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Gedenken an Thomas Haller Neonazi-Skandal beim Chemnitzer FC weitet sich aus

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(Quelle: picture alliance/Harry Härtel/dpa-Zentralbild/dpa)

Vergangenes Wochenende wurde beim Heimspiel des Viertligisten Chemnitzer FC dem verstorbenen Neonazi-Kader und Gründer der berüchtigten rechtsextremen Hooligangruppe Hoonara (Hooligans Nazis Rassisten) Thomas Haller gedacht. In der Chemnitzer Fankurve gab es eine Choreografie und Pyrotechnik zu seinen Ehren, Musik wurde über die Stadionlautsprecher abgespielt, auch eine Rede wurde verlesen.

Soweit so bitter, aber wenig überraschend: die Chemnitzer Fanszene gilt schon seit Jahrzehnten als durchsetzt mit rechtsextremem Gedankengut und Neonazikadern. Was dem Ganzen die Krone aufsetzt ist der offizielle Anstrich des Gedenkens, die Nutzung der Stadionlautsprecher und der Anzeigetafel. Das hatte öffentlich auch viel Kritik hervorgerufen. Bisher hatte die Vereinsspitze des Chemnitzer FC behauptet von Fanseite zu diesem öffentlichen Gedenken im Stadion genötigt worden zu sein. Heute zitierte jedoch Tag24 Chatprotokolle einer internen WhatsApp-Gruppe von Vereinsoffiziellen, in denen sich der Sachverhalt anders darstellt.

„Ich bin dafür. Wir finden eine Lösung für die Außendarstellung. Hoonara ist 20 Jahre her. Er hat sich seitdem mehr als stark gemacht für den Verein.“ Dieses Zitat des Sicherheitsbeauftragten vom Chemnitzer FC macht den Anschein, als sei im vollen Wissen um Hallers Naziaktivitäten die Zustimmung zur öffentlichen Trauerbekundung im Stadion gegeben worden. Von Nötigung keine Spur. Auch vonseiten der (mittlerweile suspendierten) Fanbeauftragten Peggy Schellenberger gibt es im Chatprotokoll eindeutige Zustimmung: “Wir müssen gut abgestimmt auf Medien-Anfragen reagieren… Aber Thommy hat das jetzt mehr als verdient!!!“ Die einzige kritische Stimme gegen die Aktion kommt vom Vereinssprecher, sie findet jedoch nach Schilderung von Tag24 keinerlei Gehör.

Derweil zeigten Teile der Chemnitzer Amateursportszene Bedauern über den Tod Hallers. Diverse Fußballvereine aus Chemnitz und dem Umland drückten per Facebook ihr Beileid aus. Einer dieser Vereine ist der Post SV Chemnitz. Dieser schreibt auf seiner Facebookseite er trauere „um einen der größten Kämpfer, Sponsor und Förderer für den Verein und um einen bemerkenswerten Mann“, brisantes Detail: Hallers Security-Firma ist deren Trikot-Sponsor.

Der Umgang der Chemnitzer Sportszene und der Stadtgesellschaft mit dem Eklat fällt währenddessen unterschiedlich aus. So fiel die Volksbank Chemnitz mit folgendem Statement zur Causa auf: „Es kommt jetzt darauf an, dass es dem Verein neben seiner wirtschaftlichen Situation gelingt, sich neutral zu positionieren. Ein Fußballstadion ist keine Plattform für politische Meinungsäußerungen“.

An dieser Äußerung sieht man exemplarisch das große Problem im Umgang mit Rechtsextremen im Fußball. Die Weigerung anzuerkennen, dass Fußball ein politisches Feld ist, überlässt vor allem Rechtsextremen das Feld und viel zu häufig die Fankurve. Fußballklubs sind gesellschaftlichen Akteure, die durch Prävention und Aufklärung einen großen positiven Einfluss, vor allem auf Jugendliche, haben können. Nicht nur gegen Rechtsextremismus und Rassismus, auch mit „gewalttätigen Idealen von Männlichkeit“ sollten sich Vereine in ihrer Fanarbeit kritisch auseinandersetzen, so Fanforscher Robert Claus auf Twitter.

 

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Der Chemnitzer FC und die Neonazis Maximal fehlendes Problembewusstsein

Thomas Haller ist gestorben, er war einer der Mitbegründer der Chemnitzer Hooligan-Gruppe „Hooligans Nazis Rassisten“ (HooNaRA). Nicht nur Neonazis trauern um ihren Kameraden – auch der CFC gedachte dem extrem rechten Patron im Stadion. Die Opfer seiner Szene interessiert indessen kaum jemand.

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Zwei rechte Angriffe pro Tag

Im vergangenen Jahr ist die Zahl rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Straftaten in Berlin und den neuen Bundesländern wieder deutlich angestiegen. So wurden für 2013 insgesamt 737 politisch rechts motivierte Angriffe mit mindestens 1.086 direkt Betroffenen dokumentiert. Statisch gesehen passieren somit in Ostdeutschland etwa zwei rechte Angriffe pro Tag.

Von Alice Lanzke

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