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Rassismusmonitor & NaDiRa Aktueller Wissenstand und blinde Flecken

Der neue NaDiRa-Bericht macht deutlich: Rassismus ist in Deutschland kein Randphänomen, sondern prägt Alltag, Institutionen und gesellschaftliches Vertrauen. Die Daten zeigen, wie verbreitet rassistische Denkmuster weiterhin sind und wo der Monitor selbst noch blinde Flecken hat. 

 
Rechtsextremer Lifestyle heißt, die Ideologie in möglichst allen Lebenslagen zu feiern (Ostritz 2018) (Quelle: Kira Ayyadi)

36 Prozent der Befragten glauben, es gebe verschiedene menschliche „Rassen“. Fast jede zweite Person hält bestimmte Gruppen für „von Natur aus fleißiger“ als andere. Der neue Monitoringbericht des Nationalen Diskriminierungs- und Rassismusmonitors (NaDiRa) zeigt damit nicht nur, wie präsent rassistische Denkmuster in Deutschland weiterhin sind, sondern auch, wie sehr sie gesellschaftlich anschlussfähig bleiben. Rassismus erscheint dabei nicht nur in offenen Anfeindungen, sondern auch in alltäglichen Vorstellungen, Bewertungen und institutionellen Erfahrungen.

Rassismus ist kein Randphänomen

Rassismus wird in Deutschland oft entweder als Ausnahmefall oder als Problem einzelner Gruppen behandelt. Genau an diesem Punkt setzt der Nationale Diskriminierungs- und Rassismusmonitor, kurz NaDiRa, an. Er macht sichtbar, dass rassistische Einstellungen, Erfahrungen und Folgen nicht nur am Rand der Gesellschaft vorkommen, sondern im Alltag vieler Menschen eine Rolle spielen.

Der Monitoringbericht 2026 mit dem Titel Verfestigte Abwertungen, fragiles Vertrauen stützt sich auf die sechste Erhebungswelle des NaDiRa Panels. Dafür wurden zwischen Oktober 2025 und Januar 2026 insgesamt 8.171 in Deutschland lebende Erwachsene im Alter von 18 bis 74 Jahren befragt. NaDiRa will nicht nur einzelne Vorfälle dokumentieren, sondern zeigen, wie verbreitet rassistische Einstellungen sind, wie Menschen Diskriminierung im Alltag erleben und welche Folgen das für den gesellschaftlichen Zusammenhalt hat.

Was der Bericht zeigt

Besonders deutlich wird im Bericht, dass rassistische und biologistische Vorstellungen weiterhin anschlussfähig sind. 36 Prozent der Befragten stimmen der Aussage zu, es gebe verschiedene menschliche „Rassen“. 48 Prozent meinen, bestimmte Gruppen seien „von Natur aus fleißiger“ als andere, und 66 Prozent halten bestimmte Kulturen für „fortschrittlicher und besser“ als andere. Damit zeigt der Bericht: Rassismus tritt nicht nur offen und aggressiv auf, sondern auch in scheinbar „normalen“ Alltagsvorstellungen.

Auch bei den Erfahrungen von Betroffenen ist das Bild eindeutig. 25 Prozent der schwarzen Befragten und 17 Prozent der muslimischen Befragten berichten, mindestens einmal im Monat offen diskriminiert zu werden. Noch häufiger sind subtile Formen von Abwertung, etwa ignoriert, nicht ernst genommen oder unfreundlich behandelt zu werden. Der Bericht macht außerdem sichtbar, dass Rassismus oft nicht nur direkt erlebt wird: 30 Prozent der Befragten haben in den vergangenen zwölf Monaten aus ihrem Umfeld von Rassismuserfahrungen gehört, 28 Prozent haben selbst rassistische Vorfälle beobachtet.

Was das für Betroffene bedeutet

Diese Zahlen sind nicht nur statistisch wichtig, sondern haben ganz konkrete Folgen im Alltag. Wer wiederholt diskriminiert wird, entwickelt oft weniger Vertrauen in Institutionen wie Polizei, Bundesregierung oder Behörden. Der Bericht zeigt, dass Vertrauen in Institutionen mit zunehmenden Diskriminierungserfahrungen sinkt und das besonders deutlich bei Menschen, die rassistische Diskriminierung erleben.

Das bedeutet: Rassismus bleibt nicht auf verletzende Situationen im Einzelnen beschränkt. Er kann dazu führen, dass Betroffene staatlichen Stellen weniger zutrauen, sich weniger geschützt fühlen oder sich aus öffentlichen Debatten zurückziehen. Damit wird aus Diskriminierung auch ein demokratisches Problem. Wenn Menschen erleben, dass sie nicht gleichbehandelt werden, leidet nicht nur ihr Alltag, sondern auch ihr Vertrauen in das System insgesamt. Rassismus beschädigt damit nicht nur einzelne Menschen, sondern auch demokratische Legitimation.

Warum NaDiRa wichtig ist

NaDiRa ist deshalb wichtig, weil der Monitor Rassismus nicht als Randthema, sondern als gesellschaftliche Realität ernst nimmt. Er verbindet Daten zu Einstellungen, Diskriminierungserfahrungen und Vertrauen in Institutionen und macht so sichtbar, wie eng diese Bereiche zusammenhängen. Gerade das ist eine Stärke: Der Bericht liefert keine Einzelfälle, sondern ein wiederkehrendes Bild über mehrere Jahre hinweg.

Auch methodisch ist das wichtig. NaDiRa arbeitet mit einer repräsentativen Online-Befragung und beobachtet Entwicklungen über die Zeit. So lässt sich besser erkennen, ob sich bestimmte Muster verfestigen oder verändern. Für die politische Debatte ist das wertvoll, weil daraus nicht nur Problembeschreibungen, sondern auch Handlungsbedarf abgeleitet werden kann.

Wo der Bericht offen bleibt

Trotz seiner Stärken hat der Bericht auch Grenzen. Ein Punkt ist die Intersektionalität: Die Verschränkung von Rassismus mit Geschlecht, sozialer Lage, Familie oder Alter könnte noch stärker sichtbar gemacht werden. Gerade im Alltag ist Diskriminierung oft nicht nur rassistisch, sondern mit anderen Ungleichheiten verbunden.

Auch digitaler Rassismus bleibt ein wichtiges Thema, das in solchen Berichten künftig noch stärker berücksichtigt werden könnte. Hass im Netz, algorithmische Benachteiligung oder rassistische Dynamiken auf Plattformen prägen immer stärker den Alltag vieler Menschen. Hier wäre es sinnvoll, noch genauer hinzuschauen, weil sich Diskriminierung längst nicht mehr nur im direkten Gespräch oder in öffentlichen Räumen abspielt.

Hinzu kommt, dass bundesweite Durchschnittswerte hilfreich sind, aber sie verdecken regionale Unterschiede. Rassismus kann in Ost und West, in Städten und auf dem Land oder zwischen verschiedenen Bundesländern unterschiedlich aussehen. Für politische Maßnahmen wäre es wichtig, solche Unterschiede stärker herauszuarbeiten, damit nicht nur allgemeine, sondern auch konkrete Antworten möglich werden.

Der NaDiRa-Bericht zeigt deutlich: Rassismus ist in Deutschland weiterhin präsent, sowohl in Einstellungen als auch in Alltagserfahrungen. Die Zahlen machen sichtbar, wie verbreitet rassistische Denkmuster geblieben sind und wie sehr Betroffene unter wiederkehrender Diskriminierung leiden. Besonders ernst ist, dass daraus ein Vertrauensverlust gegenüber Institutionen entstehen kann, mit Folgen für Teilhabe, Sicherheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Gerade deshalb ist der Monitor so wichtig. Er liefert keine abstrakte Theorie, sondern einen Blick auf das, was viele Betroffene täglich erleben: Rassismus ist nicht vorbei, sondern Teil der Gegenwart. Und genau das macht den Bericht relevant für eine breite Öffentlichkeit.

 

 

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