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Erfolgreiche Proteste gegen NPD-Landesparteitag im hessischen Altenstadt

Altenstadt hat mit dem friedlichen und erfolgreichen Protest gegen die NPD ein starkes demokratisches Bewusstsein gezeigt. Die von der Antifaschistischen Bildungsinitiative e.V. verteilten weißen Rosen wurden zum Symbol der Kundgebung. Das eigentliche Nazi-Problem sind in Hessen allerdings die „freien Kameradschaften“.

 

Es gab ca. 15 verschiedene Redebeiträge durch die verschiedenen Parteien(SPD, Grüne, Linke), Landtagsabgeordnete, Initiativen gegen rechts (u.a. Antifa-BI e.V., ANK Frankfurt, VVN-BDA FFM, Grätsche) und durch religiöse Gruppen und Vereine aus Altenstadt. Die Unterschiedlichkeit der Kundgebungsteilnehmer ist eine nicht zu unterschätzende Stärke der Zivilgesellschaft. Für eine relativ kurzfristig organisierte Aktion in einer Stadt, in der es bis dahin kein Anti-Nazi-Bündnis gab, war der Protest ein erfolgreicher erster Schritt. Ein besonderer Dank gilt dem engagierten Anmelder der Grünen Altenstadt. Durch die positiven Reaktionen der Vereine, Kirchen und Parteien sowie vieler Einzelpersonen gibt es eine breite Ablehnung gegen die Neonazis in Altenstadt. Dies ist eine sehr gute Grundlage für die weitere politische Arbeit vor Ort, die die Antifa-BI e.V. auch in Zukunft weiter unterstützen wird.

Der NPD-Parteitag
Der NPD-Landesparteitag war mit etwa 50, fast ausschließlich männlichen, Personen schwach besucht. An der späteren rechten Konzertveranstaltung nahmen etwa 100 Personen, darunter mehrere aus anderen Bundesländern, teil. Die als Bürgerveranstaltung beworbene Aktion der NPD war somit vom Charakter her eine interne und fast rein männliche Feier der rechtsextremen Szene. Die Hessen NPD scheint für Frauen nicht attraktiv zu sein.

„Freie Kräfte“ bestimmen das Vorgehen
Eine Aufbruchstimmung bei der NPD Hessen ist trotz der massiven Selbstdarstellung nicht erkennbar. Jedoch ist in naher Zukunft mit weiteren aktionistischen Veranstaltungen der Partei in Mittelhessen und dem Rhein-Main-Gebiet zu rechnen. Die stärkere öffentliche Annäherung an die ?freien Kräfte? ist keine Überraschung, denn bei den letzten Demos der NPD in Hessen stellten sie, darunter viele durch Gewalttaten aufgefallene Gruppen, die überwiegende Mehrheit der Demonstranten.

In Hessen sind diese ?freien Kräfte? z.B. die „Anti-Antifa-Wetzlar“, deren Mitglieder für einen Brandanschlag auf das Haus eines Kirchenangestellten und somit wegen versuchten Mordes an einer Familie verurteilt wurden, oder die ?Freien Kräfte Schwalm Eder?, deren bekanntestes Mitglied Kevin S. mit einem Klappspaten auf ein 13-jähriges, schlafendes Mädchen eingeschlagen und dies lebensgefährlich verletzt hat. Auch die ?Old Brothers? aus Echzell sind diesem Spektrum zuzurechnen.

Ohne die Strukturen der ?freien Kräfte? wäre die NPD in Hessen flächendeckend nicht mehr existent. Dies ist in Bezug auf die NPD kein Grund zur Entwarnung, denn der neue geschäftsführende NPD-Vorstand setzt sich mit Daniel Knebel als Vorsitzendem und Stefan Jagsch als einem der 3. Stellvertreter zur Hälfte aus Altenstädtern zusammen. Mit Daniel Lachmann aus Büdingen als weiterem Stellvertreter gibt es eine massive Ballung der NPD-Funktionäre in Altenstadt und Büdingen und hier sitzt nun das organisatorische Zentrum eines großen Teils der rechtsextremen Szene in Hessen. Der östliche Wetteraukreis und der Main-Kinzig-Kreis sind die Hochburgen der NPD in Hessen.

Die Antifa-BI e.V. hat seit letzter Woche 3.000 Flyer mit dem Titel ?Daniela Flachmann und das NPD-Parteiprogramm? in Altenstadt verteilt, an vielen Treffen, Veranstaltungen und Sitzungen teilgenommen und viele Kontakte in der Stadt geknüpft. Am Samstag Vormittag wurden die weißen Rosen inkl. des Flyers ?Weiße Rose gegen braune Gewalt? in Altenstadt und später bei der Kundgebung in der Waldsiedlung verteilt. Hier hatte die Antifa-BI e.V. eine Gedenkecke für die 182 Opfer der rechten Gewalt seit 1990 aufgebaut und einen größeren und gut besuchten Infostand betrieben.

Die Antifa-BI e.V. bietet allen interessierten Personen, Städten und Vereinen die Mitarbeit oder Mitgliedschaft an. Vorträge über die NPD und Neonazi-Szene sowie ihrer Zeichen und Codes können per Mail an kontakt@antifa-bi.de auch kurzfristig angefragt werden. Diese sind individuell gestaltet und eignen sich für Schulklassen, politisch interessierte Menschen oder Multiplikatoren. Auf der Homepage www.antifa-bi.de sind weitere Infos über Neonazis zu finden.

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