Kaum Haare, viel Hass
BTN

Hass, Hitlergruß und “HKNKRZ”: Eindrücke vom größten Neonazi-Konzert des Jahres in Themar

Am Samstag trafen sich 6.000 Neonazis in Themar. Es war ein Stelldichein der rechtsextremen und militanten Szene aus ganz Europa, die sich auf dieser Veranstaltung ungestört vernetzen konnten. Hier wurden “HKNKRZ”-Shirts verkauft, “Sieg heil”- gegrölt und im Kollektiv der Hitlergruß gezeigt.
 

Von: Belltower.News-Redaktion

 

Am Samstag, den 15. Juli 2017, fand in dem kleinen Örtchen Themar in Thüringen  Deutschlands größtes Neonazi-Festival des Jahres statt. Rund 6.000 Rechtsextreme sind dem Aufruf “Rock gegen Überfremdung” gefolgt und “feierten” auf der Wiese eines ehemaligen AfD-Politikers.

Zu sehen gab es wenige Haare, viele Tattoos - einige überklebt -, zahlreiche T-Shirts mit widerlichen Aufdrucken, Szene-Größen und Hitlergrüße.

 

Tommy Frenck - der Organisator

Veranstalter von “Rock gegen Überfremdung” war der bekannte und umtriebige Neonazi Tommy Frenck, der im benachbarten Kloster Veßra das Gasthaus „Goldener Löwe“ als Treffpunkt der Szene  betreibt. Hier organisiert er auch einen Versandhandel mit rechtsextremen Devotionalien.

 

Nicht verboten (Quelle: BTN)

Scheinbar war die ganze Familie Frenck in die Organisation dieses Hass-Events mit eingebunden: Besondere Gäste wurden von Mutter Frenck persönlich zum Festival-Gelände gefahren. Die normalen Besucher_innen mussten von ihren Parkplätzen zum Konzert-Gelände mindestens einen Kilometer zu Fuß laufen.  

Frenck hatte die “politische Versammlung” für 5.000 Besucher_innen angemeldet, gekommen sind jedoch 6.000 Rechtsextreme. So wurde es gegen Nachmittag dann auch recht eng auf dem umzäunten Gelände. Und da die Polizei bei einer politischen Versammlung keine Teilnehmer_innen ausschließen kann, bekam Frenck die Genehmigung, das Gelände zu erweitern.  

 

Tommy Frenck (mitte) im Gespräch mit der Polizei. Im Zelt wird es langsam eng. Frenck will eine Erweiterung des Geländes (Quelle: BTN)

 

 

Gewalttäter im Ordnerdienst

Laut Polizei waren 111 Ordner im Einsatz, immer gut zu erkennen durch orangene Shirts mit der Aufschrift “Grenzschutz”. Sie setzten sich vorrangig aus drei rechtsradikalen Bruderschaften zusammen: “Turonen / Garde 20”, zu der unter anderem ehemalige Angeklagte des “Ballstädt-Prozesses” gehören, “Barnimer Freunde” aus Brandenburg und die Berliner “Vandalen”

 

Tommy Frenck auf dem Weg zu den Ordnern. Mindestens einer der Ordner war ein Angeklagter im Ballstädt-Prozess gegen das die Verurteilten Revision eingelegt haben (Quelle:BTN)

Große Einkünfte durch Merchandise

Von den Rednern bekamen die Pressevertreter_innen hinter ihren Absperrung wenig mit. Viele der Besucher_innen nutzten die Zeit der Reden, um Merchandise zu kaufen und zu ihren Autos zu bringen. Es gab Verkaufsstände von der Kleinstpartei “III. Weg”, "Wir lieben Meiningen" und von der "Gefangenenhilfe", die Geld für Inhaftierte Neonazis sammelt. Hier wurden unter anderem T-Shirts mit "Freiheit für Wolle" verkauft, die Solidarität mit Ralf Wohlleben, Angeklagter im NSU-Prozess, zum Ausdruck bringen.

 

Auch  Tommy Frenck wird an diesem Tag ein gutes Geschäft mit seinen T-Shirts gemacht haben (Quelle: BTN)

 

Neonazi-Frau brüllt: “Judenpresse”

Die rechtsextremen Festivalbesucher_innen standen der Presse nicht gerade wohlwollend gegenüber: Eine aufgewühlte Frau versuchte einen Fotografen anzugreifen und bezeichnete die umstehenden Pressevertreter_innen als „Judenpresse“. Vom Konzertgelände flogen immer wieder volle Becher in die Presse-Reihen.

Beutel-Aufschrift: “Mein Beutel ist wichtiger als Israel” (Quelle: BTN)

Gegen Ende der Veranstaltung drohte ein Rechtsextremer einem Journalist: “Finde ich ein Bild von mir in der Presse, dann finde ich dich”.

Neonazi bespuckt die Presse (Quelle: Michael Trammer/24mmjournalism)

Alles was Rang und Namen hat

Scheinbar aus allen Bundesländern, sind die Neonazis angereist. Unter ihnen auch einschlägige Gruppierungen und Bruderschaften, wie die “Nordic 12”, die “Arische Bruderschaft”, “Voice of Anger” und die “German Defence League”. Auch der im NSU-Prozess angeklagte Andre Eminger war mit dabei.

Neonazis im Anmarsch (Quelle BTN)

 

Gefährliche Neonazi-Gruppen aus dem Ausland

Doch nicht nur aus dem ganzen Bundesgebiet kamen die Rechtsextremen angereist, auch aus dem europäischen Ausland.Zum Beispiel eine bedrohlich wirkende Gruppe polnischer Neonazis vom militärischen Arm “Combat 18” des hierzulande verbotenen “Blood & Honour”-Netzwerks. Auch italienische und ungarische “Blood & Honour”-Vertreter sind nach Themar gekommen, ebenso wie mehrere schweizer Gruppen, Slowaken, Franzosen, Österreicher und Neonazis um das russische Kampfsportteam “White Rex”.

Neonazis, die teils verfassungswidrige Symbole - wie die in rot gestochene strafbare "Sig-Rune" auf dem linken Arm- tragen, nutzten das Event um sich international zu vernetzen. (Quelle: flaw / pkb)

Das große Mobilisierungspotential dieses Events ist erschreckend, werden doch solche Veranstaltungen einerseits genutzt um Gelder zu sammeln, andererseits, um sich zu vernetzen. Besonders das Zusammentreffen der militanten europäischen Neonazi-Szene sollte uns Anlass zur Sorge geben.

Die “Schwarze Sonne“: Hakenkreuz-Ersatz

Voll im Trend bei Neonazis, sowohl auf Shirts als auch als Tattoos: Die “Schwarze Sonne”. Das Symbol erhält einen immer höheren Stellenwert für Lifestyle-Produkten der neonazistischen Szene. Wegen der häufigen Verwendung, wird es von Experten als Ersatz für das verbotene Hakenkreuz gewertet.

Die “Schwarze Sonne” (Quelle BTN)

 

Verfassungsfeindliche Symbole wurden abgeklebt

Zahlreiche Besucher haben offensichtlich verfassungsfeindliche Symbole auf ihrem Körper tätowiert, Symbole, die in der Öffentlichkeit nicht gezeigt werden dürfen. Um an der  Polizei vorbei  auf das Konzertgelände zu kommen, haben sie ihre Hakenkreuze-, SS-Runen-, Keltenkreuze und anderen strafbaren Symbole kurzerhand abgeklebt oder übermalt.

 

„Zensiertes“ „SS“-Abzeichen (Quelle: Michael Trammer/24mmjournalism)

Abgeklebte Offiziersmütze (Quelle: BTN)

“Wie geil” oder “Sieg heil”?

Gegen 12 Uhr eröffnete die Band “Flack” das Festival, danach folgten “Treueorden” und “Uwocaust”. Als die Band “Blutzeugen” ihr Hass-Lied “Märtyrer des Todes” zum Besten gab, schrie der Sänger mehrmals “Sieg heil” in sein Mikrofon. Zunächst war die Polizei sich nicht sicher, ob hier “Wie geil” oder “Sieg heil” gerufen wurde, offenbar eine beliebte Provokation der Neonazis, wie uns die Polizei mitteilte. Als jedoch mehrere Zeugen bestätigten, dass sie “Sieg heil” verstanden haben, erstattete die Polizei eine Anzeige gegen den Sänger und ermahnte Tommy Frenck.

 

Auch ein “Landser”-Song wurde zum Besten gegeben

Einer der Hauptacts diese Tages war Michael Regener, Sänger der Band „Die Lunikoff Verschwörung“. Zuvor war er Sänger der konspirativen Band „Landser“, die 2001 aufflog und gerichtlich verboten wurde. Am Samstagnachmittag ertönte von der Bühne ein „Landser“-Song, vermutlich gegrölt von der „Lunikoff Verschwörung“.

Michael Regener (l.) vor seinem Auftritt (Quelle: BTN)

 

Die Band “Stahlgewitter”, um Daniel “Gigi” Giese, war für die Besucher ein weiterer Höhepunkt des Tages.

Frank Krämer (4. v. l.), Gitarrist von “Stahlgewitter”, neben einem Besucher der den Hitlergruß zeigt. Er ist mit Melanie Dittmer (5. v.l.) angereist. (Quelle:BTN)

 

Andreas Korochetz (rote Cap), Bassist und Schlagzeuger von “Stahlgewitter”, hatte einen kurzen Überraschungsauftritt mit seiner Band “Division Germania”. Hier bei einem Handschlag mit einem Polizeibeamten, der dann ganz schnell seine Hand zurückzieht.  (Quelle: Michael Trammer/24mmjournalism)

 

"Heil"-Rufe und Hitlergruß

Und wie es sich für ein richtiges Neonazi-Konzert gehört, ließ sich die Masse dazu hinreißen, im Takt den Arm zu recken und mehrfach den Hitlergruß zu zeigen. Das alles unterlegten sie mit “Heil”- und “Rudolf Heß”-Rufen.

Als die Polizei auf die eindeutigen “Heil”-Rufe angesprochen wird, bemerkt ein Beamter gegenüber einem Journalisten, dass sie auf dem Gelände eigene Leute hätten, die alles aufnehmen.

Das widerspricht allerdings der späteren Aussage der Polizei, wonach eben zu jener Zeit kein Beamter im Inneren des Zeltes gefilmt hätte.

 

Eine etwas unscharfe Aufnahme der Hitlergrüße aus Themar:

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