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Was ist das? Homo- und Trans*feindlichkeit

Ausschnitt aus der Titelbild der Broschüren-Reihe zu Gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit: "Homo- und Transfeindlichkeit". (Quelle: Amadeu Antonio Stiftung)

Eine Flyerreihe der Amadeu Antonio Stiftung erklärt Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit: Was ist Homo- und Trans*feindlichkeit? Wie erkenne wir sie? Was können wir tun?

Was ist das?

Lisa und Fatma können Hand in Hand durch die Nachbarschaft laufen, der Physiklehrer Ben selbstverständlich seinen Freund Simon mit zum Schulfest bringen, Miriam und Lea ohne Probleme ein Kind adoptieren, und niemand stört sich daran, dass Jill nach den Sommerferien den Wunsch äußert, als Junge angesprochen zu werden. Oder? Wen wir lieben und welchem Geschlecht wir uns zugehörig fühlen, ist unsere persönliche Sache – wird aber trotzdem durch gesellschaftliche Vorstellungen und Regelungen beeinflusst. Die Mehrheit der Menschen geht immer noch davon aus, dass sich Jungen in Mädchen verlieben und umgekehrt. Diese Vorstellung – auch Heterosexualität genannt – wird als vermeintlich normal und natürlich angese-hen. Die Mehrheit geht auch davon aus, dass Jungen als Jungen geboren werden und Mäd-chen als Mädchen. Doch die Geschlechtsidentität einer Person kann sich von dem ihr bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht unterscheiden, ganz unabhängig von der Sexualität. Wenn jemand, der nach der Geburt als Mädchen bezeichnet wurde, sich später als männlich versteht – oder als weder männlich noch weiblich –, sprechen wir davon, dass dieser Mensch trans*geschlechtlich oder non-binary ist. Menschen, die sich mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei Geburt zugeschrieben wurde, nennt man cisgeschlechtlich.Was ist also, wenn sich ein Mädchen in ein anderes Mädchen verliebt? Wenn ein Junge sich die Fingernägel lackiert? Warum ist »schwul« ein nach wie vor gängiges Schimpfwort und es immer noch ungewohnt, wenn Anna zwei Mütter hat? Warum weigern sich die Arbeitskolleg*innen von Jana, sie mit ihrem neuen Vornamen anzusprechen? Warum gibt es im Fernsehen, in Zeitungen, Schul- oder Kinderbüchern nur selten Bilder und Geschichten, die unterschiedliche Rollenmodelle von Mädchen und Jungen oder das Leben homo- und bisexueller sowie trans*geschlechtlicher Menschen zeigen? Wer bestimmte Rollenvorstellungen nicht erfüllt, gleichgeschlechtlich lebt oder sich einem anderen Geschlecht als dem bisherigen zuordnet, wird häufig ausgegrenzt und gemobbt, im schlimmsten Fall sogar beleidigt und körperlich angegriffen. Die Abwertung von schwulen, lesbischen und bisexuellen Menschen wird als Homophobie oder Homofeindlichkeit bezeichnet. Die Diskriminierung gegenüber trans*geschlechtlichen Menschen nennen wir Trans*feindlichkeit.

Wie erkenne ich das?

Lange mussten homosexuelle und trans*geschlechtliche Menschen ihre Sexualität und Geschlechtsidentität verstecken, weil sie – auch staatlich – verfolgt wurden. Homosexualität wird bis heute vielfach als unnatürlich, falsch und eklig dargestellt. Schwule Männer gelten häufig als unmännlich, weich und schwach. Dies erschwert besonders in männlich do-minierten Feldern wie dem Fußball ein Coming Out. Lesbische Frauen erleben oft, dass ihre Sexualität nicht ernst genommen und sie von heterosexuellen Männern belästigt werden (➜ Sexismus). Auch trans*geschlechtliche Personen werden in dem Geschlecht, mit dem sie sich identifizieren, häufig nicht ernst genommen. Trans*geschlechtlichkeit wird noch immer als Krankheit verstanden – dabei ist sie nichts, was sich jemand »aussucht«, sondern in diesem Menschen angelegt, wie bei allen anderen Menschen auch. Deshalb ist es sehr übergriffig, wenn Mitmenschen sich wei-gern, dies anzuerkennen, und etwa weiter auf dem »alten« männlichen oder weiblichen Vornamen bestehen. Noch schlimmer ist es, wenn Trans*Personen lächerlich gemacht, beleidigt oder sogar körperlich angegriffen werden. Im Nationalsozialismus wurden schwule Männer systematisch verfolgt und in Konzentrations-lager eingewiesen. Viele von ihnen starben aufgrund der schlimmen Bedingungen, aber auch durch gezielte Tötungsaktionen. Weniger systematisch, doch genauso brutal wurden lesbische Frauen diskriminiert und verfolgt. Auch nach dem Nationalsozialismus stand Ho-mosexualität in der BRD wie in der DDR weiterhin unter Strafe. Zudem galt sie lange als Krankheit – erst 1990 beschloss die Weltgesundheitsorganisation, Homosexualität aus ihrem Diagnosekatalog zu streichen. Trans*geschlechtlichkeit hingegen gilt laut diesem Katalog noch immer als Geschlechtsidentitätsstörung. Ver-bände von Trans*personen kritisieren dies und die daraus resultierenden Schwierigkeiten, den Vorna-men ändern zu können oder geschlechtsangleichende operative Maßnahmen durchführen zu lassen. Homo- und Trans*feindlichkeit können sich sowohl gegen Schwule und Lesben bzw. Trans*Menschen richten als auch gegen Menschen, die dafür gehalten werden. Beschimpfungen wie »schwul« und »Transe« hast du sicher schon gehört – bestimmt oft auch auf Menschen gemünzt, die eigentlich he-terosexuell bzw. cisgeschlechtlich sind. Diese Be-leidigungen sind eine doppelte Abwertung, denn sie sollen die angesprochene Person verletzen und setzen zugleich Homosexuelle und Trans*Personen herab. Damit ebnen sie den Weg für weitere Aus-grenzung bis hin zu körperlicher Gewalt.Sind Personen von Mehrfachdiskriminierung be-troffen, also z.B. eine Schwarze Trans*person (➜Rassismus) oder eine lesbische Frau, die sich au-ßerdem weigert, sich gängigen »Schönheits«-Vorgaben zu unterwerfen (➜ Lookismus), erhöht sich das Risiko um ein Vielfaches, in der Häufigkeit und in der Heftigkeit von Angriffen. Doch egal, wie die Diskriminierung aussieht – sie ist immer verletzend.

Was kann ich dagegen tun?

In den vergangenen Jahren hat sich bereits viel ge-tan. Homosexualität steht in Deutschland nicht mehr unter Strafe; seit 2017 dürfen homosexuelle Paare sogar heiraten und Kinder adoptieren. Es wird offener über Trans*geschlechtlichkeit gesprochen, und Trans*personen sind medial präsenter als noch vor einiger Zeit. Außerdem ist es inzwischen einfacher, sich über das Thema zu informieren und Unterstüt-zung zu suchen.Es ist wichtig anzuerkennen, dass Menschen unterschiedlich und dennoch gleichwertig sind. Menschen können sich nur frei entfalten, wenn sie keine Angst haben müssen, aufgrund ihres Geschlechtes oder ihrer Sexualität ausgegrenzt zu werden. Zu einer angstfreien Umgebung kannst du beitragen, indem du deinen Mitmenschen vermittelst, dass sie sein können, wer und wie sie sind, ohne dass du sie da-für verurteilst. Wenn sich eine Person dir anvertraut, frag sie, was sie sich von dir wünscht und wie du sie unterstützen kannst. Wenn du mitbekommst, dass jemand diskriminiert wird, kannst du dich auf die Seite der betroffenen Person stellen oder Hilfe holen.Solltest du selbst betroffen sein, kannst du dich mit Menschen vernetzen, die ähnlich leben wie du. In vielen Städten gibt es Coming-Out-Gruppen, die du besuchen kannst, oder Aufklärungsprojekte, die du an deine Schule oder in deine Freizeiteinrichtung einladen kannst, um über das Thema zu sprechen.

Weitere Informationen:

Dieser Flyer ist Teil einer Reihe, die unterschiedliche Formen der Abwertung bestimmter Gruppen in der Gesellschaft erklärt. Wenn wir uns für Gleichwertigkeit, gegen Diskriminierung einsetzen, gilt das für alle ohne Ausnahme. Auch wenn wir nicht wissen, ob direkt Betroffene anwesend sind. Wichtig dabei ist: Wer selbst diskriminiert wird, ist nicht davor geschützt, seinerseits andere abzuwerten.

Die Flyer und weitere Informationen erhältst du auf www.amadeu-antonio-stiftung.de/themenflyer-zu-gruppenbezogener-menschenfeindlichkeit/. Die Amadeu Antonio Stiftung kann dir auch helfen, dich gegen andere Formen von Diskriminierung und Gewalt zu wehren und zu engagieren.

Der Flyer zum Download: Homo- und Transfeindlichkeit

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