Geboren 1934 in Rumänien, erlebte er als Achtjähriger die Deportation seiner Familie in die Lager von Transnistrien. In Vapniarka, Tiraspol, Cornița und Odessa sah er seine Mutter, seine Schwester und zwei Brüder sterben.
„An dieser Stelle möchte ich deutlich betonen, dass das, was wir erlebt haben, ein Genozid war — Verfolgung, Massenmord und pure Ungerechtigkeit. Und das nur, weil wir als Juden oder Roma geboren wurden.“
Doch er überlebte. Und er blieb. Nicht nur, um zu leben, sondern um zu erinnern. Über Jahrzehnte blieb das Leid vieler Romn*ja-Gemeinschaften weitgehend unsichtbar und unerkannt.
„Über Jahrzente haben wir darunter gelitten. Im Kommunismus wurden wir nicht als Holocaust-Überlebende betrachtet.“
1992 in Rostock-Lichtenhagen überlebte er die rassistischen Pogrome. Über drei Tage, griffen hunderte rechte Gewalttäter*innen unter dem Applaus von Umstehenden ehemalige Vertragsarbeiter*innen aus Vietnam und Geflüchtete, unter ihnen viele Rom*nja aus Rumänien, an. Ein weiterer Schlag für ihn und die Romn*ja Gemeinschaft. Opfer erhielten keine Unterstützung oder Schutzmaßnahmen. Doch auch das ließ ihn nicht verstummen.
2025, zum 80. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz-Birkenau, wurde er zum ersten rumänischen Roma-Holocaust-Überlebenden, der vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen sprach. Stellvertretend erhob er seine Stimme:
„Ich bin heute nicht nur meinetwegen hier, sonden im Namen aller Roma, die dem Holocaust zum Opfer fielen und nie eine Stimme hatten, um gehört zu werden.“
Er forderte, dass Transnistrien in die Erinnerungskultur Europas aufgenommen wird, dass die Geschichte der Romn*ja als Teil der Holocaust-Geschichte anerkannt wird.
Ein weiterer bewegender Moment: Im United States Holocaust Memorial Museum in Washington fand er seine eigenen Namen, und die seiner Eltern, in den Archiven wieder. Er erkannte die Straße, auf der er geboren war, und identifizierte die Lager, in denen seine Familie interniert war. Es war für ihn eine zutiefst emotionale Erkenntnis, dass das Leid seiner Familie und das Leid der Romn*ja in der Geschichte festgehalten wird.
Seine letztes großes Projekt war die Zusammenarbeit mit der European Roma Institute for Arts and Culture (ERIAC) und der Betroffeneninitiative “Centrul de Cultură și Memorie al Romilor Dolj in Craiova” in Rumänien. Die Initiative führt Interviews mit Überlebenden und Zeitzeug*innen, recherchiert verdrängte Geschichten und macht dieses Wissen für heutige und kommende Generationen zugänglich. Die Betroffeneninitiative wurde 2024 und 2025 durch das Projekt “Selbstbestimmt vernetzen, erinnern & bilden” (SVEB) gefördert und soll auch künftig weiter unterstützt werden . Durch seine Arbeit gemeinsam mit Betroffenen aus Rumänien und Rostock setzte er sich für Anerkennung, Bildung und Gerechtigkeit ein. Er glaubte an die Kraft der Erinnerung und an die Verantwortung der Zukunft.
Dumitru Miclescu starb am 15. Mai 2026 im Alter von 92 Jahren. Doch seine Stimme lebt weiter – in den Archiven, in den Reden, in den Herzen derer, die ihn hörten.
Er hat uns gelehrt: Erinnerung ist Kraft
„Dikh He Na Bister!“ – Bleib stark!


