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Mit welchem Maß?

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Ein Kommentar von David Begrich

Plötzlich ist der Angriff auf den Passauer Polizeidirektor Manichl einer auf uns alle? Und die rechten Angriffe auf alternative Jugendliche, Obdachlose und Migranten?

Die Äußerung hat ihr Gutes, sollte sie endlich Ausdruck der Erkenntnis der Politik sein, dass Rechtsextremismus eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung darstellt.

Für nicht so prominente Opfer rechter Gewalt klingt Merkels wohlmeinende Aussage zynisch.

Ist etwa Leben und Wohlergehen eines leitenden Polizeibeamten mehr wert, als jenes von Migranten, christlichen Jugendlichen in der ostdeutschen Provinz oder eines Obdachlosen?

Selten durfte sich ein Opfer rechter Gewalt so viel staatlicher Fürsorge erfreuen, wie sie die Politik jetzt zu recht dem Passauer Polizisten angedeihen lassen will.

Doch welche Botschaft hat die Politik für jene Jugendlichen aus dem sachsen ? anhaltischen Gerwisch, deren rechtsextreme Peiniger gestern vom Amtsgericht Burg mit milden Strafen und Freisprüchen nach Hause geschickt wurden? Die Neonazis hatten auf eine Geburtstagsfeier alternativer Jugendlicher eingeprügelt. Ihr Vertrauen in den Rechtsstaat ist beschädigt.

Welcher Angriff auf Migranten löst eine Landtagsdebatte um die Fürsorgepflicht des Staates aus, wenn diese Geld für eine Therapie nach einem Angriff benötigen?

Die erhöhte Sensibilisierung der Politik für den Rechtsextremismus bei spektakulären Ereignissen verdeckt, dass Polizisten und Obdachlose als Opfer rechter Gewalt ein höchst unterschiedliches Maß an Anerkennung und Mitgefühl erhalten. Ob ein Angriff auf einen Polizisten, einen Obdachlosen oder einen Punk. Im Mittelpunkt sollte die Menschenwürde des Opfers stehen.

David Begrich (37) ist Mitarbeiter der Arbeitsstelle Rechtsextremismus bei Miteinander e.V. in Sachsen Anhalt. Der Verein berät Opfer rechter Gewalt und betreut kommunale Projekte gegen Rechtsextremismus.

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