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Apokalyptische Erzählungen Rechtsextreme Untergangsszenarien und demokratische Gegenbilder

Rechtsextreme Gruppen nutzen apokalyptische Erzählungen, um Angst in politischen Handlungsdruck zu übersetzen. Gerade deswegen sind demokratische Gegenbilder unverzichtbar.

 
Ein Angeklagter im Prozess gegen insgesamt acht militante Neonazis kommt in das Oberlandesgericht. Die Bundesanwaltschaft rechnet sie der militanten Neonazi-Gruppe „Sächsische Separatisten“ zu. (Quelle: picture alliance/dpa/dpa Pool | Sebastian Kahnert)

Am 23. Januar 2026 begann in Dresden der Prozess gegen acht Mitglieder der rechtsterroristischen Gruppe „Sächsische Separatisten“. Die Angeklagten im Alter zwischen 21 und 25 Jahren bereiteten sich mit paramilitärischen Trainings auf einen aus ihrer Sicht unausweichlichen Zusammenbruch der Demokratie vor. Ziel war die gewaltsame Eroberung von Teilen Sachsens, um dort ein am Nationalsozialismus orientiertes Regime zu errichten. Zentral für ihr Handeln waren apokalyptische Untergangserzählungen, die weniger über die gesellschaftliche Realität als über das rechtsextreme Weltbild der Gruppe aussagen.

Weltuntergangsszenarien sind ein wiederkehrender Bestandteil rechtsextremer Verschwörungsideologien. Sie erzeugen Ohnmacht und zugleich akuten Handlungsdruck. In einer als existenziell bedroht wahrgenommenen Welt bieten Verschwörungsnarrative vermeintliche Auswege aus Überforderung, indem sie einfache Erklärungen, klare Feindbilder und konkrete Handlungsanweisungen liefern.

Auch die „Sächsischen Separatisten“ deuteten gesellschaftliche Krisen als Ergebnis vermeintlicher geheimer Machenschaften politischer Gegner*innen. Dass sich der beschworene Untergang im Alltag nicht bestätigte, führte dabei nicht zu einer Revision dieses Weltbildes. Das Bild eines gesellschaftlichen Zusammenbruchs speiste sich nicht aus überprüfbaren Fakten, sondern aus Narrativen, die in rechtsextremer Manier antisemitisch, antifeministisch und rassistisch grundiert waren.

Compact-Chef: „Diese Geschichten reißen die Leute mit“

Wie attraktiv solche Erzählungen sind, wird auch von zentralen rechtsextremen Akteur*innen offen benannt. In einem Interview mit dem Schweizer Online-Magazin Republik erklärte Jürgen Elsässer, Herausgeber des rechtsextremen Compact Magazin: „Diese Geschichten reißen die Leute mit.“

Politische Akteure nutzen Verschwörungserzählungen gezielt, um menschenfeindliche Überzeugungen zu veranschaulichen und als vermeintliche Sachverhalte zu vermitteln, auch wenn die konkrete Geschichte selbst nicht zutreffe. Werde dieser „Irrationalismus“ in „die Bahnen des organisierten Kampfes“ gelenkt, entstehe daraus Revolution, so Elsässer.

Gepaart mit der permanenten Vorstellung, getäuscht und hintergangen zu werden, wirkt Verschwörungsideologie destabilisierend und verhindert eine tatsächliche Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Realität. Das Gewaltpotenzial der „Sächsischen Separatisten“, die sich in einem permanenten Bedrohungszustand wähnten, macht diese Dynamik deutlich.

Solche Deutungsmuster zielen nicht auf Aufklärung, sondern auf Mobilisierung und legitimieren politische Gewalt als vermeintlich notwendige Antwort auf eine behauptete Ausnahmesituation. Entsprechende Dynamiken lassen sich in den vergangenen Jahren vermehrt beobachten.

Reale gesellschaftliche Probleme dürfen weder negiert noch die aktuelle politische Weltlage verharmlost werden. Wissenschaftler*innen verweisen seit Jahren auf eine Phase sogenannter Polikrisen. Hinzu kommt ein weit verbreitetes Gefühl von Handlungsohnmacht. Die Zukunft erscheint vielen weniger als gestaltbarer Raum, denn als endlose Abfolge alternativloser Entscheidungen und nervenaufreibender Anforderungen.

Vor diesem Hintergrund wirken vereinfachende Untergangserzählungen vom Ende einer partizipativen Gesellschaft besonders anschlussfähig. Paradoxerweise gerät dabei ausgerechnet die demokratische Zivilgesellschaft unter Druck, die Räume für Beteiligung, Aushandlung und Solidarität schafft und damit ein Gegenangebot formuliert. Umso wichtiger ist die Arbeit an Gegennarrativen aus und für die Zivilgesellschaft, die alternative Perspektiven auf Gesellschaft, Zusammenhalt und Veränderung eröffnen, ohne reale Krisen zu negieren.

Einen Raum für Austausch, Vernetzung und Wissensgewinn bietet in diesem Zusammenhang der Resilienz-Stammtisch der Fachstelle Entschwörung. Er richtet sich an Engagierte, die in ihrem Alltag zunehmend erleben, wie irrationale Erzählungen demokratische Auseinandersetzungen überlagern und Handlungsspielräume einengen. Zugleich bietet er Raum, um Erfahrungen, gelingende Praxis und positive Gegenmomente zur allgegenwärtigen Untergangsstimmung sichtbar zu machen. Weitere Informationen zu Anmeldung und Terminen finden sich hier.

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