Weiter zum Inhalt

Ausstellung beleuchtet sexuelle Vielfalt in Mecklenburg-Vorpommern

In Schwerin wird aktuell die Ausstellung „WIR* HIER! Lesbisch, schwul und trans* zwischen Hiddensee und Ludwigslust“ gezeigt. An der Darstellung gelebter sexueller Vielfalt in Mecklenburg-Vorpommern hat der Verein „Lola für Demokratie in MV“ mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen gearbeitet.

 
Blick in die Ausstellung "WIR* HIER! Lesbisch, schwul und trans* zwischen Hiddensee und Ludwigslust", die aktuell in Schwerin zu sehen ist. (Quelle: Etienne Girardet)

 

 

Die Geschichte von Menschen, die in der Vergangenheit lesbisch, schwul oder trans* lebten, ist häufig beschwiegen, sie ist in der Forschung kaum rekonstruiert, sie wird selten öffentlich erinnert und ist somit scheinbar nicht existent. In Schwerin hat am Wochenende eine Ausstellung eröffnet und diese Geschichten aus der Unsichtbarkeit herausholt: WIR* HIER! Lesbisch, schwul und trans* zwischen Hiddensee und Ludwigslust!

Über mehrere Jahre hat sich der Verein „Lola für Demokratie in MV“ mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf Spurensuche begeben zu Geschichten von Überlebensstrategien, Organisierung und Alltag von LSBT* in Mecklenburg-Vorpommern.  Diese Geschichten entwickeln eine besondere Form in der Ausstellung – sie treten den Besucher*innen als lebensgroße Silhouetten entgegen: Wir sind Teil der Geschichte und wir sind hier, um sie zu erzählen!

Stella Hindemith vom Verein „Lola für Demokratie in MV“ berichtet bei der Eröffnungsveranstaltung aus dem Ausstellungsprozess: „Das Besondere an der Ausstellung ist die empowernde Perspektive. Anders als in anderen Ausstellungen, stellen wir nicht einfach Dokumente der Verfolgung, Diskriminierung und Pathologisierung aus, sondern wir haben diese Dokumente genutzt um die Menschen dahinter aufzuspüren, ihre Geschichten zu finden um sie dann in der Ausstellung aufbereitet zu erzählen. Dabei haben wir viel mehr Material, viel mehr Geschichten zusammengetragen als wir in der Ausstellung präsentieren konnten. Diese planen wir in Teilen in einem begleitenden Ausstellungskatalog zu präsentieren.“

In der Ausstellung werden Biografien von Menschen, die vor dem Nationalsozialismus gelebt und zum Beispiel auf Hiddensee oder in Stralsund als Künstler_innen gewirkt haben, die zwischen 1933 und 1945 zu überleben versucht und teilweise Widerstand geleistet haben. Es werden Biografien von Lesben und Schwulen in der DDR dargestellt und erste Versuche ihrer Selbstorganisierung und Aktionen erzählt. In der Ausstellung werden zeithistorische Dokumente wie etwa der erste Fernsehbeitrag zum Thema Homosexualität in der NDR-Ratgeber-Sendung „Visite“ von 1986 gezeigt. Der letzte Teil der Ausstellung ist der Gegenwart seit 1989 gewidmet: Hier werden die Aktivitäten, politischen Kämpfe um Gleichberechtigung der verschiedenen Vereine und Personen deutlich, Interviews vermitteln Eindrücke des Alltags und zeigen die erfolgreichen Kämpfe der lesbisch, schwulen und trans* Gruppen und Bewegungen der letzten Jahrzehnte – sie zeigen aber auch, dass es noch viele Wege zu gehen gibt.

Sozialministerin Stefanie Drese erklärt nach der Besichtigung der Ausstellung: “Was mich besonders freut, ist, dass viele Jugendliche und junge Erwachsene unter kompetenter Leitung über einen langen Zeitraum recherchiert und historische Spuren zum Alltag von Lesben, Schwulen, Bisexuellen und Trans*personen in unserer Region gesucht haben. Ich bin wirklich beeindruckt, mit welch großem Engagement an dem Projekt gearbeitet wurde und was dabei herausgekommen ist“.

Bis heute ist die dominante gesellschaftliche Perspektive und Erzählung, dass Lesben, Schwule und trans* Personen eine Minderheit sind, eine Randgruppe, Opfer und eben marginalisiert. Zumeist wird „über sie“ geredet und geschrieben, nur selten kommen sie selbst zu Wort. Die Vorsitzende von „Lola für Demokratie in MV“, Prof*in Dr. Heike Radvan, macht auf der Eröffnung deutlich: „Es geht uns darum, Lokal- und Regionalgeschichte sichtbar zu machen und Vorbilder aufzuzeigen. Denn was hilft, ist: Sichtbarkeit, Mut geben – auch wenn es oft anders behauptet wird. Die Ausstellung zeigt: Menschen sind glücklich, gerade weil sie lesbisch, schwul oder trans* leben!“

 

Die Ausstellung „WIR* HIER! Lesbisch, schwul und trans* zwischen Hiddensee und Ludwigslust“ wird bis Ende 2019 durch Mecklenburg-Vorpommern wandern und ist in Rathäusern, Volkshochschulen sowie Kulturorten des Bundeslands zu sehen:

 

17.06.-02.09.2018 im Schleswig-Holstein-Haus Schwerin 10.09.-28.09.2018 im Rathaus Rostock 11.10.-04.11.2018 in der VHS Stralsund 10.11.-22.12.2018 im Rathaus Bützow

 

Weitere Orte für 2019 folgen.

 

Mehr zum Projekt:

http://www.lola-fuer-lulu.de/

https://www.un-sichtbar-mv.de/

 

Fotos: Etienne Girardet, www.bar-pacifico.de

Belltower.News macht gemeinnützigen Journalismus, denn wir klären auf und machen das Wissen von Expert*innen zu Antisemitismus, Rassismus und
Rechtsextremismus und allen anderen Themen der Amadeu Antonio Stiftung für alle zugänglich.
Unsere Reportagen, Recherchen und Hintergründe sind immer frei verfügbar und verschwinden nie hinter einer Paywall. Dafür brauchen wir aber auch deine Hilfe.
Bitte unterstütze unseren Journalismus, du hilfst damit der digitalen Zivilgesellschaft!

Weiterlesen

2022-05-01 Berlin (247)

Interview „Vorher waren es Rechte, die antisemitisch waren, jetzt Teile des linken Milieus“

„Ich glaube, dass man Antisemiten bekämpfen kann, nicht aber den Antisemitismus. Das ist ein Grundgefühl, das kein Fehler im Betriebssystem der Moderne ist. Es gehört zur Moderne.“ Ein Interview zum Auftakt der Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus mit Natan Sznaider, Professor für Soziologie an der Akademischen Hochschule in Tel Aviv.

Von
2020-02-28-tw-sellner-tit

Monitoring rechts-alternativer Medienstrategien Einordnung relevanter Social Media-Plattformen: Twitter

Plattformen werden für unterschiedliche Zwecke und Interessen genutzt werden und habe auch ein anderes Publikum. Welche Reichweiten und Menschen erreichen…

Von
2019-09-03-parlament

Demokratie in Gefahr Handlungsempfehlungen für die Auseinandersetzung in Parlamenten

Generell gilt: Wichtig ist immer eine klare Haltung, die Kenntnis der (lokalen) AfD und eine gute Rhetorik.   Eigene Themen…

Von

Schlagen Sie Wissenswertes in unserem Lexikon nach.