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MZWNews Das Portal hinter der „Offlinevernetzung”

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Die Stellungnahme von MZW News zu der Gruppe „Dresden Offlinevernetzung“ (Quelle: Screenshot)

Anfang Dezember enthüllt das ZDF-Magazin Frontal, dass einige Mitglieder einer Telegram-Gruppe Mordpläne gegenüber dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmar und weiteren Landespolitiker:innen geschmiedet haben sollen. Dabei soll die Gruppe „Dresden Offlinevernetzung“ mit den MZW News des amerikanischen Neonazis John de Nugent kooperiert haben. Die Zusammenarbeit habe „das Ganze noch mal befeuert“, sagte in einem der Audio-Chats Teilnehmer Daniel, der mutmaßliche Gruppengründer. Bei ihm handelt es sich um Daniel G. aus Dresden. Auf Telegram ist G. ist überzeugt, ohne MZW News wäre die Gruppe „nicht größer als 60 Leute“. So waren es rund 100.

Die Berichterstattung des ZDF machte weltweite Schlagzeichen, es kam infolge des Berichts zu sechs Hausdurchsuchungen bei fünf Beschuldigten. Im Mittelpunkt der Razzia stand dabei Daniel G., der Vorwurf: Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat. Die Ermittler:innen stießen auf Armbrüste, Schwarzpulver und Waffenteile.  

Im August 2021 wird die Gruppe „Dresden Offlinevernetzung“ gegründet, als Gründungsmitglied ist Daniel G. von Anfang an mit dabei. Wenig später nimmt das Neonazi-Netzwerk MZW News Kontakt zur Dresdner Gruppe auf. Dabei teilen sie zunächst Inhalte vom jeweils anderen Kanal bei sich. Im Herbst startet MZW News dann eine eigene übergeordnete Gruppe: „Offlinevernetzung“ heißt sie. Daraus entstehen dann wiederrum eigene Untergruppen. Laut Frontal gab es darin Aufrufe zur Bildung von Terrorzellen: „Bildet kleine Gruppen von max. 15 Leuten und fangt an, effektiv aufzuräumen!“ heißt es dort. Angefügt wird ein Kriegshandbuch mit Anleitungen zu Terroranschlägen.

Was steckt hinter MZW News?

Eine Stellungnahme auf ihrer Website zu den von Frontal recherchierten Verbindungen betitelte MZW News, was ausgeschrieben für „Mut zur Wahrheit“ steht, so: „Wir sind Nationalsozialisten und keine Terroristen!“ So wird ihre ideologische Ausrichtung schnell klar. In dem Artikel bestätigen sie ihren Kontakt zu „Dresden Offlinevernetzung”, sehen in Daniel G. aber einen V-Mann.

In ihrer Stellungnahme erläutern sie auch ihre „medialen Ziele“. Sie schreiben, dass die mediale Darstellung der deutschen Geschichten „in weiten Teilen verfälscht“ und die Bundesrepublik ein Besatzungskonstrukt ist. Ihr „journalistischer Auftrag“ sei es daher „in Deutschland vollständige Souveränität herbeizuführen.“ Damit ist der Grundtenor der Seite gut beschrieben, es geht um Desinformationen, den Nationalsozialismus und Antisemitismus.

Es finden sich auf der Seite etliche Verschwörungserzählungen rund um Covid-19. So soll etwa der Moderna-Impfstoff bereits Wochen vor dem „weltweit präsentierten Auftreten“ von Covid-19 entwickelt gewesen sein oder Bill Gates Bürger:innen Mikrochips implantieren wollen.

In der Politik-Sparte geht es dann ans Eingemachte. Artikel mit Überschriften wie „Man kann den Juden nicht positiv bekämpfen!“ und „Amerikanische Juden kontrollieren wirklich die Welt“ zeigen den blanken Hass der Seite gegenüber Jüdinnen:Juden. In der Rubrik „Geschichte“ geht es nicht minder antisemitisch zu. Der Hauptfokus liegt hier, wie zu erwarten, auf dem Nationalsozialismus. Artikel wie „Adolf Hitler hat keine Juden vergasen lassen, aber Juden haben Nichtjuden massenhaft vergast!“ zeigen nicht nur den Geschichtsrevisionismus, sondern auch, dass die Seite Holocaustleugnung beherrscht. So wird auf der Webseite, die als eine Art Einstiegsdroge für Verschwörungsgläubige in den Rechtsextremismus funktioniert, die Klaviatur des Rechtsextremismus hervorragend bespielt.

Eine eigene Kategorie beschäftigt sich mit dem „Nationalsozialistischen Untergrund“. Ähnlich wie das Compact-Magazin hält auch MZW News Beate Zschäpe für „unschuldig“. Aber MZW News geht noch weiter, sie vermuten einen Komplott hinter der Mordserie, so titeln sie „Wurden die NSU-Morde von BRD-Politikern in Auftrag gegeben?“. Und als ob das immer noch nicht genug wäre, bringen sie auch hier noch ihren Antisemitismus mit hinein: In dem Artikel „Judenführer Bubis war am Aufbau des NSU beteiligt“ schlussfolgern sie, dass der Mossad und Verfassungsschutz die Mörder:innen gewesen sein müssten.

Zu MZW News gehört aber mehr als nur die Website. Neben einer Video-Streaming-Platform betreiben sie auch eine alternative Social-Media-Plattform „YouProfil“. Die 2014 gegründete Seite verzeichnet laut eigenen Angaben über 850.000 weltweite Web-Abonennt:innen. Im Impressum wird eine Adresse in Michigan angegeben. Als Ansprechpartner wird John de Nugent aufgeführt, ein amerikanischer Neonazi. Er ist der Betreiber der Seite.

Wer ist John de Nugent?

John de Nugent ist ein US-amerikanischer rechtsextremer Vielschreiber, der seit vielen Jahren aktiv verschiedene Internetseiten betreibt. Selbst beschreibt er sich als „Ami mit deutschem Herzen! Ein reinkarnierter Deutscher im Außendienst fürs Reich“ und betreibt die neben MZW News noch weitere antisemitische Websites. Daneben verfasste er auch eine Vielzahl an Artikeln für The Barnes Review, eine antisemitische Zeitschrift, für die er auch als Mitherausgeber fungiert.

2013 erläuterte de Nugent in einem Interview mit dem White Supremacist Tom Metzger, er sei nicht mit einer Neonazi-Ideologie aufgewachsen. Er beschreibt, dass er als Kind im Haus seiner Großmutter ein kleines Porträt von Adolf Hitler fand und sich von dem Bild seltsam angezogen fühlte. Seine Konversion zu der „white nationalist“-Ideologie sieht er aber erst später. Während seiner Zeit als Undergraduate-Student der Germanistik an der Georgetown University, entdeckte er angeblich eine Passage aus Hitlers „Mein Kampf“, die seine eigenen Frustrationen in den 1970er Jahren ansprach. De Nugent zog Parallelen zwischen dem Deutschland der Weimarer Republik und dem Amerika der 1970er Jahre und verwies auf die angebliche jüdische Übernahme von Regierung und Industrie.

An der Universität protestierte er 1979 angeblich einmal mit Hakenkreuzen, braunem Hemd, schwarzer Hose und Motorradhelm – der Uniform der „National Socialist White People’s Party“ – auf dem Campus gegen die „Schwulenrechte“. Von 1981 bis 1984 arbeitete de Nugent in der National Alliance. Die von William L. Pierce, der für 1978 veröffentlichten Turner-Tagebücher bekannt ist, 1974 gegründete Allianz war eine neonazistische Organisation, die aus der „National Youth Alliance“ hervorging, die wiederum ein Ableger der „American Nazi Party“ und der „NSWPP“ war.

1990 kandidierte De Nugent für Tennessee für einen Sitz im Kongress. Nachdem er mit nur 26 Prozent der Stimmen eine schwere Niederlage erlitten hatte, behauptet de Nugent, er sei Opfer eines massiven Wahlbetrugs geworden. Dahinter müssten die Jüdinnen:Juden stecken, wie er vermutete. Trotzdem gelobte de Nugent später, dass er eines Tages eine Präsidentschaftswahl gewinnen werde, „durch eine privat organisierte Abstimmung der ursprünglichen, rassebewussten weißen Amerikaner, die vor 1620 in die USA kamen.“

Eine gewisse Medienberühmtheit erlangte de Nugent im Jahr 2009, nachdem er in verschiedenen Nachrichtensendern auf die Ermordung eines Wachmanns bei einem offenbar durch den Neonazi James von Brunn geplanten Amoklauf im „United States Holocaust Memorial Museum“ reagierte. De Nugent, der in den Wochen vor dem Mord mehrmals mit von Brunn telefonierte, beklagte die „schlechte PR“ des Vorfalls für die weiße nationalistische Gemeinschaft, die seiner Meinung nach im Allgemeinen aus verantwortungsbewussten Bürgern bestehe. De Nugent, der von Brunn als Genie bezeichnete, sagte, er sei „traurig“ über den Tod des „unschuldigen Wachmanns“, da der wahre Feind „die Juden“ seien.

Telegram

Die Social Media-Aktivitäten von MZW News beschränken sich lediglich auf Telegram. Dort hat man rund 10.000 Follower:innen. Die Inhalte unterscheiden sich aber nicht wirklich von denen auf ihrer Website. Adolf Hitler wird dort glorifiziert, Verschwörungserzählungen verbreitet und ihr Hass auf Jüdinnen:Juden kund getan. In Nachrichten wird behauptet, Anne Frank habe ihr Tagebuch gar nicht selber geschrieben. In einem „Faktencheck“, wird die Frage „Waren die Nationalsozialisten fremdenfeindlich?“ beantwortet oder ein Video geteilt, in dem ein Rabbiner angeblich behauptet, dass der Holocaust eine Fiktion sei, schließlich könne man Menschen mit Zyklon-B gar nicht vergasen. Auch einen Link zu „Mein Kampf“ findet man dort. Etliche andere rechtsextreme Kanäle werden von MZW News beworben.

Auf Telegram sorgte man nicht nur für eine Vielzahl an sogenannten „Offlinevernetzung“-Gruppen, man veröffentlichte auch eine Presseanfrage des Frontal-Magazins. Der Journalist wird dort als „jüdische Presse“ und „Judensau“ antisemitisch diffamiert. Eine von MZW betriebene Gruppe ist über den App Store und Play Store nicht mehr erreichbar. In dieser Gruppe verbreiten über 350 Mitglieder ihren Antisemitismus.

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