmöglichkeit. (Tagesspiegel)

 

Germany’s next Topmodel: Sexismus in Serie

Das Heidi-Klum-Werbeformat geht auf ProSieben in die zwölfte Runde. Wieder werden dutzende „Meedchen“ begutachtet wie auf einer Zuchtschau – und aussortiert. Die neue Staffel startet aber selbst für GNTM-Verhältnisse recht brutal, findet NWZ-Redakteur Christopher Hanraets. (Nord-West Zeitung)

 

Männer dominieren Filmbranche

23 Prozent der deutschen Kinofilme werden von Frauen inszeniert, bei 72 Prozent der Filme führen Männer Regie, an fünf Prozent arbeiten gemischte Teams: Das ist eines der deutlichen Ergebnisse der neuen Studie „Gender und Film“ der Filmförderungsanstalt (FFA) zu Arbeitsbedingungen und Gleichstellung in der Filmbranche. In den meisten kreativen Schlüsselpositionen arbeiten mehr Männer als Frauen, vor allem in den Bereichen Schnitt, Regie, Drehbuch, Produktion, Kamera und Ton. Nur in dem Bereich Kostüm sind Frauen überrepräsentiert. (Spiegel)

 

Deutlich weniger Rente für Frauen

Bei den Renten ist die Kluft zwischen Männern und Frauen in Deutschland noch größer als bei den Löhnen. In Westdeutschland bekommen Ruheständler einer neuen Studie zufolge im Schnitt 42 Prozent höhere Zahlungen aus der Gesetzlichen Rentenversicherung als Rentnerinnen, wie die gewerkschaftsnahe Hans-Böckler-Stiftung am Mittwoch in Düsseldorf mitteilte. Im Osten liegt der sogenannte „Gender Pension Gap“ immerhin bei 23 Prozent. (Taz)

 

 

Gender:

Früh gelernte Stereotypen

Schon sechsjährige Mädchen denken bei einer „schlauen Person“ eher an einen Mann. Die Forscher_innen folgern: „Viele Kinder machen sich die Idee, dass intellektuelle Brillanz eine männliche Qualität ist, schon in jungen Jahren zu eigen.“ Weitere Studien müssten aber zeigen, ob das auch für Heranwachsende aus anderen Ländern stimmt. Zur Frage, was dahintersteckt, wenn Kinder eine solche Vorstellung schon in so zartem Alter entwickeln, macht die empirische Studie zudem keine Aussagen. (Tagesspiegel)

 

Wie fühlt sich Frausein im Körper eines Mannes an?

Die Geschichte von Nina geht ans Herz. Nina wurde als Mann geboren, aber fühlte schon immer als Frau. Lange lebte sie eine Lebenslüge, heiratete, wurde zweifacher Vater und brach schließlich gegen alle Widerstände und Ängste das Tabu. Das Schöne: Es gab ein Happy End, ihre Frau hatte Verständnis, liebte ihren Mann auch als Frau, die Kinder sowieso und auch die Freunde, Nachbarn, Kolleg_innen arrangierten sich in den meisten Fällen. (Huffington Post

Selbsthass und Selbstüberhöhung

Trump repräsentiert mehr als einen Rückschlag für Frauen. Er steht auch für die Unfähigkeit von Männern, sich mit den eigenen Genderfragen auseinanderzusetzen. Auch in diesem Sinn ist er neu. Er ist anders als die heterosexuellen weißen Männer, die vor ihm ins Weiße Haus einzogen. Er ist eine Parodie, ein Simulacrum von Männlichkeit, entstanden aus Selbsthass und Selbstüberhöhung. Und er spiegelt darin den widersprüchlichen Zustand des zeitgenössischen Mannes. (Freitag)

 

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