Weiter zum Inhalt Skip to table of contents

#ShameOnBenAndJerrys Kampagne gegen den Israel-Boykott

Von|
Auf Eis gelegt: Die „Ben & Jerry’s“-Fabrik im südisraelischen Beer Tuvia darf ab Dezember 2022 kein Eis für das Unternehmen mehr produzieren.
Auf Eis gelegt: Die „Ben & Jerry’s“-Fabrik im südisraelischen Beer Tuvia darf ab Dezember 2022 kein Eis für das Unternehmen mehr produzieren. (Quelle: picture alliance/Xinhua News Agency/Jini)

„Ben & Jerry’s“ bewegt sich auf dünnem Eis: Eine Online-Kampagne kritisiert die Entscheidung des Eisherstellers, den Verkauf seiner Produkte in der Westbank und Ostjerusalem einzustellen. Unter dem Hashtag #ShameOnBenAndJerrys bringen proisraelische Eisliebhaber:innen weltweit auf Social Media ihre Entrüstung zum Ausdruck, vor allem in den USA, Großbritannien und Israel. Kurz darauf trendete der Hashtag auf Twitter und wurde von diversen Unterstützer:innen wie dem israelischen Menschenrechtsanwalt Arsen Ostrovsky, der Journalistin Emily Schrader und dem israelisch-amerikanischen Immobilieninvestor und Philanthrop Adam Milstein geteilt.

Viele der Beiträge auf Facebook und Twitter werfen dem Unternehmen eine Nähe zur antisemitischen BDS-Bewegung vor, die den Staat Israel boykottieren will (siehe Belltower.News). „Wollt ihr damit assoziiert werden?“, fragt ein Facebook-Nutzer. Auf Twitter teilt ein Nutzer ein Meme mit der fiktiven Eissorte „Hamas: Terror Misu“. Avi Kaner, Miteigentümer der New Yorker Supermarktkette „Morton Williams“, schreibt ebenfalls auf Twitter: „Ben & Jerry’s sagt, dass Kinder, die im jüdischen Viertel in Jerusalem leben, kein Eis haben dürfen. Warum nicht? Weil sie jüdisch sind“. Doch die Kampagne verlief bislang nicht ohne Gegenwind: Ein User bedient einem antisemitischen Narrativ mit dem Tweet: „Israelis sind böse auf Ben and Jerry’s, weil sie Kinder ermorden UND Eis essen können wollen“.

(Quelle: #ShameOnBenAndJerrys-Kampagne)

Vor allem wirft die Kampagne #ShameOnBenAndJerrys Anuradha Mittal, Vorsitzende des „Ben & Jerry’s“-Vorstands, vor, eine BDS-Aktivistin zu sein. Mit dem Hashtag #ShameOnMittal und entsprechenden Sharepics mit problematischen Aussagen von ihr will die Kampagne auf ihre Nähe zur Boykottbewegung gegen Israel aufmerksam machen. 2018 twitterte Mittal beispielsweise ihre Unterstützung für die BDS-Bewegung samt Stacheldraht-Foto: „The catastrophe continues #Nakba70 years later. #palestine bleeds. Boycott Divest Sanctions #israel“. Ebenfalls 2018 bedankte sich Mittal bei der Sängerin Shakira, nachdem sie ihren Auftritt im jüdischen Staat auf Druck der BDS-Bewegung absagte. Im Juli 2021 nach dem Boykott-Statement von „Ben & Jerry’s“ retweetete Mittal einen Beitrag mit dem Hashtag #BDS. Laut der Kampagne #ShameOnBenAndJerrys soll Mittal auch National Geographic dazu aufgerufen haben, die israelische Schauspielerin und Model Gal Gadot von einer Sendung auszuladen. Belegt wird der Vorwurf mit einem Screenshot, der Tweet ist allerdings nicht mehr auffindbar und konnte von Belltower.News nicht verifiziert werden.

2004 gründete Mittal den Thinktank „Oakland Institute“, der Artikel veröffentlicht hat, die die Hisbollah und die Hamas unterstützen. Ein Beispiel ist ein 2006 erschienener Beitrag des Grünen-Senatskandidaten Todd Chretien, der argumentiert, Progressive sollten die islamistische Miliz Hisbollah im Israel-Libanon-Krieg unterstützen. Der Beitrag ist bis heute auf der Webseite des „Oakland Institute“ aufrufbar. Im selben Jahr schrieb Mittal ein „policy brief“, in dem sie ihre Sorgen zum Ausdruck brachte, dass der islamistischen Terrororganisation Hamas, die 2006 die palästinensischen Wahlen gewann, finanzielle Mittel der US-Regierung gestrichen würden, was die Hamas in die Pleite treiben würde. Auch dieser Beitrag ist noch online.

(Quelle: Twitter-Screenshot)

Zu den Vorwürfen äußerte sich Mittal allerdings bislang nicht. Auf eine Anfrage von Belltower.News reagierte Mittal bis zum Redaktionsschluss nicht. Stattdessen sieht sie sich als Opfer einer organisierten „Mobbing“-Kampagne, die lediglich „Lügen und Hass“ verbreite, wie sie auf Twitter schrieb.

Am 19. Juli 2021 kündigte das Eisunternehmen die Boykott-Entscheidung in einem kurzen Statement auf seiner Webseite an: Es sei mit den Werten von „Ben & Jerry’s“ nicht vereinbar, Eis im „Occupied Palestinian Territory“ zu verkaufen, heißt es. Ihre Produkte würden in der Region von einem israelischen Partner hergestellt, mit dem „Ben & Jerry’s“ nun den Vertrag zum Ende 2022 gekündigt habe. „Ben & Jerry’s“-Eis soll aber mit einem anderen „Arrangement“ auch künftig in Israel verkauft werden, so das Statement. Wie das konkret aussehen wird, bleibt allerdings noch unklar. Dass das Unternehmen seine Produkte also auch nicht an Palästinenser:innen verkaufen kann, die in der Westbank und Ostjerusalem leben, wurde von „Ben & Jerry’s“ ebenfalls bislang nicht thematisiert.

Medienberichten zufolge wurde das Statement von „Ben & Jerry’s“ vom Mutterkonzern Unilever ohne Zustimmung des „Ben & Jerry’s“-Vorstands veröffentlicht. Der Vorstand habe ein anderes Statement veröffentlichen wollen, sagte Vorsitzende Anuradha Mittal gegenüber NBC News. Darin sei von einem weiteren Verkauf ihrer Produkte in Israel nicht die Rede gewesen, so NBC News, denen das alternative Statement vorliegt. Mittal betonte auch, dass der Vorstand den Verkauf von „Ben & Jerry’s“-Produkte in den „besetzten Gebieten“ seit Jahren verhindern wolle. Ihr zufolge habe der Vorstand bereits im Juli 2020 beschlossen, Eis nicht mehr in israelischen Siedlungen zu verkaufen, der Beschluss wurde allerdings vom Geschäftsführer Matthew McCarthy, der von Unilever ernannt wurde, nicht umgesetzt.

Seit der Veröffentlichung des Statements haben sich die jüdischen Gründer Ben Cohen und Jerry Greenfield in einem Kommentar für die New York Times zu Wort gemeldet. Im Jahr 2000 verkauften die beiden Unternehmer „Ben & Jerry’s“ an Unilever, mit einer Vereinbarung, dass ein unabhängiger Vorstand – dessen Vorsitzende Mittal jetzt ist – die „soziale Mission“ der Marke schützt und weiterführt. Cohen und Greenfield seien „stolze Juden“ und „Unterstützer des Staates Israel“, befürworten aber die Entscheidung von „Ben & Jerry’s“, ihr Eis nicht mehr in den „besetzten Gebieten“ zu verkaufen – eine Entscheidung, die zu den wichtigsten gehöre, die das Unternehmen je getroffen habe. „Dass wir die Entscheidung des Unternehmens unterstützen, ist weder ein Widerspruch, noch ist es antisemitisch. Wir sind sogar der Meinung, dass dieser Akt als Förderung der Konzepte von Gerechtigkeit und Menschenrechten, die zu den Grundpfeilern des Judentums gehören, gesehen werden kann und sollte“, so Cohen und Greenfield weiter.

Dass der Vorstand allerdings offenbar nicht nur die „besetzten Gebieten“, sondern ganz Israel boykottieren wollte, dass die Vorstandsvorsitzende Mittal immer wieder die antisemitische BDS-Bewegung unterstützt oder Sympathien mit der Hamas zeigt, dazu schweigen die Gründer. Zwischen den Zeilen sieht es so aus, als würden sie aber die Entscheidung von Unilever unterstützen, nicht die des „Ben & Jerry’s“-Vorstands.

Weiterlesen

Unsere Partnerportale
Eine Plattform der