Während die AfD-Vettern-Affäre immer noch nachklingt und in mehreren Bundesländern interne Machtkämpfe die Landespolitik bestimmen, sorgt vor allem die Außenpolitik für reichlich Zündstoff in der Partei. Wie stark das Thema in der AfD derzeit polarisiert, zeigte sich bereits Mitte April, als der bisherige verteidigungspolitische Sprecher Rüdiger Lucassen das Handtuch werfen musste. Bereits zuvor war dieser wegen seiner Befürwortung der Wehrpflicht mit dem thüringischen AfD-Rechtsaußen Björn Höcke aneinandergeraten.
Lange auf sich warten lässt der nächste Skandal nicht. Gut eine Woche später kommt es jetzt schon zum nächsten Showdown. Matthias Moosdorf, der ehemalige außenpolitische Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion, greift in einem internen Schreiben seinen Nachfolger an. Gemeint ist Markus Frohnmaier, der aktuell dieses Amt innehat und als außenpolitisches Gesicht der Partei gilt. In der Mail stellt er dessen Kompetenz in Frage und bezeichnet ihn offen als Fehlbesetzung.
Für Moosdorf, Abgeordneter aus Leipzig, könnte das Ganze nun Konsequenzen haben. Durch den Bundesvorstand wurde bereits ein Ordnungsverfahren eingeleitet. Bevor dieser jedoch über konkrete Maßnahmen entscheidet, hat der AfD-Politiker vorerst die Möglichkeit, zu den Vorkommnissen Stellung zu beziehen.
„Personelle Besetzung“ im Arbeitskreis Außen überprüfen
Dass nun ausgerechnet Moosdorf den Zeigefinger hebt, ist pikant. Bereits im Juni 2025 wurde er nämlich nach internen Spannungen als außenpolitischer Sprecher der Fraktion aus seinem Amt enthoben.
Der Grund: seine engen Beziehungen nach Russland. Durch diese hatte er eine Honorarprofessur an einer Moskauer Musikhochschule ergattern können, reiste privat oft nach Russland und soll sogar auf Kosten Putins Cellokonzerte gegeben haben.
Vor diesem Hintergrund liest sich Moosdorfs interne Mail an die Fraktionskollegen wie eine resolute Abrechnung mit dem eigenen Sturz. Neben Frohnmaiers Verwicklung in die parteiinterne Vettern-Affäre – dessen Vater ist nachweislich bei der Bundestagsabgeordneten Diana Zimmer beschäftigt, was diese dem SWR gegenüber bestätigte – richtet sich die Kritik vor allem gegen den außenpolitischen Kurs der Fraktion selbst.
Im Kern wirft Moosdorf Frohnmaier vor, wichtige außenpolitische Debatten würden in der Fraktion zielgerichtet abgewürgt. Ein Umstand, den er in der aktuellen geopolitischen Lage für „sehr befremdlich“ hält. Auch allgemein fehle es den Positionierungen Frohnmaiers im Arbeitskreis Außen an „intellektueller Durchdringung“.
AfD-Russland-Streit: Zwischen „Westextremisten“ und „Russenstussern“
Insbesondere die Positionierungen Frohnmaiers zum Beginn des Iran-Kriegs scheinen dem Leipziger Abgeordneten gegen den Strich zu gehen. Den Angriff der USA lobte der neue Kopf des Arbeitskreises damals als „zielgerichtet“. Diese Wortwahl wäre „zynisch und unangemessen“, vor allem mit Hinblick auf die Bombardierung der Mädchenschule in Teheran, so die Mail. Das Urteil fällt daher deutlich aus: Frohnmaier habe kein geopolitisches Bewusstsein und schlicht nicht die Urteilskraft, um den Arbeitskreis zu leiten.
Kampffeld „Außenpolitik“
Globale Kriege und Krisen fordern die Partei schon seit ihrer Gründung heraus. Besonders seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine im Februar 2022 und den wahnhaften Versuch, sich den Stempel einer Friedenspartei aufzudrücken, entfachen die außenpolitischen Debatten starke Konflikte in der Partei. So wurde gegen den Wuppertaler AfD-Kommunalpolitiker Tim Schramm sogar zeitweise ein Ausschlussverfahren geführt, da dieser nach Ausbruch des Krieges in der Ukraine mehrere Monate freiwillig gedient hat.
Ähnlich verlief es nach dem Hamas-Angriff auf Israel im Oktober 2023: Während Teile der Partei einen Frieden durch Diplomatie forderten, wünschten andere den israelischen Streitkräften „gute Jagd und fette Beute“. Nur wenig später sorgte auch die Debatte um deutsche Waffenlieferungen an Israel für tiefe Risse in der Partei.
Mit dem Beginn des Irankriegs im März 2026 eskalierte die Frage um die Außenpolitik vollends. Als sich die beiden Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla in einer kurzen Stellungnahme zum US-Angriff deeskalierend äußerten, stieß das bei einigen Parteimitgliedern auf großen Unmut. So schrieb etwa der Abgeordnete Rainer Kraft via X: „Wenn rechte Patrioten sich genauso anhören und äußern wie Annalena Baerbock, dann ist die Chance groß, dass es sich gar nicht um rechte Patrioten handelt!“
Welche neuen geopolitischen Konflikte die rechtextreme Partei in den kommenden Wochen und Monaten auf Trab halten wird, steht noch in den Sternen. Eins steht jedoch fest: Genug Konfliktpotenzial herrscht durch die gegenwärtige geopolitische Lage in der AfD allemal.


