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23.02.2009 … Nach den Rechten sehen

Cem Özdemir ruft muslimische Verbände auf, sich um Antisemitismus zu kümmern – die kennen aber gar keinen. Außer Mili Görüs, und die bearbeiten ihn natürlich. Und die NPD instrumentalisiert den Tod einer Schwangeren, erntet aber Protest.

 

Die tägliche Presseschau von netz-gegen-nazis.de

Grünen-Chef Cem Özdemir gibt der Frankfurter Rundschau einem Interview anlässlich der Broschürenpublikation „Die Juden sind schuld – Antisemitismus in der Einwanderungsgesellschaft am Beispiel muslimisch sozialisierter Milieus“ der Amadeu Antonio Stiftung. Özdemir sagt im Interview: „Insbesondere die Multiplikatoren der Einwanderer-Communitys dürfen zum Antisemitismus in den eigenen Reihen nicht schweigen. Die Vertreter der muslimischen Verbände müssen klare Kante zeigen und betonen: Wer sich gegen Juden stellt und wer sich gegen das Existenzrecht Israels stellt, der kann nicht Bündnis- oder Gesprächspartner sein.“

Die Frankfurter Rundschau befragt zum Thema Antisemitismus unter muslimischen Jugendlichen – schließlich soll ein Journalist alle Seiten hören – auch muslimische Verbände. Die reagieren, wie Anfang der 1990er Jahre alle deutschen Politiker auf den Rechtsextremismus: alle reden reflexartig von „Einzelfällen“, und nicht einmal die seien ihnen bekannt. Untragbar das Ende des Textes: Die Frankfurter Rundschau befragt auch die extremistische Organisation „Mili Görüs“ und lässt sie unkommentiert zu Wort kommen, sie würden das Thema Antisemitismus in ihrer Jugendarbeit aufgreifen.

Dazu wird noch ein 18-jähriger Schüler marokkanischer Abstammung interviewt. Der kennt muslimischen Antisemitismus.

Die Welt berichtet ergänzend von einer Studie des Bundesinnenministeriums, laut der 26,7 Prozent der Muslime unter 25 Jahren der antisemitischen Behauptung zustimmten, Menschen jüdischen Glaubens seien überheblich und geldgierig. Nach dieser Studie sind zwei Gruppen für radikale Positionen offen: bildungsferne, junge Muslime, die in der Gesellschaft weitgehend chancenlos sind – und eine kleine Gruppe gut ausgebildeter Vordenker.

In Groß Börnecke (Sachsen-Anhalt) ist eine 27-jährige Schwangere ermordet worden, vermutlich von ihrem türkischstämmingen Ehemann. Ein gefundenes Fressen für die NPD, die den tragischen Fall für ihre Hetze nutzen wollte. Das empörte viele in Groß Börnecke. So wurde der Trauerzug am Wochenende für die ermordete Frau zugleich zum Protest gegen die Rechtsextremen, berichtet der MDR.

Andreas Molau hat nach dem schnellen Ende seiner Kandidatur für den NPD-Parteivorsitz wieder mehr Zeit für die rechtsextremen Organisationen, denen er angehört. Für die „Gesellschaft für freie Publizistik„, der er vorsitzt, kämpft er jetzt gegen den neuen Quentin Tarantino-Film „Inglourious Bastards“, in dem eine Gruppe US-Soldaten möglichst viele Nazis auf möglichst farbige und außergewöhnliche Art und Weise ins Jenseits befördert. Und während die „Gesellschaft für freie Publizistik“ sonst viel damit beschäftigt ist, für die Meinungsfreiheit einzutreten – Freiheit für rechtsextreme Meinungen, versteht sich – ruft Molau nun passenderweise zum Boykott des Films auf, berichtet redok.de: „Der Kinostart am 20.08.2009 sollte mit allen Mitteln und auf allen Ebenen sabotiert werden!“

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