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Chronik Gewalt und Bedrohung durch Neonazis, Rassist*innen, Antisemit*innen – Juli 2014

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Die Chronik rechtsextremer, rassistischer und antisemitischer Übergriffe auf netz-gegen-nazis.de. (Quelle: flickr / Creative Commons / J. Kantel)

Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit! Fehlende Vorfälle bitte per Mail an netz@amadeu-antonio-stiftung.de.

30.07.2014, bundesweit

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Anschläge auf Moscheen in Deutschland gestiegen. Dies wird als Zeichen einer Zunahme anti-muslimischer Ressentiments gewertet. Die Zahl der Übergriffe auf Moscheen in Deutschland ist einem Zeitungsbericht zufolge in den vergangenen Jahren gestiegen. Zwischen 2001 und 2011 seien im Schnitt 22 Übergriffe pro Jahr gezählt worden, 2012 und 2013 seien es 35 beziehungsweise 36 gewesen, schreibt die Neue Osnabrücker Zeitung (taz).

30.07.2014, Neuenkirchen

Ein 17-jähriger Schüler ist vor einer Woche Opfer einer rassistischen Attacke geworden. Wegen seiner ausländischen Wurzeln hatten ihn zwei Männer zuerst wüst beschimpft und dann körperlich angegriffen. Die Prügelattacke hinterließ deutliche Spuren: Der 17-Jährige erlitt durch Schläge und Tritte einen Handbruch und mehrere Prellungen am ganzen Körper. Am Abend des 30. Juli war der 17-Jährige mit zwei Freunden im Ortskern unterwegs, als er in der Nähe der Kirche von zwei Männern von einem Balkon herab mit Bier beschüttet wurde, erzählte er. Auf die Frage des 17-Jährigen, was das soll, beleidigten sie ihn auf üble Weise. „Geh zurück in die Heimat“, sollen sie gerufen haben. „Wir stecken dir ‘ne Briefmarke in den Arsch und schicken dich zurück“, zitierte das Opfer die Männer – dabei wurde der 17-Jährige in Rheine geboren und lebt seit der Geburt in der Gemeinde Neuenkirchen. Eine geworfene Bierflasche verfehlte ihn. Danach kamen die beiden Männer nach unten. Ohne Warnung sollen sie ihn mehrere Minuten lang verprügelt haben, so der 17-Jährige. „Ich lag auf dem Boden, wurde geboxt und getreten, als wäre ich ein offenes Feuer“, schilderte er die schlimmen Minuten. Dabei habe er nur noch sein Gesicht geschützt. Warum er nicht schon vorher weggegangen sei, begründete er damit, dass er „keinen Streit, sondern die Sache klären“ wollte. (Münsterländische Volkszeitung).

29.07.2014, Wuppertal

Brandanschlag auf die Neue Bergische Synagoge in Wuppertal-Barmen: Drei Täter haben am frühen Dienstagmorgen mehrere Molotow-Cocktails in den Eingang des jüdischen Gotteshauses geworfen. Eine Anwohnerin hatte gegen 2.15 Uhr die Feuerwehr alarmiert. Die Rettungskräfte fanden mehrere zerbrochene Flaschen vor der Tür zur Synagoge an der Gemarker Straße. Ein Brandsatz brannte noch ein wenig — Schaden am Gebäude gab es aber offenbar nicht. Auch wurde niemand verletzt (WAZ.de).

29.07.2014, Dresden

Am Dienstag, den 29.07.2014, kam es nach Informationen der Dresdner Polizei in den Abendstunden zu einem Überfall auf eine Wohnung in der Friedrichstadt, bei dem zwei Personen verletzt wurden. Nachdem eine Gruppe von vier jungen Männern im Alter zwischen 19 und 31 Jahren an der Wohnungstür einer 35-Jährigen geklingelt hatten und sie die Tür öffnete, drangen sie unter rassistischen Parolen in die Wohnung ein und schlugen die Frau und ihren 29jährigen Gast so sehr, dass sie später medizinisch versorgt werden mussten. Die von Bewohnerinnen und Bewohnern des Hauses noch während des Überfalls alarmierte Polizei konnte die Gruppe der teilweise stark alkoholisierten Angreifer noch in der Wohnung stellen und festnehmen. Erst am vergangenen Wochenende war im südlich des Stadtzentrums gelegenen Zschertnitz ein Vater und seine Tochter nach dem Verlassen der Straßenbahn rassistisch beleidigt und anschließend geschlagen worden (addn.me, RAA Sachsen).

29.07.2014, Berlin

Ein 52-jähriger Mann hat sich am Dienstagmorgen mit einer Platzwunde am Kopf auf einer Polizeiwache in Berlin-Neukölln vorgestellt, teilte die Polizei mit. Der Mann gab an, dass ein unbekannter Täter ihm von hinten einen Gegenstand auf den Kopf geschlagen und ihn fremdenfeindlich beleidigt habe. Nach eigenen Angaben trug er einen Palästinenserschal, als er in der Wildenbruchstraße angefallen wurde. Der Staatsschutz ermittelt (Welt online)

29.07.2014, Saalfeld

Bei einem rassistischen Übergriff in Saalfeld ist gestern Abend ein Jugendlicher verletzt worden. Wie die Polizei heute berichtete, sprach ein völlig betrunkener Mann den 15-Jährigen kurz vor Mitternacht in einem Schnellrestaurant zunächst wegen dessen Hautfarbe und Herkunft an. Kurze Zeit später lief der 30-Jährige auf dem Parkplatz erneut auf den Jugendlichen zu und schlug ihm mit der Faust in den Bauch. Drei Bekannte kamen dem Jugendlichen zu Hilfe und wurden ebenfalls von dem Angreifer geschlagen und verletzt (e110.de).

28.07.2014, Bad Nenndorf

Jedes Jahr kommen in Bad Nenndorf Rechtsextreme zu einem Neonazi-Aufmarsch zusammen. Nun haben Unbekannte wenige Tage vor der Demo ein jüdisches Mahnmal mit Hakenkreuzen beschmiert. Der Gedenkstein der Jüdischen Gemeinde wurde nach Polizeiangaben in der Nacht zum Montag mit Hakenkreuzen beschmiert. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Tat im Zusammenhang mit dem für Samstag angemeldeten Neonazi-Aufmarsch steht“, sagte eine Polizeisprecherin (Hamburger Abendblatt).

27.07.2014, Kamenz

Unbekannte haben in der Nacht zum Sonntag eine Spur rechter Schmierereien durch eine Neubausiedlung in Kamenz gezogen. Mit schwarzer Farbe wurden Hakenkreuze, SS-Runen und andere Nazisymbole sowie -Parolen auf Hauswände, Supermarktfassaden, Stromverteilerkästen und eine Bushaltestelle gesprüht (RAA Sachsen).

26.07.2014, Dresden

Am Samstagabend beleidigte ein 27-Jähriger in der Straßenbahn der Linie 11 eine 16-Jährige und ihren 43-jährigen Vater wegen des Kopftuches der jungen Frau. Nachdem alle an der Haltestelle Räcknitzhöhe ausgestiegen waren, setzte der27-Jährige seine Beschimpfungen fort und schlug dem Vater ins Gesicht. Als ein Passant dazwischen ging, wurde auch er von einem Schlag getroffen. Zwischenzeitlich alarmierte Polizeibeamte konnten den Angreifer noch in der Nähe der Haltestelle feststellen (RAA Sachsen).

26.07.2014, Schwarzenberg

Gegen drei Uhr versammelten sich 10 Neonazis, mit Eisenstangen und Baseballschlägern bewaffnet, vor einem linken Wohnprojekt in der Stadt und beschimpfen die Bewohner_innen. Diese riefen die Polizei. Die Neonazis verließen den Ort ohne dass jemand verletzt wurde (RAA Sachsen).

26.07.214, Heidelberg

„Ihr seid doch diese scheiß Antifas. Ich schlitze euch die Kehle durch”, schrie der Angreifer. Dann ging er mit einem Kampfmesser auf eine Gruppe junger Leute aus der linken Szene los. Die Gewalttat liegt schon einige Woche zurück, doch der Umgang der Heidelberger Polizei mit dem Täter wirft fragen auf. Denn der ist kein Unbekannter, sondern ein aktiver Neonazi aus der Region (Zeit Online).

25.07.2014, Berlin-Plötzensee

Antifaschistische Initiativen rufen am 1. August 2014 zur Teilnahme an einer Kundgebung am Freibad Plötzensee auf. Vor einer Woche ertrank dort ein 35-Jähriger Mann aus Kamerun. Mike Z., Bademeister und Rettungsschwimmer vom gegenüberliegenden Freibad Plötzensee hatte nicht eingegriffen. Zwar hatte Z. die Gruppe um das spätere Opfer bereits Stunden zuvor an der anderen Uferseite bemerkt, als er jedoch durch Hilferufe und Hinweise von Zeugen auf den Vorfall aufmerksam wurde, ließ er sich nicht zu umgehender Hilfe bewegen. Die Unfallstelle ist kaum 100 Meter entfernt. Bereits im vergangenen Sommer wurden in Internetforen Artikel veröffentlicht, die die neonazistischen Aktivitäten von Z. aufdeckten. Er war in führender Position in der Neuköllner NPD tätig, später auch bei der Kameradschaft „Freie Nationalisten Berlin Mitte“, die durch eine Serie von Sachbeschädigungen, Propagandaaktionen und Gewalttaten in Erscheinung trat. Der Betreiber des Schwimmbades, Erik Müller, gab in einer Stellungnahme vom letzten Sommer an, Z. sei 2011 als Neonaziaussteiger zur Belegschaft gestoßen. „Es bleiben Zweifel an der Läuterung Z.s. Dass Z. nicht mehr öffentlich als Neonazi in Erscheinung tritt, bedeutet nicht, dass sich seine rechten Denk- und Handlungsmuster geändert haben. Noch im vergangenen Jahr erhoben Zeugen schwere Vorwürfe, wonach Z. durch rassistische Provokationen und das Tragen rechter Szenekleidung maßgeblichen zu einer Gewalteskalation im Freibad Plötzensee beigetragen habe“, geht aus der Pressemitteilung von ReachOut Berlin hervor. Im aktuellen Fall ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen unterlassener Hilfeleistung gegen Z. Dem Vernehmen nach spielt Rassismus dabei als mögliches Motiv keine Rolle (BerlinOnline).

24.07.2014, Chemnitz

Der Israel Miller gewidmete Stolperstein in der Senefelder Straße ist beschmiert worden. Unbekannte haben rote Farbe darüber geschmiert und den im Fußweg eingelassenen Gedenkstein so unkenntlich gemacht. Am Donnerstagvormittag informierte eine Frau die Polizei über diese Sachbeschädigung  (RAA Sachsen)

24.07.2014, Altenberg

Drei Männer im Alter zwischen 23 und 31 Jahren rissen entlang der B170 in Höhe des Europarks in Altenberg insgesamt 38 Wahlplakate verschiedener Parteien ab und hingen Wahlwerbung der NPD auf. Zeugen informierten die Polizei, die die Täter kurz darauf stellte (RAA Sachsen).

24.07.2014, Berlin

Innerhalb weniger Tage ist zum zweiten Mal ein Mann attackiert worden, der eine Kippa trug. Er wurde geschlagen und konnte in eine Synagoge flüchten. Nach Aussage des jungen Mannes ging alles ganz schnell: Als er am Donnerstag gegen 19.25 Uhr bei regnerischem Wetter mit seiner Kippa die Augsburger Straße in Charlottenburg entlanglief, versetzte ihm ein Mann unvermittelt einen Schlag ins Gesicht. Er habe den Angreifer nie zuvor gesehen, sagte der 18-Jährige später der Polizei. Der Unbekannte habe ihn nur leicht am Kinn getroffen, allerdings sei ihm dabei die Brille auf die Straße gefallen. Der Angreifer habe absichtlich auf die Brille getreten, während der 18-Jährige in eine nahe gelegene Synagoge flüchtete (Tagesspiegel).

24.07.2014, Duisburg

Der anti-israelische Protest in mehreren deutschen Städten blieb an diesem Freitag weitgehend friedlich. Bedrückende Ausmaße nahm die zunehmende Gewaltbereitschaft von Israelgegnern und Antisemiten auch in NRW an. „Wir haben Angst um unsere Kinder“, berichtete Dmitrij Yegudin, der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Duisburg, Oberhausen und Mülheim. In der Kindertagesstätte der Gemeinde seien Anrufe eingegangen mit der Drohung, dass den Kindern „etwas zustoßen“ könne. Die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet, nun erwägt die jüdische Gemeinde, die Kindergärten durch einen Sicherheitsdienst schützen zu lassen (Rheinische Post).

24.07.2014, Herne

In Herne haben Unbekannte in der Nacht zum Donnerstag den Bauzaun um das Shoa-Mahnmal in der Innenstadt durchtrennt und einen Betonfuß des Zauns auf das Mahnmal geworfen. Es ist deutlich beschädigt – beim jetzt schon vierten Anschlag in diesem Jahr. Und in Gelsenkirchen flog vor einigen Tagen ein Gullydeckel durch ein Fenster der Synagoge. Sie wird jetzt wieder stärker von der Polizei bewacht (WAZ.de). 

24.07.2014, Essen

Die Polizei in Essen hat möglicherweise eine Aktion gegen die Alte Synagoge verhindert. Auf Facebook hatte sie Hinweise darauf entdeckt und deshalb mehrere Einsatzkräfte vor das Gebäude geschickt, wie die Polizei erklärte. Gegen 01.00 Uhr nachts seien dann vier Männer mit einem Auto vorgefahren. Sie hätten angekündigt, wenige Stunden später wiederzukommen. Daraufhin seien sie festgenommen worden.  „Von einem vereitelten Anschlag zu sprechen, ist derzeit noch zu hoch gegriffen“, sagte der Sprecher (n-tv.de).

23.07.2014, Frankfurt

Nach einer Reihe antisemitischer Schmierereien und einem Drohanruf bei einem Frankfurter Rabbiner haben Unbekannte in der Nacht zum Donnerstag eine volle Bierflasche in das Badezimmerfenster einer bekannten Frankfurter Jüdin geworfen. Wie die Frau, die sich in der Vergangenheit immer wieder öffentlich gegen Antisemitismus positioniert hatte, der Frankfurter Rundschau sagte, habe sie gegen ein Uhr in der Nacht einen lauten Knall am Fenster gehört und sei daraufhin auf den Balkon gelaufen. Sie habe laut gefragt: „Was machen Sie denn da?“ Als Reaktion habe jemand „Judenschwein“ gerufen – und noch andere, unverständliche Beschimpfungen von sich gegeben. Die Fensterscheibe wurde durch den Wurf beschädigt. Aus Angst vor weiteren Attacken wollte die Frau vorerst anonym bleiben (Frankfurter Rundschau)

22.07.2014, Dresden-Prohlis

Ein Hakenkreuz wurde mit schwarzer Farbe auf die Laufbahn eines Schulsportplatzes an der Gamigstraße geschmiert (RAA Sachsen).

22.07.2014, Hilbersdorf

Unbekannte haben in der Rudolf-Liebold-Straße und in der Hilbersdorfer Straße spiegelverkehrte Hakenkreuze mit grüner Farbe auf einen Bagger, die Bodenplatte eines Neubaus und ein Auto gesprüht  (RAA Sachsen).

21.07.2014, Glücksburg

Wie die Pressestelle der Polizeidirektion Flensburg mitteilt, wurde am Sonntag den 20.07. eine geparkter PKW in Glücksburg mit Tritten und eingekrazten Hakenkreuzen derart beschädigt, dass wirtschaftlicher Totalschaden entstand. Warum der oder die Täter/-innen die Sachbeschädigung begangen haben, ist derzeit noch unklar (beratnet-sh).

21.07.2014, Berlin-Treptow

Direkt vor der Gemeinschaftsunterkunft für Geflüchtete in der Radickestraße wurde ein JN Aufkleber entdeckt und entfernt (Berliner Register).

19.-20.07.2014, Hannover, Göttingen, Berlin

In mehreren deutschen Städten haben am Wochenende Tausende Menschen gegen die israelische Militäraktion im Gazastreifen demonstriert. In Hannover und Göttingen wurden proisraelische Demonstranten attackiert. Auf mehreren Demonstrationen wurden antisemitische Parolen gerufen. In Hannover wurden Pro-Israel-Demonstranten mit Tritten angegriffen. Auch in Göttingen kam es laut Polizei zu körperlichen Auseinandersetzungen. Hier waren Menschen unter dem Motto „Demonstration für Gaza“ auf die Straße gegangen. Teilnehmer der Demonstration griffen eine Gegenkundgebung an, wie auf Bildern und Videos zu sehen ist. In Berlin wurde bei einer Pro-Palästina-Demonstration am Samstag ein Passant judenfeindlich beschimpft. Der Mann sei zufällig an dem Zug vorbeigekommen, sagte ein Sprecher der Polizei am Sonntag. Als die Demonstranten den Touristen als Juden erkannten, hätten sie antisemitische Sprüche gerufen. Einen körperlichen Angriff hätten Ordner und Polizisten verhindert (Welt onlineTagesschau.detaz). 

18.07.2014, Berlin

Im Rahmen einer Kampagne von Neonazis wurden bundesweit schwarze Kreuze für „deutsche Opfer von Ausländergewalt“ aufgestellt. Eines davon wurde am U-Bhf. Tierpark gefunden und entfernt (Berliner Register).

18.07.2014, Buchenwald

Am Mittag des 18.07.2014 hielt sich laut Polizeiangaben ein Gruppe von Männern zwischen 28 Jahren 44 Jahren in der Gedenkstätte Buchenwald auf, die rechtsextreme Parolen riefen. Zwei von ihnen zeigten den Hitlergruß (Thüringer Allgemeine).

17.07.2014, Krugsdorf

Die Polizei in Vorpommern ermittelt gegen eine 32-jährige Frau, die Berliner Jugendliche mit fremdenfeindlichen Parolen beschimpft und mit Steinen attackiert haben soll. Der Vorfall habe sich in der Nacht zum 17.07.2014 am Kiessee in Krugsdorf (Landkreis Vorpommer-Greifswald) ereignet, sagte ein Polizeisprecher in Neubrandenburg. Insgesamt sechs junge Männer im Alter von 15 bis 17 Jahren aus Berlin zelteten dort letzte Nacht. Die 32-Jährige, die aus der Region stammt, soll einen dunkelhäutigen 16-Jährigen als «Kanaken» beschimpft haben (e110)

15.07.2014, Lippe

Der Bielefelder Staatsschutz braucht weiter  Hinweise für die Farbschmierereien in Detmold. Dort hatten vor zwei Wochen Unbekannte den Gedenkstein am Standort der ehemaligen Synagoge an der Lortzingstraße mit roter Farbe beschmiert. Durch die Farbe sollte der Eindruck von herunterlaufendem Blut entstehen. Eine Spur zu den Verursachern gibt es aber noch nicht. Die Lippische Landeskirche hat sich jetzt in einer Mitteilung noch einmal gegen diesen und die jüngsten weiteren Vorfälle von antisemitischen Äußerungen ausgesprochen. „Unsere jüdischen Mitbürger müssen in Deutschland friedlich leben können – in einer Stimmung der Wertschätzung und Toleranz der verschiedenen Religionen untereinander“, heißt es in einer Mitteilung. Die Kritik an der Politik des Staates Israel dürfe nicht dazu missbraucht werden, Menschen jüdischen Glaubens zu diskriminieren (Radio Lippe).

14.07.2014, Löbau

Im Zuge einer Kundgebung der NPD in Löbau wurde eine Gegendemonstrantin von einem Teilnehmer der NPD Kundgebung ins Gesicht geschlagen (RAA Sachsen).

13.07.2014, Werdau

In einem Garagenkomplex in der Pestalozzistraße wurden mehrere Garagenwände mit Hakenkreuzen und rechten Aufschriften wie SS, Adolf Hitler und ACAB bemalt. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen (RAA Sachsen).

13.07.2014, Jena

Während des WM-Finalspiels im Herrenfußball wurde ein Besucher der JG-Stadtmitte in Jena von einem Deutschlandfan homophob beleidigt und ins Gesicht geschlagen. Als der Gast kurz auf die Johannisstraße ging, um sein Kind abzuholen, wurde er von dem Deutschlandfan zunächst mit dem Spruch beleidigt, dass er „Zurück in die JG zu seinen Schwuchtelfreunden“ gehen solle. Als er darauf nur mit einem Lächeln reagierte, wurde er sofort ins Gesicht geschlagen. Im weiteren Verlauf des Abends wurden auch weitere Gäste mehrmals von Gruppen verbal mit rechten, antisemitischen und homophoben Sprüchen angegriffen (ezra).

13.07.2014, Jena

Am Sonntagmorgen zwischen 5 und 6 Uhr wurden nach einem Konzert in der JG-Stadtmitte in Jena mehrere Gäste von 3 Neonazis angegriffen. Bei dem ersten Angriff wurde eine Person zusammengetreten und als „Scheiß Zecke“ beschimpft. Ein „Gegen Nazis“-Aufnäher wurde abgerissen und die Person über die Straße geschliffen. Diese musste später im Krankenhaus behandelt werden. Kurze Zeit später versuchte die gleiche Gruppe weitere Gäste der JG-Stadtmitte anzugreifen. Durch das Eingreifen anderer Gäste konnte Schlimmeres verhindert werden (ezra).

(Quelle: JG Stadtmitte)

12.07.2014, Gardelegen

In Gardelegen bedrohten 15 Rechte eine Wirtin massiv. In Burg wollten Polizeibeamte eine Neonaziparty wegen Ruhestörung auflösen. Die Lage geriet dabei außer Kontrolle. Nach Polizeiangaben hatte eine 15-köpfige Gruppe von Neonazis in einem Gardelegener Lokal die Wirtin und Gäste massiv bedroht, nachdem sie aufgefordert worden war, die Kneipe wegen Ladenschluss zu verlassen (MZ-web).

12.07.2014, Burg

 In Burg (Jerichower Land) wurde die Polizei von Bürgern alarmiert, weil aus einer benachbarten Wohnung Neonazi-Musik dröhnte. Als Beamte die Party mit sieben Gästen auflösen wollten, griff einer der Rechten einen Polizisten an und schlug ihn mit der Faust ins Gesicht. Zwölf Einsatzkräfte seien nötig gewesen, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen, hieß es (MZ-web).

12.07.2014, Frankfurt

Etwa 2500 Menschen demonstrieren auf dem Rathenauplatz in Frankfurt zunächst friedlich, aber mit antisemitischen Slogans gegen den israelischen Militäreinsatz im Gazastreifen. Ein spontaner Protestzug über die Zeil eskaliert danach: Steine fliegen auf Polizisten, die Beamten setzen Schlagstöcke ein. Die Polizei überlässt den Demonstrationsorganisatoren zeitweilig einen Einsatzwagen als Lautsprecherwagen – über den auch antisemitisch Parolen ertönen (Frankfurter Rundschauhr).

12.07.2014, Bremen

Auch in Bremen eskalieirt eine Gaza-Demo in antisemitischen Parolen und Gewalt (taz). Ein Journalist wird bedrängt und geschupst, ein Passant erleidet einen Faustschlag ins Gesicht.

11.07.2014, Jena

Am Nachmittag des 11.07. wurden in der Jenaer Buslinie 15 zwei Personen rassistisch beleidigt und angegriffen. An der Haltestelle Saalbahnhof stieg ein Mann ein, der lautstark rassistische Parolen von sich gab. Dabei habe der Mann eine Frau und ihren Begleiter geschubst oder gestoßen. Beim Aussteigen soll er weitere Fahrgäste gestoßen bzw. geboxt haben. Die Polizei sucht sowohl Täter, die Geschädigten, als auch Zeugen (ezra).

11.07.2014, Weiden

Ein 16-jähriger Schüler ist am frühen Morgen aus dem dritten Stock der Wirtschaftsschule Weiden gesprungen. Gegen 7:45 Uhr hatte sich der 16-Jährige offenbar nach einem Besuch bei einer Schulpsychologin aus dem Fenster gestürzt. Der Jugendliche wurde mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Weidener Klinikum gebracht und und erlag dort noch am Nachmittag seinen Verletzungen. Laut Polizeiangaben sei das Motiv noch unklar, aus Schülerkreisen war aber zu hören, dass der Jugendliche wegen seiner ausländischen Herkunft häufig gemobbt worden sei (otv.de).

07.07.2014, Berlin

Am Montagnachmittag ist ein 67-jähriger Mann im Tiergarten von zwei Männern bei einem antisemitischen Übergriff mehrfach getreten und ins Gesicht geschlagen worden. Der Mann saß gegen 14.30 Uhr gemeinsam mit einem Bekannten auf einer Bank an der Löwenbrücke im Tiergarten, als er von zwei Männern angepöbelt wurde. Es entwickelte sich ein Streit in dessen Verlauf die zwei kräftigen Männer mit südländischem Aussehen den älteren Mann mehrfach traten und ins Gesicht schlugen. Wie der 67-jährige der Polizei sagte, trug er bei dem Angriff eine Mütze mit einem Davidstern, was auch die Ursache für die Auseinandersetzung gewesen sei.  (Tagesspiegel).

06.07.2014, Kelsterbach

Beamte der Polizeistation Kelsterbach nahmen am Sonntagnachmittag (06.07.) einen 30 Jahre alten Mann am Bahnhof fest. Der Festnahme ging eine körperliche Auseinandersetzung in der S-Bahn der Linie 9 voraus. Nach Zeugenaussagen soll der Kelsterbacher den Mitarbeiter der DB Sicherheit rassistisch beleidigt haben (Echo online).

06.07.2014, Frankfurt

Die Bildungsstätte Anne Frank am Dornbusch ist am Wochenende zum wiederholten Mal ins Visier mutmaßlicher Neonazis geraten. Bislang unbekannte Täter beschmierten die Fassade mit rechtsradikalen Parolen und Symbolen (Frankfurter Neue Presse).

05.07.2014, Berlin-Lichtenberg

In der Nacht zum Sams­tag, dem 5. Juli, hat ein 33-?jäh­ri­ger Au­to­fah­rer in Lich­ten­berg zwei Li­ba­ne­sen aus ras­sis­ti­schen Mo­ti­ven mit einer Axt an­ge­grif­fen.Der Täter brems­te das Auto eines 27-?jäh­ri­gen Li­ba­ne­sen auf der Frank­fur­ter Allee aus und nä­her­te sich ihm mit einer Axt. Der Li­ba­ne­se konn­te mit sei­nem Auto ent­kom­men. Nicht so glimpf­lich er­ging es einem 41-?jäh­ri­gen Li­ba­ne­sen, des­sen Auto der Ras­sist an der nächs­ten Kreu­zung an­griff und be­schä­dig­te. Der Täter äu­ßer­te sich dabei mehr­fach ras­sis­tisch und konn­te erst durch die ein­tref­fen­de Po­li­zei von wei­te­ren At­ta­cken ab­ge­hal­ten wer­den (Berliner Register).

05.07.2014, Berlin-Treptow

In Johannisthal fand, organisiert durch den „Runden Tisch Johannisthal“, eine kleine Kundgebung statt um die Einweihung von neu bemalten Strom- und Postkästen zu feiern. Die Motive wurden gemeinsam mit Kindern beim Fest für Demokratie entwickelt. Während der Kundgebung sind drei bekannte Neonazis vorbei gelaufen und haben die Kundgebungsteilnehmer*innen als „Parasiten“ beleidigt (Berliner Register).

05.07.2014, Neumünster

In der Nacht zu Samstag ist zum mittlerweile fünften Mal innerhalb der letzten zwei Jahre ein Anschlag auf das Parteibüro der Linken in Neumünster verübt worden. Mit einer Gehwegplatte wurde die Schaufensterscheibe eingeworfen. Der Kreisvorsitzende der Partei Jonny Griese berichtet von wiederholten Provokationen und Bedrohungen durch Neonazis auch in der letzten Zeit. Zuletzt hatte der als Neonazi bekannte Neumünsteraner Sven S. an Pfingsten dieses Jahres die Scheibe des Parteibüros eingeworfen. Auch hinter dem neuerlichen Anschlag vermuten die Betroffenen Rechtsextreme aus dem Umfeld der Kneipe „Titanic“, die sich in unmittelbarer Nähe befindet (beratnet-sh).

04.07.2014, Aachen

Nach dem WM-Spiel Deutschland gegen Frankreich am 04.07.2014 haben nach Angaben des Autonomen Zentrums Aachen Nazis eine Kneipe überfallen, in die sich ein Antifa-Aktivist geflüchtet hatte. Vor der Kneipe Fiasko am Synagogenplatz sollen sich rund 70 überwiegend männliche Personen gesammelt haben. Das Lokal ist als Treffpunkt rechter Hooligans bekannt. Einige aus der Gruppe hätten den Hitlergruß gezeigt, außerdem sei die Reichskriegsflagge geschwenkt worden, heißt es in der Erklärung des Autonomen Zentrums. An dem Platz befindet sich auch eine Synagoge, die von der Polizei bewacht wird. Nachdem ein Antifa-Aktivist auf die Polizisten zuging, um sie auf das Treiben der Nazis aufmerksam zu machen, sei er von der Gruppe angegriffen worden. Er floh in die nahe gelegene Kneipe Promenadeneck, die daraufhin von 50 Rechten attackiert wurde. Dabei erlitten Gäste der Kneipe Platzwunden und weitere Verletzungen, eine Fensterscheibe ging zu Bruch. Erst nach 15 Minuten traf die Polizei ein, die Angreifer konnten sich offenbar unbehelligt in das Lokal am Synagogenplatz zurückziehen (taz).

04.07.2014, Neumünster In Neumünster ist zum fünften Mal das Parteibüro der Linken attackiert worden. Die Partei vermutet die Täter in der rechtsextremen Szene. Mit einer Gehwegplatte warfen in der Nacht von Freitag auf Samstag der und die Täter die Frontscheibe des Parteibüros der Linken in Neumünster ein. Es ist der fünfte Anschlag auf das Büro innerhalb der letzten zwei Jahre. (taz03.07.2014, Gröditz, Meißen Unbekannte beschmierten eine Sitzgruppe im Freizeitpark an der Wainsdorfer Straße in Gröditz mit zwei Hakenkreuzen. In Meißen wurde eine Hauswand mit einem Hakenkreuz besprüht. 01.07.2014, Bohnsdorf Bei einer Informationsveranstaltung zur Eröffnung einer Obdachlosenunterkunft im ehmaligen Tiefbauamt Bohnsdorf haben 6-7 rechtsextreme Jugendliche während der Veranstaltung rassistische Fragen gestellt. Sie gingen davon aus, dass es eine Unterkunft für Geflüchtete werden sollte und nicht eine für Obdachlose (Berliner Register). 01.07.2014, Brandenburg an der Havel

Während eines Public Viewing des WM-Spiels Deutschland gegen Algerien rufen mehrere Rechte Sprüche wie „Sieg Heil“ und „Heil Hitler“. Ein couragierter 26-Jähriger fordert als Einziger die Neonazis auf, dies zu unterlassen. Beim Verlassen des Veranstaltungsortes wird er dann von mindestens vier Tätern angegriffen, geschlagen und am Boden liegend getreten (Opferperspektive).

Übrigens: Die Häufigkeit, mit der eine Region hier auftaucht, sagt nicht unbedingt etwas darüber aus, dass es dort mehr rechtsextreme Vorfälle als andernorts gibt – sondern vor allem, dass es dort ein besseres und aktuelleres Meldesystem für derartige Vorfälle gibt. So gibt es etwa in der östlichen Bundesländern Opferberatungsstellen, die Monitoring betreiben – in den westlichen Bundesländern bisher kaum. Hier sind wir auf Pressemeldungen und Initiativenberichte angewiesen. Das fehlende systematische Monitoring dort macht den Rechtsextremismus schwerer sichtbar – da ist er leider trotzdem.

Angelegt am 01.07.2014

 

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Prozess gegen die „Gruppe Freital“ – Eine erste Bilanz

Nach den gewalttätigen Ausschreitungen im Frühjahr 2015 gab es zwischen April und November 2015 in Freital 16 rechtsmotivierte Straftaten. Für einen Großteil der Angriffe soll die „Gruppe Freital“ verantwortlich sein. Im März 2017 startete in Dresden der Prozess gegen acht Angeklagte wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer rechtsterroristischen Vereinigung. Die Opferberatung, RAA Sachsen, zieht eine erste Bilanz.

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