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Akzelerationismus FBI verhindert Anschlag von US-Neonazi auf Corona-Klinik

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Der Neonazi Timothy Wilson soll einen Bomben-Anschlag auf ein Krankenhaus, das auch viele Corona-Patienten behandelt, geplant haben. Unter dem Namen "Werwolf 84" war er unter anderem Administrator im Telegram-Kanal der Neonazi-Gruppe "National Socialist Movement". Hier Mitglieder der Gruppe 2010 (Quelle: Flickr, John Kittelsrud, CC BY-NC-ND 2.0)

Ein US-Neonazi hat dem FBI zufolge einen Bombenanschlag auf ein Krankenhaus im Bundesstaat Missouri geplant. Der 36-jährige Timothy Wilson sei beim Zugriff der Einsatzkräfte am Mittwoch, den 25. März, bewaffnet gewesen und ums Leben gekommen, teilte die Behörde mit. Zuvor habe er monatelang im Zentrum einer Anti-Terror-Ermittlung gestanden. Den Angaben zufolge zog Wilson aus rassistischen Gründen bereits mehrere Anschlagsziele in Betracht, bevor er sich auf das Krankenhaus festlegte, in dem offenbar auch Corona-Patient*innen untergebracht sind. 

Der mutmaßliche Täter wollte „schweren Schaden und viele Tote“

Monatelange Ermittlungen enthüllten die perfiden Pläne des fanatischen Rechtsextremisten. Der Terror-Akt sollte mittels einer Autobombe ausgeführt werden. Seine Absicht soll es gewesen sein, „schweren Schaden und viele Tote“ zu verursachen. Er habe bereits die notwendigen Schritte unternommen, sich die Utensilien für die Bombe zu besorgen. Dabei sei er jedoch von Ermittler*innen überwacht worden. 

Der Zugriff in Belton, im US-Bundesstaat Missouri, sei schließlich erfolgt, als Wilson dort den Sprengsatz habe abholen wollen. Beim Versuch der Festnahme sei der Bewaffnete verletzt worden. Im Krankenhaus sei später sein Tod festgestellt worden.

Laut des Investigativ-Journalisten Nick R. Martin sei der mutmaßliche Rechtsterrorist Bewunderer der Terroristengruppe „The Order“ gewesen, einer US-Neonazi-Organisation, die in den 1980er Jahren aktiv war und vor allem durch den Mord an dem Radiomoderator Alan Berg (1984) bekannt wurde. Zudem habe der mutmaßliche Terrorist Verbindungen zu zwei Neonazi-Gruppierungen gehabt. 

Auf Telegram war er unter dem Pseudonym „Werwolf 84“ aktiv

Laut Nick R. Martin sei Wilson besonders in der Messenger-App Telegram aktiv gewesen, unter dem Namen „Werwolf 84“. Nach Martins Recherchen war der Neonazi unter anderem in zwei öffentlichen Gruppen aktiv, in „National Socialist Movement“ (NSM) und in  „Vorherrschaft Division“ (VSD). Das „National Socialist Movement“ ist eine der größten Neonazi-Bewegungen in den USA. Diese „White Supremacy“-Gruppe ist offen antisemitisch. In der öffentlichen Telegram-Gruppe des NSM war Wilson einer der Administratoren. 

Im Wahn einer antisemitischen Verschwörungserzählung

Der vereitelte mutmaßlich  Attentäter handelte offenbar wegen  einer antisemitischen Verschwörungserzählung, wonach das Corona-Virus eine „Erfindung der Juden“ sei. Noch am vergangenen Dienstag, einen Tag vor seinem Tod, schrieb Wilson, er glaubte, die COVID-19-Pandemie werde von der Regierung als „Ausrede zur Zerstörung unseres Volkes“ benutzt.

Die rechtsterroristische Szene freut sich auf Telegram übe die Corona-Epidemie

Miro Dittrich von der Amadeu Antonio Stiftung beobachtet, dass sich die verschiedenen rechtsterroristischen Szenen auf Telegram generell übe den Ausbruch der Corona-Pandemie freuen. „Sie freuen sich, dass Ausnahmezustand herrscht, dass die Menschen nun zu Preppern werden und sich auf den gesellschaftlichen Zusammenbruch vorbereitet, dass sie auch zunehmend Waffen kaufen“, so Dittrich in einem Interview mit Belltower.News. „Sie freuen sich, dass Lieferketten zusammenbrechen könnten, was ja auch Radikalisierung in der Bevölkerung verstärken kann, dass die medizinische Versorgung schwieriger wird, dass die Aktienkurse stürzen.“

Akzelerationist*innen sehen ihr Zeit gekommen

Besonders die sogenannten Akzelerationist*innen sehen ihr Zeit gekommen. Sie wollen Chaos säen, um so den Weg in einen Bürgerkrieg zu beschleunigen, danach soll dann jeweils ein weißer Ethnostaat entstehen. Ein adäquates Mittel scheint ihnen zu sein, die Infrastruktur anzugreifen. Wobei diese rechtsterroristische Strömung bei weitem kein rein US-amerikanisches Phänomen ist. Auch in Deutschland gibt es zahlreiche Rechtsextreme, die darüber nachsinnen, wie sie die derzeitige Ausnahmesituation am besten für ihre Zwecke nutzen können. 

Das FBI sieht die Gefahr für Anschläge gestiegen

Ein Memo des Ministeriums für Innere Sicherheit der Vereinigten Staaten an Strafverfolgungsbeamt*innen im ganzen Land warnt davor, dass gewalttätige Extremist*innen versuchen könnten, die Covid-19-Pandemie auszunutzen, indem sie gezielt Terrorattacken durchführen, um die USA zu destabilisieren. Je weiter sich das Virus in den USA verbreitet, desto höher sei die Gefahr eines Anschlags, warnt das FBI. 

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„Falschnachrichten verbreiten sich schneller als das Virus, und sie sind genauso gefährlich“, sagt der Chef der WHO. Es ist atemberaubend, was für hanebüchene Ratschläge in Zeiten des Corona-Virus die Messenger als Kettenbriefe fluten. Diese Hinweise sollen helfen, Falschinformationen aufzuklären, ohne die Menschen vor den Kopf zu stoßen, die ihnen nahe stehen.

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