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Wehrhafte Demokratie Aktion Schutzschild

Aktion Schutzschild entstand 2014 als Projekt der Amadeu Antonio Stiftung in Folge des erhöhten Schutzbedürfnisses von Geflüchteten in Deutschland. In großen Teilen der Bevölkerung finden sich rassistische Ressentiments und Vorbehalte gegenüber den Neuangekommenen. Organisierte Rechtsextreme und Rechtspopulist*innen greifen diese Stimmung auf und schüren den Hass auf Geflüchtete. Immer öfter schlägt die Hetze in reale Gewalt um.

 

Bereits seit dem Jahr 2015 dokumentiert die Amadeu Antonio Stiftung flüchtlingsfeindliche Vorfälle in einer gemeinsamen Chronik mit Pro Asyl, die insgesamt über 11.000 Vorfälle, davon 28 Brandanschläge und 1.981 Körperverletzungen aufweist. Flüchtlingsfeindliche Gewalt existiert auch heute noch auf hohem Niveau, wie die  Langzeitauswertung der Amadeu Antonio Stiftung mit dem Titel “Leben in Gefahr – Gewalt gegen Geflüchtete in Deutschland” zeigt. Allein für das Jahr 2020 offenbart die Chronik flüchtlingsfeindlicher Vorfälle über 1600 Angriffe gegen geflüchtete Menschen. Dem Bundesinnenministerium zufolge gab es 2020 zudem weitere 84 Angriffe gegen Flüchtlingsunterkünfte, 201 Personen wurden bei flüchtlingsfeindlichen Attacken verletzt. Insbesondere in vielen ländlichen Regionen Ostdeutschlands sind die Herausforderungen speziell: People of Color sind hier eine sehr kleine Minderheit und treffen vor Ort häufig  auf eine fest verankerte rechte Szene.

Zwei Schwerpunkte: Empowerment und Powersharing

Das Projekt Aktion Schutzschild geht von der Annahme aus, dass Empowerment und Rassismuskritik unverzichtbare Grundlagen sind, um die Vision inklusiver Kommunen zu verwirklichen. Nur inklusive kommunale Räume können einen effektiven Schutz der Menschen gewährleisten, die sonst sowohl rassistischen und antisemitischen Angriffen, (Alltags-)Rassismus, rechter Hetze und Missachtung vieler ihrer grundlegenden Rechte als auch strukturellen Hürden und damit Exklusion, Resignation und Selbstgefährdung ausgesetzt sind. Daher macht Aktion Schutzschild es sich zur Aufgabe, Selbstorganisationen von Migrant*innen und Geflüchteten gerade in strukturschwachen Räumen zu stärken und deren Perspektive in den Diskurs einzuspeisen. Eine größere Sichtbarkeit der alltäglichen Lebenssituationen und Bedarfe von Geflüchteten und der negativ von Rassismus betroffenen Minderheiten ist unverzichtbar, um Verantwortungstragende und Willkommensinitiativen in Kommunen in ihrem politischen und sozialen Handeln zu beraten und zu unterstützen.

Stärkung der Selbstorganisationsprozesse von Geflüchteten

Aktion Schutzschild hat sich zwei Zielen verpflichtet, die ineinandergreifen: Im Mittelpunkt des Arbeitsbereichs Empowerment steht die Stärkung von Selbstorganisationsprozessen Geflüchteter und Migrant*innen. Nach Abfrage der lokalen Bedarfe will das Projekt in vier Bereichen unterstützen:

  • eigene Organisationsstruktur stärken
  • innere Bildungsprozesse unterstützen (demokratische Rechte, Teilhabemöglichkeiten etc.)
  • Vermittlung von Perspektiven in den (lokalen) öffentlichen Raum (z.B. Lesungen, Diskussionsrunden etc.)
  • Vermittlung von Bedarfen an kommunale Institutionen

Ziel ist es die Interessensvertretung durch Stärkung der migrantischen Selbstorganisationen zu unterstützen.

Transfer von marginalisierten Perspektiven in die Mehrheitsgesellschaft

Der Arbeitsbereich Powersharing widmet sich den Bedarfen der Träger sozialer Arbeit und kommunaler Strukturen und der Suche nach Lösungen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Migrant*innenselbstorganisationen (MSOs) und deren Expertise. Gemeinsam mit Geflüchtetenselbstorganisationen und migrantischen Akteuren disseminiert das Projekt Perspektiven, Bedarfe, Analysen und Kompetenzen in die Regelstrukturen hinein, um die gesellschaftliche Teilhabe von Migrant*innen zu ermöglichen und langfristig eine Öffnung der Mehrheitsgesellschaft mitzugestalten. Schwerpunkte liegen hier auf:

  • der Organisation von Netzwerktreffen mit Trägern, Kommunen und MSOs
  • Unterstützung von politischen/ kulturellen Veranstaltungen mit migrantischen Perspektiven
  • Dokumentation von Lebensrealitäten von Migrant*innen und People of Color im ländlichen Raum

Die Rolle von Aktion Schutzschild lässt sich somit als Knotenfunktion beschreiben:
Während einerseits die Selbstorganisation und damit auch die Möglichkeiten zur eigenen Interessensvertretung von Geflüchteten und Migrant*innen gestärkt werden, soll andererseits ein Abbau von strukturellem Rassismus stattfinden. Ziel ist es, dass die Institutionen und Kommunen gemeinsam mit den migrantischen Selbstorganisationen und ihrer unüberhörbaren Expertise Lösungen für Probleme erarbeiten, über deren Existenz sich alle einig sind.

Kontakt:
info@amadeu-antonio-stiftung.de
Telefon: 030 240 886 10

Dieser aktualisierte Beitrag ist ursprünglich auf dem Portal „Mut gegen rechte Gewalt“ erschienen (2002-2022).

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