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Rechtsalternative Medien Oliver Flesch – Hass und „Heimatliebe“ aus Mallorca

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YouTube-Kanal von Oliver Flesch: "Impfpflicht", "Corona-Hysterie", "Zwangseinweisungen" und andere rassistische und sexistische Desinformationen. 58.000 sehen zu. (Quelle: Screenshot)

„Willkommen im Widerstand“ heißt es auf Oliver Fleschs YouTube-Channel. Widerständig, so erläutert der Mallorca-Auswanderer und Rechtspopulist, heiße, „im Geist“ von Sophie Scholl und „Oberst von Stauffenberg“ zu handeln. Dass eine antifaschistische Widerstandskämpferin nur schwer mit einem bekennenden Nationalisten in einen Topf zu werfen ist, scheint Flesch nicht zu stören. Er sieht sich schließlich selbst in einer widerständigen Tradition stehend und posiert mit geballter Faust und nach vorne ausgestrecktem Arm neben dem Schriftzug.

Social Media Präsenzen

Fleschs „Widerstand“ gegen die parlamentarsiche Demokratie, Gleichwertigkeit und Menschenrechte findet online statt. Er ist seit 2018 mit seinem Hauptkanal, „Oliver Flesch“ (58.000 Abonnent*innen) und Zweitkanal „Heimatliebe“ (24.900 Abonennt*innen) auf YouTube. Da seine Videos des Öfteren gegen die Richtlinien der Plattform zu Hassrede verstoßen haben, hat Flesch im Jahr 2019 mit der Website „1984“ – eine Anspielung auf die Dystopie des totalitären Staates von George Orwell – eine eigene Plattform geschaffen, auf der diese Videos richtlinienbefreit hochgeladen werden. Ein weiterer Autor der Website ist der Bielefelder Ex-Polizist Stefan Schubert, der außerdem für den rechtsextremen Blog Politically Incorrect (PI-News) schreibt.

Aus einem Telegram-Kanal von Oliver Flesch: Abstimmung lieber ohne Wahl.

Auf Telegram betreibt Flesch den Kanal „1984 – Das Magazin“, der über 19.500 Mitglieder hat. Hier promotet er gern seine ideologischen Freunde. Dazu gehört, dass er fleißig Werbung für die AfD macht. So bewirbt er den Telegram-Kanal von AfD-Rechtsaußen Petr Bystron und startete die Umfrage „Ich wähle…“ bei der es die zwei Auswahlmöglichkeit „Die AfD natürlich!“ oder „Ich bin leider zu doof zum wählen“ gab.

Aus einem Telegram-Kanal von Oliver Flesch: Werbung für AfD-Hardliner Petr Bystron.

Auch machte er Werbung für den Livestream von der rechtsradikalen und IB-nahen Naomi Seibt und verkündete kürzlich, er habe sich wieder mit dem Neonazi Sven Liebig vertragen.

Aus einem Telegram-Kanal von Oliver Flesch: Werbung für „Identitären“-Fangirl Naomi Seibt.

„Querdenken“ ist ihm nicht rassistisch genug

Eines der aktuellen Themen auf „1984“ ist die Coronavirus-Pandemie. Nach anfänglicher Unterstützung der rechtsoffenen „Querdenker“-Bewegung hat Flesch mittlerweile bekannt gegeben, dass er “Querdenken“ nicht mehr unterstützen wird. Dort seien „nur linke Redner auf der Bühne, inklusive „Antifa“. Außerdem, so schreibt er in einem Beitrag, fehle „Querdenken“ die “Migrationskritik“.

Aufbau einer „Neuen Weltordnung“

Bei Flesch gibt es also kein halbherziges Versteckspiel in Andeutungen. Bei Flesch geht es offensiv um eine „Corona-Diktatur“, die die Vorstufe zur „Neuen Weltordnung“ sei. Die antisemitische Verschwörungserzählung der New World Order („NWO“) basiert auf der Vorstellung, dass eine globale, jüdisch imaginierte Elite die Menschheit einer neuen, totalitären Weltordnung unterwerfe. Dies passiere natürlich nicht von heute auf morgen, sondern werde in verschiedenen Schritten eingeleitet. Der Beginn der „NWO“ wird auf „1984“ tagesaktuell passend in den Maßnahmen zur Einschränkung der Coronavirus-Pandemie gesehen. So beschreibt der ehemalige Polizist Stefan Schubert Abstands- und Hygieneregelungen als „undenkbare Maßnahmen gegen die Bevölkerung“, die mit „massiver Einschüchterung und Repression“ durchgesetzt würden. Die aktuellen Regelungen seien jedoch nur die Vorstufe, den „großen Neustart“ prognostiziert Schubert erst auf Mai 2021.

Von Oliver Fleschs Website „1984“: „Corona-Diktatur“, „Great Reset“, „Neue Weltordnung“

Flesch sieht die „NWO“ sogar in dem Koalitionsvertrag zwischen der CDU, CSU und der SPD festgehalten und führt in seinem Post sicherheitshalber auch noch einen „Videobeweis“ der Kanzlerin von 2011 an, in dem sie das Wort „Weltordnung“ in einer Rede benutzt. Für ihn ist somit ebenfalls klar, dass an der „Neuen Weltordnung“ gearbeitet wird.

„Alternative“ Medizin und Desinformation

Aus einem Telegram-Kanal von Oliver Flesch: Preisung von MMS, einem Bleichmittel.

Gegen das Coronavirus empfiehlt Flesch darüber hinaus ein ganz besonderes Mittel auszuprobieren, dass ihn bereits von einer Zahnfleischentzündung geheilt habe: MMS, kurz für „Miracle Mineral Supplement“ oder „Miracle Mineral Solution“. Das ist nichts anderes als Chlordioxid, ein industrielles Bleichmittel, das durch Mischen von Natriumchlorid-Lösung mit einer Säure hergestellt wird. Chlordioxid wird bei Impfgegner*innen als Wundermittel gefeiert und kann bei Einnahme zu lebensbedrohlichen Nebenwirkungen führen. Auch Trump habe dieses Mittel gegen das Coronavirus empfohlen, sagt Flesch, wobei er hier Trumps gefährliche Falschinformation weiter verfälscht, der eigentlich empfohlen hatte, sich Desinfektionsmittel in die Venen zu spritzen. Diese Verdrehung hatte Flesch wohl von einem anderen Deinformations-Alternativmedienmacher, Oliver Janich. Der hatte nämlich zuvor empfohlen, sich statt lebensbedrohlichem Desinfektionsmittel die sicher lebensgefährliche Chlorbleiche intravenös zu injizieren.

„Genozid an den Weißen“ und „Kulturkampf“

Ein weiteres Thema, dass Flesch schwer beschäftigt, ist ein vermeintlich drohender „Genozid an den Weißen“. Dieses rassistische Narrativ beschwört einen drohenden Untergang der „weißen Rasse“ und lässt sich auch in der Erzählung des „Großen Austausch“ wiederfinden, die durch die „Identitäre Bewegung“ besonders virulent geworden ist. Bei der Erzählung des „Großen Austausches“ wird behauptet, das „deutsche Volk“ werde durch Migrationsbewegungen verdrängt und würde auf lange Sicht verschwinden, ausgetauscht werden.

Aus einem Telegram-Kanal von Oliver Flesch: Narrativ eines „Genozids“ an „Weißen“.

So schreibt Flesch im Zuge einer „Black Lives Matter“-Demonstration in London: „Willkommen im Rassenkrieg“ und erklärt, die britische Polizei sei nicht willens „den Krieg gegen Weiße“ der „Terrororganisationen“ Antifa und „Black Lives Matter (BLM)“ zu beenden. Besonders das Stürzen von kolonial-rassistischen Denkmälern und Statuen der BLM-Aktivist*innen und Unterstützer*innen ist für Flesch ein Zeichen für einen „Kulturkrieg“. „Stell dir vor, es ist Kulturkrieg und deine eigene Kultur kämpft in der Mehrheit auf der Gegenseite…“ postet Flesch und fügt auf Telegram „Endkampf-Feeling“ als Überschrift zum verlinkten Artikel hinzu.

Filmtipp von Oliver Flesch: Narrativ Vielfalt tötet „Weiße“.

Auf „1984“ findet sich ein Repost eines Videos mit dem Titel „Genozid an Weißen – Der Kurzfilm“. Das Video ist untertitelt mit „Diversity = White Genocide“, einer Parole von Anhänger*innen der „White Supremacy“-Ideologie. Rassist*innen also, die an die Vorherrschaft und „Überlegenheit der Weißen“ glauben. Das Video ist mit dem Lied „Ode To A Dying People“ der schwedischen „White Supremacy“-Sängerin Saga unterlegt, die in dem Lied die Angst vor dem Aussterben „ihrer Rasse“ beklagt („if this is the way my race ends“). Flesch erklärt, dass solche Videos „die besten „Hallo, Wach!“-Pillen überhaupt“ seien. Er sei allerdings schon „wach“ und “aufgestanden“. Die Kommentare unter dem Video sind zutiefst rassistisch. Es finden sich Anspielungen auf vermeintliche „Rassentheorien“ wieder und die User machen keinen Hehl daraus, dass sie bereit sind, sich gegen die von ihnen imaginierte Bedrohung mit Waffen zu wehren.

Waffen „zur Selbstverteidigung“

Dieses Bedrohungsszenario befeuert Flesch stetig und bewirbt auf seinem Telegram-Kanal Waffen zur angeblichen Selbstverteidigung. So unter anderem ein Messer, das für „Militär, Polizei, Feuerwehr“, aber auch für „Krisenvorsorger“ unverzichtbar sei. Er suggeriert hier also eine bevorstehende Bedrohung, für die man sich bewaffnen müsse.

Aus einem Telegram-Kanal von Oliver Flesch: Werbung für „Wiederbewaffnung“.

Auch für den „Tactical Pen“ vom rechtsoffenen Kopp-Verlag – ein aus Metall gefertigtes Kugelschreiber-Imitat  – macht Flesch Werbung und beschreibt den Stift als „Notwehr-Tool“, wenn „ihr bedrängt oder angegriffen“ werdet. Darüber hinaus ist Flesch Fan der Waffengesetze in den USA und postet auf Telegram Bilder von privaten Waffen eines Mitstreiters – „Sachsen-Tom“ – aus Texas, mit dem er auf YouTube im Livestream über die Wahlen in den USA diskutiert.

Aus einem Youtube-Kanal von Oliver Flesch: Mit „Sachsen-Tom“.
Aus einem Telegram-Kanal von Oliver Flesch: Waffen von „Sachsen-Tom“ werden präsentiert.

 Externalisierung von Gewalt gegen Frauen

Um gegen Migrant*innen und Geflüchtete in Deutschland zu hetzen, greift Flesch eine Erzählung auf, die in den letzten Jahren besonders von den „Identitären“ und der AfD mit rassistischen Kampagne wie „120dB“ und „Kandel ist überall“ verbreitet wurde. Frauen seien in deutschen Großstädten nicht mehr sicher und der einzige Grund hierfür sei die Einwanderung von Geflüchteten. Und wenn Frauen sich nicht mehr sicher fühlten, so schreibt Flesch, müssten „Maßnahmen getroffen werden, um diese Leute wieder loszuwerden“. Er bedient hier ein Narrativ, dass Gewalt gegen Frauen externalisiert und zu einem vermeintlich importierten Problem macht. Für das von ihm künstlich geschaffene Problem wartet er mit einer konkreten Lösung auf: Abschiebung.

Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Gewalt gegen Frauen in der von ihm definierten „deutschen“ Gesellschaft nicht existiere. Eine Behauptung, die sich fernab von jeglichen Studien zu (sexualisierter) Gewalt gegen Frauen bewegt, stammen Täter doch zum größten Teil aus dem sozialen Nahbereich der Betroffenen. Dies macht noch einmal besonders deutlich, dass es den Akteur*innen nicht um den Schutz von Frauen oder das Einfordern von Frauenrechten geht, sondern um Hetze gegen Migrant*innen und Geflüchtete. Darüber hinaus wird Gewalt nur skandalisiert, wenn dem Täter ein Migrationshintergrund zugeordnet werden kann.

Vom Antifeministen zum Rechtspopulisten

Flesch beschreibt die Kölner-Silvester Nacht 2015/2016, in der es vermehrt zu gewaltsamen Übergriffen kam, als eine Art Radikalisierungsmoment.

Flesch distanzierte sich auf seinem Blog „Wahre Männer – Liebe, Lust & Populärkultur für böse Mädchen und große Jungs“ Anfang 2016 noch von „V-Theoretikern“ und schreibt, dass die „NWO“ so „realistisch wie der letzte Star Wars-Film“ sei. Einer Verschwörungstheorie, von der er nun aber überzeugt scheint.

Flesch verbreitet vor und kurz nach Silvester 2016 also noch keine Verschwörungserzählungen. Was sich allerdings auf seinem damaligen Blog manifestiert, ist ein glühender Antifeminismus. Er objektifiziert Frauen, degradiert sie zum Sexobjekt. So heißt es in seinem „Hauptstadtroman“ – Flesch ist nämlich auch noch Romanautor – „Die nächste Frau, die mir wirklich wichtig ist, bekommt meinen Schwanz nicht in der ersten Nacht. Nun ja. So ist zumindest der Plan“.

Darüber hinaus spricht sich Flesch gegen eine Frauenquote aus („Überlasst die Quote mal den Behinderten, Mädels!“) – aber natürlich nur aus Rücksichtnahme!  Denn es würde Frauen ja  das Herz herausreißen, wenn sie ihre Kinder in Kitas unterbringen müssten. Weiter noch, so konstatiert der ehemalige DJ, der 2015 nach Mallorca ausgewandert ist (vgl. Mallorca-Zeitung), müssten sie schließlich auch noch den Haushalt schmeißen und „sexy Freundin oder Ehefrau [wolle] die Frau von heute ja auch noch sein“. Flesch weiß nämlich ganz genau, dass Frauen „andere Prioritäten setzen“. In einem GQ-Artikel wird Flesch zitiert, wie er betont, dass Frauen und Männer zwar „gleichwertig […], aber eben auch unterschiedlich“ seien und so sei Gender-Mainstreaming eben auch „ein abscheulicher Menschenversuch, der zum Ziel hat, die naturgegebenen Unterschiede zwischen den Geschlechtern auszumerzen“.

Flesch spricht sich hier also klar gegen Maßnahmen zur Gleichstellung von Männern und Frauen aus und rechtfertigt dies mit dem Verweis auf vermeintlich „naturgegebenen Unterschiede“ der Geschlechter. Für diese vermeintlich natürlichen Unterschiede gibt es dann eben auch vermeintlich natürliche Aufgaben und Arbeitsbereiche – und dazu gehört bei Frauen – laut Flesch – eben die Sorge um Kinder und eher keine Führungsposition. Dabei sollte nicht vergessen werden, dass sichtbare Gewalt an Frauen immer nur die Spitze eines Eisberges ist, der auf eben so einer Ideologie der „naturgegebenen Unterschiede“ der Geschlechter fußt.

Die Idee von künstlichen Differenzen mit dem Verweis auf vermeintlich natürliche Eigenschaften, wie es sich auch in der Erzählung des „Großen Austausch“ wiederfindet, ist bei Flesch also nicht neu. Bereits auf seinem alten Blog wird die Tendenz, das Eigene – seine Männlichkeit – gegen das Andere – feministische Forderungen – zu verteidigen, deutlich. Und um die Verteidigung das Eigenen geht es bei Flesch ganz massiv, wenn er in emanzipatorischen Bewegungen wie BLM einen Angriff auf „seine Kultur“ herbei beschwört und in diesem imaginierten Angriffsszenario zur Selbstverteidigung aufruft. An Flesch zeigt sich nun wieder, dass Antifeminismus ganz massiv zu einer Radikalisierung in ein extrem rechtes Spektrum beitragen kann.

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