Stefan Trautmann steht für eine strategische Modernisierung rechtsextremer Jugendarbeit, bei der bekannte Konzepte mit digitaler Mobilisierung verbunden werden, um neue Kader aufzubauen. Er hatte eine zentrale Rolle in der Organisation der rechten Mobilisierungen gegen CSDs 2024 war er wegen einem Buttersäureanschlag in Döbeln Hauptbeschuldigter.
Ein Jahr später, 2025, meldet Trautmann die meisten Anti-CSD-Proteste im Freistaat an. Egal ob in Dresden, Bautzen oder seiner Heimatstadt Döbeln, Trautmann ist für das Programm zuständig: Anmeldung, Durchführung, Vernetzungsarbeit. Er teilt Aufgaben zu, organisiert Fahrdienste und drückt jugendlichen Anhänger*innen das Merchandise, die Flaggen und T-Shirts in die Hand. Er zeigt den Jungnazis, wie sie in Reih und Glied marschieren.
Trautmann ist Vollzeitaktivist und sitzt gleichzeitig seit 2024 für die rechtsextreme Kleinstpartei „Freie Sachsen“ im Döbelner Stadtrat. Die Partei verzeichnete bei Kommunalwahlen zuletzt deutliche Stimmenzuwächse. Gleichzeitig arbeitet Trautmann laut Aussteiger*innen als sächsischer Stützpunktleiter für die „Jungen Nationalisten (JN)“, die Jugendorganisation der rechtsextremen Partei „Die Heimat“ (ehemals NPD). Personelle Überschneidungen zwischen den Strukturen sind dabei keine Ausnahme, sondern Teil eines eng verflochtenen Netzwerks. Die JN profitieren aktuell vom politischen Klima: Kulturkämpferische Themen, wie sie etwa von der AfD rund um „Ostidentität“ oder Gender gesetzt werden, verschaffen ihnen auf der Straße neuen Zulauf.
Auf TikTok gehen Videos von Protesten viral. Die „neuen Nazis“ inszenieren sich als hippe Rebellen. Trautmann gießt diesen digitalen Hype in feste Strukturen. Auf den wöchentlichen Montagsprotesten fängt er die digital radikalisierte Jugend ab und bindet sie an die Szene.
Ein völkisches Familienprojekt
Dabei gibt sich der Neonazi gezielt als Kümmerer. Zusammen mit seiner Partnerin Jessica S. organisiert er Wanderungen in die sächsische Natur. Schulz betreut parallel den „Mädelbund Sachsen“. Jugendarbeit als rechtsextremes Familienprojekt. Neben Ausflügen der JN und des Mädelbundes in der sächsischen Natur stehen Kampfsport und „Selbstverteidigungstrainings“ auf dem Programm. Trautmann baut eine geschlossene rechte Erlebniswelt auf.
Dass er gezielt Minderjährige ins Visier nimmt, ist nicht neu. Schon 2014 durchsuchte die Polizei seine Wohnung im Zuge der „Platzhirsch“-Kampagne der JN . Die Neonazis hatten damals eine eigene Schülerzeitung herausgebracht und Propagandamaterialien direkt vor Schulen verteilt. Heute produziert er für die vielen Telegram-Kanäle, Instagram-Seiten und TikTok-Kanäle Inhalte. Dabei müssen die Mitglieder als Statisten herhalten. Er und seine Partnerin sind mutmaßlich oft hinter der Kamera.
Ostritz, Rechtsrock und alte Netzwerke
Diese organisatorische Professionalität hat Trautmann über zwei Jahrzehnte perfektioniert. Seine politische Sozialisation begann im Umfeld des neonazistischen „Freien Netzes“. Als Führungsfigur der Kameradschaft „Nationale Sozialisten Döbeln“ (NSD) orientierte er sich früh an den militanten Aktionsformen der „Autonomen Nationalisten“. Nach dem Verbot der NSD im Jahr 2013 machte er nahtlos bei den JN und der NPD Karriere. Für die NPD sitzt er ab 2014 im Stadtrat.
Er erlernte die rechtsextreme Jugendarbeit von der Pike auf und nutzte Musik und Kampfsport als Rekrutierungswerkzeuge. Als stellvertretender Vorsitzender der JN Sachsen und Stützpunktleiter Mittelsachsen richtete er mit seinem Stützpunkt Rechtsrock-Konzerte aus und testete Strukturen für größere Events. 2013 organisierte sein Landesverband den „JN-Sachsentag“ im Vogtlandkreis.
Das Logistik-Know-how der Jungen Nationalisten, zu deren sächsischer Führungsriege Trautmann gehörte, ebnete auch den Weg für RechtsRock und Kampfsport-Events:Ein Jahr nach dem JN-Sachsentag fand 2014 im sächsischen Zobes ein Rechts Rock-Konzert statt. Alexander Deptolla, Chef vom neofaschistischen “Kampf der Nibelungen” war dabei. Dort sprach auch der Neonazi Michael Brück von der rechtsextremen Splitterpartei Partei „Die Rechte“. Jahre später sollten sich ihre Wege in Chemnitz wieder kreuzen, wo heute beide für die „Freien Sachsen“ arbeiten.
Das Comeback nach der Pandemie
Dabei stand Trautmanns politische Laufbahn zwischenzeitlich auf der Kippe. Vor der Pandemie stagnierte die JN in Mittelsachsen , und 2019 verpasste Trautmann den Wiedereinzug in den Döbelner Stadtrat. Er galt als Aktivist auf dem absteigenden Ast. Doch die Proteste gegen die Corona-Maßnahmen boten ihm das perfekte Sprungbrett für ein Comeback. Er dockte sich schnell bei den „Freien Sachsen“ an, organisierte eigene Proteste und zog 2024 diesmal für die Freien Sachsen wieder in den Stadtrat ein.
Mit seiner Anstellung bei den „Freien Sachsen“ verfügt Trautmann heute über neue finanzielle und logistische Ressourcen. Er nutzt den Frust über Asylpolitik, Windräder und den Staat, um die Altersgruppe über 30 Jahre anzusprechen. Gleichzeitig treibt er die rechtsextreme Jugendarbeit weiter voran.


