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Interview mit #AppellvonCottbus Bündnis fordert Platzverweis für Höcke in Cottbus

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Das Bündnis läd zum zweiten Mal in den Puschkinpark ein (Quelle: #AppellvonCottbus )

Am 04. August rückt die Lausitzmetropole erneut in den Fokus der Öffentlichkeit. Einmal mehr wird der Landesvorsitzende der Thüringer AfD Björn Höcke erwartet. Dieses Mal wirbt er, wie auch der Brandenburger Landesvorsitzende Andreas Kalbitz und „Zukunft Heimat“ Chef Christoph Bernd, zum Wahlkampfauftakt für die „Junge Alternative“ (JA), die  Jugendorganisation der AfD. Vom Verfassungsschutz als „Verdachtsfall“ eingestuft, werden der Organisation auch personelle und ideologische Nähe zur bereits unter Beobachtung stehenden „Identitären Bewegung“ nachgesagt. Bereits bei seinem Auftritt zum Wahlkampfauftakt der AfD am 13. Juli regte sich in der Cottbuser Bevölkerung Widerstand. In nur fünf Tagen organisierte ein Aktionsbündnis ein Familienfest und forderte unter dem #appellvoncottbus einen #platzverweishöcke.

Aus diesem Grund werden am 04. August die Cottbuser*innen mit einem Familienfest ihren Prostest ausdrücken und zeigen, dass die Stadt eine bunte Seite hat. Auch Anastasia P., Jan D. und Torsten W. gehören zum Bündnis, das den Gegenprotest am Sonntag im Puschkinpark organisiert. Ein Interview mit ihnen:

 

Gerade hat das Aktionsbündnis #appellvoncottbus ein erfolgreiches Fest mit gut 700 Besucher*innen gefeiert. Und nun gibt es den nächsten Wahlkampfauftakt, schon wieder Björn Höcke in der Stadt…?

TORSTEN: Als ich das gehört habe, dachte ich, nee, dass die die Frechheit haben, drei Wochen später nochmal so was in Cottbus abzuziehen. Aber das ist ja genau das Problem. Irgendwie bilden sie sich ein, dass sie hier schon gewonnen haben. Also haben wir uns wieder zusammengefunden und werden wieder mit einem schönen, bunten Fest einen anderen Pol bilden. Wir hoffen, dass sich auch ein paar Journalisten zu uns verirren und darüber berichten, dass es auch die andere Seite in Cottbus gibt.

Wer steckt hinter der Initiative #appellvoncottbus?

JAN: Das ist eine Gruppe Cottbuser*innen, die einfach diese mediale Fokussierung als AfD-Hochburg nicht mehr ertragen. Wir sind Privatleute, partei- und intitiativenübergreifend, Künstler*innen, Leute aus Vereinen. Ganz bunt zusammengewürfelt.

Mit welcher Motivation geht ihr persönlich an die Organisation dieser Veranstaltung heran?

ANASTASIA: Ich war am 13. Juli selbst beim ersten Familienfest. Da war so eine gute Atmosphäre und als ich hörte, es gibt schon wieder so einen Höcke-Termin, wollte ich einfach mitmachen. Als selbstständige Unternehmerin reise ich viel im gesamten Land herum. Dabei stelle ich immer wieder fest, dass Cottbus ein sehr negatives Image hat. Auf der anderen Seite höre ich Klienten, Freunde, Nachbarn, die sich rühmen, dass wir hier die höchsten Prozentpunkte für die AfD haben. Da wird mir übel, weil sich das so anfühlt, als ob man uns mit Dreck beschmeißt. Dabei kapseln sie sich und uns ab und merken es nicht mal. Ich will zeigen, dass es in Cottbus nicht nur so ist und das wir, trotz aller Unkenrufe, mehr sind.

JAN: Mir geht es auch so. Es geht mir um Cottbus. In meiner Uni-Zeit habe ich die Stadt als sehr weltoffen und tolerant erlebt und komme mit diesem Image, das Cottbus mittlerweile hat, einfach nicht klar. Das wird der Stadt nicht gerecht.

Wie kam es denn zur ersten Veranstaltung und zum #platzverweishöcke?

TORSTEN: Als wir gehört haben, dass Höcke seine Propagandareden in Cottbus halten wollte, haben wir uns ganz schnell zusammengefunden. Das ging quasi über Nacht. Und dann wurde in fünf Tagen eine Riesen-Party organisiert, zu der 700 Leute kamen. Das war echt Wahnsinn! Bei der AfD sollen 700 Leute gewesen sein, die aus drei Bundesländern antransportiert wurden. Das Beste an unserem Familienfest war aber für mich, dass es so viele Menschen gab, die spontan mitgeholfen haben. Super fand ich auch die Beteiligung aus der Künstlerszene. Die haben sich mitten in den Ferien zusammengefunden, meist hat irgendwer von den einzelnen Bands gefehlt. Wir haben dann eine eigene Band gegründet und in der einmaligen Besetzung ein paar Songs gespielt. Einfach toll!

Was habt ihr organisiert, was können die Cottbuser*innen am 04. August erwarten?

ANASTASIA: Beim letzten Mal war ja nun absolute Urlaubszeit. Also hoffe ich, dass wir dieses Mal noch mehr Leute sind, die auf friedliche Weise zeigen, dass Hetze und Menschenverachtung in Cottbus nicht gewünscht sind. Es gibt ganz viele Aktionen für Kinder, Essensstände, die Leute können auch wieder Kuchen mitbringen und wir haben ein tolles Bühnenprogramm. Zum Beispiel werden „TRÄUMER UND MENSCHEN“ und „LORD JAMES“ spielen, es gibt aber auch Tanz- und Lesebühne und vieles mehr. Das Highlight ist aber mit Sicherheit, dass „WIR“-Gefühl, das Bunte und die Gewissheit, was man zusammen erschaffen kann, denn alle Aktionen werden freiwillig und kostenlos umgesetzt. Wir haben ja gar kein Budget und sind auch kein Verein. Alles was dort passiert, basiert auf Eigeninitiative und das macht vermutlich auch die besondere Atmosphäre aus.

Eure Wünsche für das Familienfest?

TORSTEN: Spaß! Und wenn ich ehrlich bin, wünsche ich mir auch, dass unsere Stadtoberen und Parteien uns unterstützen. Die rechte Hetze wurde einfach viel zu lange geduldet. Und so konnten sich deren Gedanken ja auch schön verfestigen. Ich vermisse da mehr klare Kante von der Stadt als Ganzes.

JAN: Dass noch viel mehr Leute kommen und zeigen, dass Cottbus eine tolle Stadt ist. Außerdem wünsche ich mir ein großes mediales Echo über das bunte Cottbus.

ANASTASIA: „Ich wünsche mir noch mehr Gespräche, denn ich habe überhaupt nichts dagegen, wenn Leute von der anderen Veranstaltung rüber kommen und merken, dass es bei uns viel lustiger ist und man einfach ins Gespräch kommt. Abgrenzung passiert doch nur, wenn man nicht miteinander redet.

 

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