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Was ist das? Feindschaft gegenüber geflüchteten Menschen

Ausschnitt aus dem Titelbild des Flyers "Feindschaft gegenüber geflüchteten Menschen" (Quelle: Amadeu Antonio Stiftung)

Eine Flyerreihe der Amadeu Antonio Stiftung erklärt Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit: Was ist Feindschaft gegenüber geflüchteten Menschen? Wie erkenne wir es? Was können wir tun?

Was ist das?

Das Recht auf Asyl ist ein zentrales Menschenrecht: Wenn in meiner Heimat mein Leben bedroht wird, weil ich politisch anderer Meinung bin, einer anderen Religion angehöre oder eine andere Sexualität besitze als die Mehrheit, kann ich Schutz im Ausland suchen. Von diesem Grundgedanken bleibt nicht mehr viel übrig, wenn Medien oder Politiker*innen den Schutz von individuellen, bedrohten Menschen als »Flüchtlingswelle« oder »Flut« darstellen. Wird die berechtigte Suche nach Schutz als Naturkatastrophe beschrieben, erscheinen notleidende Menschen als Gefahr, Bedrohung oder Belastung. Dabei handelt es sich um Flüchtlingsfeind-lichkeit. Das Schlagwort »Flüchtlingskrise« weist den geflohenen Menschen die Verant-wortung für Probleme zu. Nach deren Ursachen – Krieg, Verfolgung und Armut in den Herkunftsländern oder soziale Probleme und Rassismus hier in Deutschland – wird dann nicht mehr gefragt. Häufig ist dies mit Aussagen verbunden, die den Menschen ihre Fluchtgründe absprechen: »Die fliehen gar nicht vor Krieg« oder »sie kommen nur aus wirtschaftlichen Gründen«. Anderen Menschen ist die Lage der Geflüchteten egal. Sie wollen, dass es gar keine Zuwanderung gibt oder nur von Menschen, die »uns« etwas nützen. Abwertende Meinungen über Geflüchtete vertreten auch Menschen mit eigener Fluchterfahrung. Sie sagen zum Beispiel: »Wir hatten es damals schwer, aber jetzt wird denen alles geschenkt.«

Wie erkenne ich das?

Weltweit sind heute rund 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Nur ein sehr geringer Teil von ihnen macht sich auf die lebensgefährliche Flucht nach Europa und erreicht Deutschland. Geflüchtete Men-schen sind in einer Ausnahmesituation. Sie haben Freund*innen und Angehörige zurücklassen müssen. Sie haben eine lange, häufig gefährliche Reise hinter sich. Jährlich ertrinken im Mittelmeer meh-rere tausend Menschen, weil europäische Länder ihnen keine rechtlichen Möglichkeiten geben, legal hier Schutz zu suchen. Menschen auf der Flucht verbringen eine ungewisse Zeit in Gemeinschafts-unterkünften und warten auf Entscheidungen, ob und wie sie in Deutschland bleiben können. Sie sind rechtlich schlechter gestellt, erhalten eine geringere soziale Unterstützung und werden bei der Suche nach einem Arbeits- oder Ausbildungsplatz benachteiligt. Ihnen werden Leistungen verwehrt oder Verträge verweigert, z.B. die Eröffnung eines Bankkontos. Vor allem aber werden sie im Alltag mit Sprüchen beleidigt und körperlich angegriffen (➜ Rassismus).Die Situation in den Heimen ist nicht angenehm. In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Protesten und sogar Brandanschlägen auf ihre Unterkünfte. Dabei haben sie eigentlich ganz andere Sorgen: Wie geht es der zurückgelassenen Familie? Kann ich sie mit dem Telefon erreichen? Wie funktioniert die medizinische Versorgung? Wann finde ich endlich Ruhe nach traumatischen Erlebnissen und in der Angst vor Abschiebung? Und wo bekomme ich die Dinge, die mir schmecken?Vorurteile gegenüber Geflüchteten betreffen grundverschiedene Menschen. Es gibt nicht »die Geflüchteten«, doch die Ablehnung wird verallgemeinert. Das kann daran liegen, dass viele Menschen gar keine Kontakte und Erfahrungen mit Geflüchteten haben, aber Falschmeldungen über sie in Sozialen Netzwerken lesen. Dazu trägt auch bei, dass Geflüchtete in Lagern und Hei-men mit Stacheldraht, meist am Stadtrand, untergebracht sind. Das erzeugt Bilder, die sie bereits als ausgegrenzt oder sogar gefährlich zeigen. Für Geflüchtete spielt der Aufenthaltsstatus eine wichtige Rolle. Er regelt, ob und wie lange sie in Deutschland bleiben dürfen oder ob sie sich jeden Moment von Abschiebung bedroht fühlen. Aufgrund dieser Situation sind sie häufig von einer mehrfachen Diskriminierung betroffen: Die Abwertung von Geflüchteten tritt oft in Verbindung mit Rassismus z. B. gegenüber Muslim*innen auf (➜ antimuslimischer Rassismus).Manche erwarten von geflüchteten Menschen, dass diese sich »hinten« anstellen und an »uns« anpassen. Vor allem aber werden sie als Feindbilder aufgebaut. Das gilt auch für bestimmte Vorstellungen von Geschlecht und Sexualität. Geflüchtete Männer werden häufig als besonders übergriffig dargestellt. Ihnen wird der Zutritt zu Diskotheken, Gaststätten oder Schwimmbädern verboten. Rechtsextreme nutzen Ängste und Vorurteile in der Gesellschaft aus und befeuern diese etwa mit Falschmeldungen. Damit wollen sie ihre rassistische Vorstellung einer homogenen weißen deutschen Gesellschaft durchsetzen.

Was kann ich dagegen tun?

Wir müssen zuerst kritisch prüfen, wie wir über diejenigen reden, die zu uns kommen. Wie wir Menschen benennen, hat Einfluss darauf, wie sie behandelt werden. Hinweise dazu geben die Neuen Deutschen Medienmacher auf www.neuemedien-macher.de/wissen/wording-glossar. Einen Anspruch auf Asyl haben in Deutschland nur politisch Verfolgte. Und die Voraussetzungen dafür sind hoch (Art. 16a Grundgesetz). Flüchtlingsschutz wird nach der Genfer Flüchtlingskonvention gewährt. Wir müssen auf die konkrete Situation geflüchteter Menschen achten. Wie geht es Frauen, wie jungen Männern? In welcher Situation sind zerrissene Familien? Manche Menschen flüchten, weil sie in ihren Herkunftsländern aufgrund ihrer Homosexualität oder geschlechtlichen Identität verfolgt werden. Sie sind einem hohen Risiko von Abwertungen und Gewalt ausgesetzt und bedürfen daher besonderen Schutzes. Für eine Arbeit an Vorurteilen können wir versuchen, die Perspektiven von geflüchteten Men-schen kennenzulernen. Am besten gelingt das, wenn wir sie sprechen lassen und ihnen zuhören. Wir können diese Erzählungen weiter verbreiten und für ihre Rechte, Anliegen und Wünsche eintreten.Geflüchtete und asylsuchende Menschen brauchen ebenfalls geschützte Räume, wo sie sich austauschen und organisieren können. Du kannst auch in deiner Klasse Hilfe zum Ankommen, bei Hausaufgaben oder für den Alltag anbieten. Konkrete Möglichkeiten der Unterstützung wie Patenschaften, Tauschbörsen und ähnliches gibt es vor Ort in Willkommensinitiativen oder solidari-schen Bündnissen gegen Rassismus. Hier findest du auch Unterstützung, wenn du Flüchtlingsfeindlich-keit beobachtest oder wenn wieder einmal Nazis ge-gen Geflüchtete demonstrieren wollen.

Weitere Informationen:

Dieser Flyer ist Teil einer Reihe, die unterschiedliche Formen der Abwertung bestimmter Gruppen in der Gesellschaft erklärt. Wenn wir uns für Gleichwertigkeit, gegen Diskriminierung einsetzen, gilt das für alle ohne Ausnahme. Auch wenn wir nicht wissen, ob direkt Betroffene anwesend sind. Wichtig dabei ist: Wer selbst diskriminiert wird, ist nicht davor geschützt, seinerseits andere abzuwerten.

Die Flyer und weitere Informationen erhältst du auf www.amadeu-antonio-stiftung.de/themenflyer-zu-gruppenbezogener-menschenfeindlichkeit/. Die Amadeu Antonio Stiftung kann dir auch helfen, dich gegen andere Formen von Diskriminierung und Gewalt zu wehren und zu engagieren.

Der Flyer zum Download: Feindschaft gegenüber geflüchteten Menschen

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