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„Identitäre Bewegung“ IB-Event floppt in Halle dank starkem Gegenprotest

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Keine Stimmung bei der IB in Halle

2017 eskalierte die Gewalt bei den Rechtsextremen der IB auf einer Demo in Berlin. 2018 interessierte sich kaum einer für ihr „Europa Nostra Festival“ in Dresden. 2019 sollte das IB-Event des Jahres dann in Halle stattfinden. Eigentlich nur logisch, befindet sich hier doch ein Hausprojekt der Rechtsextremen, ganz in der Nähe des Campus. Doch auch dieses Event scheiterte kläglich.

Rund 3.000 Menschen verdarben am Samstag in Halle der rechtsextremen IB das geplante Großevent für das Jahr. Eine angemeldete Demo der IB konnte nicht durchgeführt werden. Das geplante Sommerfest im IB-Haus an der Adam-Kuckhoff-Straße fand statt.

Sellner saß am Bahnhof mit Neonazis und einem Holocaustleugner fest

Am Vormittag, vor der eigentlich geplanten Demo, fuhr Martin Sellner, Kopf der deutschsprachigen IB, mit einer Handvoll Kameraden zum Bahnhof, um dort anreisende Gleichgesinnte in Empfang zu nehmen. Blöd war nur, dass er im Anschluss nicht mehr zurück zum IB-Haus in der Adam-Kuckhoff-Straße kam, da dies mittlerweile von Gegendemonstrant*innen umzingelt war. Sellner saß so mehrere Stunden fest und schaffte es erst abends zum IB-Haus. 

Rund zwanzig Neonazis waren gekommen, um Sellner am HBF zu sehen, darunter auch die berüchtigte Gruppe „Aryans“. Personen dieser Gruppe hatte am Rande einer Demonstration am 1. Mai 2017 in Halle Gegendemonstranten und unbeteiligte Wanderer angegriffen und schwer verletzt. Und auch Reza Begi war, nach seinem Besuch am vergangenen Montag bei Pegida in Dresden, wo er wegen Leugnung des Holocausts vorrübergehend festgesetzt wurde, am Samstag in Halle am Hauptbahnhof. Auch dort schrie er mehrmals „Der Holocaust ist eine Lüge“. 

 

Auch der Neonazi Sven Liebich, Betreiber des rassistischen Blogs „Halle-Leaks“, ließ es sich nicht nehmen zum Bahnhof zukommen. Dort bekam er jedoch Ärger mit der Polizei und kassierte schließlich einen Platzverweis für die gesamte Stadt. Dennoch zog Liebich zum Hallenser Marktplatz und grölte dort seine Hetz-Parolen vom Dach eines Kleintransporters, bis ihn Polizeibeamte kurzzeitig festsetzen. Offenbar versuchte Liebich (trotz Platzverweis) am Abend noch mal zum IB-Haus zu gelangen. Dort wurde ihm jedoch, nach eigener Aussage, von einem IB-Kader ein Hausverbot erteilt. 

Währenddessen wurden Hitze und Stimmung vor dem IB-Haus immer gedrückter. Von allen Seiten schallte den rund 200 rechten IB-Fans der Protest der Gegendemonstrant*innen entgegen. Rechte Teilnehmer*innen die später zum IB-Haus kamen, mussten sich an der Gegendemo vorbeizwängen, die das Haus mittlerweile von allen Seiten belagert hatte und die „Identitären“ mit Sprechchören ärgerte.

In den Reihen der IB gab der Leipziger Aktivist Alexander Kleine (Malenki) den Einheizer mit martialischen „Ahuu, Ahuu“-Rufen – an der schläfrigen Stimmung änderte das jedoch nichts.  Am Nachmittag ging man dazu über, IB-Regionalgruppen in Bierpong, einem Saufspiel, gegeneinander antreten zu lassen. 

Gescheiterte Inszenierung

Wohl keine andere rechtsextreme Gruppe versteht die Macht der Bilder und ihre Wirkung in den sozialen Medien so gut wie die „Identitäre Bewegung“. Politische Statements im vorpolitischen Raum, Macht der Bilder nutzen, Vernetzung und Feiern des rechten Lifestyles stehen vor allem bei ihnen im Vordergrund. Auch das geplante Großevent sollte der Inszenierung dienen und jene imposanten Bilder liefern, die die „Bewegung“ so dringend braucht. Da sie jedoch nicht laufen durften und sich die Teilnehmer*innen vor dem Haus die Füße platt standen, wurde nichts aus der großen IB-Show. 

Das Publikum

Zum absolut größten Teil war das Publikum der IB männlich. Auffallen war die große Zahl von scheinbar noch minderjährigen Teilnehmern. Neben IB-Kadern und Aktivist*innen tummelten sich in der Adam-Kuckhoff-Straße aber auch rechte Hooligans aus Halle und NPD-Aktivist*innen. Auch der „Szeneanwalt“ und kurzzeitiger Wahlverteidiger von Andre Eminger im NSU-Prozess, Björn Clemens, besuchte den rechtsextremen Nachwuchs. Jan Wenzel Schmidt, AfD-Abgeordneter im Landtag von Sachsen-Anhalt kam beim Sommerfest vorbei, angeblich nur als Parlamentarischer-Beobachter. Und auch ein Teilnehmer mit einem Armbändchen von „Uniter“, einem Verein der in Zusammenhang mit einem rechtsextremen Netzwerk aufgefallen war, tummelte sich vor dem IB-Haus.

Am späten Abend zog schließlich ein Gewitter auf. Das offenbar schon recht betrunkene rechtsextreme Publikum begann sich obenrum frei zu machen und halbnackt im Regen zu pogen. Wahrscheinlich nicht die Inszenierung, die die Aktivist*innen sich für diesen Tag erhofft hatten.

 

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Kaum ein junger Mensch, der heute keine Bilder und Videos auf Instagram postet. Auch Neonazis haben diesen Social Media-Dienst in ihre Propaganda-Strategie eingebaut. Politische Statements im vorpolitischen Raum, Macht der Bilder nutzen, Vernetzung und Feiern des rechten Lifestyles stehen vor allem bei der „Identitären Bewegung“ auf Instagram im Vordergrund.

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