Weiter zum Inhalt Skip to table of contents

Monatsüberblick Mai 2016 Islamfeindlichkeit

Von|
Ich stelle mich vor den Bundestag mit vielen Deutschlandfahnen um meinen Kopf und äußere bedrohlich klingendes Geschwurbel gegen den Islam, das wenig sagt, aber auch noch moderne-kritisch klingt: So äußert sich Björn Höcke (AfD Thüringen) auf seiner Facebook-Seite. (Quelle: Screenshot Facebook, 07.06.2016)

Zusammengestellt von Simone Rafael 

Muslimische Landtagspräsidentin: Nur von der AfD kam kein Applaus

Erste Frau, erste Grüne und erste Muslima: Muhterem Aras bricht in vielerlei Hinsicht mit der Tradition ihrer Vorgänger im Amt des baden-württembergischen Landtagspräsidenten. 96 der 143 Abgeordneten wählten sie. Kritisch ist dagegen die AfD, die die Opposition im Landtag anführt – nicht nur gegen Muslime allgemein, sondern auch gegenüber Aras persönlich. Die sagte mit Blick auf die Rechtspopulist_innen: „Ich werde mit der AfD sehr korrekt nach der Geschäftsordnung des Landtags umgehen“. Voraussetzung sei, dass die AfD sich an die parlamentarischen Grundregeln halte. Die AfD-Fraktion, darunter auch ihr Chef Jörg Meuthen, verweigerte den Applaus, als Aras sich für ihre Wahl bedankte (Tagesspiegel

Islamfeindliche Desinformation: Messerstecher von Grafing: Wie aus dem Messerstecher von Grafing, Paul H., im Netz ein Islamist wurde

Am Montag, den 10.05.2016, hat gegen 5 Uhr morgens ein Mann aus Hessen in Grafing Bahnhof (ein Ortsteil der Stadt Grafing bei München) mit einem Messer Passanten angegriffen. Er war laut Zeugenaussagen barfuß und rief bei der Tat „Allahu Akbar“. Zwei Männer wurden schwer verletzt, ein weiterer Mann schwebt in Lebensgefahr und ein 56-jähriger Wasserburger ist tot. Die Polizei hat den Täter am Morgen in der Nähe des Tatorts gefasst. Es ist ein 27 Jahre alter deutscher Mann aus Gießen in Hessen. Bis kurz vor der Tat wurde er in einer Klinik psychiatrisch behandelt, war offenbar auch bei der Tat im Zustand geistiger Verwirrung. 

Dass der mutmaßliche Messerstecher von Grafing ein verwirrter Deutscher war, passt rechtspopulistischen Bloggern so wenig, dass sie eine ganz andere Geschichte erfinden – die „Lügenpresse“-Stimmung in der Szene macht sie glaubwürdig. „Was soll man jetzt glauben?“, schreibt einer bei Facebook und „Erstickt an euren Lügen, verdammte Presse…“ ein anderer. Bei diesen beiden, so sieht es zumindest aus, hat Musikproduzent Marco Delgardo offenbar sein Ziel erreicht: Die frei erfundene Behauptung, der mutmaßliche Messerstecher von Grafing habe „einen muslimischen Migrationshintergrund“ und heiße in Wahrheit nicht Paul H., sondern „angeblich Rafik Y.“, wird für plausibler gehalten als die Wahrheit. Delgardo erklärte in einem Facebook-Post mit dem Titel „Die Täter-Lüge über den angeblich Deutschen Paul H.“, er habe „gute Kontakte in Polizeikreise“. Dort will er erfahren haben, dass „Paul H.“ eine Lüge sei, denn der Täter heiße „Rafik Y.“ und sei muslimischen Glaubens. Der Post verbreitete sich in rassenden Tempo – auch, als das bayerische Landeskriminalamt längst dementiert hatte – unter anderem über Jürgen Elsässer, Chefredakteur des „Compact“-Magazins, den islamfeindlichen Blog „Politically Incorrect“, den Blog „Journalistenwatch“ (Selbstbeschreibung: „Autorenmagazin der Gegenöffentlichkeit“). Spiegel Online schreibt dazu: „Der Vorgang zeigt, wie die Propagandamaschine der „Lügenpresse“-Fraktion in Deutschland derzeit funktioniert. Mit verteilten Rollen und unklaren Quellen werden ins rechtspopulistische, antimuslimische Bild passende Behauptungen so lange wiederholt, bis sie für manche Internetnutzer zur gefühlten Wahrheit geworden sind – egal, wie weit sie von den Tatsachen entfernt sind. Viele werden die tatsächlichen Fakten nie erfahren, die Lüge wird ihnen als Wahrheit in Erinnerung bleiben und das diffuse Gefühl, ständig belogen zu werden, verstärken.“ 

Polizei will ab 2017 Straftaten gegen Muslime gesondert erfassen – wie auch Straftaten gegen Sinti und Roma sowie gegen Christen

Angesichts der zunehmenden Hetze gegen Muslime soll die Polizei nach Informationen des Tagesspiegels von 2017 an islamfeindliche Straftaten erfassen. Eine von der Innenministerkonferenz beauftragte Arbeitsgruppe von Polizeiexperten hat empfohlen, das Definitionssystem „Politisch Motivierte Kriminalität (PMK)“ um diesen Tatbestand zu erweitern. Erfasst werden sollen zudem christenfeindliche und antiziganistische Delikte, also Straftaten gegen Sinti und Roma. Die Minister würden im Juni bei ihrer Tagung im Saarland vermutlich die Ergänzung beschließen, hieß es im Umfeld der IMK. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte, „wir müssen immer wieder unseren Blick schärfen, um sicherheitsrelevante Entwicklungen erkennen zu können“. Deshalb sei es wichtig, Taten klar zuordnen zu können, „zum Beispiel in den Bereichen Christen- oder Islamfeindlichkeit“. 

Islamverband Ditib meldet Anstieg von Moscheeübergriffen: 99 in 2015

Der türkisch-islamische Verband Ditib stellt einen starken Anstieg von Angriffen auf Moscheen fest. Die Zunahme von islamfeindlichen Gewalttaten verlief parallel zu den Demonstrationen von Islamgegnern und dem Wachsen der Flüchtlingszahlen. Mit 99 Übergriffen hätten die islamfeindlichen Aktionen im Jahr 2015 ihren bisherigen Höhepunkt erreicht, teilte die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion am Mittwoch in Köln mit. „Die Zunahme von Gewalttaten ist dabei besonders alarmierend. Dazu gehören Vorfälle wie körperliche Gewalt, Angriffe mit Schusswaffen und Brandanschläge“, erklärte die Ditib-Akademie unter Berufung auf eine eigene Analyse für die Jahre 2014 und 2015. Der Anstieg sei parallel zu den rechtspopulistisch dominierten Demonstrationen, etwa von Pegida, und zur Flüchtlingsdebatte ab Sommer 2015 verlaufen. Die Ditib-Antirassismus- und Antidiskriminierungsstelle erfasst nach eigenen Angaben seit Ende 2013 systematisch Moscheeübergriffe (FAZ).

Vergleiche auch: Schweinsköpfe vor der Tür – Mehr als 400 Übergriffe auf Moscheen gab es seit 2001 – im Schnitt alle zwei Wochen ein Angriff von correctiv.org

 

So sieht der Anti-Islam-Kurs der AfD in der Praxis aus

Die Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft will in Erfurt eine Moschee bauen. AfD-Landeschef Björn Höcke kündigt Widerstand an – mit Unterstützung von Pegida. In Erfurt bietet sich nun also die Gelegenheit, den Islam-Kurs der AfD einem ersten Praxistest zu unterziehen. Björn Höcke, Fraktionschef in Thüringen, wo die AfD besonders deutschtümelnd auftritt, hatte den geplanten Bau Ende vergangener Woche als „Teil eines langfristigen Landnahmeprojekts“ bezeichnet. Die Muslime werden in dieser Logik zu Eroberern, die AfD zur ersten Verteidigungslinie – und Erfurt zum Testfall einer antimuslimischen Eindämmungspolitik. Am Dienstag stellten Höcke und seine Fraktion nun ein Maßnahmenpaket vor, das den Bau dieser Moschee verhindern und den Bau jeder anderen Moschee in Zukunft praktisch unmöglich machen soll. Auf Antrag der AfD-Fraktion gibt es zunächst eine „Aktuelle Stunde“ im Landesparlament unter dem Motto: „Moscheebauten in Thüringen – Nicht gegen den Bürgerwillen!“ statt. Zukünftig solle laut AfD-Vision „das Volk“ an derartigen Bauvorhaben früher beteiligt werden. Die AfD will praktisch auch islamfeindliche Initiativen aus der Bevölkerung unterstützen (Sueddeutsche.de). Auf der folgenden AfD-Mittwochsdemonstration in Erfurt sprach Höcke natürlich zum  Thema – und gab für ein „Grußwort“ dem „Pegida“-Organisator Siegfried Däbritz die Bühne. Der sagte: „Ohne die AfD und ohne uns wäre ganz Deutschland immer noch völlig sediert und verschlafen“ (bnr). Die Pläne in Erfurt sind das dritte Moscheebau-Projekt der Ahmadiyya-Gemeinde in den neuen Bundesländern (nach Berlin-Pankow und Leipzig). Gespräche zwischen Gemeinde und AfD brachten keine Annäherung (mdr). Dafür tauchte im Internet ein Drohvideo auf. Dort zeigt ein Mann den Hitlergruß und sagt: „Nehmt euch einfach, wenn ihr in Erfurt wohnt, nehmt euch Öl und ein bisschen Benzin und geht da auf die Baustelle in der Nacht und brennt sie ab. Und wenn die Schweine wieder beginnen sie zu bauen, dann brennt sie aufs Neue ab. Wir brennen dieses Dreckshaus ab.“ Damit will die AfD nichts zu tun haben. Höcke betont laut dem MDR, man wolle die Moschee mit rechtsstaatlichen Mitteln verhindern. (Huffington Postmdr). Das Video wurde wenig später wieder gelöscht, der Täter stellte sich der Polizei: ein 15-Jähriger aus Erfurt (mdr).

Auf Bundesebene waren Gespräche zwischen der AfD-Spitze, vertreten durch AfD-Chefin Frauke Petry, und dem Zentralrat der Muslime, vertreten durch den Vorsitzenden Aiman Mazyek, nicht fruchtbar. Die AfD brach das Gespräch ab, weil Mazyek seinen zuvor getroffenen Vergleich zwischen AfD und NSDAP nicht zurücknehmen wollte. Mayzek bekräftigte dagegen, das Programm der AfD erinnere ihn an die „dunkelste Zeit der deutschen Geschichte“. Der Zentralratsvorsitzende Aiman Mazyek warf der AfD vor, sie lehne pauschal eine ganze Religionsgemeinschaft ab und verstoße damit gegen das im Grundgesetz garantierte Grundrecht auf Religionsfreiheit. Die Muslim-Vertreter hätten klar gemacht, dass das Grundgesetz nicht verhandelbar sei und Grundlage des Gesprächs sei. Petry bekräftigte die Einschätzung ihrer Partei, nach der „ein großer Anteil der in Europa lebenden Muslime und damit auch der in Deutschland lebenden Muslime im Ernstfall die Scharia stärker gewichtet als das Grundgesetz“. Das sei eine Bedrohung für die Demokratie. Nach dem Gespräch sagte sie, der Islam und seine Glaubensvertreter seien „im siebten Jahrhundert steckengeblieben“ (mdr). Es ist allerdings auch taktisch geschickt, dass die AfD das Gespräch platzen ließ: Sie versucht nun, sich als Opfer „überheblicher Muslime“ zu inszenieren – und hat es gleichzeitig geschafft, keine Antworten auf konkrete Fragen zu geben (Spiegel Online).

AfD kritisiert Özils Pilgerreise

Im Vorfeld der Fußball-Europameisterschaft kritisiert die AfD dann auch Mesut Özils Reise nach Mekka und die Veröffentlichung von Bildern dazu auf Facebook. Özil veröffentlichte am 22. Mai auf seiner Facebook-Seite ein Bild von sich vor der Kaaba in traditioneller Pilgerkleidung, mit den Hashtags #islam und #pray. Die AfD Sachsen übt scharfe Kritik an der Pilgerreise des deutschen Nationalspielers Mesut Özil nach Mekka aus, sieht in der „öffentlichkeitswirksamen“ Pilgerfahrt ein „antipatriotisches Signal“. „Wenn Özil vor Länderspielen regelmäßig nicht die Nationalhymne mitsingt, soll das der Bürger für eine normale Privatsache halten“, kritisiert der AfD-Kreisvorstand Andrea Kersten. „Wenn Özil hingegen zur Pilgerfahrt nach Mekka reist, erklärt das der ,Tagesspiegel‘ dem Bürger als ‚Zeichen für mehr Verständigung und Integration‘,“ so der Politiker weiter. Dabei setzt die Partei ihre islamfeindliche Narrative fort, und wirft Muslimen vor eine intolerante, frauenfeindliche und homophobe Ideologie zu praktizieren, die durch die Medienberichte über Mesut Özil auch noch als integrationsfördernd hofiert würden (islamiq.de). 

„Festung Europa“ in Dresden

Die im Dunstkreis von Pegida agierende Bewegung „Fortress Europe“ (Festung Europa) hat am Pfingstmontag (15.05.2016) in Dresden ihre zweite Veranstaltung abgehalten, zu der rund 250 Teilnehmer_innen kamen. „Fortress Europe“ definiert sich als europaweite Bürgerbewegung. Tatsächlich traten am Montag Redner aus mehreren Ländern auf. Sie eint die strikte Ablehnung des Islams und die Angst vor Migration aus diesem Kulturkreis. Erstmals trat die Bewegung im Februar in Erscheinung. Weitere Auftritte in Dresden wurden angekündigt. Wortführerin bei der «Festung Europa» ist Tatjana Festerling, die schon seit Wochen nicht mehr bei Pegida aufgetreten war und damit Spekulationen um ihr Verhältnis zu Pegida-Chef Lutz Bachmann nährte. Auch am Montag klärte sie das nicht auf. Bachmann und sein engster Gefährte Siegfried Däbritz wurden am Pfingstmontag nicht gesichtet. Immerhin hatte Bachmann seine Anhänger am vergangenen Montag dazu aufgerufen, zur «Festung Europa» zu gehen. Pegida-Teilnehmer fragten auf Plakaten nach dem Verbleib Festerlings. Bachmann schwieg dazu (Freie Presse). 

Zweifel an Christenverfolgung in Flüchtlingsheimen

Muslime sollen einer Studie zufolge deutschlandweit in großem Stil christliche Flüchtlinge verfolgt haben. Doch Recherchen zeigen: An der Aussagekraft dieser Studie sind erhebliche Zweifel angebracht. Das christliche Hilfswerk „Open Doors“ hatte vor zwei Wochen die Erhebung über „Religiös motivierte Übergriffe gegen christliche Flüchtlinge in Deutschland“ veröffentlicht und von flächendeckenden Fällen von Gewalt und Drangsalierung gegenüber Christen in den Unterkünften berichtet. Der Geschäftsführer von „Open Doors“, Markus Rode, erhob den Vorwurf, die großen Kirchen in Deutschland würden das Ausmaß der Gewalt vertuschen. Ein Grund dafür sei, dass die Kirchen selbst Betreiber von Flüchtlingsheimen seien. Auf Nachfrage war es „Open Doors“ binnen einer Woche aber nicht möglich, einen einzigen Fall in einem kirchlich betriebenen Heim zu nennen (faz

Islamfeindlichkeit und Sexismus: Musliminnen werden öfter Opfer von Islamfeindlichkeit

Muslimische Frauen werden in Europa häufiger Opfer von Hassverbrechen und sind stärker der Diskriminierung am Arbeitsplatz ausgesetzt als muslimische Männer. Das ist das Ergebnis einer Studie des Europäischen Netzwerks gegen Rassismus (ENAR), die am Freitag in Brüssel veröffentlicht wurde. So seien etwa 90 Prozent der Opfer islamfeindlicher Zwischenfälle, die sich bei der niederländischen Organisation „Meld Islamofobie“ meldeten, im Jahr 2015 muslimische Frauen gewesen. In Frankreich hätten sich im Jahr 2014 rund 81,5 Prozent der Fälle islamophober Gewalt gegen Frauen gerichtet. In Großbritannien seien 2014 etwa 54 Prozent der Opfer von Gewalt mit antiislamischem Hintergrund Frauen gewesen. Darüber hinaus seien muslimische Frauen auf dem Arbeitsmarkt häufiger Diskriminierung ausgesetzt als Männer. Laut der Studie hätten nur drei Prozent der deutschen Unternehmen Bewerberinnen zum Gespräch eingeladen, die auf dem Bewerbungsfoto ein Kopftuch trugen. 44 Prozent der Arbeitgeber in Belgien sagten der Studie zufolge, dass ein Kopftuch den Einstellungsprozess negativ beeinflussen könne (islamiq.de; mehr zur Studie hier: http://www.enar-eu.org/Women-are-the-first-to-pay-the-price-of-Islamophobia-in-Europe). 

Rassistischer Berliner Hochschullehrer: Muslime sollen „zurück ins Pfefferland“

Museltante, Muselmanen, verpacktes Vieh – so werden Muslime häufig auf Pegida-Veranstaltungen oder rechten Aufmärschen herabgewürdigt. Doch derartige Töne schlägt auch ein Berliner Hochschullehrer an. Auf seiner eigenen Webseite verbreitet der Diplom-Mathematiker Wolfgang Hebold seine – wie er es nennt – islamkritischen Thesen. Unter dem Titel „Die Verheerung Europas“ betreibt der Privat-Dozent einen Blog, in dem er mit „Islamisierung, Verschuldung, ethischer Verwahrlosung und Verdummung durch Medien und Politik“ abrechnet. In bester Sarrazin-Manier stehen Muslime und der Islam im Fokus des studierten Mathematikers. Student_innen, die Vorlesungen und Seminare von Wolfgang Hebold besuchen, landen mit hoher Wahrscheinlichkeit bei diesen Zeilen. Sie finden sich nämlich genau auf der Seite, von der sie sich Lernmaterialien des Dozenten herunterladen können. Sam S., einer seiner Studenten, erklärt: „Das ist komplett rassistisch und hat an einer öffentlichen Hochschule nichts verloren.“ Letztes Semester besuchte Sam den Statistik-Kurs bei Wolfgang Hebold. Dort wurden ihm ungewöhnliche Aufgaben gestellt. „Wir sollten berechnen, welcher statistische Zusammenhang zwischen der Anzahl von Terroranschlägen und dem Anteil von Muslimen in der Bevölkerung besteht.“ Zudem will Mathematiker Hebold wissen, wie man bei der weiblichen Genitalverstümmelung in Ägypten einen möglichen Zusammenhang zum muslimischen Bevölkerungsanteil statistisch untersuchen kann. „Ich weiß nicht, was das da zu suchen hat“, meint Sam. „Statistische Werte kann man mit allem möglichen ermitteln. Ich war fassungslos und es hat mich – um ehrlich zu sein – auch angegriffen.“ (rbb-online). Nach Bekanntmachung der Vorfälle trennte sich die Berliner Fachhochschule für Wirtschaft und Recht (HWR) von Hebold als Lehrbeauftragtem, ebernso die Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW). Die private SRH hat ihn von seinen Lehraufträgen freigestellt und wartet seine Stellungnahme ab. Auf Anfrage sagte Hebold am Donnerstag: „Ich habe das Gefühl, dass das, was ich sagen wollte, vom RBB bösartig verdreht wurde.“ Außerdem seien verschiedene Einträge, die ihm nun zur Last gelegt werden, gar nicht von ihm, selbst wenn jemand sie unter seinem Namen veröffentlicht habe. „Ich bin anti-islamisch wie ich auch anti-kommunistisch und anti-faschistisch bin. Der politische Islam ist ein Problem, aber ich bin nicht rassistisch“, sagt Hebold (Tagesspiegel). Nun: Für die Moderator_innen von tagesspiegel.de ist Hebold kein Unbekannter. Er gehört offensichtlich zu den Menschen, die unter journalistischen Artikeln ungehemmt hetzen. Die Beleidigungen waren so auffällig, dass sich die Moderator_innen gezwungen sahen, ihn bereits 2011 zu sperren. Im August 2014 registrierte er sich erneut bei Tagesspiegel.de mit seinem Klarnamen. Nachdem erfahrene Moderator_innen der Nutzername und der entsprechende Duktus seiner Kommentare auffiel, wurden die Beiträge von Wolfgang Hebold zunächst nicht freigeschaltet. Das wurde ihm auch per Mail angekündigt. Seine Reaktion: „Sie und Ihr Forum für Linksfaschisten sind wirklich so armselig, wie man es im Internet überall nachlesen kann.“ (Tagesspiegel

Usedomer Dehoga-Chef macht Stimmung gegen Muslime

Der Chef des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) für Usedom und Ostvorpommern, Peter Drechsler, fällt durch islamfeindliche Äußerungen im Internet auf. Der Dehoga-Vorsitzende in einer der wichtigsten Ferienregionen Deutschlands veröffentlicht auf seiner Facebook-Seite diskriminierende Türkenwitze und macht Stimmung gegen Muslime. Der 65-jährige Wolgaster beklagt auf seiner öffentlich zugänglichen Facebook-Seite, Muslime würden immer mehr den Alltag beherrschen und strebten die Weltherrschaft an. Der Islam, heißt es in einem Beitrag, wolle die Eroberung Deutschlands. Drechsler verweist seine Facebook-Freunde auf offen rechtspopulistische Internet-Seiten, die gegen Muslime hetzen und Verschwörungstheorien verbreiten. Der Dehoga-Regionalchef hat außerdem eine Online-Petition zum Verbot der Grünen unterschrieben. Dehoga-Mitglieder zeigten sich empört, einige halten Drechsler für nicht mehr tragbar (NDR). Anfang Juni diestanzierte sich der DEHOGA-Verband Mecklenburg-Vorpommern öffentlich von Drechslers Aussagen: „Kaum eine andere Branche steht so für Toleranz, Weltoffenheit und Gastfreundschaft wie unsere“, schreibt der Verband auf seiner Website. Man distanzierte sich mit Nachdruck und in aller Deutlichkeit von gegenteiligen Aussagen des Regionalvorsitzenden des DEHOGA Regionalverbandes Ost-Vorpommern (ahgz.de). Zeitnah werde man im Kreise der Ehrenamtsträger abstimmen und mögliche weitere Schritte prüfen, heißt es. Zudem werde ein Spitzentreffen mit Mitgliedern im Regionalverband Ostvorpommern anberaumt (tophotel.de). 

Die große Verschwörung: Der Sänger der „Eagles of Death Metal“ verbreitet Hassbotschaften

Es ist ein in jeder Hinsicht trauriges Nachspiel der Anschläge von Paris. Jesse Hughes, Sänger und Gitarrist der Band Eagles of Death Metal, die bei dem Anschlag im Bataclan betroffen war, hat dem rechtskonservativen US-Blog Taki’s Magazin ein Interview gegeben, das ziemlich viel Wirbel entfacht hat. Hughes behauptet darin unter anderem, ein Teil der Bataclan-Crew müsse mit den Attentätern unter einer Decke gesteckt, sie hineingelassen haben. Er spricht zudem von „feiernden Muslimen auf der Straße“ noch am Tag der Attacke. Hughes sagt weiter, unter dem Bataclan-Personal hätte ein Mitarbeiter vor den Anschlägen herausfinden wollen, ob seine Freundin eine Muslimin sei – um sie zu schützen, weil er von dem geplanten Anschlag wusste. Im Verlauf des Interviews stellt Hughes die Opfer des Eagles-Konzertes im Pariser Club Bataclan als Feiglinge dar, die sich aus Angst nicht bewegen konnten und deshalb zu leichten Zielen der Attentäter wurden. Er hingegen sei durch seine „praktische“ Erziehung in der Lage gewesen, klar zu denken. Auf die Frage des Interviewers „Kann man sagen, dass die liberale Denkweise dieses Bedürfnis, sich zu unterwerfen, erst geschaffen hat?“ antwortet Hughes: „Natürlich trägt sie die Schuld.“ Jetzt hat ihm ein arabischstämmiger junger Mann mit einem bewegenden offenen Brief auf Facebook geantwortet. Ismael El Iraki ist ein Fan der Band und war an dem verhängnisvollen Abend bei ihrem Konzert im Bataclan. Er schreibt: „Ich habe gerade Dein schäbiges Interview gelesen, und um die Wahrheit zu sagen: Mein Herz blutet.“ (Spiegel Online).

Ebenfalls islamfeindlich äußert sich Alice Schwarzer in ihrem neuen Buch „Der Schock – die Silvesternacht von Köln“. Da weiß sie nämlich (als bisher einizige), das die Täter „fanatisierte Anhänger des Scharia-Islam“ seien. Vielleicht erst einmal Ermittlungsergebinsse abwarten? (vgl. Huffington Post

„European Islamophobia Report“: Wissenschaftler gegen Europas liebstes Feindbild

Anfang Mai 2016 wurde der „European Islamophobia Report“ vor dem Europäischen Parlament in Brüssel vorgestellt. 37 Wissenschaftler geben dort in 25 Länderberichten einen Einblick in das Ausmaß von Islamfeindlichkeit in Europa und Empfehlungen, wie Politik und Gesellschaft mit dem Problem umgehen sollten. Vor allem infolge der sogenannten Flüchtlingskrise und terroristischer Anschläge in Frankreich hätten Übergriffe auf und das Verbreiten von Stereotypen gegenüber Muslimen zugenommen, schreiben die Macher der Studie. So hätten sich infolge der Anschläge auf Charlie Hebdo islamfeindliche Angriffe in Frankreich verfünffacht. In vielen Ländern zeigten Meinungsumfragen, dass mittlerweile eine Mehrheit der Bevölkerung Muslimen feindlich gegenüber stünden. Aber nicht nur in Ländern mit großen muslimischen Minderheiten wie Frankreich sei Islamfeindlichkeit ein Problem. Auch in Ländern, in denen der Anteil der muslimischer Bevölkerung verschwindend gering ist, hätten islamfeindliche Gruppen und Parteien massiv Zulauf bekommen. So warnte in Ungarn der Anführer der rechtsradikalen Fidesz-Partei Antal Rogán vor einem „Vereinigten Europäischen Kalifat“ und der ehemalige Kulturstaatssekretär László L. Simon rief Christen auf, mehr Kinder zu bekommen, um der vermeintliche Überfremdung entgegenzuwirken. Ungarn hat einen muslimischen Bevölkerungsanteil von nicht einmal einem halben Prozent. Auch in Länder wie Litauen, Polen oder Slowenien sei Islamfeindlichkeit ein „erfolgreiches Werkzeug, um Menschen zu mobilisieren“, stellen die Wissenschaftler fest. Dabei würden Muslime nicht nur krimineller und gewaltbereiter wahrgenommen werden als es der Realität entspricht, sondern ihre Zahl auch deutlich überschätzt. Eine der wichtigsten Feststellungen des Berichts lautet deshalb: Für antimuslimischen Rassismus bedarf es keiner Muslime. Vom Phänomen Islamophobie ließen sich weniger Rückschlüsse auf Muslime ziehen als auf Islamophobe, so der Bericht (islamiq.de).

Islamfeindlichkeit: Der Medien-Verkaufsschlager

Wenn es etwas gibt, was in Europa gerade wortwörtlich schlechte Presse hat, ist es wohl der Islam. Inzwischen halten laut des Religionsmonitors der Bertelsmann-Stiftung 57 Prozent der nicht-muslimischen Bevölkerung in Deutschland den Islam für bedrohlich. „Mekka Deutschland. Die stille Islamisierung“, „Allahs rechtlose Töchter. Muslimische Frauen in Deutschland“, „Der Koran. Das mächtigste Buch der Welt“ – das sind nicht etwa die reißerischen Titel rechtsradikaler Nischenpublikationen, sondern Titelstories von Der Spiegel, also immerhin Deutschlands meistgelesenem Nachrichtenmagazin. Rund 80 %  aller Beiträge in den öffentlich-rechtlichen Magazinsendungen berichten im Kontext von Terrorismus, Integrationsproblemen und Fundamentalismus über den Islam. Mit ihm gleichgesetzt werden heute schwarz verschleierte Frauen, brennende Fahnen und Terrorismus, die zugleich als nahezu einzige visuelle Motive dienen (vgl. media-bubble). 

Warum Salafismus und Islamhass zwei Seiten einer Medaille sind

Salafismus vorzubeugen heißt auch, gegen die Islamfeindlichkeit von AfD und Pegida vorzugehen, sagt Lamya Kaddor. Für ihr Buch über jugendliche Dschihadisten hat die Islamwissenschaftlerin den Preis „Das politische Buch 2016“ der Friedrich-Ebert-Stiftung erhalten. In ihrem Buch „Zum Töten bereit: Warum deutsche Jugendliche in den Dschihad ziehen“ geht die Islamwissenschaftlerin der Radikalisierung auf den Grund. Frust und Wut über Ungerechtigkeiten und Ausgrenzung in der Gesellschaft mache einige junge Muslime anfällig für extremistisches Gedankengut. „Jede Sarrazin-Debatte, jeder Pegida-Aufmarsch“ helfe den Fundamentalisten dabei, neue Anhänger zu rekrutieren. Der Islamhass von AfD und Pegida sei „Wasser auf die Mühlen der Salafisten“, so Kaddor (vorwaerts.de). 

Selfies gegen den Hass: Junge Muslimin erstaunt Belgien mit ihrem Mut

Wie sollte man als eine junge muslimische Frau mit einem Kopftuch am besten reagieren, wenn man auf dem Weg zu einer Messe zufällig an einer Demo gegen Muslime vorbeikommt? Die Blicke auf dem Boden richten, die Gehgeschwindigkeit erhöhen, versuchen alles zu ignorieren und sich schnell in Sicherheit bringen? Von wegen! Die 22-Jährige Zakia Belkhiri aus der belgischen Stadt Antwerpen nutzte die Gelegenheit um ein paar schöne Selfies vor den Anhängern der rechtsextremen Regionalpartei “Vlaams Belang” zu machen. Auf die Frage eines belgischen Journalisten, ob sie die Demonstranten provozieren wollte, erwiderte die Belgierin: “Ich handle immer so, wie ich mich gerade fühle und ich wollte Selfies machen.” Mit dem “Vlaams Belang”-Parteichef Filip Dewinter habe sie kein persönliches Problem und seine Ansichten über den Islam seien seine eigene Entscheidung (dtj-online.de) Später allerdings geriet sie in die Kritik, weil sie selbst antisemitische Äußerungen getwittert hatte – für die sie sich später entschuldigte (vgl. Telegraph)

 

Mehr Menschenfeindlichkeit im Mai 2016

| Menschenfeindlichkeit Mai 2016: Rassismus und Feindlichkeit gegen Flüchtlinge| Menschenfeindlichkeit Mai 2016: Antisemitismus| Menschenfeindlichkeit Mai2016: Homofeindlichkeit und Sexismus| Menschenfeindlichkeit Mai 2016: Islamfeindlichkeit| Menschenfeindlichkeit Mai2016: Rechtspopulismus – AfD, Pegida, HoGeSa| Menschenfeindlichkeit Mai 2016: Internet

 

Weiterlesen

Rechtsruck Die 70-jährige Sachsen-Auswanderin

Die 70-jährige Ilse Leine wohnte seit ihrer Geburt in einem kleinen sächsischen Ort. Vor einem Jahr ist sie weggezogen – weil sie den Rassismus nicht mehr aushalten konnte.

Von|
Unsere Partnerportale
Eine Plattform der