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17. Juni 2008 … nach dem Rechten sehen

Der NPD-Pressesprecher wird wegen Hausfriedensbruch verurteilt, ein Nazi-Kriegsverbrecher wurde angeblich bei der EM gesichtet, und in Zerbst protestierten die Anwohner erfolgreich gegen einen Nazi-Aufmarsch.

 

Die tägliche Presseschau von Netz-gegen-Nazis.de

Der Pressesprecher der NPD, Klaus Beier, ist am Montag vom Amtsgericht Fürstenwalde (Oder-Spree) wegen Hausfriedensbruch zu einer Geldstrafe von 1500 Euro verurteilt worden. Wie die Märkische Oderzeitung berichtet, soll Beier sich zweimal geweigert haben, die Gemeindevertretersitzung in Rauen bei Fürstenwalde zu verlassen, nachdem der öffentliche Teil beendet war. Beier behauptete hingegen, er habe als Kreistagsabgeordneter das Recht bei den Gemeindevertretersitzungen anwesend zu sein.

Auf Spiegel-Online findet sich ein spannender Artikel über die Fußball-WM 1938. Zuvor hatten die Nazis das deutsche und das österreichische Team zusammengeschlossen. Doch aus der Wundermannschaft wurde ?die größte deutsche Fußballblamage aller Zeiten?. Das Möchtegern-Dreamteam von Reichstrainer Sepp Herberger erlebte ein Desaster nach dem anderen.

Die britische Boulevardzeitung The Sun will angeblich den Nazi-Kriegsverbrecher Milivoj Asner, beim EM-Besuch entdeckt haben, berichtet ZEIT-online. Er soll sich in der Nähe des kroatischen EM-Camps aufhalten. Der heute 95-jährige Asner war seinerzeit Polizeichef des faschistischen Ustascha-Regimes in Kroatien, einem Verbündeten Nazi-Deutschlands. Auf den Fotos und Videos scheint Milivoj Asner das Leben in Klagenfurt zu genießen. Das Simon Wiesenthal Center in Wien führt Asner als Nummer vier auf der Liste der meist gesuchten Nazis. In Kroatien wird gegen Asner wegen Kriegsverbrechen an Serben und Juden während des Zweiten Weltkriegs ermittelt.

Gegenaktivitäten

Mit fantasievollen Aktionen haben rund 350 Menschen in Zerbts (Sachsen-Anhalt) gegen einen Naziaufmarsch protestiert, wie die Magdeburger Volksstimme schreibt. Die Nazis wollten gegen Innenminister Holger Hövelmann demonstrieren. Während des Aufmarsches läuteten in der Stadt die Kirchenglocken. „Die Rechten gehören nirgends hin, ganz besonders nicht nach Zerbst, die Stadt hat so viel gelitten“, betonte Helge Klassohn, Kirchenpräsident der Evangelischen Landeskirche Anhalts. „Ich bin beeindruckt. Das macht Mut“, erklärte Innenminister Holger Hövelmann in einer sehr persönlich gehaltenen Rede, „auch im Namen meiner Familie. Es macht mich stolz, dass es eine solche Reaktion in meiner Heimatstadt gibt .“

In einer Pressemitteilung haben die Potsdamer Grünen, die Familien-Partei, Die Linke, SPD sowie die Wählergruppe Die Andere ihr gemeinsames Vorgehen gegen rechtsextreme Parteien im Potsdamer Kommunalwahlkampf veröffentlicht. Ihr Fazit: „Die demokratischen Potsdamer Parteien und Wählervereinigungen verpflichten sich, auf die Teilnahme an Veranstaltungen zu verzichten, wenn dazu auch Vertreterinnen oder Vertreter rechtsextremer politischer Parteien (wie z.B. NPD oder DVU) eingeladen werden. Wir rufen die Wählerinnen und Wähler auf, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen und die demokratischen Parteien und Wählergruppen und -vereinigungen zu unterstützen.“ Mit Feinden der Demokratie, die die Universalität der Menschenrechte nicht anerkennen, werde man nicht diskutieren.

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Von Joschka Fröschner

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