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Mobiler Hass Nazis im Appstore

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Screenshots verschiedener Nazi-Apps (Quelle: ngn/sl)

von Sina Laubenstein

Wer kennt es nicht: In den Bahnen, auf der Straße, im Café oder im Park – fast jeder Mensch hat inzwischen ein Smartphone in der Hand. Und diese haben auch ihre Vorteile, keine Frage. Internetzugang, Facebook und andere Netzwerke sind jederzeit verfügbar, Handy-Navi, nicht zu vergessen die mobilen Apps, die den Handynutzer im Alltag unterstützen: Man kann Fahrpläne online abrufen, Bar- und Restaurantbewertungen checken, Zeitungen als App lesen, sogar Filme anschauen. Beliebt sind vor allem Bildbearbeitungs- oder Soundapps. Eines wird deutlich: Apps sind inzwischen ein fester Bestandteil des Alltags. Und das hat auch die rechtsextreme Szene erkannt.

Viele der rechtsextremen Apps werden im Ausland produziert, da in Deutschland die Verwendung und Darstellung nationalsozialistischer Symbolik verboten ist. Jeden Tag werden zahlreiche Apps entwickelt und in den diversen App-Stores hochgeladen – weswegen die Kontrolle der Inhalte oft schwierig ist. Die rechtsextremen Apps sind verfassungsfeindlich und leider viel zu oft kostenlos verfügbar. Und vielen Jugendlichen und Nutzern der Apps ist nicht bewusst: Was sie als grenzwertige, aber noch witzige Apps wahrnehmen, sind häufig Propagandastrategien der rechtsextremen Szene.

Mobiler Hass: Rechtsextreme Apps

Geht man in den Google Playstore und sucht nach „Hitler“ oder „Nazi“, werden einem zahlreiche Ergebnisse angezeigt. Viele dieser Apps sollen informieren: über Berlin, Deutschland, den Nationalsozialismus. Allerdings kann man sich auch Hitlers „Mein Kampf“ als E-Book in verschiedenen Sprachen, die beliebtesten Hitler-Zitate, eine Stadtrundfahrt in Albert Speers Entwurf Neu-Berlins „Germania“, Nazi-Flaggen und nationalsozialistische Symbole downloaden. Lange Zeit gab es sogar einen Hitler-Wecker: So konnte man sich morgens von Hitler-Reden wecken lassen. Auch das beliebte Shooter-Game „Castle Wolfenstein“, das in Deutschland wegen der Verwendung nationalsozialistischer Symbole zuerst verboten wurde und seit 2012 wieder von der Liste jugendgefährdeter Medien gestrichen ist, wurde für die Smartphone-Verwendung umprogrammiert. Der Verfassungsschutz warnte 2011, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis Rechtsextreme Apps für ihre Propaganda nutzen. Zurecht, wie sich zeigt: Die Studie von jugendschutz.net bestätigt, dass die ersten Apps von Neonazis auf dem Markt sind.

Von Rechtsextremisten für Rechtsextremisten

Es hat nicht lange gedauert, bis auch die rechte Szene die Propagandamöglichkeiten von mobilen Apps erkannt hat: Ein Großteil der Bevölkerung, vor allem aber Jugendliche, haben inzwischen Smartphones und nutzen täglich Dutzende von Apps. Daher ist es nicht verwunderlich, dass auch Neonazis auf diesen Zug aufspringen und durch Apps junge Menschen erreichen wollen. Laut jugendschutz.net gibt es bisher zwei Apps, die bekanntermaßen von Rechtsextremen entwickelt wurden. Diese sind im App-Store leicht zu finden und kostenlos verfügbar. Stefan Glaser von Jugendschutz.net warnt: „Der Bereich der Apps sollte in Zukunft besonders beobachtet werden.“ Man gehe davon aus, dass bald weitaus mehr Apps von Rechtsextremisten verfügbar seien.

Die App „HeilMe“ scheint auf den ersten Blick ein zwar geschmackloses, aber humorvolles Bildbearbeitungsprogramm zu sein: So kann jede Person als Hitler dargestellt werden, mit Bart, Uniform und entsprechender NS-Symbolik. Im App-Store wird das Programm mit einem Bild von Obama in erwähnter Manier beworben – was den offen rechtsextren Hintergrund verharmlosen und den Nutzer auf die App aufmerksam machen und amüsieren soll. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass die „Werbefotos“ einen Screenshot des Facebook-Profils „Adolf Hitler“ sind, der das bearbeitete Obama-Bild auf seiner Seite teilt. Auch das Durchlesen der Bewertungsberichte zeigt: Die Rechtsextremen sind begeistert.

Die zweite App, die von Neonazis entwickelt wurde, ist eine Mobilversion des Nazi-Radiosenders „Radio FSN“. Und dieser steht den Hörern nun auch unterwegs zur Verfügung. Hier wird hauptsächlich deutsche Musik, bevorzugt von bekannten rechtsextremen Bands, abgespielt. Und die Reaktionen sind beachtlich: Mit Bewertungen wie „Eine super App von euch. Macht weiter so Kameraden. h8“ und „Wurde ja auch mal Zeit, dass die rauskommt. Ist echt super gelungen, könnten aber bei Rock und Balladen noch was Neues spielen. Aber sonst echt gut. Weiter so! H8 an alle“ wird deutlich, dass die App vor allem von Rechten gut angenommen wird.

Smartphones und rechtsextreme Propaganda

Nachdem die rechtsextreme Szene das Internet als Propagandaplattform erobert hat, war es nur eine Frage der Zeit, bis sie auch Smartphones für die Verbreitung ihrer Ideologie nutzen. Hatten sie zuerst QR-Codes genutzt, um Nutzerinnen und Nutzer auf ihre Netzwerke, Seiten und Parolen zu locken, haben sie inzwischen auch mobile Apps entdeckt: Inzwischen gibt es zwei Apps in Deutschland, die bekanntermaßen von Neonazis produziert wurden. Allerdings ist davon auszugehen, dass das nur der Anfang ist. Auch hier zeigt sich wieder, wie gut die rechte Szene darin ist, Online-Trends aufzunehmen.

Mehr Infos bei netz-gegen-nazis.de:

Rechtsextremismus im Netz

Dateien zum Download:

„Rechtsextremismus online – beobachten und nachhaltig bekämpfen“ (Quelle: jugendschutz.net)

Liken. Teilen. Hetzen. Neonazi-Kampagnen in sozialen Netzwerken (Quelle: netz-gegen-nazis.de)

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Viraler Hass Neue Studie zu Rechtsextremismus online

Für Rechtsextreme sind die sozialen Netzwerke der wichtigste Ort im Internet geworden, um vor allem Jugendliche zu erreichen, Hassbotschaften zu verbreiten und zu mobilisieren. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie von jugendschutz.net. Ein weiterer Befund: Der virale Hass wird immer brutaler.

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