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Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit aktuell – Februar 2015

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In Schweden tragen Statuen gerade Handtaschen. Der Hashtag dazu ist #tantentillVäxjö. (Quelle: Screenshot Twitter)

Was passiert in Deutschland im Bezug auf Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (GMF)? Unser monatlicher Überblick, wo Menschenfeindlichkeiten die Gesellschaft beschäftigt haben. 

Antisemitismus

Nach den Anschlägen auf Charlie Hebdo und den koscheren Supermarkt in Paris sowie auf ein Kulturzentrum und die Synagoge in Kopenhagen diskutieren Jüdinnen und Juden europaweit: Wie gefährlich ist es aktuell, sich in Europa zum Judentum zu bekennen? Während sich in Frankreich etliche Menschen jüdischen Glaubens über Auswanderung Gedanken machen, ist der Tenor der Diskussion in Deutschland eher: „Wir lassen uns keine Angst machen“ beziehungsweise „Die deutsche Gesellschaft will ihre Jüdinnen und Juden schützen“ – nicht zuletzt Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte dies (Welt).

Das ist gut, doch leider ist die deutsche Gesellschaft nicht immer überzeugend bei der praktischen Umsetzung der großen Worte. So beriefen im Februar etwa Bundestag und Bundesinnenministerium eine neue Antisemitismuskommission – in der allerdings kein einziger Experte und keine einzige Expertin jüdischen Glaubens vertreten ist und somit die Betroffenen-Perspektive auf das Thema völlig fehlt. Es sei vergessen worden, man werde schnell nachbessern (BerlinerZeitungJüdische Allgemeine). „Niemand käme auf den Gedanken, eine Konferenz zum Islamhass ohne muslimische Vertreter oder einen Runden Tisch zur Diskriminierung von Frauen ohne Frauen anzusetzen“ kritisierte die Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung, Anetta Kahane.  Derweil wollen das Moses Mendelsohn Zentrum, das American Jewish Comittee und die Amadeu Antonio Stiftung eine alternative Expertenkommission gründen: „Netzwerks zur Erforschung und Bekämpfung des Antisemitismus“ (NEBA).

Als der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, in einem Interview dazu riet, in einigen Stadtteilen, die von sozialen Problemen und einem hohen Anteil muslimischer Bewohner_innen geprägt sind, keine Kippa zu tragen (ZEIT), war die Reaktion des Berliner Bürgermeisters Michael Müller (SPD, „Ich nehme das so nicht wahr„) wie auch der Integrationssenatorin Dilek Kolat (SPD, es gäbe keine No-Go-Areasdas schlichte Verneinen, dass es diese Probleme geben könnte – weder ein sehr empathischer Umgang mit der Einschätzung einer betroffenen Minderheit, noch eine von Fakten belegte Reaktion – waren es doch in Berlin in denletzten Jahren vermehrt Täter_innen mit muslimischem Background, wenn es zu Gewalttaten gegen Jüdinnen und Juden kam. Dies ist nicht aus Stigmatisierungsgründen wichtig oder um den ebenso existenen Antisemitismus der nicht-muslimischen deutschen Gesellschaft zu relativieren, sondern für die Problemanalyse und -lösung notwendig. Aiman Mazyek vom Zentralrat der Muslime in Deutschland nahm übrigens die Ängste als „berechtigt“ wahr und plädierte für ein entschlossenes Auftreten gegen Antisemitismus wie auch gegen Islamfeindlichkeit (rbb).

Auch die Entscheidung des Amtsgerichtes Wuppertal, im Werfen eines Brandsatzes auf eine Synagoge keine antisemitische Tat zu sehen, führt nicht zu Vertrauen in die deutsche Judikative (taz).

Begleitet werden solche Diskurse von perfiden, antisemitischen Aktionen im Alltag. So versandte etwa „Die Rechte“ in Sachsen „Boarding Tickets“ an jüdische Organisationen – One Way, natürlich (publikative). Auch im Fußball kommt es immer wieder zu offen antisemitische Aktionen und Gesängen. „Höhepunkt“ im Februar kam aus der Schweiz: 300 Fans des FC Luzern trieben einen als orthodoxen Juden verkleideten Mann durch die Straßen von Luzern, der einen Schal des FC St. Gallen um den Hals trug und so symbolisch für die gegnerische Mannschaft und Fans stehen sollte. Antisemitisch fanden die Fans das nicht – es hieße doch schon immer „Die Juden aus St. Gallen“, wenn man diese Mannschaft abwerten wolle. Bei RB Leipzig nutzte die Kurve ebenfalls antisemitische und antiziganistische Sprechchöre gegen ihren Gegner Erzgebirge Aue (mehr auf fgn).

Islamfeindlichkeit

Islamfeindlichkeit, dank „Pegida“ das dominierende GMF-Thema im Januar 2015, beschäftigt die Gesellschaft weiter, auch wenn die Teilnehmer_innen-Zahlen bei den „Pegida“-und-Co-Demonstrationen sinken. Denn das Pegida-Gift der Hassparolen wirkt:

1) In Gewalttaten: Die Zahl der Attacken auf Flüchtlingsheime steigt exorbitant. 

2012: 242013: 58 (verdoppelt)2014: 150 (verdreifacht)

2) Im Sprachgebrauch

Wer sich der gesellschaftlichen Mitte zugehörig fühlt, will nicht offen rassistisch reden, weil es Sprechtabus gibt.Aber: geltende Sprechtabus zu Rassismus und Antisemitismus werden – vermehrt seit „Pegida“ – durch alternative Begriffe und Umschreibungen umgangenso geht es vorgeblich nicht mehr um „Rasse“, sondern um „Kultur“erst betonen, man sei ja kein Rassist, um dann eine lupenrein rassistische Argumentation loszulassen -> greift Tabus anVorreiter Sarrazin: So tun, als sage man nur, „wie es ist“, aber dabei rassistische Zuschreibungen etablieren weitere Ideen: MigazinKuriose „Blüte“: Bundesinnenminister Thomas de Maizière nennt das Kirchenasyl für Flüchtlinge eine Art christliche Scharia, weil sich damit eine Religionsgemeinschaft über das Gesetz stelle. Bevor man sich diese krude Mischung auf der Zunge hat zergehen lassen, hat de Maizière den Ausspruch aber auch schon zurückgenommen (FR).

3) „Pegida“ macht Islamfeindlichkeit salonfähiger

sie kommt längst nicht mehr nur von rechten, sondern auch aus liberalen und konservativ-bürgerlichen KreisenOft hat Islamfeindlichkeit nichts mit Islam zu tun, sondern mit Verunsicherung und Abstiegsängsten, für die Rechte ethnisierende und konfessionalisierende Erklärungen anbieten.Und dies sehr erfolgreich, weil das eine leichte Lösung für komplexe Probleme versprichtbefeuert werden Ängste durch terroristische Bewegungen, die vorgeben, in Namen des Islam zu handelnUnd die meisten Nichtmuslime wissen sehr wenig über den Islam und haben keinen Kontakt – tun sich deshalb schwer, zwischen Gewaltverbrechern und dem Gros der friedlichen Muslime zu unterscheidenMedien, aber auch muslimische Vertreter sprechen über „den Islam“ und tragen so auch nicht zur Differenzierung beineben traditionellen Islamhasser_innen, die auch Rassist_innen sind, gibt es Islamfeindlichkeit jetzt auch in liberalen Eliten (z.B. Medien)zum einen wegen Angriffen wie auf „Charlie Hebdo“ als linksliberalem Mediumzum anderen wegen eigenem Misstrauen der Säkularisierten gegen sichtbare Religiositätmanche wandeln sich vom pauschalen Islamverteidiger (z.B. gegen Argumente von Rechtsaußen) zum pauschalen Islamgegner (z.B. wegen Antisemitismus, Frauenfeindlichkeit oder Homophobie)was bleibt, ist die Pauschalisierung einer großen Gruppe von Menschen, die falsch und kontraproduktiv ist.Muslime können sich dagegen nur durch mehr Kontakt wehrenEs würde helfen, innermuslimische Vielfalt und auch innermuslimische Konflikte nicht zu verstecken, um zu zeigen, dass es keine „generalstabsmäßige Islamisierung Europas“ gibt – aber schwer, weil gerade in Zeiten des Drucks von außen Communities eher zusammenrücken.Die ganze lesenswerte Analyse von Thomas Schmidinger auf islamiq.de

Rassismus

Im Februar ist Karneval, und Karneval ist immer eine Zeit rassistischer Ausfälle, weil unter dem Deckmantel des „Humors“ viele Sachen sagbar erscheinen, von denen der nicht-rechtsextreme Bürger weiß, dass er sie eigentlich nicht sagen darf: Und dazu gehören alle Facetten der gruppenbezogenenen Menschenfeindlichkeit, von Rassismus über Sexismus bis zu Homophobie. Der „Meenzer Vollblut-Fassenachter“ Horst Radelli alias „Willi Windhund“ hielt beim „Mombacher Bohnebeiteln“, übertragen vom SWR in der Sendung mit dem klingenden Titel „Mumbach, Mumbach, Täterä“, eine rassistischen Büttenrede, deren Hauptzweck es offenkundig war, möglichst oft das N***wort zu verwenden und damit zu bekräftigen, wie sehr er am Alltagsrassismus hängt: Es ging um „ein sprachliches Recht“ auf „N***-Küsse“ und „Zehn kleine N***lein bis zur Pointe, der Präsident von Amerika sei ja auch ein „M***kopf“. Stefan Raab brandmarkte einen Ausschnitt der Rede bei „TV total“ zu Recht als massiven Rassismus und merkte an: „Karneval muss nicht lustig sein“. Die Diskussion des Themas in der Kommentarspalte der Lokalzeitung offenbart dagegen genau das Problem, wenn „Prominente“ so eine Meinung vertreten: Dann wollen alle anderen auch. „Irgendeiner wird bestimmt noch drüber meckern, so dachte ich mir schon beim Anschauen des großartigen Vortrages von Herrn Radelli. Wobei ich den Meckerer eher unter links-alternativen pseudointellektuellen Weltverbesserern gesucht hätte. Meine Frau und ich fanden den Vortrag des Herrn Radelli mehr als gelungen – um nicht zu sagen, er war mit Abstand der beste Vortrag des Abends. Bleibt zu hoffen, dass dieser großartige Redner im nächsten Jahr nicht der Zensur zum Opfer fällt“ heißt es da oder „Mer sinn hier in Rhoihesse unn do werd halt „schunn immer M***kopp“ gesaht. Unn nix onneres. Die Griiene solle sisch um ihrn eischene Sch..dreck kimmern.“ Offen bleibt die Frage, warum der öffentlich-rechtliche Rundfunk den kleingeistigen Rassismus der „Meenzer Fassenacht“ in die Welt hinaussenden muss. Ein Leser kommentiert: „Finde diesen Redner jedes Jahr unangenehm und schalte immer um. Das ist mir jedes Mal zu viel Schreierei, wenig Inhalt (meistens gegen Ausländer) und jedes Mal hab ich ein wenig Bammel, dass Fassenachtsfremde denken wir Mainzer würden alle so ticken.“ (AZ III)

Und wie so ein Alltagsrassismus dann praktisch ausgelebt wird, erfuhr ein 33-jähriger Düsseldorfer indischer Abstammung, als er mit seiner Frau und Besuch aus England an Altweiberfassnacht in eine Kneipe „Hausbar“ in der Düsseldorfer Innenstadt wollte. Er musste seine Faschings-Maske abnehmen und bekam dann zu hören, der Laden sei „nur für Weiße„. Als er den Türsteher nach seinem Namen fragte – weil er sich beschweren wollte – sagte dieser: „Mein Name ist Hitler!“ (wz-newslinerp-online).

Dazu passt auch noch der politische Aschermittwoch der CSU: Seehofer erklärte in waschechtem NPD-Sprech (die hatten das so nämlich schon auf Plakaten stehen): „Wir sind nicht das Sozialamt für die ganze Welt.“ (nordbayern.deWelt)

Außerdem wurde im Februar das Wort „Blackfacing“ zum Anglizismus des Jahres gewählt und damit Aufmerksamkeit gelenkt auf die bis heute in Theater oder Medien gepflegte rassistische Tradition, weiße Menschen schwarz anzumalen, um so schwarze Menschen darzustellen.

Dem Kampf gegen Alltagsrassismus widmete sich die Hashtag-Kampagne #NimmDieWeisseBrilleAb

Und einen üblen rassistischen Vorfall gab es im Fußball, als Fans des FC Chelsea in Paris einen schwarzen Passanten am Einsteigen in die U-Bahn hindern (mehr auf fussball-gegen-nazis.de).

Zwei Tiefpunkte bei der Hetze speziell gegen Flüchtlinge, die einen massive Erosion von Demokratieverständnis zeigen : In Plauen führt der Baubürgermeister eine optisch deutlich als Nazis zu erkennende Delegation der Neonazi-Partei „Der III. Weg“ durch das Flüchtlingsheim, lässt sie posieren und Fotos machen – weil er sich selbst eingeschüchtert fühlte, aber keine Hilfe holte (BILD mit Fotos, Vogtland-Anzeiger). Und in Escheburg (Schleswig-Holstein) entpuppte sich ein Brandanschlag auf ein Wohnhaus, in dem sechs irakische Flüchtlinge untergebracht werden sollten, als das Werk eines Nachbarn, eines Familienvater und Mitarbeiters der Hamburger Finanzbehörde, der offenbar seinem Rassismus gegen Flüchtlinge mit Gewalt freien Lauf lies (NDRHamburgerMorgenpostHamburgerAbendblattBILDLübecker Nachrichten).

Homophobie

Gegen sexuelle Vielfalt engagieren sich „besorgte Eltern“. Nur sind die gar keine besorgten Eltern, berichtet Spiegel Online in einer lesenswerten Reportage, sondern radikale Christen, rechte Verschwörungstheoretiker_innen und Homophobe. Eine, die inhaltlich und organisatorisch hinter der Hetze gegen sexuelle Vielfalt steckt, ist AfD-Europaabgeordnete Beatrix von Storch – wie sie jetzt auch selbst prahlte (ngn berichtete).

Es gibt eine neue Bildungs- und Forschungsinitiative gegen Homophobie im Sport: „Fußball für Vielfalt„, www.fussball-fuer-vielfalt.de, getragen von der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Ziel: Empirische Daten generieren über Homophobie im Sport, besonders im Fußball, Bildungsmaßnahmen mit Vereinen – allerdings zeigen die sich bisher noch nicht sooo interessiert (m-maenner.dequeer.deStuttgarter Nachrichten). Ebenfalls zum Thema engagieren sich die „Fußballfans gegen Homophobie“ – die hat fussball-gegen-nazis.de interviewt.

Statement: Youtube-Blogger Bastian aka „Wohnprinz“ wendet sich mit einem Statement an seine über 63.000 Abonnent_innen: „Ich habe die Schnauze voll! Voll von Intoleranz, Homophobie und Menschen, die lieber schreiend hinterher laufen, statt sich selbst zu informieren und eine Meinung zu bilden. Was ist los mit den Menschen? Wieso muss man das Leben anderer so schwer machen und so viel kostbare Energie für Hass & Intoleranz verschwenden? Alles was zählt ist, dass es egal ist, ob Mann Frau liebt, Frau Frau oder Mann Mann!“ (zu sehen hier

Auch im Deutschrap ist Homophobie ein Thema – das zeigte eine Aktion von Bass Sultan Hengzt, der bei Twitter ein Foto eines Album-Covers veröffentlichte, auf dem zwei küssende Männer zu sehen sind. Die Reaktion: Ein schwulenfeindlicher, menschenverachtender Shitstorm, der zeigt, wie homophob und kleingeistig Teile der der Deutschrap-Szene sind. Lustige Folgeaktion der Antilopengang: Die knutschte mit dem Sänger von Feine Sahne Fischfilet: „Die aktuelle Diskussion um B.S.H (Bass Sultan Hengzt) zeigt mal wieder: Knutschende Männer eignen sich im Rap Game wunderbar, um die Hinterwäldler unter den eigenen Fans zu vergraulen. Von dieser bombensicheren Methode wollten wir auch Gebrauch machen“ (rap.deSpiegel online).

Sexismus

und Internet:

„Ghostbusters“ wird mit vier Hauptdarstellerinnen neu verfilmt – im Internet führt das zu einem Shitstorm zwischen Sexismus und Fat-Shaming gegen die Darstellerinnen eines Films, den es noch nicht einmal gibt (moviepilot).

Gut zu wissen: Eine Studie aus Kanada zeigt: Frauen, die nach sexistischen Erlebnissen ihren Ärger öffentlich machen – etwa in sozialen Netzwerken – fühlen sich hinterher besser. Lästern über Sexismus hilft also zumindest der Laune. Ein Onlineprojekt dazu: everydaysexism.com

Gute Hashtag-Aktion: #LikeAGirl – Warum ist es eine Beleidigung, wenn man etwas „wie ein Mädchen“ macht?

Gegenstrategien: Videospielrezensentin Alanah Pearce wird häufig von männlichen Usern angefeindet – gern auch mit Vergewaltigungsdrohungen. Die schickte Pearce als Gegenstrategie bei jüngeren Absendern einfach an deren Mütter – damit die einmal wissen, was ihre Jungs so im Netz machen. Um dafür zu sorgen, dass sie es bald nicht mehr machen. Tolle Aktion (DerStandard).

und Welt: 

Das Bundesarbeitsgericht hebt die fristlose Kündigung gegen einen Mechaniker auf, der einer Reinigungskraft ungefragt an die Brüste fasste. Das Gericht fand, dies sei kein Kündigungsgrund, weil der Mann erstmals so aufgefallen sei (taz).

Auf hübsche Weise erklärt: 

Wohlwollender Sexismus“ (tut so, als sei er nicht feindlich, verpackt die Abwertung aber nur scheinbar positiv)“Mansplaining“ (wenn Männer meinen, Frauen die Welt erklären zu müssen)

Rechtsextremismus im Alltag

Rechtsextreme bedrohen gern andere Leute – in letzter Zeit scheint diese Strategie allerdings zuzunehmen (oder mehr Menschen sprechen öffentlich darüber): Im Februar wurde Linke-Politikerin Petra Pau wegen ihres Engagements für Flüchtlinge mit dem Tod bedroht (Tagesspiegel), eine Düsseldorfer Anwältin wird bedroht, weil sie sich gegen „Dügida“ engagierte (Aachener Zeitung), in Nauen schüchtern Neonazis die Befürworter_innen eines Flüchtlingsheims bei einer öffentlichen Diskussion ein (moz), in Dortmund marschierten Neonazis mit Fackeln vor das Flüchtlingsheim (ngn) und veröffentlichen Todesanzeigen für Journalisten, die kritisch über rechtsextreme und rassistische Aktivitäten berichten (WDR). Pegida-Teilnehmer_innen brüllen am liebsten „Lügenpresse“, zunehmend werden Journalisten auch bei der Berichterstattung von Demonstrationen attackiert – doch offizielle Zahlen zu Journalist_innen als Ziel von Nazi-Attacken fehlen (publikative.org). Und warum sollten die Nazis auch nicht drohen? Dies scheint zumindest das Urteil gegen einen 21-Jährigen der Kameradschaft „Besseres Hannover“ vor dem Jugendschöffengericht Hannover auszusagen: mehrere Anschläge auf Parteibüros von CDU und SPD zwischen 2012 und 2014, Schändung einer Gedenktafel an der Synagoge in Pattensen, Attacke auf einen Bundestagsabgeordneten der Grünen, Auftritt als „Abschiebär“, der Menschen mit Migrationshintergrund bedroht: Ein Jahr Haft auf Bewährung und 100 gemeinnützige Arbeitsstunden. Der Angeklagte verließ das Gericht grinsend (BILDHAZ).

Und Damenhandtaschen

Auf einem preisgekrönten Pressefoto von 1985 aus der schwedischen Stadt Växjö wehrt sich eine empörte ältere Dame gegen einen Neonazi-Aufmarsch, indem sie ihre Handtasche gegen die Nazis schwingt. Der Zivilcourage der Frau wollte die Künstlerin Susanna Arwin ein Denkmal setzen – doch die Stadt Växjö fand die Skulptur der Frau mit schwingender Tasche ohne den passenden Nazi zu missverständlich. Coole Protestaktion gegen diese Entscheidung: Schwedinnen und Schweden hängen Damenhandtaschen an andere Statuen (DerStandardSWR3). Nette Weiterentwicklung in Düsseldorf: Bei einem Flashmob gegen „Dügida“ am 03.03.2015 hielten die Gegendemonstrant_innen schweigend Handtaschen hoch (rp-onlinetaz).

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