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Corona-Virus Der Neonazi Tommy Frenck will nun Ku-Klux-Klan-Masken verkaufen

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"Maskenpflicht? Kein Problem. Kapu mit Maskenfunktion Ende April im Vorverkauf", so bewirbt Tommy Frenck den neuesten Pullover in seinem Sortiment (Quelle: Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Screenshot Telegram-Kanal Tommy Frenck, BTN)

Wer bei „Druck 18“ von Tommy Frenck einkauft, kann sich nicht mehr hinter dem verharmlosenden Label „neu-rechts“ verstecken. Der Neonazi Frenck bietet in seinem Online-Versandhandel beinahe alles an, was das plumpe Neonazi-Herz höher schlagen lässt. Es gibt Bettwäsche in den Reichsfarben, Armbrüste, Pfefferspray sowie Imitate von Wehrmachtsuniformen und Helmen zum Nachspielen zu kaufen, ebenso wie alle möglichen Shirts und Pullover, die meist in den Farben schwarz-weiß-rot gehalten sind. Mal mit den Nationalsozialismus verherrlichenden Symbolen, mal mit angeblich witzigen rassistischen und menschenfeindlichen Sprüchen und Codes. Selbst für die ganz Kleinen bietet Frenck bereits rechtsextreme Propaganda an. Bei all den schrecklichen Inhalten bewegt sich Frenck jedoch immer im Rahmen der Legalität. Und immer wieder gelingt es ihm durch gezielte Provokation Aufmerksamkeit zu erzeugen. So auch nun mit seinem neuesten Kapuzenpullover, der eindeutig angelehnt ist an den mordenden Ku-Klux-Klan.  

Frenck versteht es Aufmerksamkeit zu erzeugen 

Der ex-NPD-Politiker Frenck betreibt seit 2014 in Kloster Veßra im thüringischen Landkreis Hildburghausen den Gasthof „Goldener Löwe“, in dem er jährlich zum 20. April (Adolf Hilters Geburtstag) medienwirksam ein „Führerschnitzel“ für 8,88 Euro anbietet – wobei die „88“ in der Szene als Code für „Heil Hitler“ verstanden wird. Im Sommer 2017 organisierte der Thüringer auf dem Gelände eines AfD-Mannes in Themar das Großevent „Rock gegen Überfremdung“, zu dem etwa 6.000 Neonazis aus ganz Europa anreisten. 

Frenck ist gut vernetzt in der Neonaziszene und offenbar auch im Kreis Hildburghausen nicht unbeliebt: 2018 erzielte er mit seinem „Bündnis Zukunft Hildburghausen“ bei der Landratswahl 16,6 Prozent der Stimmen. 

Im Januar diesen Jahres gelang Frenck dann abermals in den Fokus des öffentlichen Interesses. Der Grund war eine von ihm kreierte Biermarke, „Deutsches Reichsbräu“, deren Etikett ein Reichsadler mit eisernem Kreuz ziert. Ein Kasten der Sorte kostet 18,88 Euro. Die Ziffernfolgen „18“ und „88“ stehen in der rechtsextremen Symbolik für „Adolf Hitler“ und „Heil Hitler“.

Ku-Klux-Klan-Masken im Sortiment bei Tommy Frenck

Und nun also der neue Gassenhauer aus dem Hause Frenck: Da wegen des Corona-Virus zu einem Tragen von Masken aufgerufen wird bietet nun auch der Neonazi einen Kapuzenpullover „mit Maskenfunktion“ an, den es Ende April zu erwerben geben soll. „Sieht aus wie ein normaler Kapuzenpullover und mit einem kleinen Handgriff hat man in einer Sekunde eine so stehende Maske ;)“, so Frenck. Den Pullover gibt es sowohl in weiß, wie auch in schwarz. Auf der linken Brustseite prangt das Logo des Ku-Klux-Klans. Frencks Fans scheinen begeistert zu sein und kündigen bereits an, den Pulli kaufen zu wollen. 

Die Geschichte des Ku-Klux-Klans

Der Ku-Klux-Klan (KKK) ist eine rassistische und gewalttätige Gruppe, die besonders in den Südstaaten der USA aktiv ist. Diese rechtsextreme wurde Heiligabend 1865, kurz nach dem amerikanischen Bürgerkrieg, gegründet. Die Organisation spezialisierte sich auf alle Spielarten des Terrors gegen Afroamerikaner*innen, in weißen langen Kostümen mit spitzen Kapuzen sowie mit brennenden Kreuzen als mystisches christliches Symbol. Vorzugsweise nachts gingen die Mitglieder auf Tour und ließen von Lynchmorden über Vergewaltigungen bis zum Teeren und Federn ihrer Opfer kein Gewaltverbrechen aus. Schätzungsweise 20.000 ex-Sklav*innen tötete der Klan allein zwischen 1868 und 1871. Der Ku-Klux-Klan propagiert bis heute die „weiße Vorherrschaft“ insbesondere gegenüber Afroamerikaner*innen, aber auch einen militanten Antikatholizismus und Antisemitismus.

Auch in Deutschland gibt es den Klan 

Anfang der 1990er Jahre versuchte der Neonazi und spätere V-Mann Carsten Szczepanski („Piatto“) einen deutschen Ableger des Ku-Klux-Klans zu gründen. Etwas später, Mitte der 1990er Jahre trafen sich etwa 20 Neonazis in der Nähe von Jena und verbrannten Kreuze. Teilnehmer*innen waren auch die NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe sowie der NPD-Politiker Ralf Wohlleben. 

Der NSU, der Klan und die Sicherheitsbehörden

Die Staatsanwaltschaft Gera erhob damals Anklage, nachdem sie bei Zschäpe Fotos gefunden hatte, auf denen lichterloh brennendes Holz und Personen beim Hitlergruß zu sehen waren. Zschäpe hat den Beamt*innen damals bereitwillig mitgeteilt, wer da auf den Fotos zu sehen sei. Sie selbst „gehöre keiner Szene an“, behauptete sie. Wenig später tauchte das mordende Trio Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos unter. Auch für die anderen Neonazis auf dem Bild blieben die Feuerspiele folgenlos. 2012 soll es mindestens vier deutsche Klan-Gruppen gegeben haben, so die politische Bildung  Brandenburg. Mit einer dieser Gruppen standen auch die Mitglieder des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) in Kontakt. Durch die Ermittlungen zur NSU-Terroraffäre ist auch die Mitgliedschaft mehrerer Polizist*innen beim Ku Klux Klan bekannt geworden. Ausgerechnet Kolleg*innen der vom NSU ermordeten Polizisten Michèle Kiesewetter waren Mitglieder bei dem rechtsterroristischen Geheimbund. 

Mit einer Großrazzia ging die Polizei am 16. Januar 2019 in mehreren Bundesländern gegen 17 Personen vor. Bei dem Einsatz gegen die Vereinigung, die sich „National Social Knights of the Ku-Klux-Klan Deutschland“ nannte, seien mehr als 100 Waffen wie Macheten und Schwerter beschlagnahmt worden, teilte die Staatsanwaltschaft Stuttgart mit. 

Und nun gibt es diese Pullover, die sich leicht zu einer rechtsterroristischen Maske umwandeln lassen, in Tommy Frencks Shop für jedermann zu kaufen. Ein Schlag ins Gesicht für potentielle Opfergruppen dieser menschenfeindlichen Ideologie. 

 

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