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Coronaleugner-Influencer*innen Der neue Shootingstar am Verschwörerhimmel

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Wer Coronaleunger-Star wird, hat auch unangenehme Freunde. Miriam Hudson aka "Hope" mit Jürgen Elsässer (Compact).

Die YouTube-Karriere von Miriam Hudson läuft aktuell nicht so steil wie geplant. Nicht, weil sie nicht sendet und gesehen wird – ihre Videos werden von dem Videoportal regelmäßig gesperrt, weshalb der „Shootingstar“ nun gezwungen ist,  die „Miriam News“ auf Telegram auszustrahlen. Dort betreibt die patriotische Münchnerin deshalb auch direkt vier Kanäle. Es gibt ihren Hauptaccount mit über 64.000 Mitgliedern, dann den Kanal „Die Vorleserin“, auf dem sie ihrer Fangemeinde aus Büchern vorliest, die „strategisch & geistig im Widerstand weiterhelfen“. Im „Miriam Hope Gerechtigkeit“-Kanal geht es darum, sich gegen die „Tyrannei des Regimes auch rechtlich zur Wehr zu setzen“. Und schließlich gibt es ihren vierten Account, „Miriam Hope American“, den sie auf Englisch betreibt – seit der US-Amerikanischen Präsidentschaftswahl ist dort jedoch nichts mehr passiert.

Auf dem „Gerechtigkeit“-Kanal versprach die Corona-Leugnerin Hope Anfang November in den kommenden Wochen die drängenden Fragen der Szenen zu beantworten. So unter anderem, ob ein „MNS-Attest nach 3 Monaten“ ablaufe und ob „Strafanzeige gegen Wasserwerfer und Pfefferspray in Berlin“ (hier nimmt sie Bezug auf die “Querdenken”-Demonstration gegen die Reform des Infektionsschutgesetzes am 18.11 in Berlin) und „Strafanzeige gegen Einkesselung in Leipzig“ (“Querdenken”-Demonstration am 7.11 in Leipzig) gestellt werden könnte. Konkrete Antworten gab es auf diese brennenden Fragen bislang noch nicht.

Allerdings erteilt sie allerlei andere Ratschläge, wie man sich möglichst wenig an die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie hält und wie man die Ausnahmeregelungen durch die richtige Backstory für sich geltend machen kann. Tipps und Tricks werden darüber hinaus auch von den Kanälen des Neonazis Sven Liebich und des „Querdenken“ nahe stehenden Anwalts Rainer Fuellmilch geteilt. Liebich betreibt einen Onlineshop, in dem es den bei den “Querdenkern” beliebten “Ungeimpft”-Merch zu kaufen gibt und Fuellmilch bezeichnete den PCR-Tests kürzlich als “Panikmache” und kündigte eine Sammelklage auf Schadenersatz unter anderem gegen Christian  Drosten und den Präsidenten des Robert Kochs Instituts, Lothar Wieler, an.

Miriam Hudson alias „Hope“ teilt Inhalte von Neonazi Sven Liebich.

Aktuell bewirbt Hudson die von dem Corona-Maßnahmen-Kritiker Macit Uzbay gegründete Initiative „Wir machen auf“, bei der Selbstständige und Unternehmer*innen dazu aufgerufen werden, ihre Geschäfte trotz Lockdown wieder zu öffnen (vgl. Belltower.News). Mit der Begründung, dass „Fakten die eine epidemische Lage […] beweisen könnten, fehlen!!“ und es „keinerlei Beweise“ und auch keine „wissenschaftliche Grundlage“ für die Existenz des Corona-Virus gebe. Es sind die üblichen „Argumente“ der sogenannten „Querdenker“. Auf ihrer Website „Die Allianz des Guten“ stellt Hudson darüber hinaus ein weiteres Mittel für den „Widerstand“ gegen die Pandemie-Maßnahmen vor: Jeden Montag sollen um 18 Uhr Abendspaziergänge gemacht werden, denn, der Widerstand „beginnt schon vor der Haustür‼️“.

Hudson ist der  “Plandemie” auf der Spur

Bei Hudson aka „Miriam Hope“ werden die unter den „Querdenker*innen“ gängigen Erzählungen, dass es plötzlich keine Grippetoten mehr gebe und wissenschaftliche Beweise für die Existenz des Corona-Virus fehlten, auf die Spitze getrieben. So beschwor sie in einem aktuellen Video (17.01.2021), eine bevorstehende Lebensmittelknappheit, da Lieferketten unterbrochen würden und die Leute deshalb schon einmal ihre Häuser absichern müssten. „Alles, was wir in den letzten Monaten gesagt haben. Alle sogenannten Verschwörungstheorien sind wahr geworden“ konstatiert der Compact-Shootingstar.

Wahnhafte Desinformationen zur Coronavirus-Pandemie weltweit.

„Miriam Hope“ wittert hinter den Corona-Maßnahmen den „Great Reset“, eine Verschwörungsideologie (vgl. Belltower.News) und fantasierte etwa im August ein Szenario herbei, in dem Menschen, die keine Maske tragen, von Drohnen erschossen werden. Ein Auftrag, den die „kommunistische Great Reset-Agenda“ der australischen Regierung erteilt habe. Aus Down Under erhielt sie im August außerdem einen weiteren „Hilferuf“: positiv Getestete würden in Militäranlagen gebracht. Anknüpfend an den Hilferuf verkündete sie im September, dass es nun erlaubt sei, Infizierte „mit der Schusswaffe unschädlich“ zu machen. Im Oktober verglich sie die Maßnahmen zum Eindämmen der Pandemie mit dem Nationalsozialismus.

Dogwhisteling mit NS-Vergleichen.

Außerdem veröffentlichte sie im April 2020 ein Video mit dem Titel: „Was haben der NationalSOZIALISMUS mit den Zwangsimpfungen des RKI Robert-Koch-Instituts, Leopoldina und Merkels Ehemann gemeinsam?“.

Antisemitische Verschwörungserzählungen

Die antisemitische Verschwörungserzählung des „Great Reset“ basiert auf der Idee, dass die Weltwirtschaftsordnung durch eine globale “Finanzelite” zurückgesetzt werde. Die Maßnahmen für dieses große Zurücksetzen würden mit der Corona-Pandemie eingeleitet. Somit funktioniert der „Great Reset“ ähnlich wie die Erzählung der „New World Order“ (NWO), bei der es um das Errichten einer „Neuen Weltordnung“ geht. Auch diese Erzählung basiert auf der Vorstellung, dass eine „globale Elite“ „die Menschheit“ einer neuen, totalitären Weltordnung unterwerfen werde. Auch der Beginn der NWO wird von Hudson fleißig herbeifantasiert. Einer, der den „großen Neustart“ auf das Treffen des Weltwirtschaftsforum im Mai 2021 prognostiziert, ist der Ex-Polizist Stefan Schubert, aus dessen Buch „Vorsicht Diktatur!“ „Miriam Hope“ auf ihrem „Vorleserin“ Kanal aktuell vorliest.

Die „New World Order“ stehe laut Hudson „für die Abschaffung der Menschenrechte, Abschaffung einzelner Nationen und Knechtung der gesamten Menschheit“. Das Errichten der NWO erfolge in verschiedenen Phasen, so ist bei Hudson etwa „-Phase 4-“ der Beginn von „Menschen Experimenten“. Dabei würde aus den Städten „keiner mehr rein – keiner mehr raus“ kommen, außerdem würden „sie für Verzögerungen der Nahrungsmittelketten sorgen, d.h. Nahrung wird rationiert“.  Mit „sie“ bezieht sich Hudson hier auf die von ihr imaginierte global agierende Elite, die die Strippen zieht. Denn, “ob Spahn, Söder, von der Leyen oder Kanzlerin Merkel, sie alle sind installiert für einen Auftrag, und diesen wissen wir jetzt! Nun gilt es aufzudecken, wer die Auftraggeber dieser Polit-Marionetten sind…”. Es scheint, als wähne sich Hudson als Mitglied eines ausgewählten Kreises, der sinistren Machenschaften aufdecke. So wird jeder Strike bei YouTube für sie zur Bestätigung, dass sie da wirklich an etwas ganz Großem dran ist. “Nach 5 Minuten GELÖSCHT ZENSIERT
und wieder Strike. Wir sind auf dem richtigen Weg“.

Neben dem „Great Reset“ und der „NWO“ spricht Hudson vom „Great Awakening“. “Great Awakening” ist unter Anhänger*innen der QAnon-Erzählung eine beliebte Metapher, um auf das eigenen “Erwachen” oder die eigene “Erleuchtung” hinzuweisen. Auch bei der QAnon-Erzählung geht es um die Zugehörigkeit zu einem eingeschworenen Kreis. Die QAnon-Anhänger*innen entschlüsseln hierbei die kryptischen “Crumbs”, die “Q” verstreut und entlarven so Krümel für Krümel den “Deep State”.

Aufstieg zum „Shootingstar der Szene“

Ihren ersten größeren Auftritt hatte die “YouTuberin für Meinungsfreiheit” bei einem Auftritt bei dem von “Hallo Meinung” gekaperten Format „Die Runde Ecke”. Dort erzählte sie, dass sie ihr „großes Erwachen“ angeblich als Reaktion auf eine Gewalttat in Augsburg gehabt habe. Im Dezember 2019 sei sie “aufgestanden”. In der Anmoderation wird sie vorgestellt als Miriam, “die noch nicht so lange politisch bewusst” sei. Bei ihrem Auftritt erklärt sie allerdings, dass sie sich “jetzt seit fünf Jahre, seit 2015” diese “politische Situation” anschaue, und auch, dass sie in Kontakt mit Stefan Bauer stehe. Der rechte YouTuber Bauer ist Mitglied des Vorstandes der AfD Rosenheim.

Mit Bauer zusammen drehte Hudson auch das Video “Liebe Frau Merkel, treten Sie zurück! Jetzt! Sofort!”, dass wohl als Grundstein für ihre Schwurbel-Karriere gesehen werden kann. In dem Ende Dezember 2019 gedrehten Video vor dem Augsburger Landgericht, äußert sich Hudson feindlich gegenüber Geflüchteten und fordert Merkel zum Rücktritt auf, da sie die Medien und Justiz “manipulieren” würde. Das Video und etliche Reuploads des Videos wurden wegen des Inhalts auf YouTube gesperrt, sind aber, so wie weitere Videos von Hudson, auf BitChute verfügbar. Bei dem “Runde Ecke”-Auftritt am 25.01.2020, tritt Hudson noch nicht unter ihrem Pseudonym Hope auf. Erst durch die Corona-Pandemie und ihre wachsende Reichweite wird Hudson zu Hope.

Selbstreferentielles Netzwerk

Hudson bewegt sich in einem selbstreferentiellen Netzwerk aus verschwörungsaffinen Corona-Leugner*innen wie Atilla Hildmann, Samuel Eckert oder Tim Kellner. Innerhalb dieser Blase wird hinter jeder wissenschaftlichen Studie eine Verschwörung gewittert, Einzelpersonen werden als Expert*innen herangezogen um dann direkt ganze Forschungsfelder in Frage zu stellen und Laien werden plötzlich zu Medizinkenner*innen.

Auch zum Verschwörer-Magazin Compact und dessen Chefredakteur Jürgen Elsässer pflegt Hudson gute Kontakte. So postete sie ein gemeinsames Bild mit Elsässer zur “Wahlnacht mit Compact” – Hudson ist natürlich davon überzeugt, dass es sich bei dem Sieg von Joe Biden um Wahlbetrug handelt. Darüber hinaus ist Hudson in das rechtsalternative Netzwerk um Klaus Peter Webers “Hallo Meinung” involviert, besuchte für „Hallo Meinung“ Tim Kellners „Gerichtsprozess“ und hielt neben ihrem Auftritt bei der “Runden Ecke” Anfang 2020 noch eine Rede bei einer “Hallo Meinung”-Veranstaltung im Thüringischen Schmalkalden. Auch tourte sie kurz mit der verschwörungsideologischen “Frauenbus Tour” durch die Republik (vgl. Belltower.News).

Der AfD steht Hudson zumindest nahe. So führt sie Interviews („Warum sollten wir Bürger 2021 – nächstes Jahr im Herbst – alle die AfD wählen?“) für den AfD-Blog “Politwelt” und nahm bei einem “Patrioten Treffen” am Bodensee teil, über das ebenfalls auf “Politwelt” berichtet wurde. Dazu bot sie an, weitere “Patrioten Treffen” auf ihrer Website zu bewerben. Auch ist sie in der Facebook-Gruppe “AfD Stammtisch” und „AfD an der Seite Israels“ aktiv.

Mit ihren täglichen Videos die sie auf Telegram hochlädt und in unzähligen Facebook-Gruppen postet, verbreitet Hudson Desinformationen über das Corona-Virus und gefährliche Verschwörungserzählungen. Kein Wunder, dass sie damit vom Compact-Magazin zum „Shootingstar“ gekürt wurde.

 

 

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