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„Wir kommen in die Presse, wenn unsere Spieler verprügelt werden – das ist die falsche Priorität“

Eigentlich könnte es einfach sein: Sport hat das Potenzial, Teamgeist, Miteinander und gesellschaftliche Integration zu fördern. Doch Stadien und Sportplätze werden oft zum Kundgebungsort für rassistische Verunglimpfungen, homophobe Schmähungen, antisemitische Sprechchöre oder anderer Spielarten von Diskriminierungen. Dagegen wendet sich nun die Kampagne „Love Sports – hate Neonazism“ der „Roter Stern“-Vereine in Deutschland.

 

Die Kampagne „Love Sports – hate Neonazism“ verbreitet den Geist, aus dem heraus die „Roter Stern“-Sportvereine gegründet wurden, die zum Teil seit fünfzig Jahren in Deutschland aktiv sind: Sportbegeisterung in einem Umfeld auszuüben, dass sich explizit gegen Rassismus, Homophobie, Sexismus ausspricht und demokratische Kultur auch im Sportbereich leben will. „Es
gibt auf allen Ebenen demokratische Mitsprache im Verein“, beschreibt Julius Martin von „Roter Stern Nordost Berlin“, „alle Beteiligten werden würdevoll behandelt – so gibt es keine Trainer, die Spieler zusammenschreien – und wir wenden uns offensiv gegen jegliche Art der Diskriminierung auf und neben dem Sportplatz.“

Der Verein „Roter Stern Berlin Nordost“ hat die Kampagne „Love Sports – hate Neonazism“ ins Rollen gebracht, an der sich viele der „Roten Sterne“ in Deutschland beteiligen. Es geht um ein explizites Statement gegen Diskriminierungen, aber darüber hinaus auch darum, auf die Bedingungen aufmerksam zu machen, unter denen zivilgesellschaftlich engagierte Vereine
derzeit arbeiten: Mangelnde Trainingsmöglichkeiten, fehlende Unterstützung durch Verbände, aber auch Verbote politischer Meinungsäußerung im Stadion. „Wie kann es sein“, sagt Martin, „dass man bei einem Spiel von einem Verein, dessen Spieler des öfteren Opfer von Rassismus werden, keine Plakate gegen Diskriminierung mit ins Stadion bringen darf?“

Auch die „Roter Stern“-Vereine werden immer wieder Opfer der Gewalt von Neonazis – bekannt wurde der Überfall auf „Roter Stern Leipzig“ in Brandis, aber auch in Halle und Lübeck gab es im vergangenen Jahr Neonazi-Übergriffe mit Verletzten. „Das ist für uns auch bitter“, sagt Martin, „wir kommen vor allem in die Presse, wenn unsere Spieler verprügelt werden – das ist die falsche Priorität.“

Dabei geht es den Spieler und Spielerinnen der „Roten Sterne“ erst einmal um das Gleiche wie allen Vereinsmitgliedern: Freude am Sport und am Wettbewerb. „Wir ärgern uns deshalb, dass wir in der Freizeitliga spielen müssen“, sagt Martin. Doch für die Aufnahme in die Amateurligen braucht es neben einer zweiten Mannschaft auch Jugendarbeit. „Das ist schwer zu stemmen, wenn man keine Trainingsplätze bekommt und sich selbstorganisiert finanziert.“ In Halle etwa hat der „Rote Stern Halle“ nur ein Trainingsgelände finden können, dass 250 Euro im Monat kostet, was für die jungen Spielerinnen und Spieler kaum zu organisieren ist. Deshalb regt „Love Sport – hate Neonazism“ an, Vereine mit zivilgesellschaftlich engagierte Ausrichtung besonders zu fördern, etwa bei der Trainingsplatzvergabe. Schließlich wünsche sich doch die Gesellschaft von den Jugendlichen, aktiv zu sein statt nur Fernsehen oder Computerspiele zu konsumieren. „Den Jugendlichen, die sich in konventionellen Sportverbänden nicht so wohl fühlen, denen bieten die ‚Roter Stern‘-Vereine eine Alternative“, so Martin.

Dieses Engagement unterstützt etwa Volker Beck, Mitglied des Bundestages von B90/Die Grünen: „Wenn die sportliche Auseinandersetzung zu Hass und Gewalt wird und antisemitisches, rassistisches und homophobes Verhalten den Platz dominiert, dürfen wir kein Auge zudrücken. Ich unterstütze deshalb die Initiative ‚Love Sports – hate Neonazism‘.“

Mehr im Internet:

| http://roter-stern-berlin.de/lovesport/

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