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Ab heute Plakatkampagne der Aktionswochen gegen Antisemitismus

Antisemitismus war niemals weg. Unter unser aller Augen findet aktuelle eine Radikalisierung statt. Der Terroranschlag auf die Synagoge in Halle ist dabei ein neuer Höhepunkt. Der Täter, Stephan B., gehört zu einem globalen Netzwerk antisemitischer Akteure, die sich in einem Abwehrkampf wähnen, bei dem auch tödliche Gewalt legitim sei. Hass auf Juden und Jüdinnen wird aber schon früher gesät. Die Aktionswochen gegen Antisemitismus finden auch in diesem Jahr statt, um dem etwas entgegenzusetzen.

 

Den Schwerpunkt der diesjährigen Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus bilden die Themen „Antisemitismus im Jugend- und Schulkontext“ und „Antisemitismus und Antizionismus in Musikkulturen“. Die Geschehnisse in Halle zeigen einmal mehr, dass die Arbeit gegen Antisemitismus vor allem auch in den Lebenswelten Jugendlicher und junger Erwachsener stattfinden muss. Dazu gehört vor allem die Popkultur: „Musik ist einer der wichtigsten Sozial- und Sozialisierungsräume für Jugendliche“, so Florian Eisheuer, Projektleiter der Aktionswochen, „Identitäten und politische Haltungen werden in Jugendsubkulturen herausgebildet und gelebt.“

Über 100 lokale Initiativen aus der Zivilgesellschaft sind in diesem Jahr Kooperationspartner und organisieren bundesweit ein buntes Spektrum verschiedener Veranstaltungen, darunter Vorträge, Workshops und Seminare, Projekttage in Schulen, Zeitzeugengespräche, Mahngänge, Konzerte, Theater- und Filmvorstellungen und öffentliche Projektionen.

Zusammen mit dem diesjährigen Paten der Aktionswochen, Dirk von Lowtzow, dem Sänger der Band Tocotronic, haben die Aktionswochen eine Reihe Interviewvideos produziert, die aufzeigen, wie es den Betroffenen von Hass mit der immer angespannteren Situation geht. Seine Gesprächspartnerin Alina, eine junge jüdische Frau aus Berlin, erzählt aus ihrem Alltag: „Es gibt Momente in meinen Leben, in denen ich sehr bewusst darauf achte, die Kette mit dem Davidstern nicht sichtbar zu tragen, weil ich es mir sparen kann in Auseinandersetzungen mit Leuten zu geraten, die Israel vielleicht eher als Palästina begreifen.“

Sie erzählt auch von Beleidigungen, die sie erlebt hat, auf einer Demonstration wurde sie „Judenschlampe“ genannt. Gerade solche Beleidigungen will die Kampagne um die diesjährigen Aktionswochen sichtbar machen und benutzt dabei „Du Jude! #sowhat?“ als Kernaussage. „Wer ‘Du Jude‘ als Beleidigung verwendet, beleidigt nicht nur das Gegenüber, sondern zur gleichen Zeit auch alle Juden und Jüdinnen“, so Eisheuer.

Auch in diesem Jahr wurden die Themenschwerpunkte der Aktionswochen gegen Antisemitismus in enger Zusammenarbeit mit jüdischen Gemeinden und Akteur*innen aus Politik und Zivilgesellschaft entwickelt. Dr. Ruth Röcher, Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Chemnitz: „Als gelernte Pädagogin sehe ich einen wesentlichen Ansatzpunkt in der Schule. Antisemitismus unter Jugendlichen darf nicht unwidersprochen bleiben. Wir benötigen niedrigschwelliges Material wie das der Amadeu Antonio Stiftung, um junge Menschen zu erreichen.“

Seit der Gründung der Aktionswochen im Jahre 2003 fanden über 3000 Veranstaltungen in 200 Orten statt, die von über 500 Partnerorganisationen organisiert und veranstaltet wurden.

Eine Liste der diesjährigen Veranstaltungen gibt es hier.
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