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dehate-report „QAnon in Deutschland“ QAnon, Verschwörungsideologien und Antisemitismus

Ein beliebtes Narrativ bei QAnon ist "Trust the plan" - alles gehört zum Plan, auch wenn Du nicht alles verstehst. So lassen sich viele Verschwörungserzählungen einreihen. (Quelle: Screenshot Instagram)

QAnon zeichnet sich im Vergleich zu anderen Verschwörungsideologien durch zwei Besonderheiten aus. Sie bietet nicht nur einen Blick in den Abgrund aus vermeintlichen Verschwörungen, Pädophilie und Weltuntergangsphantasien, sondern ebenso einen Erlöser und einen automatischen Weg zum Happy End. Seit der Wahl Donald Trumps würde die angebliche Verschwörung durch die Gegenverschwörung des Präsidenten und seiner Gefolgsleute Stück für Stück besiegt. Davon zumindest berichtet Q: Alles wird gut, „trust the plan“, vertraue dem Plan.

Gleichzeitig ist QAnon als Weltverschwörungsideologie offen für andere Verschwörungsideologien und -erzählungen, die mit dem Ursprungsmythos um Q wenig zu tun haben: Ob 5G-Sendemasten-Verschwörungen, „Zwangsimpfungen“ oder die Wiederherstellung der Handlungsfähigkeit des Deutschen Reichs – Trump wird es schon richten. Auch esoterische Selbst- und Weltverbesserung oder christliche Endzeitvorstellungen lassen sich problemlos unter dem Dach von QAnon vereinen.

Aktionsorientiert

Anhänger*innen verbleiben jedoch nicht dabei, bloß dem „Plan“ zu vertrauen. QAnon soll nicht als Schlaftablette für seine Anhänger*innen wirken. Schließlich verlangen ihnen Qs regelmäßig nicht eintretende Prophezeiungen einiges ab. Ein Teil des Milieus hat sich intensiv dem Entschlüsseln der vermeintlich geheimen Botschaften in der Welt verschrieben. Dies liegt auch daran, dass Verschwörungsideologien wie QAnon ihre Anhänger*innen in erster Linie nicht zu einem kritischen Verstehen der Welt drängen, sondern durch ihre apokalyptische 5-vor-12-Rhetorik Aktionen anregen wollen – schließlich gilt es, das Böse zeitnah und endgültig zu vernichten.

Immer ist es die letzte Chance, die Welt zu retten: sei es durch die Missionierung anderer Menschen für die eigene Ideologie über Social Media-Kanäle, die Verleumdung der vermeintlichen „Elite“ als pädophile Mörder*innen, das Erstellen von Propaganda-Material oder sogar durch gewalttätige Verbrechen. Die sprachliche Entmenschlichung, die in QAnon-Kreisen in Bezug auf Personen geschieht, die ihrem Feindbild entsprechen, führt zu Enthemmung. In der Forschung heißt das „Dangerous Speech“: Vor gewaltvollen Auseinandersetzungen steht entmenschlichende Sprache. Je mehr sich Menschen in Verschwörungsideologien radikalisieren, je mehr sie von der Blutrünstigkeit und Bestialität der vermeintlichen Verschwörer*innen überzeugt sind, desto mehr erscheint ihnen Gewalt als gerechtfertigtes Mittel im Widerstand gegen das „Böse“.

Antisemitismus

Dies ist besonders problematisch, da Verschwörungsideolog*innen es nicht dabei belassen, auf abstrakte Gruppen zu verweisen, wenn es darum geht, „die Schuldigen“ zu benennen. Überdurchschnittlich häufig werden in diesem Zusammenhang Jüdinnen und Juden wie George Soros oder die Familie Rothschild genannt, die angeblich hinter der „Verschwörung“ stecken. Die Nähe zum Antisemitismus ist kein Zufall. Der Mythos der „jüdischen Weltverschwörung“ wird in christlichen Gesellschaften seit dem Mittelalter verbreitet und immer wieder aktualisiert. Auch bei QAnon ist ein starker Bezug zu christlich fundamentalistischen Botschaften und alten judenfeindlichen Stereotypen gegeben. Die Ritualmordlegende, Verschwörungserzählungen um rituelle Morde an Kindern, findet sich in modernisierter Form in den QAnon-Erzählungen von „Pizza-“ bis „Pedogate“. Außerdem nutzen Anhänger*innen klassische Vorwürfe der Judenfeindschaft, wenn sie Jüdinnen und Juden als Diener Satans darstellen. In den Gruppenchats auf Telegram wird der Mythos der „jüdischen/zionistischen Weltverschwörung“ auch ganz offen verbreitet.

 


Ritualmordlegende

Die antisemitische Verschwörungserzählung der Ritualmordlegende (englisch: blood libel) entstammt dem Mittelalter. Sie behauptet, Jüdinnen und Juden würden christliche Kinder für rituelle Zwecke grausam ermorden, um u.a. aus deren Blut Mazza (ungesäuertes Brot) für das Pessachfest herzu-stellen. Diese rein fiktive Verschwörungserzählung trug maßgeblich zur Tötung von hunderttausenden Menschen jüdischen Glaubens bei den Pestpogro-men bei und wird in abgewandelter Form seit Jahr-hunderten revitalisiert.


 

Dieser Text ist ein Auszug aus dem de:hate report #1: QAnon in Deutschland.

Weitere Texte aus dem Report auf Belltower.News:

 

Der de:hate report zum Download als PDF:

https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/wp-content/uploads/2020/11/01-dehate-report-QAnon.pdf

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