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Antisemitismus Angriffe auf Synagogen in Bonn und Münster

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Vor der Bonner Synagoge wurde am 11. Mai 2021 eine Israelflagge verbrannt.
Vor der Bonner Synagoge wurde am 11. Mai 2021 eine Israelflagge verbrannt. (Quelle: Eckhard Henkel / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 DE)

In Deutschland findet schon seit geraumer Zeit eine Antisemitismus-Debatte statt. Dabei geht es ganz besonders um den Begriff des israelbezogenen Antisemitismus. Aus unterschiedlichen Richtungen wurden offene Briefe und Resolutionen verfasst, selbst renommierte Kulturinstitutionen wie das Goethe-Institut, der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) oder das Deutsche Theater positionierten sich auf Seiten von BDS (Boycott, Divestment, Sanctions). Die Kampagne will Israel wirtschaftlich, wissenschaftlich und kulturell boykottieren. Gleichzeitig spricht sie dem Land immer wieder das Existenzrecht ab. Unter Beschuss ist auch die Antisemitismus-Definition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA), die explizit israelbezogenen Antisemitismus miteinschließt. Eine neue Definition, die „Jerusalemer Erklärung“, attestiert dem Hass auf den jüdischen Staat, nicht „per se“ antisemitisch zu sein. Währenddessen spitzt sich der Nahost-Konflikt wieder zu. In Jerusalem gibt es Unruhen rund um Scheich Dscharrah, ein Viertel in Ost-Jerusalem, aus Gaza werden Raketen auf Jerusalem und Tel Aviv geschossen. Die palästinensischen Terrororganisationen Hamas und Fatah drohen mit der weiteren Eskalation des Konflikts. Dabei zeigt sich in Deutschland vor allem eines: Israelbezogener Antisemitismus hat eben doch Konsequenzen für Juden und Jüdinnen in Deutschland.

Köln: Stolpersteine werden beschmiert

Ende April werden in der Kölner Ehrenstraße in der Innenstadt drei Stolpersteine beschmiert. Im ganz Deutschland gibt es diese Steine, die vor Häusern eingelassen werden, in denen Juden und Jüdinnen lebten, bevor sie während des Nationalsozialismus deportiert und ermordet wurden. Die drei Steine in Köln wurden mit den Initialen der „Boycott, Divest, Sanction“-Bewegung (BDS) beschmiert. Der Jüdischen Allgemeinen sagte die Kölner Polizei, dass es noch keine konkreten Hinweise gäbe, „die Buchstaben ‚BDS‘ könnten jedoch auf ein antiisraelisches Motiv hindeuten.“

Al-Quds-Tag in Hannover

2021 wurde zum zweiten Mal in Folge in Berlin der israelfeindliche Al-Quds-Marsch abgesagt. In Hannover fand er am 8. Mai dann aber doch noch statt. Al-Quds ist das arabische Wort für Jerusalem. 1979 hat Ruhollah Chomeini, Anführer der islamischen Revolution im Iran den Al-Quds-Tag erfunden. Im Sinne des Erfinders Chomeini soll mit den Aufmärschen – im Iran ist der Tag ein staatlicher Feiertag – Israel als Staat in Frage gestellt werden. Es wird gefordert, dass Jerusalem ausschließlich in palästinensischer Hand ist und Israel nicht mehr weiter existiert. Diese grundsätzlich feindliche Haltung gegenüber dem jüdischen Staat manifestiert sich jedes Jahr wieder in antisemitischen Ausfällen. Ein YouTube-Video des Jüdischen Forums für Demokratie und gegen Antisemitismus (JDFA) zeigt das in Hannover. Immer wieder skandiert ein Redner „Israel ist Folter, Israel ist Mord“. Auf Plakaten wird behauptet, Israel würde gezielt Kinder töten.

Düsseldorf: Brandstiftung am Mahnmal

Am 10. Mai 2021 legte ein bisher Unbekannter ein Feuer am Mahnmal für die ehemalige große Synagoge in Düsseldorf. Die Person zündete mit Hilfe von Müll und Brandbeschleuniger den Gedenkstein an, das Feuer erlosch aber wieder von selbst. Die Jüdische Gemeinde wertet die Tat als Brandanschlag: „Wir sind sehr besorgt darüber, dass es diesen Anschlag hier bei uns im Herzen Düsseldorfs gab, im unmittelbaren zeitlichen Kontext zu der aktuellen Gewalteskalation in Israel“, sagte Oded Horowitz, Vorstandsvorsitzender der Gemeinde der dpa.

Die Synagoge in Düsseldorf wurde während der Novemberpogrome 1938 von SA-Männern in Brand gesetzt. Das Gebäude wurde vollständig zerstört, die Ruine abgerissen. Seit 1983 erinnert ein Gedenkstein daran.

Angriff auf Synagogen in Bonn und Münster

Am 11. Mai wurde die Synagoge in Bonn angegriffen. Offenbar hatte eine Gruppe von Männern versucht, die Tür zu demolieren und Scheiben einzuwerfen. Die Täter flüchteten nach dem Eintreffen der Polizei, drei konnten später festgenommen werden, es sind zwei 20-jährige Männer und eine 24-Jähriger. Die Ermittlungen hat der Staatsschutz übernommen, berichtet die Jüdische Allgemeine.

 

Die Täter wurden dabei beobachtet, dass sie mit Feuer an der Tür hantierten. Die Polizei fand eine verbrannte Israelfahne. Außerdem offenbar drei Zettel mit arabischen Schriftzeichen.

Ganz ähnliche Szene spielten sich am gleichen Abend in Münster ab. Hier hatten sich offenbar mehrere Zeug*innen beim Notruf gemeldet und mitgeteilt, dass sich „eine etwa 15-köpfige Gruppe mit arabischem Aussehen“ vor der örtlichen Synagoge versammelt habe, Parolen brülle und eine israelische Fahne verbrennt. 13 Tatverdächtige wurden von der Polizei zum Teil noch vor Ort gestellt.

Schon jetzt ist es eine dramatische Lage für Juden und Jüdinnen in Deutschland. Es kommt zu verbalen und tätlichen Angriffen. Dabei wird sich die Situation in Israel und Gaza wahrscheinlich so bald nicht entspannen. Juden und Jüdinnen werden als angebliche Vertreter*innen des Staates Israel als Schuldige ausgemacht und angegriffen. Israelbezogener Antisemitismus ist und bleibt eine gefährliche Bedrohung.

 

Gelsenkirchen: Antisemitische Sprechchöre vor Synagoge

In Gelsenkirchen haben am Mittwochabend, den 12. Mai, 180 Menschen vor einer Synagoge demonstriert und in Sprechchören judenfeindliche Parolen gerufen. Der Aufmarsch sorgt für Entsetzen. Die Polizei beendete die nicht angemeldete Versammlung erst nach zwei Stunden.

Mannheim: Scheibe an Synagoge beschädigt

Ein unbekannter Täter hat versucht, an der Synagoge in Mannheim eine Scheibe einzuschlagen. Die Tat hat sich in der Nacht zum Donnerstag gegen 0.15 Uhr ereignet, teilte die Polizei mit. Eine Streife hatte den Schlag gehört, das beschädigte Fenster entdeckt und danach sofort eine Fahndung eingeleitet.

 

Foto: Eckhard Henkel / Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0 DE

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wird laufend ergänzt.


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