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Telegram-Hetze Verschwörungsverbreiter Oliver Janich wurde auf den Philippinen festgenommen

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Der deutsche Verschwörungsideologe Oliver Janich soll auf den Philippinen festgesetzt worden sein. (Quelle: Pixabay, Screenshot )

Knapp 150.000 Menschen haben auf dem Messengerdienst Telegram die verschwörungsideologischen, antisemitischen und rassistischen Ergüsse von Oliver Janich abonniert. Im Dezember 2021 schrieb er etwa, „dass es nicht nur zulässig, sondern in der aktuellen Situation sogar geboten sei, sämtliche Regierungsmitglieder im Bund und in den Ländern standrechtlich hinzurichten.“ Vielleicht auch wegen solcher gewaltvollen Postings wurde der Verschwörungsverbreiter Oliver Janich am Mittwochmorgen deutscher Zeit auf den Philippinen festgenommen.

Nach Informationen des Spiegels läuft derzeit ein deutsches Ermittlungsverfahren gegen Janich. Die Staatsanwaltschaft München bestätigt gegenüber dem Spiegel: „Es besteht der Tatverdacht, dass der Beschuldigte im Jahr 2020 bzw. 2021 – jeweils öffentlich über Telegram – eine andere Person beleidigte, dazu aufrief, die Exekution einer prominenten Person durchzuführen und die Tötung damaliger Regierungsmitglieder von Bund und Ländern in der Bundesrepublik Deutschland forderte“. Der aus München stammende Janich wird schon seit einiger Zeit durch den bayerischen Verfassungsschutz beobachtet.

Kein Auslieferungsabkommen mit den Philippinen

Regelmäßig fordert der 53-Jährige besonders auf Telegram „Tribunale“, die sich gegen Politiker*innen, Pandemie-Schutzmaßnahmen-Befürworter*innen und Aktivist*innen richten oder, dass Menschen „hängen“ und „an die Wand“ gestellt werden sollen. Ob die Philippinen den Hetzer nun nach Deutschland trotz fehlenden Abkommens ausliefern, ist bisher nicht absehbar.

Telegram-Post von Oliver Janich im Dezember 2021 (Screenshot Telegram)

Obwohl sich der Verschwörungsverbreiter Janich in seinen Videos und auf Telegram gerne über Migration in Deutschland echauffiert, lebt er selber seit 2015 auf den Philippinen. Angeblich, weil er Angst hatte, dass die Weltwirtschaft zusammenbreche und er in Deutschland seine „journalistische“ Arbeit ja gar nicht mehr machen könne, weil es angeblich „keine Meinungsfreiheit“ mehr gäbe. Janich hat knapp 150.000 Abonnent*innen auf seinem Telegram-Kanal. Sein YouTube-Kanal mit rund 159.000 Abonnent*innen, 800 Videos und 40 Millionen Aufrufen wurde im Oktober 2020 gelöscht. Und dennoch zählt das Monitoring-Team de:hate der Amadeu Antonio Stiftung Janich zu den „reichweitenstärksten Stimmen, die Verschwörungserzählungen in Deutschland verbreiten“.

Nach Informationen des Tagesspiegels wird gegen Janich auch auf den Philippinen unter anderem wegen Steuerhinterziehung ermittelt. Ein ehemaliger Bekannter Janichs, der sich mittlerweile von ihm losgesagt habe, soll die Ermittlungen sowohl auf den Philippinen als auch in Deutschland vorangetrieben haben. Außerdem soll Janich illegal eine Waffe besessen haben, berichtet der Tagesspiegel.

Wer ist Oliver Janich?

Oliver Janich war einmal ein Wirtschaftsjournalist, der für Focus Money, Financial Times Deutschland oder die Süddeutsche Zeitung schrieb. Zuvor hatte er eine Banklehre gemacht und Wirtschaftswissenschaften studiert. Nach Spiegel-Informationen verurteilte ihn das Amtsgericht München 2015 wegen Marktmanipulation zu einer Geldstrafe. Er hatte im Focus Money-Magazin eine Aktie zum Kauf empfohlen – und dafür mindestens 15.000 Euro von einem Bekannten bekommen. Gleichzeitig hielt er selbst in großem Umfang Aktien des angepriesenen Unternehmens. Seine Leser*innen erfuhren davon nichts. Es soll ein Schaden von rund 17 Millionen Euro entstanden sein, verloren haben vor allem Kleinanleger*innen. Heute wirft er einer anderen Gruppe wirtschaftliche Manipulation und Ausbeutung vor.

2009 gründete Janich eine libertäre Partei. Erfolge und Aufmerksamkeit konnte er hier jedoch nicht generieren. Sein Einstieg in die Welt der Verschwörungslügen begann rund um den 11. September 2001. In der Folge wurde die „Aufklärung“ über eine „New World Order“ Janichs Mission – also die antisemitisch konnotierte Verschwörungsideologie, dass im Geheimen und nur zum eigenen Vorteil agierende „Eliten“ und „Mächte“ hinter Regierungen oder Wirtschaftsmächten ständen – eine jahrhundertealte antisemitische Verschwörungserzählung. Ab 2014 taucht Janich auf den sogenannten Friedensdemonstrationen auf und begann von Bühnen herab von einer angeblichen Weltverschwörung zu faseln.

Als seriöse Medien zunehmend auf Distanz gingen, schreibt er Bücher wie „Das Kapitalismus-Komplott. Die geheimen Zirkel der Macht und ihre Methoden“ (2010), „Die Vereinigten Staaten von Europa. Geheimdokumente enthüllen: Die dunklen Pläne der Elite“ (2013) oder „New World Order Exposed: Strategy, tactics and methods of the power elite“ (2018). Außerdem veröffentlichte er in rechtsextremen und verschwörungsaffinen Medien.

Schon recht früh war Janich Teil der QAnon-Szene. In der QAnon-Blase herrscht stets Endzeitstimmung. Nichts Geringeres als der ultimative Kampf zwischen Gut und Böse stünde bevor, wo „Eliten“ via Tribunalen endlich zur Rechenschaft gezogen würden. Einige Expert*innen bezeichnen QAnon als radikale Sekte. „Generell hat Janich einen hohen Stellenwert in allen möglichen reaktionären Szenen, von dem deutschen Ableger der QAnon-Bewegung, über Gegner*innen der Maßnahmen gegen die COVID-19 Pandemie, bis hin ins rechtspopulistische oder rechtsextreme Spektrum“, so die Expert*innen von de:hate.

Die Verschwörungs-Szene hat ihre eigenen Erklärungen

Seine Gewaltaufrufe gegen „die Eliten“ und sonstige Feinde scheinen nun wohl vorerst unterbunden. Janich wartet offenbar in Manila auf seine Auslieferung nach Deutschland. Es war abzusehen, dass die Verschwörungs-Szene die offiziellen Angaben zur Festnahme nicht glaubt. Sie meinen in der Festnahme ihres Idols einen weiteren Beweis für einen faschistischen Staat zu entdecken. Dass Janich sich strafbar gemacht hat, weil er Menschen beleidigt und öffentlich aufgefordert hat, Straftaten zu begehen, lassen sie nicht gelten.

Stefan Magnet, Chef des rechten Streaming-Senders Auf1, verbreitet die Geschichte, Janich sei vom Ex-Partner seiner derzeitigen Partnerin an die Behörden verraten worden. Zum Zeitpunkt der Festnahme seien Janich und Magnet zu einem Interview zu „neuen Erkenntnissen zu Freimaurerei sprechen, über Geheimgesellschaften“. Unterdessen versucht die Szene den Hashtag #FreeJanich trenden zu lassen. Das rechtsextreme Compact-Magazin schrieb auf Twitter von „#Krieg!“ und dass Freunde „ihn vermissen“ werden, ganz so, als sei Janich verstorben.

Michael Ballweg in U-Haft

Unterdessen setzt die Szene die Inhaftierung Janichs in einen direkten Zusammenhang zur FBI-Durchsuchung bei Donald Trump und der Inhaftierung von Michael Ballweg. Der Unternehmer und Initiator der „Querdenken“-Bewegung wurde Ende Juni festgenommen. Die Polizei hatte dabei Wohn- und Geschäftsräume in Stuttgart durchsucht. Seither sitzt Ballweg in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen des Verdachts auf Betrug und Geldwäsche. Es besteht der Verdacht des Betruges in Höhe von rund 640.000 Euro und der Geldwäsche in Höhe von rund 430.000 Euro. Laut Staatsanwaltschaft liegen konkrete Hinweise dafür vor, dass der 47-Jährige sein Wohnhaus verkaufen und mit seinem Vermögen ins Ausland gehen wollte.

Der selbsterklärte Ökonom und Verschwörungsverbreiter Ernst Wolff schreibt auf Twitter, Ballweg und Janich seien „nur die ersten #Opfer einer politischen #Hetzjagd, die den #Herbst unserer weiteren Entrechtung einleitet.“ Und wir können uns sicher sein, dass die Verschwörungs-Szene diese juristischen Sanktionen gegen Hass für ihre eigenen Zwecke missbrauchen wird und versuchen wird, ihre eigenen Narrative zu setzen. Wir sind hingegen froh, dass die permanente Hetze nun vielleicht Konsequenzen für Janich hat.

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