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Neonazis in der Feuerwehr? „Was geht Sie das an?“

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In dem Flugblatt kritisierten die unbekannten Verfasser unter anderem, dass der Neonaziaktivist lange Zeit ungehindert bei der örtlichen Jugendfeuerwehr in Minden-Bölhorst mitmischen konnte. Fragt man den dort zuständigen Jugendfeuerwehrwart nach dem umstrittenen Mitglied, wird mit der Gegenfrage „Was geht Sie das an?? geantwortet und dann nur noch hinterhergerufen, dass man keine Auskunft geben werde.

Doch Heino Nordmeyer, Leiter der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr in der 83 000-Einwohnerstadt, nimmt die Vorwürfe ernst. „Wir sind eine rechtsstaatliche Organisation, da ist kein Platz für Rechtsextremisten?, sagt Nordmeyer ganz direkt. Der als Neonazi geoutete junge Mann sei tatsächlich einige Jahre lang bis zu seinem 18. Lebensjahr in der Jugendfeuerwehr aktiv gewesen und ist inzwischen in den aktiven Einsatzdienst der Freiwilligen Feuerwehr aufgerückt. Nordmeyer will die Vorwürfe in einem offiziellen – eben rechtstaatlichen – Anhörungsverfahren aufklären, bevor er eine Entscheidung trifft.

Keine Kameraden erwünscht, die Unterschiede machen

„Der junge Mann muss gehört werden?, betont Nordmeyer. Sollte sich dabei herausstellen, dass die Vorwürfe berechtigt seien, so der Leiter der Mindener Feuerwehr, werde der Mann aus der Feuerwehr ausgeschlossen. Denn: ?Wir sind dazu da, unabhängig von Hautfarbe, Herkunft oder Geschlecht Menschenleben zu retten und wir können uns keine Feuerwehrkameraden leisten, die Unterscheidungen zwischen Menschen treffen.?

Hochburg rechtsextremer Aktivitäten

Ostwestfalen-Lippe und Minden gelten schon seit einigen Jahren als Problemregionen, wo insbesondere die ?Autonomen Nationalisten? sehr aktiv sind. So spielten beispielsweise bei einem Neonazikonzert in Minden im Dezember 2007 vier bundesweit bekannte Rechtsrock-Bands vor rund 200 Zuhörern. Bekannteste Gruppe waren die Weißen Wölfe, die für Textzeilen wie ?Wenn wir uns finden beim Marsch durch das Land, dann brennt in jeder Stadt ein Asylantenheim ab? in der Szene Kultstatus als Lifeband haben. Sie fordern den ?heiligen Rassenkrieg?, verfluchen ?diesen gottverdammten Judenstaat? und bedrohen Polizisten. Dennoch griff die Polizei in Minden nicht ein, sondern teilte der Öffentlichkeit lediglich am nächsten Tag mit, dass das Konzert stattgefunden und „keine Außenwirkung“ gehabt habe.

Heino Nordmeyer sagt, Rechtsextreme fühlten sich offenbar von der Feuerwehr angezogen, ?wegen der hierarchischen Strukturen und weil von ihnen der Begriff Kameradschaft missbraucht wird?. Aber er gibt die Hoffnung nicht auf. ?Wir haben einen klaren Auftrag, Menschenleben zu retten, wenn sie in Gefahr sind ohne Ansehen der Person.“

Rassismus in der Feuerwehr? „Man darf eben nicht zu lange warten“

Klaus Schmitz (Name geändert) ist Jugendfeuerwehrwart und Wehrleiter in einer sächsischen Kleinstadt mit 5.000 Einwohnern. Er kennt das Problem der Mindener Kollegen aus eigener Erfahrung. Knapp zwei Jahre ist es her, als Rassismus plötzlich auch Thema in der Freiwilligen Feuerwehr des kleinen Tourismusstädtchens wurde. Damals wollte ein afrodeutscher 11-Jähriger in die Jugendfeuerwehr eintreten. Für Klaus Schmitz war das ganz normal „schließlich sind in der Feuerwehr Menschen aller Hautfarben aktiv.“

Doch dann gab es unerwarteten Widerstand. Ein 50-Jähriger aus dem Ort machte Stimmung gegen den schwarzen Jugendlichen. Wenn „so einer“ in die Jugendfeuerwehr aufgenommen würde, würde man andere Jugendliche verprellen, lautete der Tenor. Klaus Schmitz ließ sich nicht beirren. „Wir können keine Feuerwehr-Kameraden gebrauchen, die nach Hautfarbe oder Religion unterscheiden, wenn sie Leben retten sollen.“ Dann fand Klaus Schmitz auch noch heraus, dass der ältere Mann – der mit seinen zwei Söhnen ebenfalls Mitglied in der Freiwilligen Feuerwehr war – rechtsextrem aktiv ist und einschlägige Treffen auf seinem Grundstück stattfanden.

„Man muss die Leute auffordern, sich zu verhalten.“

Klaus Schmitz entschied sich, das Thema bei der Jahresversammlung anzusprechen, bei der alle Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr zusammen kommen, um über aktuelle Fragen und die Besetzung des Wehrleiterpostens zu entscheiden. „Ich habe ganz klar darüber geredet, dass wir eine offene Feuerwehr sind und welche Prinzipien ich für richtig halte“, erinnert sich Schmitz. Das Ergebnis: Schmitz wurde wiedergewählt, der 13-Jährige ist heute noch bei der Jugendfeuerwehr aktiv und der 50-Jährige und seine beiden Söhne verließen die Feuerwehr. Für Klaus Schmitz ist klar: „Wenn man rechtzeitig genug reagiert und sich die Leute konkret entscheiden müssen, dann werden sie sich auch gegen Rechtsexremisten entscheiden. Aber man darf eben nicht zu lange warten. Und man muss die Leute auffordern, sich zu verhalten.“

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