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Sachsen-Anhalt NPD hat den Einzug in den Landtag knapp verpasst

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Und so liest sich das NPD-Wahlergebnis bei der Landtagswahl 2011 in Sachsen-Anhalt in der offiziellen Statistik des Landes:

Zweitstimmen

Die NPD hat 4,6 Prozent der Zweitstimmen bekommen, das sind 45.697 Menschen, die ihr Kreuz bei der NPD gemacht haben – mehr als bei der FDP (die 3,8 Prozent der Zweitstimmen bekam, 38.172 Wählerinnen und Wähler).

Betrachtet man das Ergebnis nach Wahlkreisen, bekommt die NPD in den Zweitstimmen die meiste Zustimmung in

Nebra mit 8,4 Prozent. Dies ist übrigens der Wahlkreis, in dem Lutz Battke als Kandidat für die NPD angetreten ist – der Schornsteinfeger, der mit Vokuhila plus Hitlerbärtchen wie die Karikatur eines NPD-Funktionärs aussieht und im vergangenen Jahr als Fußballtrainer aus dem Verein BSC Laucha ausgeschlossen werden sollte, weil er dort den Jugendlichen zumindest rechtsextreme Alltagskultur vorlebte.

Es folgen
Naumburg (6,7 Prozent),
Hohenmölsen-Weißenfels (6,6 Prozent – Wahlkreis von SPD-Überläufer Hans Püschel),
Sangerhausen (6,5 Prozent),
Zeitz (6,4 Prozent) und
Querfurt (6,1 Prozent).

Über 5 Prozent gab es dann noch in

Hettstedt (5,6 Prozent),
Eisleben (5,6 Prozent),
Wernigerode (5,5 Prozent),
Staßfurt (5,5 Prozent),
Blankenburg (5,4 Prozent),
Bernburg (5,3 Prozent),
Bitterfeld (5,2 Prozent),
Köthen (5,1 Prozent),
Stendal (5,1 Prozent),
Haldensleben (5,1 Prozent),
Jessen (5,0 Prozent).

Die wenigsten Zweitstimmen bekam die NPD im Wahlkreis Halle III (1,9 Prozent) und in Wahlkreis Magdeburg II (2,1 Prozent).

Erststimmen

Bei den Erststimmen ergatterte die NPD 35.866, was 3,6 Prozent entspricht. Die meisten Erststimmen holte die NPD ebenfalls im Wahlkreis

Nebra, wo Lutz Battke (siehe oben) mit 9,1 Prozent der Wählerstimmen auf das Spitzenergebnis der NPD kam.

Dann folgen
Hohenmölsen-Weißenfels
(6,5 Prozent für Hans Püschel, den von der SPD zur NPD gewechselten Bürgermeister von Krauschwitz),
Naumburg
6,4 Prozent für Andreas Karl, ehemaliger Landesvorsitzender der NPD Sachsen-Anhalt),
Zeitz
(6,0 Prozent für die parteilose, aber schon langjährig für die NPD antretende Christel Kasprzyk),
Sangerhausen
(6,0 Prozent für Judith Rothe, stellvertretende Bundesvorsitzende der NPD-Frauenorganisation „Ring Nationaler Frauen (RNF)“).

Über fünf Prozent der Erststimmen kam die NPD dann noch in
Querfurt (5,5 Prozent, Denny Winter),
Bernburg (5,3 Prozent, Philipp Valenta),
Wernigerode (5,2 Prozent, Michael Schäfer),
Staßfurt (5,1 Prozent, Peter Walde).

NPD-Spitzenkandidat Matthias Heyder bekam in seinem Wahlkreis Dessau-Roßlau-Wittenberg 4,1 Prozent der Stimmen.

Die wenigsten Erststimmen bekam die NPD in den Landkreisen, in denen sie angetreten war, wiederum im Wahlkreis Halle III (1,7 Prozent) und in Wahlkreis Magdeburg II (1,9 Prozent).

Die Wahlbeteiligung lag diesmal bei 51,2 Prozent – 2006 war bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt ein bundesweiter Tiefstand mit nur 44,4 Prozent Wahlbeteiligung ermittelt worden.

Taktisch ist die Niederlage in Sachsen-Anhalt für die NPD fatal: Mit einem kostspieligen „Schwerpunktwahlkampf“ wollte sie ein Signal über die Landesgrenzen hinaus setzen, die Richtigkeit der „Fusion“ mit der DVU belegen und gute Stimmungen für die kommenden Wahlen des Jahres 2011 machen. Nun ist es eher ein Signal dafür geworden, dass der politische Arm der rechtsextremen Bewegung zunehmend an Bedeutung verliert. Überdies ist es auch selten so, dass eine Partei bei der Wahl schlechter abschneidet als in den Umfragen zuvor, bei denen viele gerade der Wähler rechtsextremer Parteien sich nicht zu erkennen geben wollen – diesmal allerdings fehlten der NPD die entscheidenden 0,4 Prozent, die die Vorab-Prognosen versprachen. Vielleicht haben die Enthüllungen von tagesschau.de um den Spitzenkandidaten und seine Empfehlungen zu Bombenbau und Vergewaltigung politischer Gegnerinnen die menschenverachtende Haltung der Partei doch zu deutlich gezeigt.

Wer wählt NPD?

Tagesschau.de berichtet, dass die NPD ihre besten Ergebnisse bei jungen Männern erreicht (17 Prozent bei 18- bis 24-Jährigen, 12 Prozent bei 25- bis 34-Jährigen) und bei Beziehern von Hartz IV (11 Prozent). Deutlich über fünf Prozent liegt sie aber auch bei den Arbeitern und Arbeitslosen (jeweils neun Prozent).

Parallel zur Landtagswahl fand an 89 Schulen in Sachsen-Anhalt eine „Junior-Wahl“ statt, an der sich 10.212 Schülerinnen und Schüler beteiligten. Hier erreichte die NPD 11,4 Prozent der Stimmen (1.138 Stimmen).

Mehr auf netz-gegen-nazis.de:

| NPD: Schicksalswahl in Sachsen-Anhalt

| NPD-Kandidaten in Sachsen-Anhalt: Parteifunktionäre, Dauerstudenten, Polit-Abenteurer und Vorbestrafte

| NPD im Landtag: Störfall der Demokratie?

Mehr im Internet:

| NPD verliert Schwerpunktwahlkampf in Sachsen-Anhalt (mut-gegen-rechte-gewalt.de)

| Analyse: NPD scheitert in den Städten (NPD-Blog.info)

| NPD-Ergebnis aus ?nationaler? Sicht: „Die Opferrolle ist so bequem“ (NPD-Blog.info)

| Lange Gesichter bei der NPD (Störungsmelder)

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