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Nazi-Klamottenmarke „Reconquista“ bietet menschenverachtende „Killer-Döner“-T-Shirts an

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Das Motiv ist so menschenverachtend, dass es dem Betrachter und der Betrachterin die Sprache verschlägt. Auf dem T-Shirt ist ein Döner-Spieß zu sehen, in dessen Fleisch eine Maske wie aus dem Horrorfilm „Scream“ integriert ist, die nicht umsonst an einen Totenschädel erinnert. Dahinter sind zwei Schneidemesser wie die Knochen in einer Piratenflagge gekreuzt. Wer nun noch nicht auf den Hintergrund des Motivs gekommen ist, dem bleibt noch der Schriftzug: „Killer-Döner nach Thüringer Art“.

Das T-Shirt wird von der rechtsextremen Bekleidungsmarke „Reconquista“ angeboten, die schon in der Vergangenheit mit geschmacklosen Motiven auf KundInnensuche ging (netz-gegen-nazis.de berichtete: „T-Shirt-Motive von „Reconquista reloaded“ – Hassrätsel für die Szene“ und „Trendige Mogelpackung in braun„). So ist es kaum verwunderlich, dass auch dieses widerliche Motiv gleich Fans in der rechtsextremen Szene fand – dort, wo die Nazis noch ungebremst und offen zu ihrer Ideologie stehen: Auf der rechtsextremen Plattform „Altermedia“ nämlich – auf der der laufende Betrieb übrigens unverändert weitergeht, obwohl die verantwortlichen Betreiber jüngst vom Landgericht Rostock verurteilt wurden. Robert Rupprecht (30) – der sich nach eigenen Angaben von der Szene gelöst haben will – wurde zu 2 Jahren und 3 Monaten Haft verurteilt, Überzeugungstäter Axel Möller (47) zu 2 Jahren und 6 Monaten Haft.

Altermedia also feiert die neueste Designidee von „Reconquista“: „Altermedia-Herbstmoden empfiehlt den Modeknüller der diesjährigen Saison“. Auf Altermedia wird danach fleißig über das T-Shirt diskutiert. Natürlich wird unter den Hardcore-Nazis, die „Altermedia“ frequentieren, nicht die menschenverachtende Botschaft angeklagt – sondern nur die Folgen diskutiert, die das Tragen eines solchen T-Shirts mit sich bringen könnte. „Gerd“ erzürnt sich etwa: „welcher Geheimdienst-IM hat denn diese Gülleproduktion als Agent Provocateur eingestellt?“ und der „Friese Hamurg“ fragt: „Ich weiß nicht was man mit einem solchen T.Shirt erreichen soll? Als Träger dieses T.Shirts vermittelt man doch seiner Umwelt sofort, das die Thüringer Nazis auch tatsächlich die Mörder der Dönerbudenbesitzer sind. Ausserdem erweckt das T.Shirt den Eindruck das man die Morde auch noch lustig findet.“ Die „Schriftleitung“ von „Altermedia“ antwortet: „Und das Problem liegt wo?“ Böser Wehrwolf sekundiert:
Paulchen Phanter mit Heiligenschein und Flügeln lass ich mir noch gefallen! Zum T-Shirt sage ich nur,, Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich?s völlig ungeniert,, In Migratten No Go Areas nicht zu empfehlen. Der Videoclip der Zombiekillernazis sollte den Oscar bekommen!

„Reconquista“ wurde im Jahr 2008 über die Online-Plattform „Spreadshirt“ vertrieben, bis diese über die politische Ausrichtung der Marke informiert wurde und den Reconquista-Shop abschaltete. Der ehemalige Macher Arne Schemmerling hat die mittlerweile geschützte Marke nach einem Interview mit „Endstation rechts“ an das Berliner Start-Up-Unternehmen „Deunatex Limited“ verkauft. Dieses vermarktet die sportlichen Kleider und Accessoires zu Preisen herkömmlicher Markenkleidung nun direkt über die firmeneigene Website.

„Reconquista“ bezeichnet in der Geschichtsschreibung die Rückeroberung der maurisch-muslimisch besetzten iberischen Halbinsel durch die Christen. In Bezug auf die Marke soll diese Benennung wohl die reaktionäre und islamfeindliche Position gegenüber denjenigen demonstrieren, die den Namen verstehen. Die Marke versteht sich laut ihrer Website als cool, widerständig und „feschistisch“. „Feschismus“ bezeichnet den aufgehübschten, modernisierten und attraktiv gemachten Faschismus eines Jörg Haider.

Ergänzung vom 25.11.2011:

Ermittlungen wegen Volksverhetzung
Wie die taz berichtet, hat die Berliner Staatsanwaltschaft Räume des „Reconquista“-Internetversands durchsucht, der T-Shirts mit rechtsextremen und ausländerfeindlichen Motiven unter anderem im Zusammenhang mit der Nazi-Mordserie angeboten hat. Gegen zwei Geschäftsführer wurde ein Verfahren wegen Volksverhetzung eingeleitet. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft gab an, dass mehrere Anzeigen gegen den Versand vorlagen, die zu vier Durchsuchungsbeschlüssen geführt hätten. Daraufhin wurden Wohn- und Geschäftsräume sowie die Wohnung eines Verwalters in Berlin und im Berliner Umland untersucht. Computer wurden beschlagnahmt. „Die T-Shirts waren wohl noch nicht ausgeliefert“, sagte der Sprecher. Das T-Shirt wird mittlerweile nicht mehr auf der Internetseite angeboten, andere Shirts mit rechtsextremen Slogans werden weiter verkauft.

Mehr auf netz-gegen-nazis.de:

| T-Shirt-Motive von „Reconquista reloaded“ – Hassrätsel für die Szene
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