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YouTube rechtsaußen Eva Herman – Die Märtyrerin der rechten Szene

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Auf ihrer Website lädt Eva Herman neben "Aktuellen Meldungen" Videos hoch, die auch auf Youtube zu finden sind. (Quelle: Screenshot)

Eigentlich sollte Eva Herman als langjährige Journalistin akribisches Arbeiten gewohnt sein. Sachliche Informationen, belegte Schlussfolgerungen und eine saubere Ausdrucksweise. Davon hat sie sich allerdings seit Jahren deutlich entfernt. Sie steht wie kaum eine andere Person derzeit im Fokus verschwörungsideologischer Diskurse und bietet mit ihrer Homepage, ihren YouTube-Videos und dem Telegram-Kanal Plattformen, auf denen Desinformationen verbreitet werden. Herman selbst obliegt dabei eine Verteilungsfunktion. Sie gilt als umtriebige Netzwerkerin der rechtspopulistischen Szene. Ihre Verlinkungen reichen von kremltreuen Medien wie Sputnik oder RT Deutsch zu Rechtsaußen-Plattformen wie „Journalistenwatch“, „PI-News“ oder der neurechten „Jungen Freiheit“. Sie verlinkt und wird verlinkt. Dadurch zirkulieren die Meldungen in einer rechten Filterblase und wecken den Anschein, dass es sich um eine Vielzahl „alternativer“ Fakten handle, die auf unabhängigen Kanälen als „unterdrückte Wahrheiten“ Verbreitung fänden.

Telegram als Verbreitungsmedium von Verschwörungsideologien

Der offizielle Telegram-Kanal von Eva Herman zählt mittlerweile mehr als 80.000 Follower*innen. Vor einem Monat war es noch die Hälfte.  Ihr „Nachrichtenticker“ läuft ununterbrochen. Fast jede Minute erscheint die nächste Meldung von Leserbriefen, dubiosen Videos, Artikeln oder fundamental-christlichen Verlinkungen. Pro Tag sind das etwa 80 Nachrichten, im April allein über 3.000. Die meistgelesenen Nachrichten erfuhren zwischen 300.000 und 430.000 Aufrufen. Für einen Telegram-Kanal ist das enorm. Ob es sich dabei wirklich um “Zusendungen eines Nutzers” handelt oder ob es eigene Texte sind, ist dabei nicht ersichtlich. Die Nachrichten sind allerdings eindeutig und schon die Weiterverbreitung lässt ein Weltbild erahnen.

So geht es in einer Nachricht um Mächte, „welche an den Schalthebeln der Welt sitzen” und “sich nur für Geld und Macht” interessieren (vgl. Twitter/Robert Andreasch). Zudem heißt es “sie fühlen sich keiner Nation verpflichtet, ausser einem kleinen Land vielleicht” – eine antisemitische Verschwörungserzählung wie aus dem Lehrbuch.  Alles, was verschwörungsideologische Thesen bestätigt, scheint geteilt zu werden. Die kontinuierliche Fülle an Desinformationen vermittelt das Bild einer Krisensituation. Die Leser*innen werden in einen Zustand versetzt, der den dramaturgischen Kniff eines Thrillers ausmacht: Der Moment, kurz bevor die Wahrheit ans Licht kommt. Was bei einem Thriller fiktiv ist und am Ende aufgelöst wird, ist bei Herman real und wird zu einem Normalzustand erklärt . Die Leser*innen bekommen das Gefühl der permanenten Krise und wähnen sich als exklusiver Teil derjenigen, die die „Wahrheit“ zu kennen glauben. Ihre Chef-„Aufklärerin“ Eva Herman gibt sich dabei möglichst investigativ. Dabei kommt ihr ihre ehemalige Karriere als Nachrichtensprecherin zugute.

Covid-19 als Katalysator

Besonders momentan in der Covid-19-Krise scheint Herman Kapital aus der unübersichtlichen Situation schlagen zu wollen. Denn wenn sie die allgemeine Unsicherheit über Auswirkungen der Pandemie und Sinn der Schutzmaßnahmen verstärkt durch das Verbreiten von Falschinformationen, sind auf für sie Aufmerksamkeit und ein Gefühl von Bedeutsamkeit gegeben. Da große Social Media Plattformen wie Facebook, Twitter und Google derzeit versuchen, aktiv gegen Fake News zu Covid-19 vorzugehen, kommen Telegram-Kanälen eine besondere Rolle zu. Der Informationsfluss in Telegram-Gruppen ist unabhängig von Algorithmen. Die Informationen gelangen direkt auf die Smartphones der Nutzer*innen – und zwar in dem Moment, in dem ihn jemand postet. Deshalb ist Telegram gerade für Mobilisierungen und für das Schüren von Hass und Desinformation sehr beliebt.

Herman als bedeutungsvoller Teil eines rechten Mediennetzwerkes

Herman teilt nicht nur im Akkord rechtspopulistische und verschwörungsideologische Inhalte, sondern trägt auch wesentlich zu Inhalten sogenannter „alternativer“ Medien bei. Sie veröffentlicht Bücher im Selbstverlag, spricht von „geistigen Genen der Menschen und Völker“ und versteht ihre Veröffentlichungen als Teil des Widerstandes gegen eingeschworene Eliten. Dazu hält sie beispielsweise in einem ihrer Bücher fest: „Die Wahrheit gänzlich zu töten wird den globalen Machthabern aus Politik und Medien zwar niemals gelingen“, doch sei es ihnen beinahe gelungen, dem Menschen seinen freien Willen zu entziehen. Ihre verschwörungsideologischen Ausflüchte kommen in der rechten Szene gut an.

Von antifeministischen Positionen zur Relativierung der NS-Zeit – ein Martyrium der rechten Szene

2006 erschien Hermans Buch „Das Eva-Prinzip“. Darin bezieht sie antifeministische Positionen. Die ehemalige Tagesschausprecherin und NDR-Moderatorin wurde dann 2017 entlassen. Kurz darauf wurde sie von Johannes B. Kerner als Gast in seine Talkshow eingeladen, aber nach wiederholt relativierenden Aussagen zur NS-Zeit hinausgeworfen.

Die Sendung bescherte der rechten Szene eine Märtyrerin, die weit über die sonstigen Filterblasen bekannt war. Insbesondere in rechtspopulistischen Kreisen bediente man sich ihrer Beliebtheit. So stand sie oft im Mittelpunkt des rechtsextremen „Compact-Magazins“, der Pegida-nahen Online-Plattform „PI-News“ und arbeitete für den „Kopp-Verlag“, der neben Naturheilkundeprodukten und Survival-Ausrüstung hauptsächlich für rechtspopulistische und verschwörungsideologische Inhalte bekannt ist. Herman selbst stilisierte sich zum Opfer, das lediglich Äußerungen getätigt habe, die „ohne Denkverbot und Maulkorb zustande kommen“, wie es noch immer auf ihrer Homepage heißt. Immer wieder verweist sie in ihren Kanälen auf ihre Publikationen oder Produkte des „Kopp-Verlags“, sodass davon auszugehen ist, dass jene Literatur ihr Wirken finanziert. Der Name Eva Herman ist zu einem Produkt geworden, das sich in diesen Kreisen gut verkauft verkauft.

Verschwörungsideologien aus Kanada

Herman hat sich zusammen mit Andreas Popp in Kanada niedergelassen und bespielt auch von dort aus ihre Kanäle. Popp ist Betreiber des „Instituts für Wirtschaftsforschung und Gesellschaftspolitik“, eines rechten Thinktanks, der unter dem Namen „Wissensmanufaktur“ auftritt. Popp und Herman senden ein gemeinsames Videoformat, in dem sie gesellschaftspolitische Entwicklungen besprechen. Dabei nutzen sie Verschwörungsideologien als Bindeglied zwischen Covid-19, 5G, Migrationspolitik und Regierungsorganisationen.

Offene Arme der rechten Szene für prominente Gesichter

Während Herman aufgrund ihrer Äußerungen ein schwindendes gesamtgesellschaftliches Ansehen zu verzeichnet hatte, wird sie in der rechten Szene gepflegt und gefeiert. Prominente Gesichter sind äußerst beliebt in der rechten Szene. Sonst musst die Szene immer den aufwendigen Weg gehen und eigene Ikonen entwerfen, die allerdings selten über die eigene Szene hinaus Aufmerksamkeit erregten. Durch prominente Gesichter wird ihr neues Potenzial zugespielt.

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